Sep 212007
 

Ahh, Medal of Honor. Eine kultige Serie, welche 2. Weltkriegs-Shooter erst wieder salonfähig gemacht hat. Natürlich blieb es nicht beim PC – zahlreiche Konsolenvarianten erfreuten auch das Herz der Konsoleros. Während die Entwickler von Call of Duty im vierten Teil neue Wege gehen, setzt Electronic Arts bei Medal of Honor: Airborne mehrheitlich auf Altbewährtes mit ein paar kleinen, aber feinen Neuerungen. Mehr dazu im Review!

Ihr erinnert euch: Bisher war man in Medal of Honor eigentlich meistens zu Fuss unterwegs. Kleine Abstecher im Single-Player-Modus sorgten zwar für Abwechslung, trotzdem sah man den Krieg im Prinzip immer aus der Sicht der Infanterie. Die kleveren Köpfe bei Electronic Arts haben das erkannt und prompt auf eine neue Gattung gesetzt: Die Luftlandetruppen. Zu Tausenden wurden sie während der Normandie-Landung und überhaupt im späteren Verlauf des Krieges über Frankreich eingesetzt. Willkommen bei der der 101st Airborne Division, Soldat!

Grüner Rauch weise dir den Weg
Damit wäre die grösste Neuigkeit in Airborne bereits erklärt. Anstatt irgendwo in einer Häuserruine, startet der User nun meist aus der Luft. Dabei zeigt sich das Spiel jeweils von seiner besten Seite, denn die Momente vor dem Absprung wurden sehr atmoshpärisch gestaltet. Flak-Beschuss, letzte Stossgebete, dann raus – in die Dunkelheit, welche nur vom Mündungsfeuer erhellt wird. Zum Glück weisst einen grüner Rauch den Weg, so weiss man wenigstens, wo man landen darf. Fairerweise wird, während ihr in der Luft seid, übrigens nicht geschossen, was eigentlich auch den Genfer Konventionen entsprechen würde.
Einmal gelandet, zeigt sich Medal of Honor: Airborne jedoch wieder von seiner altbekannten Seite. Ein paar Missionsziele (schon vor dem Start erläutert) sind zu erledigen, die meisten hat man zuvor schon in einem Spiel gesehen. Hier eine Flak ausschalten, dort Panzer abwehren, im nördlichen Teil des Dorfes die Truppen unterstützen. Was einen nach dem Absprung geboten wird, ist leider keineswegs originell, sondern orientiert sich an den bisherigen Spielen und der Konkurrenz. Das soll jetzt aber nicht heissen, dass Airborne ein schlechtes Spiel ist, im Gegenteil. Trotzdem muss man zugeben, dass sich im Vergleich zu den Vorgängern halt kaum etwas verändert hat.

Los, los, los!
Airborne beweist trotz der eher eintönigen Missionen aber, dass die Entwickler die Dramaturgie fest im Griff haben. Dank des eher linearen Gameplays ermöglichen gescriptete Ereignisse für Überraschungen und schnelle Wendungen der Handlung zu sorgen. Der Effekt: Man fühlt sich zum Teil wie im Kino, ballert was das Zeug hält und ist für Stunden völlig absorbiert.
Während Waffen und Gerät bekannt sein sollte, ist ein neues Feature hinzugekommen, dass eigentlich schon lange gefehlt hat. EA hat von Beginn der Serie wert auf eine starke Personalisierung gesetzt. Deshalb wären mehr Rollenspielelemente eigentlich der logische Schritt gewesen. Genau das passiert auch bei Airborne, allerdings in bescheidenem Ausmass. Nutzt man regelmässig dieselbe Waffe, „gewöhnt“ man sich an sie. Das resultiert in grösseren Magazinen, mehr Sicherheit beim Zielen, etc. Mehr solche Elemente hätten dem Game vielleicht einen besonders taktischen Touch verliehen, wie er im Moment noch keinem Zweit Weltkriegshooter anhaftet.

Künstliche Intelligenz.. wo?
Zwar hatten wir vor diesem Review bisher nur die Xbox 360 Demo von Medal of Honor: Airborne gespielt. Was dort auffiel, war die zum Teil mieserable KI. Leider hat sich daran nicht viel gebessert. Noch immer kommt es zum Teil zu sehr komischen Situationen: Man übersieht einen gegnerischen Soldaten. Der steht dann mehrere Sekunden hinter einen, ohne sich zu bewegen. Danach spürt man ein paar Kolbenschläge, dreht sich um und haut ihn weg. Auch die eigenen Kamaraden verlaufen sich öfter mal im Stellungsfeuer oder scheinen überhaupt etwas verwirrt. Vielleicht liege ich auch falsch, aber der Eindruck, die KI hätte sich seit Jahren nicht verändert, ist leider nach Spielende verfestigt und kaum mehr weg zu bringen.

Technische Finessen
Eins muss man den Entwicklern lassen: Technisch wurden (fast) alle Register gezogen. Saubere Animationen und wilde Explosionen, detaillierte Texturen, keine Engineeinbrüche. Medal of Honor: Airborne präsentiert sich hier als solide programmiertes grafisches Feuerwerk, das nur ein wenigen Stellen Abstriche machen muss. Passend dazu wurden Soundeffekte und Musik integriert, die absolut zum Geschehen auf dem Monitor passen und damit keinerlei Wünsche mehr offen lassen.

Fazit
Hrmpf. Ich mag Medal of Honor: Airborne. Es ist ein gutes Spiel, dass Spass macht und dank dem Mehrspielermodus auch längerfristig überzeugen kann. Gleichzeitig bin ich etwas enttäuscht. Die sehr durchschnittliche KI und die dezenten Änderungen und Neuerungen am Gameplay sprechen nicht für Entwickler von EA. Dem gegenüber steht ein Game, dass atmoshpärisch wirklich überzeugt und deshalb in keine Arsenal eines Shooter-Liebhabers fehlen darf. Wer sich also für das Genre grundsätzlich interessiert, sollte an Airborne nicht vorbeigehen. Für Gelegenheitszocker findet sich vielleicht noch eine ältere Ausgabe, welche einen Viertel kostet und praktisch dasselbe bietet.


USK: ab 16 Jahren
PEGI: 16+
Multiplayer: 12
Sprache: Anleitung D, F, I, Spiel E + D
Preis: EUR 49.95 / CHF 75.-
Mindestanforderungen: Pentium IV 2.8 GHz, 1 GB RAM, 100% DirectX 9.0c kompatibel mit 128 MB und den aktuellsten Treibern und mit Pixel Shader 3.0, Laptop Versionen dieser Grafikchips werden nicht unterstützt.
(Hinweis: NVIDIA 6800XT-, 6800LE-, 7100GS-,7200GS-, 7200LE-, 7300GS- und 7300GT-Karten werden nicht unterstützt). Win XP/Vista, 9.1 GB Festplattenspeicher.
Off.Website: www.moh.ea.com