Simon Lutstorf

Innocent Life: A Futuristic Harvest Moon Review / Test


In Zeiten von Diskssionen über Killerspiele mag es denn einen oder anderen freuen, dass die komplett gewaltfreie Harvest Moon trotz allen Unkenrufen überlebt hat. Nun gibt sie mit Innocent Life: A futuristic Harvest Moon
ihr Debüt auf der PSP – wer mag, darf nun auch mit Sonys kleinem Schwarzen der Agrarwirtschaft nachgehen. Dass Pflanzen, Ernten und bäuerlich Dreinschauen durchaus Spass machen kann, durften wir im Test dazulernen. Mehr über unsere Erfahrungen gibts im Review.

“Wir haben Androiden als Bauern”. Macht irgendwie keinen Sinn, denn wer lebensechte Androiden bauen kann, dürfte auch nicht mehr auf Handarbeit in der Landwirtschaft angewiesen sein. Aber so ist es nun mal: In A futuristic Harvest Moon übernimmt der Spieler die Rolle des kleinen Androiden Innocent Life, der von einem leicht durchgeknallten Professor erschaffen wurde. Sein Lebenszweck: Bauer werden.

Die agrarwirtschaftliche Ausbildung
Wer die Harvest Moon Serie etwas kennt, darf den folgenden Absatz gerne überspringen. Als Neuling wird man nämlich zuerst in die Grundzüge des Arbeitens auf den Feldern eingewiesen, wobei einen diverse Lehrpersonen und Helfer zur Seite stehen. Da kein genauer Weg vorgegeben ist, irrt man oft ein bisschen hilflos über die Insel auf der Suche nach dem nächsten Gesprächspartner. Wer den Part hinter sich gebracht hat, darf dann endlich auf seine Pflanzfläche und sich dem knackigen Grün widmen.
Innocent Life übernimmt so ziemlich alle Aufgaben, die bei der Feldpflege anfallen. Umgraben, Steine entfernen, anpflanzen, ernten, Verkaufen, neue Samen kaufen, etc. Mit der Zeit zeigt sich der klassische, aufbauende Stil des Spiels: Die verkauften Produkte reichen jeweils für teurere Samen und Werkzeuge, die wiederum bessere Früchte hervorbringen. Auch wenns einfach tönt, muss man trotzdem etwas überlegen beim Einkauf: Die stetig ansteigende Anzahl Felder will termingerecht und vor allem wirtschaftlich rentabel bearbeitet werden. Neue Funktionen wie etwa Hilfsroboter, welche einen mit der Zeit automatisiert langweiligere Aufgaben abnehmen, wurden geschickt integriert.

Was es sonst noch so zu tun gibt
Parallel zum Anbauen und Aufziehen gibt es noch eine Menge anderer Dinge, die man erledingen kann. Dazu gehört etwa das schrittweise Erkunden der Ruinen um seine Felder (die einzelnen Abschnitte können nach und nach geöffnet werden), die Stadt mit ihren Bewohnern sowie die mässig interessante Hintergrundgeschichte. Auch ein Bösewicht ist mit an Bord: Als aufrechter Bürger gilt es auch gegen einen fiesen Konzern anzutreten, der machthungrig nach der Insel strebt. Wers lieber etwas häuslicher hat, darf im TV diversen Sendungen frönen, allen voran natürlich einer Kochshow. Denn auch wenn Innocent ein Androide ist, essen muss jeder mal… der User darf sogar eigene, neue Produkte herstellen, etwa Mayonnaise. Dazu benötigt man natürlich Eier, welche wiederum von Roboterhühnern im eigenen Stall “produziert” werden. Auch Schafe, Hunde oder Kühne bereichern mit der Zeit den Hof.
Allgemein lässt A futuristic Harvest Moon dem User viel Freiheiten bei der Erkundung der Insel, so dass man sich regelmässig Auszeiten vom Bauernleben nehmen darf. Allerdings wirkt das Spiel, abgesehen von den Hofarbeiten, etwas konzeptlos. Zwar erhält man im Laufe des Games ein Fahrzeug, trotzdem ist man viel zu viel mit Laufen beschäftigt.

Argh… unnötige Fehlerchen
Womit wir schon bei den kleinen, aber doch relativ häufigen Kritikpunkten sind. Meistens handelt es sich nicht um offensichtliche Fehler, sondern eher Durchhänger, die mit der Routine nervig werden. Einer davon betrifft die oben genannte Laufzeit, die besonders actionorientierte Spieler abschreckt. Mühsam gestaltet sich auch der Einkauf im Supermarkt, den man leider (aus verschiedenen Gründen) öfter besucht, als einen lieb ist. Auch technisch gibt es Ungereimtheiten: Während Innocent Life einerseits mit genial kurzen Ladezeiten überzeugt, fehlt andererseits komplett die Sprachausgabe. Soundeffekte gehen in Ordnung, aber die Musik kann man mit der Zeit getrost ausschalten und stattdessen die Stereoanlage ihren Job machen lassen.

Grafik ahoi!
Die Screenshots lassen es bereits erahnen: Innocent Life: A futuristic Harvest Moon greift auf eine leistungsfähige und detailreiche Engine zurück. Die Entwickler haben es geschafft, nicht nur die Ladezeiten kurz zu halten, sondern gleichzeitig eine Menge an Farbe, Animationen und abgestimmten Effekten ins Game zu passen. Angesichts der tollen 3D Grafik wünscht man sich schon beim ersten Anblick ein Rollenspiel, dass auf derselben Engine aufbaut. Hoffen wir, dass das Entwicklerteam etwas daraus macht und uns noch weitere Spiele mit dieser tollen Optik spendiert.

Fazit
Entwickler Natsume hat bei seinem ersten Ausflug auf die PSP (was auch gleich für die gesamte Serie gilt) gute Arbeit geleistet. Innocent Life bietet das klassische Harvest Moon Prinzip, aber in der Zukunft und mit den dazu passenden neuen Möglichkeiten. Dank der guten Grafik erkundet man gerne seine Ruine, die Ortschaften und überhaupt die gesamte Insel. Vor allem längerfristig kann das Spiel punkten: Auch wenn der User vielleicht ab und zu mit einem Durchhänger zu kämpfen hat, überzeugt der Titel mit viel Abwechslung und komplett gewaltfreiem Gameplay. Kleine Details wie etwa die Tatsache, das man Gespräche nicht abbrechen kann oder die belanglose musikalische Untermalung trüben das Bild leider etwas. Trotzdem: Wer die Serie kennt oder etwas Neues ausprobieren will, darf zuschlagen.


USK: ohne Altersbeschränkung
PEGI: 3+
Multiplayer: -
Sprache: Deutsch
Preis: 39.45 EUR /CHF 79.-
Off. Website: www.artepiazza.com/

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