Nov 072006
 

Actionfilme werden meistens dann spannend, wenn die Hauptfigur nicht einfach nur auf der „guten Seite“ mitspielt, sondern von verschiedenen Parteien bedrängt wird. So etwa wie bei Mission Impossible, dem Originalfilm. Intrigen, Verrat, Spannung – das ist es, was das Leben eines Doppelagenten zum Kochen bringt. Hatte Sam Fisher aus unserer geliebten Splinter Cell Serie bisher immer ein relativ einfaches Leben, verschlägt es den alten Haudegen bei seinem neusten Abenteuer Splinter Cell 4: Double Agent genau auf ein solches Abenteuer. Mehr in unserem Review.

Sam Fisher hat in Double Agent die ehrenvolle Aufgabe, sowohl Terroristen, als auch die NSA zufrieden zu stellen. Was „nur“ nach einer spannenden Story tönt, haben die Entwickler von Ubisoft auch im Gameplay umgesetzt. Oft muss man sich während der Missionen entscheiden, für welche Partei man welche Aufgaben löst, was nicht selten zum sofortigen Exit führt. Gepaart mit einer haarsträubenden Gegnerintelligenz, entpuppt sich Double Agent schnell als eines der anspruchvollsten Games der Serie.

Mister „Unbekannt“
Am Gameplay hat es zwar diverse Detailänderungen gegeben, das eigentliche Spielziel ist aber nach wie vor dasselbe. Als Agent mit zahlreichen Gadgets und Waffen verschafft man sich Zugang zu Kraftwerken, Büros oder Fabriken. Der Auftrag kann einer Person, einem Objekt oder einer Information gelten. Oft agiert Sam Fisher dabei im Dunkeln, um möglichst keine Spuren zu hinterlassen. Anders als bei den Vorgängern gibt es neu allerdings auch jede Menge an Tagesmissionen, die dem Spiel eine ganz andere Wendung verleihen. Eine willkommene Abwechslung für Splinter Cell Fans und eine gute Gelegenheit, die Grafikmuskeln des Games und der Xbox 360 spielen zu lassen. Ansonsten gilt wie immer: Nur keine Spuren hinterlassen. Keine Lampen ausschiessen (Sam kann Scheinwerfer auch mit einem Pistolenaufsatz stören), wenn möglich niemanden töten (neu kann man Leute auch bewusstlos schlagen) und Leichen beseitigen. Nach jeder Mission gibt es eine ausführliche Bewertung, die jedes Detail berücksichtigt. Nur absolute Vollprofis erreichen hier die 100% Marke.

Zwischen NSA und Terroristen
Wie angesprochen hat Ubisoft den Zwiespalt zwischen Gut und Böse genial umgesetzt. Während der Missionen gibt es immer wieder neue Ziele oder Mehrfachaufträge. Dabei ist die Reihenfolge, mit der man sie erledigt egal – aber wie man sie besteht, absolut nicht. Ein falscher Schuss kann das Vertrauen einer Partie komplett zerstören und dann ist das Spiel aus (kann sogar während einer Mission passieren!). Obwohl die Levels hervorragend gestaltet wurden, führt dies zu ewigen Trial&Error Situationen. Soll ich diese Wache jetzt erschiessen oder nicht? Was passiert, wenn ich so reagiere? Ständig sieht man sich vor Entscheidungen, die einen die Mission kosten könnten und ist so ab und zu ganz froh, dass man kein Geheimagent geworden ist. Toll allerdings wieder der Einsatz der zahlreichen Gadgets. Von Minikameras, die per Gewehr verschossen werden bis hin zu Magnetsicht oder GPS Karte am Handgelenkt – Sam hat’s drauf.

Das ist neu!
Wie erwähnt gab es nebst den vielen Tagesmissionen auch sonst einige Neuerungen. So wurde auf eine Schallanzeige verzichtet und es gibt auch keine Anzeige mehr, wie gut man unseren Spion sieht. Statt dessen ist nur noch eine kleine Lampe vorhanden, welche mit wechselnden Farben auf die wachsende Gefahr anzeigt. Im grünen Bereich ist Sam praktisch unsichtbar; bei gelb sind sich die Wachen einer Gefahr bewusst; wenns blinkt wurden wir entdeckt und bei rotem Blinken stehen wir unter Beschuss. Im Normallfall ist es dann sowieso zu spät.
Ebenfalls neu der angesprochene GPS Service, der auf Wunsch eine 3D Karte hinzaubert. Damit lassen sich ganze Areale einigermassen übersichtlich darstellen und es wird in der ständigen Dunkelheit mancher Missonen etwas klarer, wohin man muss.

Multiplaya!
Ubisoft hat sich bei der Gestaltung des Multiplayermodus selbst übertroffen. Splinter Cell – Double Agent bietet sowohl einen Versus-, als auch einen Kooperativmodus, die beide sehr spannend sind. Im Versus-Modus müssen die Spiele als gegnerische Spione in einen Komplex eindringen, der auch von Computerwachen bewacht werden kann. Wer als erster komplett alle Daten rausholt, gewinnt.
Im kooperativen Modus (es gibt diverse Untermodi) arbeitet man meistens zusammen. Beide Modi erlauben ungewertete Spiele, welche nicht in die Onlinestatistiken einfliessen. Ganz recht – man kann sich online mit anderen Spielern messen und dies statistisch auch noch festhalten. Hoffen wir, die Cheater bleiben dem Spiel fern ;)

Technik
Um es kurz zu machen: Es gibt nichts auszusetzen. Die Grafik ist unheimlich detailliet, macht vor allem in HD einen atemberaubenden Eindruck und überzeugt mit geschmeidigen Animationen. Eine tolle Soundkulisse mit gut ausgewählten Effekts machen die Abenteuer es Sam Fisher nahezu perfekt. Dank der vielen Tagesmissionen können wir die Grafikpracht diesmal auch sehen, wofür ich persönlich Ubisoft dankbar bin. Die stetige Dunkelheit in den Vorgängermissionen mit dem ewigen Nachtsichtgerät begannen langsam etwas zu langweilien.

Fazit
Oft bibbert man etwas, wenn eine Firma ein erfolgreiches Spiel auf eine neue Konsole umsetzt. „Hoffentlich klappt die Steuerung“, „hoffentlich vertrauen sie nicht zu fest auf den Next-Gen Bonus“ denkt man sich im Geheimen. Ubisoft hat aber ganze Arbeit geleistet und liefert mit diesem Spiel den besten Taktikshooter für die Xbox 360, punkt. Geniale Grafik (und Technik im Allgemeinen), eine fesselnde Story, Multiplayerfunktionen auf dem aktuellen Stand von Xbox Live und Missionen, bei denen man ständig hin- und hergerissen ist zwischen Terroristen und der Regierung. Wow!


USK: ab 16
PEGI: 18+
Multiplayer: 6 Spieler online
Sprache: Anleitung D, Spiel D,F,E
Preis: CHF 95.-
Off.Website: www.splintercell.com