Dez 152007
 

Sudden Strike… da klingelt was. Genau, im Jahr 2000 erschien der erste Part dieses Echtzeitstrategiespiels und konnte sich, aufgrund realistischer Gefechte und stark taktischen Gameplays eine nette Fangemeinde anhamstern. Rund zwei Jahre später sprang Sudden Strike 2 auf den losdonnernden 3D-Zug auf- – seither ist es um die Serie ziemlich still geworden. Mit einiger Verspätung ist nun Sudden Strike 3: Arms for Victory erschienen. Während Urfans jubeln, wagen sich Neulinge nur mit Vorsicht an das neue Stück Software. Mit recht: Teil 3 beisst.

Es ist im Normalfall etwas verdächtig, wenn für ein durchschnittliches Computerspiel fünf Jahre Entwicklungszeit draufgehen. Aber ich will nichts vorneweg nehmen. Die Story von Sudden Strike 3 kann man sich sparen; es hat nämlich eigentlich auch keine. Für Neueinsteiger sei lediglich erwähnt, dass sich das Geschehen im Zweiten Weltkrieg abspielt und man dort die üblichen Verdächtigen antrifft (Japaner, Deutsche, Alliierte). Hovercrafts, Laserkanonen und Roboter sucht man deshalb vergeblich, sondern es wird strikte das damals aktuelle Arsenal verwendet. Hinzu kommt ein hoher Realismus-Faktor. Geschütze brauchen Transport, Panzer Sprit und Truppen Munition – alles euer Aufgabe.

Ein Kuriosum: Der „Kriegsnebel“
Bis hierhin ist auch Sudden Strike 3: Arms for Victory nichts anderes als ein weiterer Echtzeitstrategietitel mit einem tüchtigen Schlag Taktik und einer deftigen Portion Realismus. Das bedeutet für Fans von World in Conflict oder Command & Conquer vor allem, dass man sich umgewöhnen muss. Basen bauen und danach den Feind ‚rushen‘, wie es in der Gamersprache so schön heisst, ist nicht. Dies liegt vor allem auch am ‚Kriegsnebel‘. Dieses bereits aus den ersten erfolgreichen Vertretern des Genres bekannte Feature sorgt dafür, dass man als User zu Beginn die Karte nicht sehen kann. Erst wenn sich eigene Einheiten in das Gelände begeben, verzieht sich der Nebel. In den meisten Spielen bleibt er dann ganz weg oder erscheint als weniger Dichte Variante, die zwar Feind, aber nicht Terrain verdeckt. Anders bei Sudden Strike 3: Zieht man eine Einheit ab, wirds dunkel. Komplett undurchsichtig. So muss man sich mühsam mit Entdeckern vorantasten, bis die ersten feindlichen Stellung erkannt sind. Was dahinter kommt, ist unklar. Wo man seine Artillerie hinschiessen lassen soll, ist ebenfalls unklar. Im Prinzip hat man vom kompletten Spielfeld keine Ahnung, ausser wenn eigene Truppen in der Nähe sind. Das ist, besonders bei den grossen Karten, eine ziemliche Zumutung und erschwert das Game locker um 50-100 Prozentpunkte.

Detailverliebtheit
Was man auch dem dritten Teil der Serie gut halten muss, ist die Detailverliebtheit. Die Unmengen an Einheiten werden nicht nur einigermassen realistisch dargestellt, sondern agieren auch sehr realistisch. So kann den Mörsern die Munition sichtbar ausgehen, Panzer bleiben mit geschlissenen Ketten liegen und vom riesigen Schlachtschiff bis zum einzelnen Soldaten sind alle Einheiten sichtbar. A propos Marine: Die ist zum ersten Mal mit dabei, darf aber leider nicht direkt gesteuert werden, sondern dient nur der taktischen Unterstützung aus der Distanz.
Die Steuerung sollte für Kenner der Serie oder allgemein Strategiespieler kein Problem darstellen. Was in der Theorie Sinn macht, muss aber in der Praxis nicht immer funktionieren. So gestaltet sich das Anwählen von Truppen zum Teil extrem mühsam, besonders, wenn diese kaum sichtbar hinter Nebel und Verteidigungsstellungen hocken. Auch sonst scheint man gewisse Elemente der Kontrolle nicht komplett überdacht zu haben – was zusammen mit der eher veralteten Technik den Verdacht nahe legt, dass man beim Entwickler Fireglow die letzen Jahre mehr gespielt als entwickelt hat.

Der Umfang machts (manchmal)
Wie erwähnt gibt es keine richtige Story, was bedeutet, dass es eigentlich auch keine Kampagne gibt. Statt dessen darf man 15 Missionen nach und nach durchackern, wobei der Schwierigkeitsgrad selbst echte Veteranen zu erschrecken vermag. Das liegt teilweise am erwähnten Fog of War, teilweise auch am fehlenden leichten Einstieg. Anfänger werden sozusagen ins kalte Wasser geworfen und bekommen, bei entsprechendem Durchhaltevermögen, ständig wieder eins auf den Deckel. Auch wenn Fireglow mit diesem Spiel nur Profis oder Kenner der Materie ansprechen wollte: So wird das nichts.

Fünf Jahre für DAS?
Während andere Games wie Conflict mit ihrer grafischen Darstellung protzen, enttäuscht Sudden Strike 3: Arms for Victory mit einer von-vor-2-Jahren-Optik. Wie erwähnt sind die Einheiten zwar sehr detailliert und auf den ersten Blick wirken Terrain und Animationen ganz okay. Man kann die Darstellung aber bei näherem Hinsehen bestenfalls als in Ordnung bezeichnen. Einen Blumentopf haben die Entwickler damit also garantiert nicht gewonnen. Echte Zweit-Welt-Kommandeure brauchen bei einem derart hohen Schwierigkeitsgrad keine Ablenkung, weshalb Fireglow die Musik im Spiel gleich weggelassen hat. Nicht weiter tragisch, da wenigstens die Effekte auf der ganzen Linie zu überzeugen wissen.

Fazit
Ja, Sudden Strike hat damals eine Menge Spass gemacht. Ich bin sogar versucht gewesen, den Titel nochmals aus der Kiste zu holen beim Schreiben dieses Tests. Der indirekte Nachfolger hats aber leider ziemlich vergeigt. Echte Fans mit einem Hang zum Masochismus dürften nach wie vor ihren Spass haben, denn das Spiel bietet einige einzigartige Features, die das Zeug zu einem echten Nischenknaller hätten. Für das Gros der User ist Sudden Strike 3: Arms for Victory
zu schwer, zu unzugänglich, zu wenig atmosphärisch. Hinzu kommt die veraltete Technik, mit der man bei den jungen Spielern heute sowieso schon alles verbockt hat. Wir empfehlen deshalb: Für Fans der Serie und Hardcore Taktiker sowie Strategen einen Blick wert, alle anderen dürfen getrost weitersurfen.

Steuerung

Geht in Ordnung, hat aber Schwächen.

65%

Grafik

Veraltet. Für Fans aber durchaus noch brauchbar.
Sound

Keine Musik während dem Spiel, gute Soundeffekte.
Spielspass

Kaum Atmosphäre; viel zu schwierig; mühsamer Fog of War; viel Detailarbeit
Sonstiges

Keine Story vorhanden; 8 Spieler im Netwerk

Genre: Strategie
Entwickler: Fireglow
Publisher: Koch Media
USK: ab 16 Jahren
PEGI: 12+
Multiplayer: 8
Sprache: Deutsch
Preis: 45.95 EUR /CHF 75.-
Off. Website: www.suddenstrike.com
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