Okt 262006
 

Man nehme eine Menge GTA, füge ein paar Far Cry Landschaften hinzu und mixe das Ganze mit heftigen Stunts und viel Arcade. Just Cause hat mit seinen Screenshots und Trailern sicher schon jeden von uns in seinen Bann gezogen – jetzt fragt sich, ob die vollmundingen Versprechungen (1000 Quadratkilometer, fast 100 Fahrzeuge) auch in ein ansprechendes Gameplay umsetzen lassen. Willkommen zu unserem Review!

Stell dir folgendes Szenario vor: Eine Insel mit Traumstränden, einem Dikator, enorm viel Kriminalität und du. Nein, wir reden nicht von Haiti, sondern von San Esperito. Das Gefüge aus verschiedenen Inseln wird von einem berüchtigten Diktator (Präsident Mendoza) beherrscht, der Rebellen und Bevölkerung unterdrückt. Ansonsten ist San Esperiot die klassische Bananenrepublik – ein paar Drogenkartelle, abwechslungsreiche und wunderschöne Landschaften, bleihaltige Luft. Willkommen auf der Insel, Rico Rodriguez.

Huch, Arcade?
Rico ist dein neuer Name und als Mitglied der Schattenmacht CIA hat man die Aufgabe, die Rebellen zu unterstützen und den Präsidenten zu vernichten. Ein bisschen Ironie muss sich die Geschichte schon gefallen lassen, denn die USA haben ja zum Teil auch das Umgekehrte gemacht. Aber egal, zurück zum Game: Um den lästigen Präsidenten loszuwerden landet ihr als Rico Rodriguez mit folgender Unterstützung: Genügend Waffen für einen Kleinkrieg, mehrere Stützpunkte und einem PDA, mit dem man so ziemlich alles bestellen kann (zum Beispiel einen Fahrzeugabwurf in die Wildnis). Gespielt wird ähnlich wie bei GTA aus einer Third-Person-Perspektive. Gleich nach der Landung mit dem Fallschirm geht mächtig die Post ab und man ist bereits das erste Mal überfordert. Die KI nimmt automatisch Gegner aufs Korn, welche man dann mit dem Dauer-Ballerfinger umnietet. Zur Verfügung stehen im Laufe des Spiels Tonnen von Waffen, wobei die Standardpistolen mit unbegrenzter Munition zur Verfügung stehen. Später darf man sich dann auch an Raketenwerfern oder Kampfjets erfreuen.

Vorbild ahoi!
Just Cause orientiert sich stark an GTA. Man kann genau wie beim Vorbild jedes x-beliebige Auto auf der Strasse klauen; es gibt wie bei San Andreas eine riesige, frei begehbare Welt; Aufträge und Nebenmissionen kann man in fast beliebiger Reihenfolge angehen. Das muss aber jetzt nicht heissen, das sich Just Cause auch genau gleich spielt wie GTA. Im Vergleich zur Grand Theft Auto-Serie wurde das Augenmerkt viel mehr auf Arcade Action gelegt. Sind heisse Stunts und wilde Ballereien bei GTA oft nur Zugabe, gehören sie hier zum täglichen Geschäft. Fahrzeuge reagieren für ihren Typ oft ungewöhnlich und orientieren sich nicht unbedingt immer an den physikalischen Gesetzen. Dank einer Pistole mit Enterhaken kann an sich nicht nur an Autos festmachen und per Gleitschirm hinterherfliegen, sondern kann auch Helikopter (!) kapern. Damit ist klar: Nicht nur die Missionen machen Spass, auch das Herumstöbern auf der riesigen Inseln ist eine Wohltat. Basejumping, wilde Schiessereien, Autorennen oder Tauchgänge in wunderschönen Lagunen – dieses Spiel bietet Stoff für Wochen. Wäre das Thema nicht zufälligerweise eine tropische Insel, wäre Just Cause das perfekte Spiel für die tropische Insel…

Rebellen, Welt-Verbesserer und Regierungstruppen
Auf San Esperanto gibt es zahlreiche Rebellen-Formationen und Drogenkartelle. Eigentlich für alle kann man Missionen und Nebenaufträge ausführen, die einen im Rang steigen lassen und Vertrauenspunkte verschaffen. Diese wiederum führen zu neuen Verstecken (wo man zum Beispiel speichern kann), neuen Waffen oder Fahrzeugen. Oft gilt es auch ganze Gebiete von Regierungstruppen zu säubern, wobei mit der Einnahme der Flagge eine Übernahme als abgeschlossen gilt. Diese schiesswütigen Aufstände machen zuerst eine Menge Spass, wiederholen sich aber mit der Zeit etwas zu viel und wirken dann eher störend. Vor allem das rasante Gameplay, bei dem man oft von verschiedenen Ecken aus beschossen wird und sich Fahrzeuge in der Luft überschlagen, ist vielleicht nicht immer jedermanns Sache. Zudem ist die KI der Gegner derart schlecht, das man sich vorkommt wie mit einer M60 in der Schiessbude vom Jahrmarkt.

MEINE Insel
Grafisch macht Just Case einen genialen Eindruck. Die abwechslungsreichen Landschaften scheinen sich nur in einem zu gleichen – sie sind grün. Ansonsten bietet San Esperanto lange Strände, Tauchgelegenheiten, hohe Klippen, richtige Hügellandschaften und unzählige kleine Inselchen. Der Vergleich mit Far Cry ist durchaus angebracht, auch wenn San Esperanto viel belebter wirkt (und auch ist). Auch der Sound passt perfekt: südamerikanische, perfekt zum Ambiente passende Rhythmen verändern sich dynamisch je nach Spielsituation. Auf der Xbox 360 gab es auch keine Anzeichen von Rucklern. Nur die Kollisionsabfrage ist manchmal etwas pingelig. Wenn man mit einem schweren Laster an der Stossstange eines Taxis hängen bleibt, ist das nicht unbedingt realistisch.

Fazit
Mich hat Just Cause zu Beginn ziemlich enttäuscht. Zugegebenermassen habe ich bis zur Review Version das Game nie angespielt und war voller Erwartungen auf ein Far Cry mit noch mehr Action und frei begeh- und befahrbaren Landschaften. Danach eine wilde Arcade Schiesserei mit zum Teil zweifelhafter Fahrzeugsteuerung vorzufinden – naja. Trotzdem hat mich das Game mittlerweile in seinen Bann gezogen. Die Hauptmissionen sind abwechslungsreich und es gibt immer etwas zu tun. Alleine das Erkunden der riesigen Insel macht einen Heidenspass und durch den Sammeltrieb (neue Waffen, neue Fahr- und Flugzeuge) gönnt man sich sowieso ungern eine Pause. Technisch kann man Just Cause sowieso kaum etwas anhängen.
Schade ist hingegen der fehlende Mehrspielermodus, die oft etwas übertriebene Arcade Action sowie die kaum vorhandene KI. Auch etwas mehr Abwechslung bei den Nebenmissionen hätte nicht geschadet. Für Fans von San Andreas oder Pursuit Force aber sicher das Geld wert.


USK: ab 16
PEGI: 16+
Multiplayer: –
Sprache: Deutsch
Preis: CHF 89.-
Off.Website: justcausegame.com