Simon Lutstorf

Crackdown Review / Test


Die Faszination von Spielen wie Oblivion oder auch GTA: San Andreas liegt zu einem grossen Teil in der Freiheit des Users. Tun und lassen, was man will – und dies erst noch mit scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten, die man in der Realität nicht annähernd hat. Crackdown baut auf demselben Prinzip auf, steckt den Spieler jedoch von Beginn weg in eine Rolle. Als Mitarbeiter der “Agentur” hat man nämlich nur ein längerfristiges Ziel: Die drei Stadt kontrollieren.

Kontrollieren ist dabei nicht im Sinn von organisiertem Vebrechen gemeint, sondern im Sinne von Polizeikontrolle. Da aber die Gangs in Pacific City schon lange die Macht übernommen haben, reicht die normale Polizei nicht mehr aus. Als Mitarbeiter der “Agentur” hat man etwas mehr Freiheiten als die normale Polizei und ist auch etwas anders ausgestattet: Nämlich mit Superkräften, wie sie sonst kein normaler Mensch besitzt.

Eine Riesenstadt für mich alleine?
Ähnlich wie bei GTA ist die Spielewelt von Crackdown frei begehbar. Mehr noch, die komplette Stadt ist von Beginn weg freigeschaltet, man muss also nicht zusätzliche Areale durch das Komplettieren von Missionen öffnen. Pacific City zeigt sich extrem futuristisch: Wolkenkratzer, Autobahnen, Leuchtreklakmen – eine Stadt der nahen Zukunft. Bevölkert wird die City durch zahlreiche Passanten und vor allem eine Menge an Fahrzeugen. Auch hier gilt das Recht des Stärkeren, sprich: Ihr könnt euch jeden Wagen auf der Strasse unter den Nagel reissen. Carl Johnson lässt grüssen. Die “Agentur” hat zwar auch ihre eigenen Fahrzeuge, meist ist man die jedoch bereits nach wenigen Minuten los, da es einfach zu viel Spass macht, jeweils auf das coolste oder beste Fahrzeug zu wechseln. Obwohl sich Crackdown hier nicht sehr innovativ gibt, zieht die Faszination kompletter Freiheit und vieler heisser Schlitten nach wie vor.

Tote Latinos, ein High-Tech Syndikat und organisiertes Verbrechen
Sogar die Missionsstruktur von Crackdown ist extrem freizügig. Als Ziel des Spieles gilt es lediglich, 21 Topverbrecher der drei Hauptgangs von Pacific City auszuschalten. Los Muertos, das Shai-Gen Syndikat und das Volk Verbrechersyndikat stellen dabei je ein paar Generäle, die natürlich wiederum von einer Menge an Schlägern und Bodyguards beschützt werden. In welcher Reihenfolge man sich den Bossen nähert, ist aber dem User überlassen. Genau so frei wie die Missionsstruktur wurde auch die Charakterentwicklung designt. Die Superkräfte des Alter Egos können nämlich durch Training verbessert werden, so dass man bald à la Spiderman über Strassenschluchten springt oder von Brücken hüpft. Möglich wird dies durch das Erledigen von Gegnern durch die entsprechende Fähigkeit. Der Fiesling lässt nach dem Ableben dann ein gelbes Goodie liegen, dass die Erfahrung und das Können mit der Zeit steigert. Doch Obacht: Wer Zivilisten und Unschuldige umnietet, wird durch langsames Wachstum bestraft.

Abwechslung im Gameplay – not
Crackdown scheint bis hier ein tolles Spiel zu sein, dass durch gewaltige Freiheit und enorme Superkräfte so richtig Spass macht. Stimmt auch, trotzdem gibt es ein paar Schattenseiten, die man nicht verschweigen darf. So sind die Missionen trotz aller Freiheit einfach ein wenig zu eintönig. Von Anfang an ist klar, dass man die drei Gangs mitsamt Oberbossen ausrotten muss – das wars dann. Aufgelockert wird das Prinzip lediglich durch Strassenrennen und kleinen Nebenaufgaben, die aber nie an GTA oder gar in Rollenspiel-Nähe (Stichwort Quests) kommen.
Auch die Steuerung malt ein zwielichtiges Bild: Auf Anhieb scheint sie gelungen und einfach umgesetzt, mit der Zeit zeigen sich kleine Schwächen. Die automatische Zielfunktion ist nur halbgenau – zwar wohl bewusst so umgesetzt, aber ein Wechsel zwischen Feinden ist nicht möglich. So schiesst man oft auf den “falschen” Feind, sprich nicht den, auf den man ballern möchte. Das ist für den Spielverlauf nicht weiter tragisch, nervt aber irgendwie. Gleiches gilt auch für die eher schwache KI, die einen das Spiel fast etwas zu einfach macht.
Gelungen sind hingegen die Fahrmodelle der Autos. Anders als etwa in Just Cause fahren sich die Karrossen anständig bis absolut cool.

Comicgrafik
Crackdown wurde in einem gewöhnungsbedürftigen Comicstil umgesetzt. Je mehr Superkräfte man sammelt, desto besser scheint der Stil aber zu passen und mit der Zeit kann sich sicher jeder Actionfan damit anfreunden. Die Stadt selbst, Charaktermodelle und Fahrzeuge sind zudem detailliert designt worden. Etwas weniger toll fallen die Dächer von Wolkenkratzern aus, Tunnel oder gar Innenansichten. Sie wirken völlig kahl, schon fast klinisch sauber und übertrieben futuristisch. Da hätte etwas mehr Schmutz und Texturenspiel viel gebracht. Soundtechnisch gibt es kaum etwas zu bemängeln: Motivierende Musik, starke Effekte.

Fazit
Wer San Andreas gespielt hat, wird den Effekt kennen: Zuerst ist man überwältigt von der Freiheit und den Möglichkeiten und spielt stundenlang herum. Wie komme ich da hin? Welches Auto ist am schnellsten? Ich will auf das Hochhaus!… und so weiter. Mit der Zeit ist es aber vor allem die Story, welche einen antreibt und wirklich alles erkunden lässt. Und genau diese Story fehlt Crackdown leider. Das Game setzt zwar in punkto Freiheiten und umgesetzter Superkräfte neue Standards, kann aber längerfristig nicht unbedingt so überzeugen wie GTA. Zudem kommen kleine Schwächen in der Steuerung oder KI hinzu. Die Kritik soll jetzt aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Crackdown grossen Spass macht. Das GTA-Autoklau-Prinzip wirkt noch immer und die Motivation, den eigenen Charakter aufzubauen, lässt einen trotz fehlender Story lange am TV kleben.


USK: keine Jugendfreigabe
PEGI: 18+
Multiplayer: 2 Spieler
Sprache: Deutsch
Preis: CHF 89.-
Off.Website: www.crackdownoncrime.com/

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