Mrz 082006
 

Wenn verschwitzte Gesichter fotorealistisch aussehen, massive Metallkörbe brechen und das Publikum bei jedem Turnover brüllt, muss ein NBA Live Spiel von EA im Gange sein. Die neuste Ausgabe für die Xbox 360 verspricht ein echtes HDTV Erlebnis mit Multiplayermodus und perfekt ausgearbeiteten Taktiken, Akteuren und Steuerungsmöglichkeiten. Wir haben uns das Spiel genauer angeschaut und verraten euch, ob’s tatsächlich so gut geworden ist. Mehr im Review!

NBA Live ist eines dieser EA-machen-wir-noch-ein-Update Spiele. Jedes Jahr erscheine eine neue Version, was es uns Redakteuren einfacher macht, die Unterschiede herauszufinden. Leider entwickelt sich manchmal so wenig, dass man das Gefühl hat, eher ein Update als ein Vollpreisspiel gekauft zu haben. Doch auf der Xbox 360 MUSS es ja anders sein – wer für so ein leistungsfähiges System enwickelt, kann seinem Game sicher noch den letzten Boost mit auf den Weg geben. Oder nicht?

Eingeschränkte Möglichkeiten
Der erste Start von NBA Live 06 gestaltet sich wie immer: Disc einlegen, Intro begaffen, ab der Grafik staunen, sich im Hauptmenü zurechtfinden. Dort wird man schon EA-gerecht mit guter Musik zugedröhnt und kann sich Zeit nehmen, um das Spiel etwas kennenzulernen. Als erstes fällt auf: NBA Live ist geschrumpft. Im Gegensatz zum Vorgänger hat man den Dynasty-Modus gestrichen, das All-Star Weekend ist ebenfalls weg. Ob man dem Anfänger den Einstieg erleichtern wollte, keine Zeit mehr oder keine Lust mehr hatte, bleibt wohl ewig im Dunkeln. Tatsache ist, der motivierendste Modus ist weg. Klar, es bleiben Freundschaftsspiele, Saison, Play-Offs, usw. Allerdings hätte man sich doch ewas mehr gewünscht, vor allem da es sich doch um ein Xbox 360 Game handelt, oder? Wer selten Basketball schaut (oder spielt) wird mit den Änderungen leben können. Für Vielzocker sind die fehlenden Modi jedoch eine herbe Enttäuschung. Dafür neu hinzugekommen: Ein echter Multiplayermodus. Via Xbox Live kann man gegen andere Bballer antreten und dem Anderen mal so richtig zeigen, wo der Hammer hängt. Leider sind kaum deutschsprachige Spieler online und der Netzcode lässt einiges zu wünschen übrig. Es ruckelt und zuckt, so dass die hölzernen Animationen der NBA Superstars noch schlimmer wirken. Doch dazu später mehr.

Toughes Gameplay
Im Spiel selbst hat sich wenig verändert. Die Steuerung ist mehr oder weniger gleich geblieben, was aber nicht negativ verstanden werden soll. Die Kommandos sind eingängig und intuitiv – auch Anfänger und Neulinge finden sich sehr schnell zurecht. Auch mit relativ wenig Knöpfen schafft es EA, komplexe Taktiken und verschiedenste Moves auf den Controller zu packen. Die Hühnen auf dem Spielfeld reagieren ansprechend und bezaubernd einen mit krachenden Dunks, eleganten Crossover-Dribblings und überraschenden Pässen. Das Gameplay ist allgemein ziemlich actionlastig, lässt sich aber vom Spieler stufenlos einstellen. Wer will, kann auch mit komplett eingeschalteten Regeln und vollem Realismus (sofern von EA zugelassen) spielen.
Ein Feature, das ebenfalls verloren ging, sind die Spezialfähigkeiten der wirklichen Superstars. Früher hatten die echten Grössen der NBA (jedenfalls im Spiel) noch ihre eigenen Special Moves. Heutzutage kennen erstens viele die NBA Spieler nicht mehr (das Basketball-Fieber ist definitiv verschwunden) und zweitens gibt es auch nicht mehr so herausragende Stars wie zu Zeiten von Michael Jordan oder Magic Johnson. Angefressene Fans werden mir jetz widersprechen aber für mässig interessierte Gamer ist das eine Tatsache. Gerade deshalb ist das Weglassen der Special Moves aber unter Umständen eine kluge Entscheidung von EA.

Ich hab HDTV, mann!
Wer vor seinen Kumpels gerne mit der Xbox 360 und dem neuen HDTV angibt, der muss sich NBA Live 06 auf jeden Fall zulegen. Die grafische und akustische Präsentation des Stadions, des Spiels und der einzelnen Akteure auf dem Feld ist einfach umwerfend. Jeder Spieler sieht fotorealistisch aus und kann von Kennern der Szene problemlos identifiziert werden. Sogar Tattoos, Haarschnitte oder besondere Macken der Profis hat EA übernommen. Leider happert es im Gegenzu manchmal etwas bei den Animationen. Obwohl ohne Zweifel wieder Motion Capturing verwendet wurde, wirken gewisse Bewegungen irgendwie abgehackt und rucklig. Gerade im Onlinespiel entstehen massiv viele Ruckler, die den Spielspass trüben. Gerade dieser Gegensatz zwischen perfekt aussehenden Spielern und stockenden Bewegungen ist verwirrend und unschön.
Der von EA ausgewählte Sound passt wie immer perfekt zum Spiel und lässt so richtiges Playground-Feeling aufkommen. Auch die (übrigens auch in der deutschen Version englischen) Kommentatoren sind nicht schlecht und mit einer US Basketballübertragung durchaus zu vergleichen. EA hat bewusst nur das Handbuch eingedeutscht. Das mag Englischbanausen enttäuschen, sorgt aber letzten Endes für viel Authentizität.

Fazit
Man kann zu NBA Live 06 gar nicht allzu viel sagen. Die wichtigsten Punkte sind sicherlich: Geniale Grafik, aber Animationen mit Verbesserungspotenzial; eingängige Steuerung, aber enttäuschende Modi; endlich ein brauchbarer Onlinemodus, aber zuviele Ruckler um vollends zu überzeugen. Wo Licht ist, ist auch Schatten, pflegt man zu sagen – ein Spruch, der bei diesem Spiel komplett zutrifft. So darf man einmal mehr eine Trennung zwischen Fans der Sportart und Gelegenheitsspielern machen. Wer auf Basketball steht, hat auf der Xbox 360 im Moment noch keine Wahl. Wer sich aber nicht zu den echten Fans zählt, wartet am besten auf Alternativen. Denn die kommen bald.

Screenshots gibts hier!


USK: ohne Altersbeschränkung
PEGI: 3+
Multiplayer: bis zu 4 Spieler (online: 2)
Sprache: Anleitung D, Spiel E
Off.Website: www.nbalive06.com