Jan 152008
 

Die Sim City Franchise ist kultig. Das nach wie vor sehr unverbrauchte Konzept (Städte aufbauen und organisieren) geht diesen Januar in die fünfte Runde mit Sim City Societies. Ob die Entwickler es erneut schaffen, das klassische Sim City Suchtverhalten an den Tag zu bringen? Wir haben uns den Titel näher angeschaut und sind zu einem soso, lala Urteil gekommen. Mehr zu den Gründen für die Abstriche in der Wertung erfahrt ihr in unserem Review.

Obwohl die Sim City Serie auf Echtzeitstrategie erinnert, handelt es sich im Prinzip um eine Städtesimulation. Der User kann zwar durchaus selbst Gebäude, Strassen und ganze Stadtteile bauen, ist aber immer dem Urteil der Bewohner (=Sims) unterworfen. Anders als in Echtzeitstrategiespielen muss man sich hier an den Wünschen des Volkes orientieren, nicht umgekehrt. Hinzu kommen kompliziertere Themen wie Steuern, Religion, Industrie, Arbeitslosigkeit, Budgets, etc. Dass die auf den ersten Blick trockende Materie tatsächlich Spass machen kann, hat die Serie in fast zwei Jahrzehnten eindrucksvoll bewiesen.

Schaffe, schaffe, Häusle baue
Im normalen Spielmodus ist es dem User überlassen, wie er seine Stadt entwickeln möchte. Gewisse Voraussetzungen (Wassernetz, Strom, etc.) müssen natürlich immer erfüllt sein, um eine sich entwickelnde Stadt zu generieren. Aber man kann Look & Feel, das Aussehen, den Charm, die Identität seines Produkts nach belieben anpassen. Städteplaner gehen dabei wohl von Beginn weg strukturierter vor als Hobby-Simsler. Dabei entstehen gerade aus der ungeplanten Vorgehensweise oft die interessantesten Gebilde. Das Prinzip ist so einfach wie genial: Mit einem vorgegebenen Budget pflastern man Strassen und Gebäude, sorgt für Strom, Schulen und Polizei. Um gewisse Gebäude bauen zu können, benötigt man aber ein bestimmtes Mass an Wohlstand. Ein Fussball-Stadion für ein Nest mit 10’000 Seelen macht nun mal keinen Sinn – egal wie sehr man es möchte :) Andere Kriterien sind Religion (Kirchen und weitere Bauten), Produktivität (Wirtschaft, Industrie) oder Wissen (Unis, Schulen, Bibliotheken). Der Charakter der eigenen Stadt prägt natürlich auch die Bewohner. Einige haben mehr Einfluss und müssen strenger beobachtet werden, damit man Trends erkennen und fördern oder ihnen entgegen wirken kann. Das Feature kennen Veteranen vielleicht noch aus den alten Sim City Folgen, wo man per Zeitung über Bürgerbegehren informiert wurde.

Einfluss im Detail
Societies bietet eine gewaltige Fülle an Details – das wahre Leben im Prinzip. Plötzlich werden zu lange Arbeitswege wichtig, die Sims bekommen Steuererhöhungen in den falschen Hals oder das neu gebaute Einkaufszentrum floppt. Man muss sich also permanent um Hundert verscheidene Dinge gleichzeitig kümmern. Das tönt nach Stress, was es zum Teil auch ist. Allerdings haben die Entwickler ein brauchbares Tutorial integriert. Zudem lassen sich (zum Glück abschaltbare) Tipps anzeigen, so dass man immer auf die Aufgaben mit Priorität hingewiesen wird. Auch kompletten Neueinsteigern sollte der Start in Societies deshalb nicht schwer fallen.
Der Standardmodus des Spiels ist klassischerweise endlos. Es gibt zwar durchaus gewisse Ziele, die man erreichen muss, aber ein endgültiges Gameziel fehlt. Stattdessen findet man Erfüllung in der Einführung von sauberer Energie, dem errichten von modernen Gebäuden und dem umfunktionieren von alten Stadtteilen. Wem dies zu langweilig ist, der darf auch noch auf weitere Modi zurückgreifen. Der wohl prominenteste dürfe der freie Modus sein. Hier spielt Geld keine Rolle und alles darf gebaut werden. Ideal für Anhänger der kreativen Stadtplanung, aber ehrlich gesagt auch desaströs für die Langzeitmotivation. Der Modus hat ungefähr den Effekt eines Cheats – zuerst sehr viel Spass, dann fehlt innerhalb von kurzer Zeit eine Herausforderung.

Höllenmaschine nötig
Sim City Societies überzeugt mit einer schicken Optik. Insgesamt wurden mehrere Hundert Gebäude ins Spiel integriert, so dass man seiner Kreativität freien Lauf lassen kann. Schon das beobachten der Bewohner selbst macht sehr Spiel Spass, da es auch an den Details nicht fehlt. Hinzu kommen schöne Licht- und Wettereffekte. Leider arbeitet die Engine je langsamer, je grösser die Städte werden. Wer mit einer einigermassen ansehnlichen Stadt seine Freunde beeindrucken möchte, muss eine echte Höllenmaschine unter dem Tisch haben – aber auch dort kommt die Hardware häufig nicht mit der Software mit. Schade, denn das Ruckeln ist einfach störend.

Fazit
Sim City Societies ist ein mehrheitlich gelungener Nachfolger. Neu Ideen sucht man leider vergeblich, aber dafür ist das Game von Beginn weg für Kenner und Einsteiger anspruchsvoll. Leider flacht die anfängliche Faszination mit der Zeit ab, weil sich zu viele repetitive Elemente ins Gameplay geschlichen haben. Ab einer gewissen Grösse trübt auch die Technik das eigentlich gute Resultat dieses Tests. Sim City Fans sollten aber trotzdem auch dieses Mal zuschlagen. Wer noch keine Erfahrungen mit im Städtebau gemacht hat, sollte eine Demo antesten.

Steuerung

Gelungen. Dank Tutorial und Tipps auch für Einsteiger meisterbar.

76%

Grafik

Detailliert und schön, kämpft aber mit Einbrüchen und Rucklern bei grossen Städten.
Sound

Da gibt es wenig auszusetzen. Nette Melodien und Geräusche.
Spielspass

Kaum neue Gameplay-Elemente, dafür Suchtgefahr wie eh und je.
Sonstiges

Kein Mehrspielermodus; Hardwareanforderungen

Genre: Simulation
Entwickler: Tilted Mill
Publisher: Electronic Arts
USK: ohne Altersbeschränkung
PEGI: 7+
Multiplayer: –
Sprache: Deutsch
Preis: 38.90 EUR /CHF 79.-
Off. Website: simcity.ea.com
Weiter zur Bildergalerie