Nov 302007
 

Ubisoft hat mit Assassin’s Creed das geschafft, was sich jeder Spieleentwickler im Vorfeld der Veröffentlichung wünschen würde: Nämlich einen grossen Hype um das kommende Spiel, und das ohne gross die Werbetrommel gerührt zu haben. Ein paar packende Trailer, euphorische Previews und eine charismatische Produzentin genügten, um das Interesse der Medien und Spieler zu wecken. Als Mischung aus Splinter Cell und Prince of Persia wurde das Game beschrieben – beides Titel, die in ihrer Geschichte praktisch nur Höchstwertungen kassiert haben. Was also ist dran am Hype um dem mittelalterlichen Mörder Altair? Wir konnten Assassin’s Creed testen und verraten euch mehr im Review.

Auftragsmörder mit Kapuzen, Kreuzzüge und geheimnisvolle Begebenheiten mit Bezug zur Gegenwart – die Geschichte von Assassin’s Creed tönt auf den ersten Blick wie ein weiterer durchschnittlicher Roman von Dan Brown. Sie spielt während der Zeit der dritten Kreuzzüge unter dem bekannten Richard Löwenherz. Zu der Zeit also, in der Robin Hood in England sein Unwesen getrieben haben soll. Als Spieler taucht man jedoch nicht in England, sondern in Nordafrika ins Spiel ein und schleicht durch Damasku, Jerusalem und Akkon. So wichtig die Story auch ist: Wir möchten euch nicht mehr verraten. Denn Assassin’s Creed lebt vom spannenden Plot, und mehr zu verraten, würde bedeuten, euch das Spiel zu verderben.

.. und nochmal von Vorne
Nach einem „Ausrutscher“ bei einer Mission bekommt Altair vom Meister der Assassinen einen dicken Rüffel. Er hat entgegen des Kodex gehandelt und damit sich und andere in Gefahr gebracht. Als Novize muss er deshalb die Ausbildung nochmals starten und sich den Respekt der Älteren erneut verdienen. Eine gute Gelegenheit, um als User einzusteigen und sich in den Probemissionen erstmal mit der Steuerung vertraut zu machen. Einfache Bewegungen und vor allem der Kampf wollen gelernt sein, denn niemand ist so geschickt um Umgang mit tödlichem Stahl wie ein Assassin. Dabei fällt auf: Altair bewegt sich absolut flüssig und extrem geschmeidig. Es gibt kaum Hicker zwischen den Animationen, welche die Sequenz als InGame entpuppten – und die wären auch zwingend nötig, denn die Grafik sieht dermassen atemberaubend aus, dass man aus dem Staunen nicht mehr heraus kommt. Angeblich soll Altair mehrere Tausend Bewegungen und Kampfschläge beherrschen – man darf sich also nicht wundern, wenn der gute kaum je dieselbe Bewegung exakt 1-zu-1 wieder gibt. Ab und zu geht eine Animation auch in die Hose und manchmal verderben Clipping Fehler den Spass – allerdings selten genug, um den allgemeinen Eindruck nicht zu trüben.

Intuitiv heisst das Zauberwort
Wie kann man denn eine Figur steuern, die derart viele Fähigkeiten hat? Kämpfen mit verschiedenen Waffen, Klettern, Springen, Kommunizieren, usw.? Ubisoft hat die Lösung in Form einer erstaunlich einfachen Steuerung parat. Sie ist intuitiv und selbst Anfänger verstehen sie innerhalb von wenigen Minuten (ich hab’s ausprobiert ;)). Dank der einfachen Kontrolle des Charakters bietet Assassin’s Creed in Kombination mit den Tausenden von Animationen eine grafische Qualität, wie man sie noch selten in einem Spiel gesehen hat. Der erste virtuelle Besuch in Nordafrika führt zu offenen Mündern, wie man sie bereits von anderen Überfliegern kenn: Gears of War, Rainbow Six: Las Vegas oder Bioshock.
Wer Einleitung und „Sattsehen-an-der-geilen-Grafik“ überstanden hat, widmet sich der ersten von insgesamt neun Missionen. Neun ist denn auch die Zahl der Morde, die Altair ausführen muss – je drei in einer Stadt, einer pro Viertel. Assassin’s Creed spielt sich dabei tatsächlich etwas wie Prince of Persia, manchmal eher wie Splinter Cell. Man springt mit Altair über Dächer, kämpft gegen barbarische Horden, fungiert als mal als Robin Hood und eine Mission später wieder als übler Killer. Die Hintergrundgeschichte entpuppt sich dabei als treibende Kraft, denn dank ihr will man wissen, wie es ausgeht mit Altair, dem Assassinen.

Wo Licht ist…
Trotz der fantastischen Grafik und genialen Steuerung gibt es leider auch ein paar Kritikpunkte. So hat es Ubisoft leider verpasst, dem Spiel in der zweiten Hälfte zu mehr Abwechslung zu verhelfen. Von Beginn weg weiss man, dass neun Morde anstehen – von da ab läuft eigentlich alles automatisch, sprich: Man weiss, was auf einen zukommt. Das ist wirklich schade, denn es nimmt einen enormen Teil der Spannung aus dem Gameplay, welche die Story nur teilweise zu ersetzen vermag. Wenigstens hat Ubisoft noch weitere Spielelemente eingefügt, die durch die gegebene Freiheit viel Spass machen. Ähnlich wie bei GTA darf man nämlich gewisse, überall im Level versteckte Objekte (Flaggen und Wimpel) einsammeln, die meist nur schwer zu erreichen sind. Kleine Herausforderungen, die dank der tollen Steuerung und fantastischen Animationen für viel Unterhaltung sorgen.
Leider gibt es aber auch Patzer im grafischen Bereich: Die Ach-so-starke PS3 enttäuscht nämlich durch einen verzogenen Bildauffbau. Nicht spielentscheidend, aber angesichts der sonstigen Grafikpracht einfach nur schade und unprofessionell. Leider, so muss man als auch als PS3-Jünger gestehen, sieht das Ganze bei der Xbox 360 besser aus. Nicht zwingend ein Fehler der Konsole, sondern wohl eher der Programmierer.

Fazit
Vielleicht habt ihr es bemerkt. Ein eher wirres Review. Der Grund liegt im komischen Aufbau von Assassin’s Creed. Zuerst ist man absolut überwältigt und möchte dem Spiel am liebsten eine 95+ Wertung hinterher schmeissen; danach macht sich (etwas) Ernüchterung breit, weil spielerisch einfach viel zu wenig aus den technischen Voraussetzungen geschaffen wurde. Leiser Tadel für die gefeierte Produzentin Jade Raymond, deren Interviews in den letzten Wochen und Monaten sogar die Alltagspresse erreichten. Ich würde mir wünschen, dass man sich noch ein paar Monate an das Spiel setzt, um mehr Abwechslung reinzubringen.
Trotz den negativen Punkten muss man neidlos eingestehen, dass Ubisoft einmal mehr ein geniales Game produziert hat. Grafisch kaum antastbar, haben die Entwickler zwei Genres verschmolzen oder vermischt. Wer einmal begonnen hat, kann trotz der fehlenden spielerischen Elemente kaum mehr aufhören, bis der Abspann über den TV donnert. Und wie so oft, gibt es auch da einen Hinweis auf Teil 2 – vielleicht gelingt es dann, das Spiel zu perfektionieren (keine Angst, wir finden immer was zum Meckern.. ;)).


USK: ab 16 Jahren
PEGI: 18+
Multiplayer: –
Sprache: Anleitung D, Spiel D, F, E
Preis: CHF 99.- / EUR 56.95
Off.Website: assassinscreed.uk.ubi.com/index.php