Nov 232006
 

Nachdem lange nur futuristische oder möglichst realistische Shooter das Feld der First-Person-Spiele beherrschten, ist seit einigen Jahren das Zweit-Weltkriegs-Genre kaum mehr weg zu denken. Eine Serie, die sich durch gute Wertungen und eine starke Positionierung auf der damals neuen Xbox 360 einen Namen gemacht hat, ist Call of Duty. Nach dem sehr guten zweiten Teil erscheint nun Call of Duty 3 für die Xbox 360 und vermag einmal mehr zu überzeugen – und zwar restlos. Mehr im Review.

Wer sich im Vorfeld etwas über Call of Duty 3 informiert hat, weiss zum Spiel vielleicht folgendes: Anstatt den Spieler einmal mehr den D-Day mitmachen zu lassen, konzentrieren sich die Entwickler statt dessen komplett auf Frankreich. That’s it – das sind die Neuerungen im Vergleich zum Vorgänger. Oder etwa doch nicht? Nach anfänglicher Skepsis sind bei uns die Kinnladen gleich reihenweise runtergeklappt und wir sagen euch gerne wieso.

Spielprinzip ahoi
Wie es zu erwarten war, hat sich am Spielprinzip nicht viel geändert. Eine erfolgreiche Konfiguration soll man bekanntlich nicht stören, so lange sonst genug Abwechslung ins Spiel kommt. Immer noch durchstreift der Spieler als Teil eines meist kleinen Trupps die Felder, Stättchen und Dörfer, nur eben diesmal in Frankreich. Die Kampagne des Spiels ist sehr linear und gibt dem User kaum die Möglichkeit, Entscheidungen selbst zu treffen. Dafür wird man durch sehr viele automatische Ereignisse entschädigt, die den Schlachtfeldern viel Leben einhauchen. Egal ob plötzlich Panzer durch die Deckung brechen, Rauchgranaten die Sicht verdecken oder eine MG Stellung das Feuer eröffnen, in diesem Spiel ist immer viel los. Aufgrund der vielen Action fällt es denn auch nicht unangenehm auf, dass man eigentlich weder links noch rechts „schauen“ darf.
Was im Vergleich zum Vorgänger fast noch besser geworden ist, ist die Intensität des Spiels. Die letzten Call of Duty Stunden lagen bei mir einige Monate zurück, weshalb ich von der Nähe der Action zuerst beinahe erschlagen wurde. Berstende Fensterscheiben, Rauch, MG-Nester, donnernde Flieger, Explosionen und Staub wohin man schaut. Dass der Spieler dabei trotz allem noch die Übersicht behält, ist ein echter Verdienst der Entwickler.

Sprengladungen, Jeeps und Panzer
Die Programmiere von Treyarch haben sich Mühe gegeben, dem Spiel neues Leben einzuhauchen, auch wenn dies auf den ersten Blick nicht sofort ersichtlich ist. Es sind oft Details, die aber dem „Alltag“ als britischer, polnischer, amerikanischer oder kanadischer Soldat zum Leben erwecken. Neuerdings darf man auch am Steuer von Jeeps Platz nehmen, Panzer durch die Pampa fahren, Boote durch den Fluss rudern oder ganz einfach Sprengsätze „manuell“ plazieren. Das bedeutet, dass der Sprengsatz durch eine Reihe von Controller-Eingaben zuerst richtig aktiviert werden muss – seien dies nun Knopf-Abfolgen oder das berühmte „Rudern“ mit einem Analogstick. Diese kleinen Details schaffen sehr viel Abwechslungs und lenken davon ab, dass sich im Vergleich zum Vorgänger sonst ziemlich wenig geändert hat.
Weniger toll fand ich übrigens den neuen Nahkampf. Dabei wird man als Spieler urplötzlich von einem gegnerischen Soldaten zu Boden gedrückt und muss dann durch wildes Hin- und Hergeklicke den Feind wieder runterschieben bzw. mit dem Kolben weghauen. Etwas sehr viel Nähe für meinen Geschmack.

Wo Licht ist..
.. ist bekanntlich auch Schatten, womit wir beiden wenigen negativen Punkten wären. Call of Duty 3 scheint die Xbox 360 manchmal derart zu fordern, dass die Framerate etwas in die Knie geht. Nie unspielbar, aber trotzdem unnötig – vor allem da man in der Hektik die vielen Details oft kaum wahrnimmt.
Wirklich nervig sind aber die Zwischensequenzen. Wir haben die Retailversion getestet und die mühsamen Filmchen sind zwar toll gemacht, werden aber vor jeeeedem Laden neu abgespielt – und lassen sich NICHT unterbrechen. Wer also die Xbox anstellt und ein Savegame ladet kann bequem noch schnell Kaffee machen gehen, da zuerst noch ein paar Minütchen Film kommt. Ein unverständlicher Bug, der hoffentlich noch per Update entfernt wird.

Multiplayer
Call of Duty 2 wurde nicht zuletzt aufgrund des starken Mehrspielermodus zur Ikone der 360. Kein Wunder, zeichnet auch Ausgabe 3 einen guten (wenn auch noch etwas unausgereiften) Multiplayermodus aus. Geboten werden die bekannten Modi (Capture the Flag, Deathmatch) mit bis zu 24 Gegnern auf Xbox Live. Leider wird kooperatives Spielen nicht unterstützt, dafür ist eine Split Screen Variante mit bis zu 4 Gamern sowie System Link dabei. Die neuen Fahrzeuge darf man auch im Multiplayer nutzen, was besonders viel Spass macht, da man mit einem plötzlich aufkreuzenden Panzer für viel Wirbel sorgen kann. Da die Kampagne selbst nur ca. 10 Stunden dauert, ist es unbedingt empfehlenswert, auch mal online vorbeizuschauen.

Details über Details – so gefällts!
Grafisch zieht Call of Duty 3 so ziemlich alle Register. Abgesehen von kleinen Framerate Einbrüchen (die wirklich sehr selten sind), sorgt das Spiel immer wieder für offene Münder und herunterklappende Kinnladen. Die Feinheit der Texturen, die Unmengen an Details (Atem, Rauch, einschlagende Kugeln, usw.) verwandeln jedes Wohnzimmer in das französische Mittelland und jede noch so bequeme Couch in ein verregnetes Stück Dreck. Treyarch hat wirklich ganze Arbeit geleistet und es geschafft, dem Game nochmals einige Prozentpunkte an Grafikqualität zusätzlich zum Niveau des Vorgängers zu verpassen.
Der Sound bietet keine grossen Überraschungen und steht, vor allem was die Effekte anbelangt, der Grafik kaum hinterher. Einzig die sich stets wiederholenden Ausrufe von Freund und Feind sind etwas mühsam, vor allem da die Sprecher nicht immer so engagiert wirken, wie sie wohl sollten. Ansonsten auch hier: Keine Kritikpunkte.

Fazit
Was für eine nette Überraschung: Obwohl wirkliche Neuerungen fehlen, präsentiert sich mit Call of Duty 3 einer der besten Shooter für die Xbox 360. Man muss sich natürlich über die lineare Spielweise sowie fehlende Interaktion im Klaren sein, aber gerade für Onlinekämpfer ist diese Spiel ein Must. Dass da die Story eigentlich uralt ist und keinen mehr beeindrucken kann, ist zwar etwas schade, aber für den Spielfluss selbst nicht wirklich schlimm. Das Hauptverkaufsargument für dieses Game ist aber klar die intensive Action auf dem Schlachtfeld, die einen immer wieder den Atem raubt. Kombiniert mit der verbesserten Grafik ein perfektes Duo, von dem wir hoffentlich (mit ein paar neuen Ideen bitte) noch mehr sehen werden. Empfehlenswert!


USK: keine Jugendfreigabe
PEGI: 16+
Multiplayer: 24 Spieler online
Sprache: Deutsch
Preis: CHF 99.-
Off.Website: www.callofduty.com