Okt 292007
 

Die Programmierer bei EA haben es nicht einfach. Nach ein paar sagenhaften Jahren und unangefochtenen Spitzentiteln im Sportbereich, steht ihnen seit einiger Zeit starke Konkurrenz gegenüber – so stark, dass viele User bereits das Lager gewechselt haben. Dies liegt unter anderem auch daran, dass die jährliche Releasetaktik von EA etwas zweifelhaft ist, vor allem, wenn das neue Spiel sich spielt und anfühlt wie das alte – aber den vollen Preis gekostet hat. Schafft es EA Sports mit NHL’08 dieses Vorurteil Lügen zu strafen? Hoffen wir’s! Mehr zu NHL’08 im Review.

Erneut muss man vorausschicken, dass EA natürlich wieder ein Datenspektakel sondergleichen abgeliefert hat. Lizenzen sind en masse vorhanden und wer einen gewissen NHL Spieler sucht, der wird ihn mit grösster Wahrscheinlichkeit auch finden. Auch der Funktionsumfang ist wie immer ein Highlight. Besonders für Neueinsteiger empfiehlt es sich, einfach ein bisschen zu stöbern – schliesslich sind die Menüs ja ebenfalls wieder EA-typisch mit coolem Sound und tollen Grafiken unterlegt.

Gameplay mit Tiefgang
Ich frage mich manchmal, wie man bei einem Spiel, dass im Prinzip ja jedes Jahr dieselbe Sportart als Grundlage hat, das Gameplay jedes Mal wieder ändern kann. EA’s Jungs haben es auch dieses Jahr geschafft und liefern ein NHL ab, dass sich langsamer und weniger actionorientiert spielt als der Vorgänger. Es gibt zwar immer noch Checks und schnelle Spielzüge, aber dank einiger neuer Features wurde das Gameplay deutlich verlangsamt. So könnt ihr neu in der Defense auch Räume decken und damit prima Pässe und Schüsse abfangen. Das ermöglicht eine effektive Abwehr, vor allem von Glücksschüssen und Schlenzern aus den hinderen Reihen. Neu ist auch das langsame Passspiel. Anstatt jeweils nach vorne zu preschen und die Scheibe aus Offside-Gründen irgendwann über die Linie zu hauen, kann man nun ein gepflegtes Passspiel aufbauen – manchmal sogar fast etwas zu langsam.
Auch taktisch hat das NHL’08 ein paar Fortschritte gemacht. Nach wie vor lassen sich Spielzüge vor dem Match festlegen um dann während dem Einsatz aufzurufen. EA hat die bisherigen Möglichkeiten aber mit dem Create a Play Feature noch massiv ausgebaut. Dort könnt ihr, ähnlich wie bei Makros im Word, einfach einen Spielzug vorgebenen und diesen „aufnehmen“ lassen. Er steht dann später zur Verfügung. Das ergibt eine schier endlose Auswahl an Spielzügen – Taktiker wirds freuen.

Beherrsch den Torhüter!
Dem Torhüter kommt im Eishockey eine besondere Bedeutung zu. Deshalb bietet NHL ’08 neu die Möglichkeit, ganze Partien aus der Sicht des Keepers zu spielen, wobei das Feature nicht ganz neu ist: NHL 2K7 hat hier ebenfalls bereits die Führung übernommen. Allerdings hat EA nicht nur kopiert, sondern legt auch noch einen drau: Der User hat nämlich wirklich volle Kontrollmöglichkeiten, weshalb Spiele aus der Torhüterperspektive nicht nur Spass, sondern auch Sinn machen. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. In normalen Austragungen hat EA nämlich die KI des Torhüters schwer vernachlässigt. Sie ist höchst inkonsistent und deshalb kann man sich auf den letzten Mann nicht regelmässig verlassen – wie es eigentlich sein sollte. Dafür wurde der Gegner mit einer (noch!) besseren KI ausgestattet. Er merkt sich jetzt die häufig verwendeten Spielzüge des Users und reagiert entsprechend. Auch dieses Feature haben wir bei der Konkurrenz (im Fussball, um genau zu sein) schon entdeckt, aber man muss es EA lassen: Es scheint zu funktionieren.

Steuerung: Bitte mit Pad
Der Zwischentitel sagt eigentlich alles. EA bietet auch dieses Jahr die Möglichkeit, das Game per Tastatur zu steuern. Tatsächlich bringt das aber herzlich wenig, da man sich so nur die Finger verknotet oder einfach nur höchst ineffizient spielt. Deshalb lieber für ein paar Euronen oder Franken ein anständiges Pad kaufen, dann klappts auch mit der Steuerung. Ansonsten hat sich an der Kontrolle der Eisprinzessinnen kaum etwas geändert, weshalb wir dieses Kapitel auch schon wieder verlassen können. A propos Änderungen: Erinnert ihr euch noch an die angeblichen Änderungen am Skate-System? Zwar flitzen die Eishockeyaner nach wie vor sehr sauber über das Eis, wirkliche Neuerungen konnten wir aber keine feststellen. Vielleicht sind wir auch nur zu banausig, was Eishockey anbelangt, aber wirklich verdient hat das angeblich neue Feature die Ankündigung auf keinen Fall.
In Punkto Umfang hat sich im Vergleich zum Vorjahr leider nicht viel geändert. Positiv anzumerken wäre höchstens, dass die PC Version im Gegensatz zu den Konsolenablegern über die DEL verfügt, ihr also auch mit heimischen Mannschaften prügeln und spielen könnt. Der Umfang ist sonst praktisch gleich geblieben. Nach wie vor kämpft man sich im Dynasty-Modus durch komplette Karrieren und hat zudem eben die Möglichkeit, den Modus auch auf andere Länder anzuwenden (Deutschland, Schweden, Finnland, etc.). Wer mag, darf auch dieses Jahr Manager-Aufgaben übernehmen, indem er Verträge abschliesst, Trainings absolviert oder Ticketpreise festlegt. Die Features sind aber im Vergleich zu echten Managerspielen oberflächlich geblieben, weshalb man sich hier lieber auf das Game selbst konzentriert.

Und so siehts aus!
Grafisch hat NHL ’08 kleine Fortschritte gemacht, die Hauptkritikpunkte der letztjährigen Version aber leider nicht ausgebügelt. Vergleicht man die PC Version mit Next-Gen-Konsolen, wirkt sie leider immer noch stiefmütterlich – keine Rede von superflüssigen Animationen oder High Definition. Im Gegenteil, es gibt immer noch kleine Einbrüche bei der Performance, was für ein derart stark entwickeltes Spiel einfach nur enttäuschend ist. Zwar sind die Probleme nicht wirklich gravierend, will heissen: NHL ’08 ist auch so absolut spielbar und macht einen Riesenspass. Dass sich aber derart wenig geändert hat, ist wirklich etwas speziell.
Kaum Anlass zum Meckern gibt der Sound. Die Reporter sind zwar nur in Englisch erhältlich, überzeugen jedoch mit gelungener Moderation und kaum nervigen Sprüchen. Der Rest wurde anständig übersetzt, die Musik ist auf dem gewohnt hohen EA- Niveau.

Fazit
Ich bin nicht so der Sportspielefan. Aber trotzdem, oder eben gerade deshalb, macht ein Test von mir für dieses Game Sinn. Eines vorne weg: NHL’08 ist ein tolles Spiel mit dickem Umfang und brauchbarer Grafik. Aber jetzt kommts: Wer den Vorgänger hat, für den gibt praktisch keine Gründe, jetzt auch die ’08er Version zu kaufen. Natürlich, die Lizenzen ermöglichen aktualisierte Kader und einige Neuerungen sind durchaus dabei. Trotzdem bewegen sich die Änderungen für Durchschnittsspieler auf einem Niveau, dass bei anderen Herstellern locker durch ein kostenloses Upgrade erreicht wird. Es wären da zum Beispiel zahlreiche Xbox 360 Games zu nennen, die per Xbox Live (zum Teil mehrfach) mit neuem Content oder gar neuen Modi versorgt werden. Ein neues Vollpreisspiel zu machen, nanja – ich würde sagen, gewagt. Aber wie bereits erwähnt, bedeutet das nicht, dass NHL ’08 ein schlechtes Spiel ist. Einzig die Grafik bewegt sich auf dem PC immer noch auf ’07er Stand – das beisst.


USK: ab 16 Jahren
PEGI: 16+
Multiplayer: 6 (Netzwerk 2)
Sprache: Anleitung D, F, I, Spiel E + D
Preis: EUR 39.90 / CHF 75.-
Mindestanforderungen: Pentium IV 1.3 GHz, 256 MB RAM, Win XP/Vista, 2.7 GB Festplattenspeicher, 3-D-Grafikkarte
Off.Website: www.easports.com/nhl08