Mai 232007
 

Nach ersten erfolgreichen Ausflügen auf dem PC und der Xbox 360 erreicht F.E.A.R. nun auch die PS3. Allzu grosse Änderungen darf man nicht erwarten, wobei das vielleicht gerade das Erfolgsrezept des Horrorshooters von Monolith Productions ist. Die einzigartige Mischung aus Action, Suspense, Thriller und Schockmomenten gibt es nämlich bis dato nur in sehr wenigen Games (Alien vs. Predator 2). Weshalb sich ein Ausflug in die paranormalen Gefilde von F.E.A.R. lohnen kann, erfahrt ihr in unserem Review.

Ein paar Worte zur Story von F.E.A.R.: Als Soldat der Eliteeinheit F.E.A.R. ist man nicht nur waffenkundig und bestens trainiert, sondern auch für Sondereinsätze im paranormalen Sektor gerüstet. Und genau so ein Einsatz steht jetzt an: Ein Irrer namens Paxton Fettel hat eine Forschungsabteilung „übernommen“ und dabei einige „Kollateralschäden“ hinterlassen. Hinzu kommt die unangenehme Tatsache, dass eine Horde schiesswütiger Soldaten seinen Kommandos gehorcht und die Versuchslabors auch sonst nicht wirklich sauber sind. Da gibt es nur eine Lösung: Waffe durchladen und ab uns Verderben.

Das kleine Mädchen und die SAS-12 Schrottflinte
Nach einer kurzen Einleitung steht man also alleine da und soll sich in die Fabrik vorkämpfen. Als geübter First-Person-Kämpfer lässt der User sich das natürlich nicht zweimal sagen und macht sich auf die Socken. F.E.A.R. zeigt sich vom Start weg von seiner dunkelsten Seite. Licht und Schatten beherrschen das Bild – eine perfekte Kulisse für erste Gruseleffekte kombiniert mit wilden Schusswechseln. Wer sich jetzt fragt, wie das genau geht, sollte am besten einen Blick auf eine PC- oder Xbox 360 Demo werfen. F.E.A.R. schafft es nämlich wie kaum ein anderes Spiel eine Mischung aus Suspense und Action zu kreieren, die einen komplett in ihren Bann zieht. Einerseits sind da die regelmässige Fights und Ballereien mit den auftauchenden Soldaten, die sehr militärisch geraten sind. Kugeln fetzen durch die engen Gänge, Granaten explodieren, dumpfe Kommandos hallen durch die Nacht. Regelmässig gibt es jedoch auch wieder stillere Passagen, in denen der User dafür Freundschaft mit anderen Wesen schliesst: zum Beispiel einem kleinen, geisterhaften Mädchen.

Japan Horror pur
Japan Horror? Ganz recht – F.E.A.R. ist voll davon. Gemeint ist damit der Stil des Horrors bzw. der Gruseleffekte, die das Game zieren. Sie arbeiten nämlich nicht unbedingt mit Schockmomenten wie man sie aus Zombie- oder Psychokiller-Filmen kennt, sondern mit Andeutungen, Musik, schaurigen Gefühlen, die einen aufgrund eines komischen Lichtkegels den Rücken hinunterrieseln. Beispiel: Man bewegt sich durch eine Fabrikhalle. Sehr vorsichtig, es herrscht vollkommene Stille. Man erwaretet jederzeit einen Schusswechsel, sieht plötzlich eine Leiter. Nach einer kurzen Pause, in der man sich nach Feinden umsieht, beschliesst man, die Leiter runterzuklettern. Man dreht sich um, der Blick ist am Boden – und in dem Moment, wo man hilflos halb auf der Leiter hängt, steht ein kleines Mädchen (Alma) vor einen. Kein Blut, kein Gebrüll, keine Metzelei: Aber trotzdem ein Moment, in dem man vor Schreck fast das Gamepad aus dem Fenster wirft.

„Intruder Alert…!“
Kernpunkt des Games ist trotz den Gruseleffekten natürlich die Action. Anders als in puren Ballerspielen muss man in F.E.A.R. Munition und Lebensenergie aber gut einteilen. Es herrscht permanente Knappheit an Patronen und Granaten. Hinzu kommt eine aussergewöhnlich starke Gegner KI, die vor allem Anfänger regelmässig vor riesige Probleme stellt. Die gegnerischen Soldaten (und später auch Kampfpanzer, Drohnen, Mutanten) agieren extrem geschickt. Sie werfen taktisch Granaten, verstecken sich im Schatten, gehen oft in Deckung und arbeiten im Team. Besonders bei Schusswechseln über offene Flächen hinweg beisst man sich aufgrund der taktischen Überlegenheit oft die Zähne aus. Nicht falsch verstehen: Eine solche Künstliche Intelligenz würde man sich für viele Games wünschen. F.E.A.R. setzt hier wirklich Massstäbe, denn die Gegner agieren oft fast menschenähnlich und sind extrem unberechenbar. Hut ab! Leider stösst die an sich tolle KI aber auf eine nicht unbedingt perfekte Steuerung. Im Test ist es uns (im Vergleich mit Konkurrenzprodukten) deutlich schwerer gefallen, präzise Schüsse zu feuern. Das Fortbewegen und treffsichere Ballern benötigt ein bisschen Übung, die man sich jedoch schnell aneignen kann.

Im Dunkeln seh ich nix!
Wie die Screenshots schön illustrieren, arbeitet man sich in F.E.A.R. hauptsächlich durch dunkle Räume. Aussenluft schnuppert man nur selten und grundsätzlich sind die meisten Örtlichkeiten eng und staubig. Was für taktische Gefechte natürlich super ist, stösst einen mit der Zeit aber doch etwas sauer auf. Die permanente Dunkelheit geht einen auf die Nerven, etwas mehr Platz und mehr Licht hätte in gewissen Levels wirklich nicht geschadet. Wenigstens spendieren einen die Entwickler eine Taschenlampe, die man sehr oft einsetzen MUSS, um überhaupt den Weg zu finden.
Toll gelöst haben die Programmierer aber ein anderes Feature: Die Slow-Motion. Um den Horden von Gegner beizukommen, kann man sich durch einen Tastendruck in diesen Modus begeben und ist dann für ein paar Sekunden dem Gegner haushoch überlegen. Das Feature ist nicht unbedingt neu (man denke an Max Payne oder Need for Speed), sorgt aber für ausgeglichene Gerechtigkeit im Kampf gegen die hyperintelligenten Gegner.

Technisches und Multiplayer
Wer genug hat vom Suspense-Geballer, kann sich online gegen bis zu 16 Spieler in den Kampf begeben. Zahlreiche Maps und Modi (Capture the Flag, Elimination, usw.) stehen zur Verfügung. Interessanterweise wurde der Slow-Motion-Modus auch online beibehalten, was zu wirklich spannenden Duellen führt. Mehrere Gamer dürfen übrigens auch lokal ihre Konsolen zusammenschliessen und sich beharken. Ein solider Multiplayerpart, der dem Spiel einiges an Langzeitmotivation verpasst.
Technisch arbeitet F.E.A.R. mit einer tollen Grafikengine, die der Xbox 360 oder PC-Version in nichts nachsteht. Detailreich und besonders im Bereich der Lichteffekte immer wieder überraschend. Leider zeigt die Optik aufgrund der permanenten Dunkelheit aber nicht ihre ganzen Muskeln – wobei wir wieder beim Leveldesign-Meckern wären. Erwähnenswert ist noch die Physikengine (Havok), welche einen so ziemlich alles zerfetzen und umstossen lässt, was gerade so rumsteht, Leichen inklusive. Allerdings nur in der englischsprachigen Version, da die komplett deutsche F.E.A.R. Ausgabe weder Blut noch sonstige Greuel zeigt. Im Soundbereich arbeitet das Game mit den typischen Horror-Effekten – passt wie die Faust aufs Auge.

Fazit
F.E.A.R. ist ein abwechslungsreicher Shooter, der in vielen Teilbereichen wirklich zu glänzen vermag. Fantastische KI, tolle Grafik, gute Mischung aus Action und Suspense und ein attraktiver Onlinemodus. Schade, dass da nicht ein bisschen mehr ins Leveldesign investiert wurde. Mit etwas Kreativität hätte man sicher die Stimmung des Games auch in Situationen mit mehr Licht und ohne Wiederholung derselben Büroräume hinbekommen. Zudem wirkt die Steuerung im Vergleich mit Konkurrenzprodukten wie auf der Xbox 360 irgendie etwas schammig – besonders im Mehrspielermodus ein Killer, wenn man noch keine Übung hat. Ansonsten: Klare Kaufempfehlung für Action- und Gruselfans!


USK: keine Jugendfreigabe
PEGI: 18+
Multiplayer: 16 Spieler
Sprache: Deutsch
Preis: CHF 95.-
Off.Website: www.whatisfear.com/de