Dez 132007
 

Über World in Conflict wurde im Vorfeld oft debatiert. Manche dachten, es handle sich um einen Shooter; andere waren sich sicher, dass dieses Game die Echtzeitstrategie revolutionieren würde; wieder andere massen dem Spiel keine Bedeutung zu. Nun ist es da und wir müssen ehrführchtig sagen: Es gibt wohl kaum ein besseres Produkt, um in die verdienten Ferien zu starten. Auch wenn wir etwas spät dran sind mit unserem Review, so wollen wir euch die Gründe für das tolle Abschneiden trotzdem nicht verheimlichen. Mehr über ein geniales Game und eine geniale Story gibts bei uns im Review.

Interessante Frage: Was wäre wohl passiert, wenn der Kalte Krieg tatsächlich ausgebrochen wäre – nur ohne Atombomben? Normalerweise geht man immer davon aus, dass das „Gleichgewicht des Schreckens“ beide Parteien von einem Angriff abhielt, weil das Resultat offensichtlich war: Komplette Zerstörung und Auslöschung der Menschheit. Was aber, wenn ein Krieg ohne Atomwaffen ins Rollen gekommen wäre, beide Parteien unfähig, den ersten Atomschritt zu wagen? Genau diese Geschichte erzählt World in Conflict. Nur kommt es hier gleich doppelt drammatisch: Anstatt nur Europa zu überfahren, greifen die Sowjets auch gleich mitten im Herzen des Kapitalismus an: den USA. Leider kommt der nachfolgende totale Krieg dann doch nicht ohne Atomwaffen aus.

Heikles Thema, toll umgesetzt
Vielleicht etwas widersprüchlich, dieser Titel, aber eine Tatsache. World in Conflict ist ein klassisches Echtzeitstrategiespiel, dass sich zum Teil an realen politischen und militärischen Begebenheiten orientiert und damit natürlich mit einem brisanten Thema spielt. Die Uncut-Fassung arbeitet denn auch mit Termini wie eben der Atom-Bombe – diese regelmässig auf amerikanischem und europäischem Boden zu zünden, wenn auch im Spiel, ist moralisch sicherlich ein paar Gedanken wert. Erzählt wird die Geschichte von World in Conflict mit rasanten Cutszenes, gezeichneten Bildern und vor allem einer dramaturgisch genialen Erzählweise. Die Perspektive (nicht im Spiel, sondern aus Erzählersicht) wechselt abwechslungsweise von einzelnen Schicksalen zu distanzierteren Ansichten, welche den jeweiligen nationalen oder auch globalen Aspekt des Krieges zeigen. Die Entwickler schaffen damit eine Hintergrundgeschichte, die extrem faszinierend und trotz der fiktiven Handlung manchmal erschreckend nahe ist.

Endlich keine Basen mehr
Ein richtiges Urgetüm der Echtzeitstrategiespiele ist der Basenbau. Klassische Games lassen einen Rohstoffe fördern, Basen bauen und nach ein paar Stunden mit einer (hoffentlich dem Feind überlegenen) Armee das gegnerische Lager angreifen. Im Prinzip todlangweilig, denn die Basenbauerei hat mit dem Gegenspieler herzlich wenig zu tun – es geht lediglich darum, wer schneller ernet und baut. World in Conflict bzw. dessen Entwickler haben dies erkannt und arbeiten deshalb mit ganz anderen Mitteln. Vor jeder Mission hat der User eine Anzahl Punkte zur Verfügung, mit denen er Waffen einkaufen kann. Das Arsenal reicht dabei von Artillerie über Luftunterstützung bis hin zur normalen Infanterie und Panzer jeglicher Grösse. Gekaufte Einheiten werden dann per Transportflugzeug geliefert (ihr erinnert euch sicher auch noch an die NOD-Landebahn aus C&C 1 ;)). Dieses Prinzip ermöglicht nicht nur ein schnelleres, sondern vor allem auch ein taktischeres Gameplay. Da die ausgegebenen Punkte für zerstörte Einheiten langsam wieder gut geschrieben werden, wollen Angriffe gut geplant sein. A propos planen: Dank hervorragenden Balancing zwischen den Einheiten muss man als Kommandeur auch aufpassen, welche gegnerischen Truppen man wie angreift. Hinzu kommen taktische Luftschläge, Artillerie und die angesprochenen (seltenen) Atombomben, die beim richtigen Einsatz das Blatt jederzeit noch wenden können.

So ganz ohne Basen gehts doch nicht…
.. was aber nicht bedeutet, dass ihr selber welche bauen könnt. Nur finden sich innerhalb der meistens sehr abwechslungsreichen Missionen oft Stellen, an welchen ihr strategisch wichtige Punkte halten müsst. Dabei bauen sich automatisch Verteidigungsanlagen auf, die euch helfen, regelmässige Angriffe abzuwehren. Ein Element, dass sich leider im Verlauf des Games oft widerholt und die ansonsten hervorragende strukturierten Aufträge etwas durchwässert. Nebst diesen Verteidigungsmomenten haben die Entwickler von Massive Development aus dem vollen geschöpft: Fast jede erdenkliche Kriegslage wird irgendwann zelebriert und, das ist der Hauptpluspunkt, ist jeweils perfekt in die sich entwickelnde Hintergrundgeschichte eingebaut. Das schafft viel Atmosphäre, treibt einen voran. A propos voran treiben: Leider tut dies auch der Gegner und zwar ohne Rücksicht. Das Resultat sind selbstmörderische Aktionen, wie man sich schon in den Urvätern des Genres kennen gelernt hat. Steht einmal eine aktive und feste Verteidigung, hindert das den CPU Gegnern nicht, noch etliche Angriffe zu starten – obwohl die absolut keine Chance haben. Ein kleiner Wermutstropfen, da sich die KI sonst eigentlich angemessen verhält.

Online für Furore sorgen
Ein so tolles Echtzeitstrategiespiel braucht natürlich einen Onlinemodus. Gesagt, getan: Die Entwickler haben drei verschiedenen Modi eingebaut. Ein komplett freies Spiel gibt es nicht, da man ja bekanntlich keine Basen aufbauen kann. Statt dessen kommt bei zwei von drei Modi die klassische Battlefield-Idee zum Zug. Auf der Karte (bzw. bei einem Modus auf einer Linie) verteilte Kommandoposten müssen besetzt und gehalten werden. Wer mehr Posten hält, gewinnt mehr Punkte und steht am Ende als erfolgreicher Sieger da. Im dritten Modus vertraut ein User komplett auf seine Verteidigung, während eine anderer als Eindringling fungiert. Sämtliche Modi lassen sich auch zu viert spielen, wobei jeweils zwei Teams kooperieren. Hier kommt dann vollends die taktische Karte zum Zug. Wer kooperiert und sich mit seinem Partner abspricht, kann durchschlagenden Erfolg haben. Wer jedoch seine Einsiedler-Suppe kocht, wird kaum auf einen grünen Zweig kommen. Spannend, denn World in Conflict hebelt so gekonnt die ewige Basenbauerei und Tank-Rush-Angriffe aus.

Oooh..! aaaaaaah!
Nein…. nicht was ihr denkt. Ungefähr so tönt es, wenn man die erste richtige Schlacht in World in Conflict miterlebt. Gebäude zerfallen, Artillerie-Schläge legen halbe Quartiere in Schutt und Asche, Blitze durchzucken die Nacht und Atombomben sorgen genau für zusätzlich offene Münder. Die Sicht auf das Schlachtfeld lässt sich frei einstellen, was einerseits manchmal zu hektischen Kameraumstellungen führt, andererseits extrem spannende Perspektiven erlaubt. Die Grafik ist allgemein sehr detailliert; besonders überzeugend wirken Rauch- und Lichteffekte. Tolle Animationen und saubere Texturen runden das optische Juwel ab. Auch im Soundbereich kann World in Conflict punkten. Die Effekte passen wie die Panzerfaust aufs Auge und ausnahmsweise hat man sich auch in der Wahl der Synchronsprecher nicht vertan. In einem Wort: Dieses Spiel ist technisch ein absolutes Highlight. Lediglich die logischerweise hohen Hardware Anforderungen (besonders in Punkto Grafikkarte) sind trüben das Bild etwas.

Fazit
Spannende Story, fesselndes Gameplay, guter Onlinemodus und eine fast perfekte technische Leistung. Was will man mehr? Wären da nicht die Einbrüche in der KI und der manchmal (innerhalb der Missionen) leicht repetitive Faktor sorgen leider dafür, dass World in Conflict eine Wertung im 95-er Bereich verwehrt bleibt. Wer sich mit Echtzeitstrategie befasst und einen entsprechenden PC hat, sollte aber trotzdem unbedingt zugreifen. Alleine die Single Player Kampagne ist es wert!


USK: ab 16 Jahren
PEGI: 16+
Multiplayer: 16
Sprache: Anleitung D, Sprache E, Text D,F,I,E
Preis: EUR 49.95 / CHF 79.-
Mindestanforderungen: Pentium IV 2.0 GHz, 512 MB RAM (Vista 1 GB), 100% DirectX 9.0c kompatibel mit 128 MB und den aktuellsten Treibern.
(Hinweis: GeForce 4 MX, Radeon 8500, 9200-Karten werden nicht unterstützt). Win XP/Vista, 8 GB Festplattenspeicher.
Off.Website: www.worldinconflict.com/de/