Jul 302007
 

Italo-Western sind längst out und die heutigen Kinder kennen das Cowboy-Spielen wohl auch nur noch aus dem TV. Dass die Zeiten des „Wilden Westens“ aber trotzdem immer noch viele Reize ihr Eigen nennen, beweisen die Entwickler von Techland mit dem Western-Shooter Call of Juarez. Nach einem erfolgreichen Ausflug mit Indianern, Goldschätzen, Revolern und vielen bösen Jungs auf dem PC steht der Titel nun auch für die Xbox 360 in den Startlöchern.

Die Hintergrundstory von Call of Juarez ist relativ breit und komplex. Da wäre einerseits eben der „Call of Juarez“, der Fluch um einen verdorbenen Goldschatz. Da wäre der junge Billy, halb Mexikaner und Rückkehrer in das wüste Dorf seiner kapputen Jugend. Und zu guter Letzt Ray, der vom Revolverheld zum Priester wurde, um sein Blutvergessen vor Gott ungeschehen zu machen. All diese Ereignisse verknüpft Call of Juarez zu einem Wild-West-Abenteuer, das kein Klischee aussen vor lässt.

Billy vs. Ray
Gleich beim Einstieg in die Story offenbar sich dem User eine spannende Ausgangslage: Man spielt nämlich sowohl als Billy wie auch als Ray. Während Billy eher Indianertechniken anwendet und Gefahren umgeht, wendet Ray meistens die Bulldozer-Methode an: Mit viel Feuerpower mitten durch die Wand. Ein unglücklicher Zufall hat es gewollt, dass die beiden sich jetzt als Todfeinde gegenüber stehen – doch wer die wirklichen Mörder von Billys Eltern (und Rays Bruder) sind, gilt es noch herauszufinden.
Call of Juarez gibt dem User den Weg durch das Spiel ziemlich linear vor, lässt aber viel Platz für kleine Experimente. Oft weiss man nicht so genau, wie eine Situation zu meistern ist und muss etwas herumprobieren. Dies liegt auch an Hindernissen, die mit normalen Knarren nicht zu lösen sind: Rätsel haben auch ihren Weg ins Game gefunden und wurden meist gut und lösbar umgesetzt.

Peng! Peng! Peng! – Reload – PENG!
Trotz der vielen Story- und Rätselelemente versteckt sich hinter Call of Juarez hauptsächlich ein Shooter. Egal ob mit Pfeil und Bogen (Billy) oder diversen Schiesseisen (Ray), es gibt einiges umzunieten. Die Entwickler haben sich dabei auch besondere Features einfallen lassen, um noch mehr Wild-West-Flair ins Spiel zu bringen. Da wäre einerseits ein nicht sehr kreatives Slow-Motion-Feature, wie man es bereits aus diversen anderen Games kennt (wir alle erinnern uns an den ersten revolutionären Einsatz in Max Payne). Zum Zweiten wäre das Gegenteil, nämlich der Schnellschuss bei Duellen. Der User steht dabei seinem Gegner wie im klassischen Italo-Western gegenüber, muss plötzlich ziehen und seinem Gegenüber so schnell wie möglich ein paar zwischen die Augen plazieren. Tönt einfach, ist es aber nicht unbedingt.

Abwechslungsreiches Gameplay
Wohl aufgrund des linearen Gameplays hatten die Entwickler Gelegenheit, jede Menge Abwechslung ins Game zu bringen. Der User kann so ziemlich alles machen, was man im Wilden Westen so tun konnte: Reiten (und dabei Schiessen), durch alte Goldminen wandern, mit Indianerbogen Banditen ums Lagerfeuer einen nach dem anderen umlegen, Dynamit einsetzen, Feuer legen oder sich mit der Peitsche durch ein Fenster schwingen. Es handelt sich dabei aber nicht nur um Spielereien, sondern die Sondereinsätze verlangen vollstes Geschick, sonst ist relativ schnell Feierabend.
Allgemein greift Call of Juarez auf eine starke Physikengine zurück. Sie lässt den User praktisch jeden Gegenstand hochheben, werfen, zum Teil in Feuer setzen, aufeinander stapeln, usw. Oft muss man auch auf solche Tricks zurückgreifen, um eine brenzlige Situation zu lösen. Dabei haben sich die Entwickler aber auch etwas übernommen: Die Lösungen wirken oft etwas gebastelt und häufig erwischt man sich beim genervten Herumschieben von Kisten oder sonstigen Objekten, die sich trotz allem nicht so genau steuern lassen, wie man es sich wünschen würde. Allgemein macht Call of Juarez als hätten die Jungs Tausend Idee gehabt, Hunderte davon umgesetzt, aber leider nicht alle komplett durchdacht und spielreif. Ansonsten ist die Steuerung durchaus gelungen, vor allem auch dank eines „Tutorials“, das im Prinzip gleich die Story einleitet.

Dochdoch, schön siehts hier aus!
Wer sich die Screenies genau anschaut, wird mehrere Landschaftsbilder finden. Kein Wunder, denn Call of Juarez zeigt sich grafisch wirklich von der besten Seite. Abgesehen von den Nachtmissionen (davon gibts leider einige) ist die Optik wirklich sehr detailliert und ausgereift. Egal ob Animationen, Licht- oder Schatteneffekte, es gibt kaum etwas auszusetzen. Zu empfehlen ist ein HD-TV, um wirklich die volle Pracht der Grafik darstellen zu können. Toll!!
Weniger gefallen haben leider die Synchronsprecher. Vielleicht ist es einfach auch etwas pingelig, aber die Sprecher wirken ein bisschen lasch, was man zum Glück sonst von den Effekten nicht behaupten kann. Der Sound bleibt hauptsächlich im Hintergrund, so dass man sich (zum Beispiel jetzt beim Schreiben) nicht gross an eine Melodie oder ein Stück erinnern kann.

Multiplayer GROSS geschrieben
Praktisch jeder Shooter hat heute einen ausgereiften Mehrspielermodus und auch Call of Juarez muss sich da nicht verstecken. Nebst sagenhaften 26 Karten überzeugen vor allem die abwechslungsreichen Modi. Nebst den üblichen Spielweisen gibt es nämlich auch noch komplett neue Ideen wie etwa den Banküberfall (erinnert etwas an CS) oder das Goldsuchen, wobei der Reichste am Schluss gewinnt. Eine tolle Zugabe, auch wenn uns das Game rein von der Spielart her nicht unbedingt als Multiplayergame überzeugt hat. Wer die Intensität eines Battlefield online gesehen hat, ist von Call of Juarez eher enttäuscht.

Fazit
Techland liefert uns mit Call of Juarez ein gutes Wild-West-Abenteuer mit vielen Schiessereien und jeder Menge Möglichkeiten. Die spannende Story treibt einen locker durch das abwechslungsreiche Game, wobei im Bereich der gebastelten Rätsel und Lösungen leider manchmal etwas übertrieben wurde. Lobenswert ist die Aufteilung des Gameplays auf zwei Charakter, die sich wirklich unterschiedlich spielen und so zusätzlich für Motivation sorgen. Irgendwie erinnert das Prinzip an ein Buch, dessen Handlung auch nach jedem Kapitel auf die jeweils andere Person zurückschwenkt. Grafisch ist dieser Western sowieso über fast alle Zweifel erhaben, so dass man nur noch den Synchronsprechern eine Träne nachweinen darf. Aber das ist vielleicht auch Geschmackssache. Wir empfehlen: Ausprobieren!


USK: keine Jugendfreigabe
PEGI: 18+
Multiplayer: 16 Spieler
Sprache: Deutsch
Preis: CHF 95.- / EUR 59.95
Off.Website: www.callofjuarez.com