Dez 012007
 

Mit Far Cry landete das deutsche Entwicklerstudio Crytek 2004 einen echten Überraschungserfolg. Der Actionkracher auf einsamen Inseln mit traumhaften Stränden verkaufte sich fast 2.5 Millionen Mal und überzeugte Kritiker weltwelt mit tollem Gameplay und fantastischer Grafik. Drei Jahre später möchte Crytek den Erfolg mit einem Game namens Crysis wiederholen. Selten wurde ein PC Game vor dem Release so gehypt, selten war der Druck auf einen Hersteller so gross, beim Release tatsächlich einen neuen Hit abzuliefern. Wir konnten das Spektaktel testen und dürfen euch bereits vor dem Fazit des Reviews sagen: Ja, der Kauf lohnt sich – bestimmt!

Wir schreiben das Jahr 2020. Obwohl in ferner Zukunft, sieht es auf dem Planeten Erde nach wie vor nicht besser aus. Die USA spielen immer noch Weltpolizist zu eigenen Gunsten, während sich in armen Ländern Diktatoren bereichern. In diese politische Grundsituation fällt.. ein Meteorit. Und zwar mitten in eine pazifische Inselgruppe, die sonst nur von ein paar Forschern und Einheimischen bewohnt wird. Die bösen Nordkoreaner fackeln nicht lange und annektieren die Inseln, was natürlich die guten Amis auf den Plan ruft. Ruckzuck stellt der Befehlshaber George D. Bush der Vierte einen Einsatztrupp zusammen, der unter anderem auch dich beinhaltet. Aufgabe: Aufklärung sowie Rettung eines Forscherteams, dass mit Hilfe eines Notsignals auf sich aufmerksam macht. Mit dabei: Ein starker Nanoanzug, dessen Fähigkeiten weit über den eines Schutzschildes hinaus gehen. Während man zuerst "nur" auf den Widerstand der Koreaner stösst, findet die Eingreiftruppe immer mehr Hinweise auf ausserirdische Aktivitäten. Die schlechte Nachricht: Die mögen uns auch nicht.

Der ‚Cry‘-Effekt
Crysis beginnt nicht nur mit derselben Silbe (‚cry‘) wie sein indirekter Vorgänger, sondern die Entwickler haben zum Einstieg auch dasselbe Szenario gewählt. Nämlich eine abgeschiedene Inselgruppe, die vor grüner Vegetation und weissen Sandstränden nur so strotzt. Leider ist bei der Landung etwas schief gelaufen, weshalb man zu Beginn auf sich alleine gestellt ist. Erste Mission: Team zusammen sammeln und Forscher aufspüren. Im späteren Verlauf des Games verlässt man dann das Inselparadies auch, um an Bord von diversen Schiffen (mehr sei hier nicht verraten), gegen zahlreiche mh… sagen wir "Aggressoren" zu kämpfen. Und nein, damit sind nicht die Iraker gemeint.
Zu Beginn gibt sich Crysis fast schon langweilig. Das Gameplay besteht aus anständiger, aber doch etwas zu normaler Ballerkost. Was aber vom Start weg auffällt, ist die geniale Grafik. Im Prinzip haben wir es ja schon im Voraus gewusst: Crysis wird ein grafischer Überflieger. Mit genügend Power unter der Haube entfaltet die CryEngine2 einen atemberaubenden Detailreichtum, den man mit der auf der Insel heimischen Vegetation nicht besser hätte darstellen können. Die Parallelen zu Far Cry sind kaum zu übersehen: Auch damals standen wir mit offenem Mund vor kleinen Lagunen, bestaunten wehende Palmen und erfreuten uns wie Kinder ob der gelungenen Darstellung des Wassers. Crysis = dasselbe, nur 3 Jahre später. Ihr wisst, was ich meine ;).

Einfach starten, dann langsam steigern
Schon alleine die Grafik von Crysis genügt also, um jeden halbwegs interessierten Spieler hinter dem Ofen hervor zu holen. Einmal am PC, wird sich jeder Shooter-Fan schnell zurecht finden. Crysis setzt auf Altbewährtes: WASD Kombination + Maus und ein paar zusätzliche Tasten. Die Standard-Shooter-Kost macht Crysis aber schnell wett, indem es dem Spieler schon kurz nach dem Start die volle Macht über die "Entwicklung" seiner Waffen gibt. Anstatt dem User nur ein paar vorgefertigte Knarren zu liefern, darf man bei Crysis (ähnlich wie im Mehrspielermodus von COD4 oder Bioshock) seine Flinten selber zusammenstellen. Etwas mehr Durchschlagskraft nötig? Oder gar ein Laservisier? Wer will kann auch brav spielen und Gegner einschläfern, anstatt umzubringen. Das Arsenal reicht aber noch weiter: Raketenwerfer, Plastiksprengstoff und die obligatorischen Granaten helfen einen im Kampf gegen Koreaner und.. die "Anderen" da.
Wie schon in Far Cry darf man auch in diesem Game am Steuer von zahlreichen Fahrzeugen Platz nehmen. Als da wären: Boote, Jeeps, Trucks, Pickups, MGs, Helikopter, Senkrechtstarter und sogar Panzer. Meist erkennt man relativ gut, von wo bis wo man sein Fahrzeug einsetzen kann, denn Crysis ist ziemlich linear aufgebaut. Das stete Umsteigen sorgt für eine Menge Abwechslung, zumal sich die Fortbewegungsmittel sehr gut steuern lassen. Wie habe ich damals schon bei Far Cry gesagt: Andere Hersteller hätten schon nur aus dem Physikmodell der Fahrzeuge ein eigenes Game gebastelt.

Gott, lass es Hirn regnen!
Nebst dem Arsenal an Fahrzeugen und Waffen steht uns der bereits erwähnte Nanosuit zur Verfügung. Der bietet einen die Möglichkeit, je nach Verlangen unsichtbar zu werden, die Panzerung zu stärken oder im entscheidenden Moment die eigene Muskulatur zu unterstützen, was einen schnell wie ein Reh rennen lässt. Der Suit ist damit nicht nur eine willkommene Abwechslung, sondern auch taktisch einsetzbar.
A propos Taktik: Einmal mehr scheitert mit Crysis ein Game an der Künstlichen Intelligenz. Während sich die Wachen und Gegner einerseits sehr menschlich verhalten, sorgen sie andererseits mit unberechenbarem Verhalten für Kopfschütteln. Klassisches Beispiel: Mit einem Scharfschützengewehr feuert man in die Menge und erntet – keine Reaktion. Ich erwarte ja nicht, dass die Gegner dann gleich wissen, wo ich zu finden bin. Aber es ist glaube ich auch nicht zuviel verlangt, dass sie sich in Deckung begeben, wenn ein Kollege einen Meter daneben plötzlich das Zeitliche segnet. Abgesehen von Aussetzern wie diesem gebührt Crytek einmal mehr viel Lob. Denn die gesamte Umwelt von Crysis (inklusive Geräusche, Verhalten von Tier und Mensch, etc.) ist derart realistisch geraten, dass man einen Ausflug auf die Inseln auch hätte als Ferien verkaufen können. Ohne Töten, Waffen und Blut, versteht sich ;).

Durchgespielt? Multiplayer!
Crytek hat mitgedacht und veröffentlicht sein Paradespiel natürlich nicht ohne einen spannende Mehrspielerpart. Zwar sind nur zwei Modi enthalten, trotzdem macht das Zocken gegen Leute auf der halben Welt sehr viel Spass. Nebst dem normalen Deathmatch gibt es neu den Power Struggle Modus. Die User teilen sich dabei in Koreaner und Amis, das Ziel ist es, das feindliche Hauptquartier in die Luft zu jagen. Tönt einfach, ist es aber nicht: Da die Basen sehr stabil sind, benötigt man viel schwere Artillerie oder "Alien-Energie", um dem Feind den Garaus zu machen. Dazu sind auf der Karte Alien-Stützpunkte, Panzerfabriken, Helifabriken oder auch ein Prototypen-Labor verstreut. Ähnlich wie bei Battlefield hauchen diese strategisch wichtigen Punkte dem Spiel sehr viel Taktik ein. Denn auch wenn ein Team in Punkto Abschüssen vorne liegt, kann das andere am Ende aufgrund von taktischen Vorteilen locker gewinnen. Erwähnenswert ist noch, dass im Power Struggle die Waffen nicht wie vom Osterhasen verstreut rumliegen, sondern teuer aufgekauft werden müssen. Noch eine tolle taktische Komponente.

Noch ein Wort zur… Technik
Dass die Grafik von Crysis hammermässig ist, wurde glaube ich schon erwähnt. Deshalb möchte ich nochmals voller Lob auf die weiteren Aspekte der Technik eingehen. Es ist dies einerseits der Sound, der wie die Panzerfaust aufs Auge passt und keinen, aber auch wirklich keinen Grund zum meckern gibt. Und es ist dies die hervorragende Physikengine, mit der es gewaltigen Spass macht, Dinge in die Luft zu blasen. Auch wenn man die Story schon durch hat, rennt man gerne ein bisschen auf den Inseln herum, probiert aus, was C4 mit einem Jeep anrichtet oder wie die Inseln bei einem Bootsausflug wirken.

(Fazit weiter unten)

Wir bedanken uns bei EA für die freundliche Bereitstellung eines Testmusters.

Game Facts

Entwickler: Crytek
USK: keine Jugendfreigabe
Pegi: 16+
Multiplayer: 32 Spieler
Sprache: Deutsch
Preis: EUR 46,99 / CHF 79.-
Website: www.crysisgame.com

Review Crysis  
 
Beschreibung
Steuerung
Crysis verlässt sich auf die klassische WASD Steuerung. Wer zuvor schon Erfahrungen mit Shootern gemacht hat, wird sich schnell und problemlos zurecht finden. Auch die Menüs sind sauber.
Grafik
Das Zauberwort heisst CryEngine2. Phänomenale Lichteffekte, atemberaubender Detailgrad – Crysis ist im grafischen Bereich zweifellos ein Meilenstein, auch wenn es die Hardware entsprechend fordert.
Sound
Dramatische Hintergrundmusik und Soundeffekte, die jederzeit passen. Auch hier überzeugt das Spiel mit einer perfekten technischen Leistung.
Spielspaß 
Auch wenn die die Klasse einer Story à la Bioshock fehlt: Crysis macht einfach Spass. Stark auch der Mehrspielermodus, der besonders im Power Struggle taktischen Charakter hat.
Sonstiges
+ Geniale Technik 
+ Starke Physikengine
+ guter Mehrspielermodus
+ viele Waffen, interessanter Nanoanzug, Customizing
– Story ziemlich durchschnittlich
– KI zum Teil inkonsistent

90%

Fazit
Crysis lebt von seiner Technik. Das kann man mit gutem Gewissen so sagen. Denn auch wenn tolle Ideen wie die DIY-Waffen oder der Nanosuit für viel Abwechslung sorgen, so ist es doch die Freiheit der Engine, die das Grundgerüst für den gesamten Spielspass stellt. Sowohl im Bereich der Missionen wie auch bei der Story bietet Crysis nämlich nur Durchschnittskost, die (Stichwort Story) manchmal sogar einen leicht schalen Nachgeschmack hinterlässt. Die pure Spielbarkeit, die das Game aber schon von Beginn weg vermitteln kann, rettet das Produkt locker aus jeder Krise. Man darf mit Recht sagen: Crysis ist der Überflieger geworden, den die meisten von uns so sehnlichst erwartet haben. Schade, dass die volle Grafikpracht wirklich viel Hardware Power verlangt, denn wer mit einem älteren PC unterwegs ist, wird halt auf Details verzichten müssen.

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