Mrz 292007
 

Seit Pirates of the Caribbean sind die Typen mit der Augenklappe irgendwie auch bei über 12jährigen wieder populär. Mag vielleicht auch an Keira Nightly oder Orlando Bloom liegen. Auf jeden Fall dankt uns die Industrie das Interesse mit weiterem Piratenstoff ab – auf dem PC mit Tortuga: Two Treasures und das erst noch in einer Jubiläumsedition (inkl. drei Klassikern von Ascaron). Eine nette Zugabe zu einem Spiel, dass sowieso gar nicht mal so schlecht abschneidet. Mehr im Review!

Tortuga nimmt zwar keinen direkten Bezug zu Pirates of the Caribbean
, spielt aber mit den genau gleichen Storyelementen. Als heruntergekommener Kapitän übernimmt der Spieler nach dem Start das Ruder – oder eben nicht. Denn das Schiff von Hawk (Thomas Blythe) wurde geklaut, sein Mädel umgelegt und der sagenhafte Schatz, dem alle nachjagen, wird er wohl auch nie zu Gesicht bekommen. Nun haben wir die Wahl: Entweder, wir ertränken den Frust im Grog, oder wir arbeiten uns wieder langsam nach oben. Einmal dürft ihr raten, wozu sich Hawk entscheidet.

Karibikfeeling und Geisterschiffe
Nebst dem obligatorischen Schatz bietet Tortuga: Two Treasures auch sonst so ziemlich alles, was man mit Piraten in Verbindung bringen kann: Rabiate Kolonialmächte, Riesenkraken, Geister, Seegefechte, Augenklappen, Alkohol und Traumstrände. Die Geschichte von Thomas Blythe wird in Form von Videosequenzen erzählt, die jeweils bei Schlüsselszenen des Spiels eingeblendet werden. Diese klassische Form des Storytelling sorgt für viel Motivation, da man sich immer wieder auf die nächste Sequenz freuen darf – und davon gibt es genug.
Das eigentliche Spiel findet in zwei Teilen statt. Einerseits gibt es Seegefechte aus der Vogelperspektive, die wirklich Spass machen und durch ihre Einfachheit überzeugen. Andererseits hat Ascaron einen Actionteil eingebaut, bei dem man seinen Helden zu Fuss über Deck oder an Land steuert. Eine willkommene Abwechslung, so denkt man sich; toll, die schönen Landschaften auch mal aus der Nähe zu sehen. Leider falsch: Das Kampfsystem ist dertart misslungen, dass man am liebsten gleich wieder in See stechen würde. Die Mannen scheinen sich oft zu verhaken, die Kamera hat das Wort „Übersicht“ noch nie gehört und am weitesten kommt man mit einfachem Gehämmer auf die linke Maustaste.

Goodies einsacken
Allgemein scheint die KI nicht so die Stärke von deutschen Entwicklern zu sein, denn nach dem eher unterdurchschnittlichen Dunes of War macht auch Tortuga hier eine schlechte Figur (gilt ausnahmsweise für beide Spieleparts). Trotz toller Videosequenzen fressen die scheinbar hirntoten Gegner einfach eine Menge an Atmosphäre, da man genau erkennt wie der Computer arbeitet und dementsprechend einfach darauf reagieren kann. Einen Vorteil hat das Ganze ja: Man kommt so ganz locker an genügend Kohle, Waffen oder Gesundheit. Solche Goodies werden auch dringend benötigt, denn irgendwie muss man ja Männer fürs Schiff anheuern, seine Knarren bezahlen und die Wunden pflegen.

Endlich auf See!
Kommen wir zum positiveren Teil von Tortuga: Two Treasures. Auf See kämpft man als echter Pirat natürlich gegen alles, was einen vor den Bug schwimmt. Die Schiffe werden dabei ganz einfach per Tastatur gesteuert, wobei mit der Maus gezoomt und gedreht werden kann. Ein linker Mausklick löst den Kanonendonner aus, wobei es natürlich gilt, den Feind möglichst mit einer kompletten Breitseite zu treffen. Doof ist nur: Auch der Gegner versucht das, und so dreht man sich oft minutenlang umeinander in der Hoffnung, einen richtig dicken Treffer zu kassieren. Auch hier zeigt sich leider die schale Intelligenz des Computers, da er Hinterhalte nicht erkennt und auf gewisse, vorhersehbare Manöver nicht reagiert. Trotzdem machen die Seekämpfe einfach einen Riesenspass.
Nebst normalen Schlachten 1:1 sind oft auch mehrere Parteien beteiligt, so dass ein längeres Gefecht ausbricht. Zudem gibt es Spezialaufträge, bei denen man sich zum Beispiel im Nebel an Booten vorbeischleichen muss oder nach einem siegreichen Gefecht das gegnerische Schiff entert. In diesem Fall wechselt die Perspektive (leider) wiederum in die Actionsicht, die normalerweise an Land vorherrscht.

Detailreichtum weiss zu gefallen
Während der Actionpart auch grafisch eher abfällt, dreht Ascaron im Bereich Seegefechte so richtig auf. Eine Menge an Details sind erkennbar, auch bei höheren Zoomstufen. So wirkt die gesamte Karibik-Welt extrem lebendig – es gibt Tiere, die Mannschaft ist zu erkennen und Treffer scheinen an den Schiffen realistische Schäden auszulösen. Ein besonderes Lob gilt der Darstellung des Wassers. Egal ob tief oder seicht, welcher Untergrund oder welches Wetter: Die Wasseroberfläche macht stets einen sehr sauberen und realistischen Eindruck. Besonders bei Dämmerung wirken die Lichteffekte einfach nur toll. Kompliment! Auch der Sound überzeugt auf der ganzen Linie, wobei bei der Musikwahl natürlich karibisches Flair im Vordergrund steht.

Fazit
Tortuga: Two Treasures macht einen etwas zwielichtigen Eindruck. Die komischen Land- bzw. Actionsequenzen wirken einfach deplaziert und wollen so gar nicht zu den tollen Seegefechten zählen. Glücklicherweise hat man einen Actionpart innerhalb von wenigen Minuten überstanden, so dass sich der Schaden in Grenzen hält.
Toll hingegen die Story, die absolut gelungene technische Umsetzung im Soundbereich und eben die spannenden Fights auf See. Dass als Bonus auch noch Der Patrizier 2 Gold, Port Royale und Piraten: Herrscher der Karibik mit auf der DVD sind, entschädigt zusätzlich für die Landszenen. Alles in allem hat mich Tortuga angenehm überrascht, da die Ausflüge in karibische Gewässer eine willkommene Abwechslung zum sonstigen Kriegstreiben auf dem PC darstellen.


USK: ab 16 Jahren
PEGI: 16+
Multiplayer: 1
Sprache: Deutsch
Preis: CHF 65.-
Mindestanforderungen: Pentium IV 1.5 GHz, 512 MB RAM, 3D Karte mit 64 und DirectX 9/Pixelshader, Win XP/2000
Off.Website: www.ascaron.com/