Nov 212006
 

Das Prinzip ist mittlerweile bekannt: Man nehme ältere Klassiker (mit Vorteil gleich mehrere), stecke sie in ein neues Gewand und verkaufe sie mit gutem Gewinn nochmals für die PSP. Auch wenn das Prinzip etwas nach Recycling und schnellem Geldmachen tönt, kann es durchaus funktionieren. Mit Gradius Collection beweist Konami, dass auch ältere Spiele noch eine Menge Sanft in den äh.. Daten haben! Mehr in unserem Review.

Wer Gradius nicht kennt, hat wohl 21 Jahre Spielegeschichte verpennt. Die Serie ist eine Institution und hat schon so manchem Spieler Krämpfe in den Fingern verursacht. Wieso? Weil in der Gradius-Serie geschossen, geballert, arcade-mässig alles auseinander genommen wird, was vor die Wummen kommt. Die heute in so manchen Spielen verwendeten Power-Ups waren in Gradius, dem Ur-Spiel, ein fast neuartiges Feature. Ein interessanter Blick in die Vergangenheit der Ballerspiele also ;)

So funktionierts: Hier drücken, dann sterben alle
Die Spiele der Gradius-Serie sind sogenannte Sidescroller. Das heisst, die Levels scrollen von rechts nach links über den Bildschirm. Der Spieler kann sein Raumschiff in alle vier Richtungen steuern, allerdings den Level nicht „zurückspulen“. Da Gradius den Spielhallen entstammt, ist der Schwierigkeitsgrad auf hohem Niveau angesiedelt: Tonnenweise feindliche Raumschiffe, Aliens und Roboter fliegen auf den User zu. Dabei ist nicht nur gekonntes Ballern gefragt, sondern auch geschickte Ausweichmanöver und das regelmässige Aufsammeln von Power-Ups. Zum Glück lässt sich fairerweise jederzeit speichern. Konami hat sich zudem nicht gescheut, das die Spiele noch zu überarbeiten. Eine ebenfalls faire Kollisionsabfrage (man stirbt nicht mehr bei der geringsten Berührung) sowie Widescreen Unterstützung für mehr Platz im All machen absolut Sinn. Typisch für Arcade Spiele sind die Endgegner, und diese dürfen natürlich auch hier nicht fehlen. Wer mit genügend Waffenpower auftaucht, wird aber trotz des heftigen Schwierigkeitsgrades den Koloss am Levelende besiegen. Dabei zeigt sich, wieso Gradius früher ein gerngesehener Kandidat in den Spielhallen war: Das Game macht süchtig! :)

Gradius 2 + 3
Die beiden direkten Nachfolger der Ur-Version enttäuschten und erfreuten. Während Nummer 2 durch kluge Upgrades, bessere Grafik aber unangetastetem Spielprinzip für viel Spass bei den Fans des Originals sorgte, viel Teil 3 komplett durch. Aus unerklärlichen Gründen ruckelt (auch auf der PSP!) die Grafik, die neuen 3D Levels sind fast unspielbar und der Schwierigkeitsgrad ist zusammen mit den beiden anderen Kritikpunkten einfach nur unfair.
Gradius 2 konnte übrigens aufgrund eines NES-Version einige Lorbeeren einheimsen. Die farbigen und längeren Levels verwandelten so manches Wohnzimmer in einen Schauplatz für wilde Weltraumschlachten. Trotz des danach erscheinenden, schlechten Gradius 3 gaben die Entwickler aber nicht auf und werkelten an weiteren Spielen für die Serie.

Gradius 4 + Gradius Gaiden
Mit der vierten Version sprang Konami erstmals auf den Polygon Zug auf und verarbeitete 3D Elemente. Grafisch verhalf dies dem Spiel nicht nur zu positiven, da die Objekte oft zu kantig wirken und einfach nicht in den Level passen wollen. Trotz allem ist dieser Teil technisch der beste, handelt es sich doch auch um den letzten Teil der Serie. Zuvor war noch Gradius Gaiden erschienen, eine Umsetzung für die Playstation und den Saturn ohne Spielhallenvariante. Dabei handelt es sich aufgrund der Ausrichtung auf Heimkonsolen um eine der besten Gradius-Versionen. Nette Grafiken und eine Perfektionierung des Spielprinzips überzeugten sogar Spielhallengegner. Trotz allem ist nach fünf Gradius-Teilen die Luft mehr oder weniger draussen – die Entwickler haben gut daran getan, weitere Games auszulassen. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass das gute, alte Sidescroller-Baller-Genre einfach aus der Mode gekommen ist…?

Fazit
Fünf Spiele auf einer UMD, gute Spielbarkeit, sehr präzise Steuerung und eine Grafik, die von Game zu Game besser wird? Was will man mehr! Tatsächlich macht Gradius Collection (obwohl es eigentlich ja eine Klassiker Kollektion ist) erstaunlich viel Spass. Abgesehen vom Teil 3, der leider unverständlicherweise in seiner schlechten Qualität genau so übernommen wurde, überzeugen vier horizontale Ballerspiele auf der ganzen Linie. Bei so viel geballter Action muss man allerdings auch eingestehen, dass sich das Spielprinzip spätestens nach dem dritten oder vierten Teil etwas auslutscht und man dann eher noch aus „Gewohnheit“ weiterspielt. Dafür überzeugt der knackige (bisweilen etwas brutale) Schwierigkeitsgrad und der simple Spielspass. Gratulation an Konami für die gelungene Umsetzung.


USK: ab 6 Jahren
PEGI: 3+
Multiplayer: –
Sprache: Anleitung D, Spiel E
Preis: CHF 69.-
Off. Website: konami-europe.com