Mrz 032006
 

Die Need for Speed Serie geht mit Most Wanted bereits in die xte Runde. Geändert hat sich am Spielprinzip aber kaum etwas: Es darf gerast werden, und zwar wie! Damit auf den beschaulichen Strecken keine Langeweile aufkommt, hat EA aggressive Cops, eine paar nette Tuning-Optionen sowie eine richtig motivierende Story mit dazugepackt. Mehr in unserem Review!

Racer-Neulinge haben es schwer in Rockport. Eine eingesessene Liga von Hardcore Tunern und Racern beherrscht das Feld, die Polizeit geht nicht eben zimperlich mit einen um und fahren sogar noch genau so schnelle Karren wie man selber unter dem Hintern hat. Als Spieler übernimmt man in Need for Speed: Most Wanted die Rolle eines Neulings in Rockport. Zwar hat er jede Menge an Rennerfahrung und ein richtig schweres Fahrzeug dabei, wird aber trotzdem bereits beim ersten Rennen vom fiesen Razor übers Ohr gehauen. Danach liest man für einige Zeit die Bibel hinter schwedischen Gardinen während der üble Razor mit dem Auto des Spielers Sieg um Sieg fährt. Beim Verlassen des Knastes ist es soweit: Razor ist Nummer Eins auf der berüchtigten Blacklist, der Liste der 16 besten Fahrer Rockports.

15 schwere Jungs und unzimperliche Mädchen
Need for Speed: Most Wanted bietet ein nettes Intro, das man sich aber kaum mehr als einmal ansehen wird. Danach hat man die Wahl zwischen einem schnellen Rennen, einer Karriere, und so weiter. Die meisten werden sich für ein kurzes „Einfühlen“ mal eben auf die Strasse begeben um später eine Karriere zu starten. Das Ziel dieses Herzstücks des Spiels ist es, der Topfahrer von Rockport zu werden. Leider ist man noch nicht einmal auf der Blacklist und ein richtig armer Schlucker. Auftritt Mia: Die hübsche junge Dame hilft einen aus irgendeinem Grund aus der Patsche und versorgt einen prompt mit etwas Kohle. In der Autogarage wählt an eines von vier zu Beginn frei geschalteten Fahrzeuge und nimmt die ersten Rennen in Angriff.
Die Story wird von nun an eigentlich nur noch über einkommende SMS oder Voicemails weitererzählt. Ab und zu folgt eine sehr kurze Sequenz mit Mia, aber im Normalfall läuft alles über das Messagezentrum des Spiels. Trotz der eher mageren Ausführung ist die Story eine motivierende Sache und entwickelt sich im Laufe immer weiter. Im Gegensatz zur PSP Version (siehe Review), wo die Story komplett fehlt, hat EA wirklich gute Arbeit geleistet.

Auf dem Gaspedal
Innerhalb von Rockport kann man sich völlig frei bewegen. Einzelne Stadtteile werden erst nach und nach frei geschaltet, aber es bleibt stets genügend Streckenmaterial übrig um für Stunden zu heizen. Eine Übersichtskarte zeigt an, wo die nächsten Rennen warten, wo Radarfallen zu finden sind oder wo man sich verstecke kann. Zum ersten Mal darf man auch Tags über durch die Stadt rasen, was doch viel Abwechslung bietet. Sonnenuntergänge an der Küste, belebte Einkaufsviertel, mit Müll zugekippte Industrie- oder Nebenstrassen erzeugen das Bild einer einigermassen realistischen Stadt.
Bei den Rennen gibt es einige Varianten zu unterscheiden. Ein „Sprint“ ist eine längere Strecke ohne sich wiederholende Elemente. Im „Lap-Knockout“ fliegt pro Runde der Letzte raus und im guten alten „Drag“ geht es darum, so geschickt wie möglich zu beschleunigen und schalten. Zudem sind drei weitere Modi verfügbar. Nebst den Rennen muss man, um an die Blacklist Fahrer zu kommen, auch noch sogenannte Milestones erledigen. Dabei handelt es sich um gewisse Werte, die der Spieler übertreffen muss. Fünf mal durch eine Strassenblokade der Polizei rasen, 20’000 Dollar Schaden verursachen oder die Gesamtbussensumme auf ein neues Niveau hiefen gehören dazu.

Gesetz und Ordnung
Rasen führt nicht nur im Alltag, sondern auch auf den Strassen von Rockport zu Konsequenzen. Wer gerne mal ein Wartehäuschen bei der Bussstation niederfährt, eine Abkürzung durchs Polizeirevier nimmt oder allgemein immer 100 Meilen pro Stunde zuviel auf dem Tacho hat, geniesst bald die Aufmerksamkeit der Polizei. Wird man verfolgt, steigert die Polizei ihr Aufgebot so lange, bis der Spieler erwischt wird oder man durch Glück oder Können erfolgt. Von Zivilfahndern, SUV-Rammfahrzeugen bis hin zu Helikoptern ist das ganze Programm verfügbar. Die einzige Chance des Spielers ist es, die Cops abzuhängen und im sogenannten Cool Out Modus nicht von einem weiteren Fahrzeug entdeckt zu werden. Dazu gibt es auf der ganzen Karte verteilte Crashpunkte, welche die Polizei ablenken und danach Hidepoints, wo man sich mit seinem heissen Gefährt verstecken kann. Das eigene Fahrzeug kann man übrigens nicht zerstören, sondern nur beschädigen – die demolierten Teile ersetzen sich jedoch automatisch und haben keinen Einfluss aufs Fahrverhalten.

Fly Baby, Fly
Most Wanted präsentiert sich in einem grafisch sehr gut ausgearbeiteten Kleid. Die Texturen und Fahrzeuge sind absolute Spitze. Wenn man am Meer entlang braust, der Sonnenuntergang geniale Lichteffekte produziert und sich der Asphalt in seinen schönsten Texturen zeigt, ist man öfters geneigt kurz anzuhalten. Im Normalfall bewegt sich ein Need for Speed Fahrer aber viel zu schnell, um überhaupt noch auf Details zu achten. Das Fahrgefühl wird sehr gut übermittelt und ist je nach Auto unterschiedlich. Spätestens wenn kleine Luftwirbel bei 150 Meilen pro Stunde am Spoiler entstehen und man gerade eine Mülltonne überfahren hat, kommt richtige Raserstimmung auf. Perfekt!
Damit man die Top 15 von Rockport irgendwann alle geschlagen hat, gibt es 32 verschiedene Fahrzeuge, die man sich nach und nach zusammenkaufen kann. Es bleibt jedoch dem Spieler überlassen, welche Autos er kauft und wie stark er diese tunt. im Vergleich zum Vorgänger sind die Tuningmöglichkeiten deutlich eingeschränkter, was aber gerade für Anfänger mehr Übersichtlichkeit bedeutet. Das Tunen macht auch so Spass und ab und zu erwischt man sich wieder, wie man neue Felgen ausprobiert oder die hellblau getönten Scheiben auswechselt. Die Möglichkeit, absolut individuelle Fahrzeuge zu erstellen, erfreut auch in Most Wanted wieder das Herz eines jeden Spielers.

Fazit
Aufheulende Motoren, hunderte von Kilometern Fahrbahn, aggressive Polizisten und das vibrierende Gefühl von 300 PS – das ist Need for Speed: Most Wanted. Ich kann nur empfehlen, den Sound abzuschalten, um die gelungenen Motorengeräusche richtig laut über den Lautsprecher laufen zu lassen, dann kommt garantiert Stimmung auf. Bereits nach den ersten Metern wird einen klar, das man Rockport nur als Nummer Eins der Blacklist verlassen möchte und Razor mit einem Tritt in die Wüste verabschieden wird.
EA liefert mit diesem Spiel ein Produkt ab, das durchwegs auf den Kunden ausgerichtet ist. Speichern ist fast jederzeit möglich, via Xbox Live! kann online gegen vier Mitstreiter gefahren werden und das Gameplay ist einfach zugänglich.
Negativ fällt einzig auf, dass gewisse Umgebungsdetails (Gebäude) nicht wirklich ausgearbeitet wurden und oft etwas schal in der Gegend stehen. Zudem sind die Gegner oft etwas zu berechenbar – ist man vorne weg, kann an sie praktisch nicht abhängen, ist man letzter, holt man sie mit Leichtigkeit wieder ein. Nicht schlimm genug jedoch, um das gute Bild von Most Wanted ernsthaft zu stören. Wir sehen uns online – und macht euch auf diesen Impreza gefasst… ;)

Screenshots gibts hier!

USK: 12+
PEGI: 3+
Multiplayer: 4 Spieler, Xbox Live
Sprache: Deutsch
Preis: CHF 95.-
Off. Website: www.needforspeed.com