Feb 132007
 

Eragon ist praktisch zeitgleich in sämtliche Kinos, auf alle Plakatwände und praktisch jedes Spielesystem gekommen. Das riecht natürlich immer ein bisschen nach Ausverkauf des Hypes, aber wir wollen unvoreingenommen zur Tat schreiten. Was taugt das Fantasy-Epos von Christopher Paolini? Wie gut passen Film und Spiel zueinander? Macht Eragon als Game überhaupt Spass? Mehr in unserem Review!

Auf dem Nintendo DS konnten wir Eragon bereits einem Test unterziehen – mit ernüchterndem Resultat. Bei so unterschiedlichen Maschinen wie einem Nintendo DS und einer Xbox 360 kann es aber durchaus sein, dass das Drachenspektakel in High Definition uns vielleicht zu überzeugen vermag. Ab in den Kampf!

Alagaësia und die Drachen
Die Story ist schnell erzählt und für Kenner der Bücher bereits ein alter Hut. Als Bauernjunge findet Eragon einen blauen, vermeintlichen Stein. Tatsächlich handelt es sich um eines der letzen Dracheneier. Die geflügelten Riesen hatten zuvor Hunderte von Jahren die Welt beherrscht und für Ordnung gesorgt, bis der dunkle König Galbatorix die Macht übernahm und sie (fast) alle tötete. Kein Wunder ist er nun auch hinter Eragon und seinem Drachen Saphira her. Eine wilde Reise beginnt!
Erzählt wird die Geschichte mit einem starken Intro und folgenden Zwischensequenzen. Auch während der Gameplay-Phasen nehmen Personen immer wieder Bezug auf die Story, so dass man sich eigentlich in der Geschichte schnell wohl fühlt. Natürlich fallen im Vergleich zu den Büchern viele Details unter den Tisch, was aber bei Film-Umsetzungen eigentlich der Normalfall ist.

Feuer, Magie und Reiter
Fortan zieht man als Eragon durch die Landschaft, begleitet von der feurigen Drachendame Saphira. Zwischen Reiter und Drache entsteht dabei eine tiefe Verbindung, welche auch magische Folgen hat. So kann man sowohl während Kämpfen, als auch bei Hindernissen oft durch Magie den Weg freikämpfen. Egal ob mit Feuer, Telekinese oder sonstigen Zaubern, die magischen Momente in Eragon gehören zum besseren Teil des Spiels. Ebenfalls unterstützt wird man je nach Situation vom Erzähler des Spiels, genannt Brom. Leider zeigt sich hier einmal mehr, dass Künstliche Intelligenz eben nicht unbedingt intelligent ist. Mitstreiter stehen oft im Weg, was nervt und die Kämpfe mühsam gestaltet. Cool hingegen ist Saphira, die man ab und zu einsetzen darf, um Feinde vom Himmel herab zu grillen.

Standard
Gespielt wird normalerweise folgendermassen: Mit Eragon und seinem Drachen geht man einen Weg, der vom Programm relativ strikte vorgegeben ist. Man ist zwar nicht ständig zwischen Felswänden eingeklemmt, aber hat auch wenig Wahlfreiheit. Nebst kleineren Rätseln, die man meistens durch Magie löst, gilt das Hauptaugenmerk von Eragon den Kämpfen – und das in 18 Levels. Die Wanderschaft wird analog zum Film regelmässig durch böse Menschen, Urgals und anderes Ungetier gestört. Dann heisst es: Zum Bogen oder Dolch greifen und kämpfen! Während man mit dem Bogen natürlich vor allem auf lange Distanz erfolgreich ist, dient der Dolch bzw. Schwerter für den Nahkampf. Erfreulicherweise zeigt sich Eragon hier ziemlich realistisch; ein gut plazierter Schuss macht Feinden auf Anhieb den Garaus. Beim Schwertkampf gibt es diverse Techniken, leider erreicht man aber auch durch die berühmte Haue-Taktik sehr viel. Wildes Random-Gedrücke auf die Buttons sorgt meistens dafür, dass der Gegner irgendwann am Boden liegt – und weiter gehts. Wenigstens kann jederzeit ein zweiter Spieler mit einem weiteren Gamepad einsteigen, was die Kämpfe abwechslungsreich und spassiger macht.

Ist Ausdauer gefragt?
Bei Eragon bietet sich natürlich der Vergleich mit Lord of the Rings an. Letzteres hatte ich innerhalb von wenigen Stunden durchgespielt. Wohlgemerkt witzige Stunden, aber eben: 4-7 Stunden Gameplay sind einfach zu kurz. Auch bei Eragon läuft man trotz 18 verschiedener Stufen in Gefahr, nach kurzer Zeit Gamepad und Lust am Spiel beiseide zu legen. Auch hier sind die paar Stunden kurzweilig und einigermassen abwechslungsreich. Trotzdem hätte man sich noch etwas mehr gewünscht.
A propos Abwechslung: Nebst den vielen Kämpfen darf zwischendurch auch geklettert, geflogen oder gerätselt werden. Im Gegensatz zum Film wandert man auch nicht tagelang durch die Wüste, sondern kann auch mehr Städte und Robin-Hood ähnliche Flüsschen erkunden. Dass dabei oft horrible Kameraansichten zum Zug kommen, macht viele der eigentlich spassigen Sequenzen teilweise zunichte.

Schwankend zwischen Pixelhorror und HD Freude
Um sich in grafischer Hinsicht ein Bild von Eragon zu machen, reicht es, einen Blick auf die Screenshots zu werfen. Einige davon bezaubern mit tollen Lichteffekten und detaillierten Personen, andere wirken für ein HD Spiel sehr pixelig – über die Animationen sagen Standbilder ja wenig aus. Tatsächlich ziehen sich die Unterschiede quer durch das ganze Spiel. Während man manchmal das Gefühl hat, eine wirklich atemberaubende Zwischensequenz zu geniessen, währt man sich im nächsten Moment wieder in einem PS2 Spiel. Schade – so gewinnt man keine Lorbeeren.
Im Soundbereich gibt sich Eragon einigermassen stark. Die Sprachausgabe sowie Soundeffekte vermögen zu überzeugen. Auch die Musik ist dynamisch, passt sich der Spielsituation an, kann aber mit Meisterwerken der Spiele-Musikgeschichte nicht mithalten. Ansonsten durchaus akzeptabel.

Fazit
Tja Eragon. Leider bewahrheitet sich auch bei der Xbox 360 die Tatsache, dass Eragon kein Meisterwerk der Programmierkunst ist. Das Spiel ist keine Katastrophe, hat aber diverse Schwachstellen: Grafik, KI, Button-Smash-Kämpfe, Kamerapositionierung. Mir persönlich hat das Spiel rein von der Umsetzung der Story her gut gefallen, auch wenn ich den Film im Kino reichlich lasch fand. Wer auf Fantasy steht und keine Lust hat, Bücher zu wälzen, kann mit diesem Game die Abenteuer von Eragon einigermassen korrekt nachleben. Also: Durchaus unterhaltsam, längerfristig leider chancenlos und mit deutlichen Minuspunkten. Schade!


USK: ab 16
PEGI: 16+
Multiplayer: 2 Spieler
Sprache: Deutsch
Preis: CHF 95.-
Off.Website: www.eragongame.com