Nach zahlreichen erfolgreichen Ablegern stellte sich den Programmierern der Medal of Honor Serie wohl die Frage: “Und was machen wir als Nächstes?” Und weil es so schade ist, eine lieb gewordene Franchise wie diese einfach stehen zu lassen (und eine Neuorientierung à la COD4 viel Umstellung und Aufwand bedeutet) hat man sich für ein paar Neuerungen entschlossen. In Medal of Honor: Airborne greift der Spieler neu aus der Luft an – allerdings nicht per Flugzeug. Wie sich die erste MOH-Version für die PS3 im Review geschlagen hat, erfahrt ihr weiter unten.
Nach wie vor beackert die MOH-Serie das Thema Zweiter Weltkrieg. Als einzelner Soldat müsst ihr in 3D-Perspektive unter Mithilfe von eigenen Streitkräften Missionen lösen. Machmal steht eine Flak im Weg, manchmal müssen Panzer ausgeräumt werden, manchmal gilt es einfach ein Dorf zu erobern. Da sich das Spielziel in den letzten paar Games kaum verändert hat, haben sich die Entwickler ein paar neue, abwechslungsreiche Elemente ausgedacht. Neu startet man jede Mission aus der Luft. Als Fallschirmspringer gehört ihr zu einer Truppe von wahren Kampfsäuen, die dank ihrem Fallschirm jedes Mal mittendrin statt nur dabei landet.
Grundlegendes
Euer Name lautet diesmal Boyd Travers, Mitglied der ehrenwerten 82nd Airborne Division. Soldat Travers erzählt euch während der Zwischensequenzen regelmässig davon, wie er den Krieg erlebt – zusammen mit den gelungenen Cutszenes auch diesmal wieder ein
sehr atmosphärischer Einstieg und motivierend. In sechs verschiedenen Szenarien mit je mehreren Missionen kämpft man sich mit Airborne durch Europa, wobei das prägende Element jeweils der Fallschirmsprung zu Beginn der Mission ist. Dabei sieht man nach dem Absprung aus der Luft verschiedene Rauchsignale. Sie deuten an, wo man am besten landen könnte, um der bösen Brut die fiesesten Tiefschläge austeilen zu können. Nach ein paar Minuten ist der Spuk aber auch schon vorbei. Man ist auf dem Boden und Airborne spielt sich wie jedes andere Medal of Honor Spiel vor ihm.
Einen Unterschied gibt es allerdings: Da die Entwickler euch ja nicht zwingend können, wo ihr landet solltet, ist auch die Struktur der Aufträge deutlich offener. Zwar wird euch immer noch (zum Teil dynmisch, während dem Spiel) vorgegeben, was zu tun ist. Allerdings könnt ihr die Reihenfolge häufig selbst wählen, da die Maschinengewehre mit weniger Priorität vielleicht grad in der Nähe sind. Ein durchaus interessanter Ansatz, auch wenn das Game nach wie vor sehr linear vor sich hin rollt.
Ausstattung: Manche haben’s, manche nicht
Boyd ist wie immer mit einer netten Auswahl an Waffen ausgestattet, wobei er sich natürlich auch unterwegs bedienen darf. Wie
immer ist es nur möglich, zwei Waffen gleichzeitig zu tragen. Als Ass entpuppt sich dabei die Pistole, welche unbegrenzte Munition hat. Zwar etwas unrealistisch, aber oft ist man dann ganz dankbar dafür. Eine zweite, eingeführte Neuerung betrifft das Waffenhandling beziehungsweise die Munition. Nutzt ihr eine Waffe nämlich oft, dann wird man erfahrener und profitiert von der wundervollen Beziehung zwischen Soldat und Kanone. Genauer gesagt: Das Game belohnt einen mit grösseren Magazinen und einer ruhigeren Hand um gegen den Rückstoss anzukämpfen. Ein nettes Gimmick, allerdings im Spiel selbst nicht wirklich entscheidend. Zudem haben es die Entwickler verpasst, die Idee konsequent voranzutreiben und den Charakteren auch ein Gesicht zu verpassen. Es wäre sicher ganz interessant gewesen, ein paar Rollenspiel Elemente einzubauen und damit Boyd Travers zu entwickeln und zu pflegen.
A propos Entwicklung: Die Künstliche Intelligenz sowohl eurer Mitstreiter als auch der gegnerischen Soldaten ist absolut enttäuschend. Nebst schrägen Aktionen wie dem Nicht-in-Deckung-Gehen, oder Direkt-ins-offene-Feuer-Laufen leisten sie sich auch noch andere Patzer, die irgendwann einfach auf die Atmosphäre und das Gameplay schlagen. Airborne wird dadurch natürlich keineswegs unspielbar, trotzdem fallen die “dummen” NPCs einfach negativ auf.
Gegnerhorden
Medal of Honor: Airborne vertraut, wie schon erwähnt, auf Bewährtes. Deshalb kämpfen sich routinierte User trotz widriger KI und wahrer Horden von Gegner ziemlich schnell durch die sechs Abschnitte. Wer danach noch nicht genug hat, darf sich im Mehrspielermodus gegen Spieler rund um den Globus messen. Im Gegensatz zum oft unfairen Single Player Modus erfreut das Game besonders online durch spannende Matches, auch wenn dabei die Vor- bzw. meistens Nachteile gewisser Karten (taktischer Art) besonders deutlich werden. Diverse Modi sorgen für Abwechslung und dank einem offenbar sehr guten Netzcode kam es bei uns im Test kaum je zu Aussetzern oder Abstürzen.
Es glänzt und leuchtet…
Technisch macht Airborne einen guten, wenn auch nicht perfekten Eindruck. Man wähnt sich oft in einem Wechselbad
der Gefühle: Zuerst überzeugt eine lache Wasser mit tollen Texturen, dann kurvt man um die Ecke und ist fast schon etwas geschockt ab verwaschenen und einfach viel zu oft nur braunen Oberflächen. Ab und zu gibt es leider, im Gegensatz zum Multiplayer, auch Einbrüche in der Framerate, da einfach zu viele Soldaten angestürmt kommen, die es umzumähen gilt. Allgemein wirkt die Optik in Ordnung, enttäuscht aber an einzelnen Stellen durch offensichtliche, nun ja, Schlamperei. Soundtechnisch gibt es kaum etwas auszusetzen, da wie immer dynamisch richtig gesetzte und mitreissende Melodien aus dem Lautsprecher tönen und die Effekte gelungen sind.
Fazit
Medal of Honor: Airborne ist ein ziemlich normales Medal of Honor. Zwar gibt es ein paar neue Elemente, vom Spielprinzip her ändert sich jedoch herzlich wenig. Das mag für die einen gelegen kommen, die anderen wird’s weniger freuen. Tatsache ist: Die ziemlich kurze Kampagne im Verbund mit der teils mühsamen KI und einer nicht gerade überragenden Grafik sorgen leider dafür, dass dem Game eine 80er Wertung verwehrt bleibt. Das soll nicht heissen, dass Airborne keinen Spass macht, im Gegenteil. Nach wie vor sorgen die atmosphärischen Elemente und geskripteten Ereignisse für Spannung und der Mehrspielermodus ist gelungen. Aber es fehlt die Innovation und es stört die KI.

USK: keine Jugendfreigabe
PEGI: 16+
Multiplayer: 8
Sprache: Anleitung D, Spiel D, F, E, I
Preis: CHF 95.-
Off.Website: /www.moh.ea.com/
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