Ende 2006 gesellte sich ein Adventure auf den PC und mischte so ziemlich alle Spiele des Genrés auf. Die Rede ist von Geheimakte Tunguska, welches damals die Messlatte sehr hoch legte und eine unglaublich spannende Story bot. Während bereits ein zweiter Teil für den PC in der Mache ist, wurde das Deep Silver Adventure von keen games umgesetzt und wird neben Wii auch für den Nintendo DS erscheinen. Da Adventures auf der Wii-Konsole rar gesät sind, ist Geheimakte Tunguska ein Lichtpunkt am Ende des Tunnels und stellt alles bisher Dagewesene in den Schatten. Dabei nutzt die Wii-Version natürlich die Pointer-Funktion, lässt jedoch zum Glück Fuchtelbewegungen komplett aus. Das Tolle ist: Nicht nur Genré-Fans werden auf ihre Kosten kommen.
Geheimakte Tunguska liefert eine Story, die zum Teil auf wahre Begebenheiten beruht und eine wahrlich passierte Katastrophe mit einbindet. Am 30. Juni 1908 erschütterte eine heftige Explosion die Tunguska-Region in Zentralsibirien, welche anscheinend von einem unbekanntem Objekt ausgelöst wurde. Die Explosion hatte eine Wucht von 2000 Hiroshima-Bomben und konnte noch in einem Umkreis von 1.000 Km gehört werden. Insgesamt fällte das Ausmaß über 6.000 qKm Kiefernwald und ließ die meisten Augenzeugen verbrennen. Bis heute ist nicht bekannt, was damals genau passiert ist und trägt Diskussionsgrundstoff für zahlreiche Verschwörungstheorien.
Die Story im Spiel beginnt jedoch vollkommen anders: Die Hauptprotagonistin Nina Kalenkow stellt eines Tages fest, dass ihr Vater, ein erfolgreicher Naturwissenschaftler, spurlos verschwunden ist und findet sich zunächst in einem Berliner Naturkundemuseum ein. Der Arbeitsplatz ihres Vaters ist verwüstet und auch sonst ist alles anders als bisher. Nina bittet bei der Polizei um Hilfe, doch anscheinend möchte man sich dem Fall nicht annehmen. Nina beschließt der Sache selbst auf den Grund zugehen und trifft zunächst auf Max Gruber, ein junger Kollege von Dr. Kalenkow. Die Sache wird immer mehr und mehr unheimlicher, da sich plötzlich auch der angeheiterte Hausmeister einbringt und dunkle Gestalten ohne Gesichter in schwarzen Roben gesehen hat. Und er scheint nicht der Einzige zu sein, der sich die Augen reibt. Ob die mysteriösen Erscheinungen etwas mit dem Verschwinden von Ninas Vater zu tun haben? Und warum fühlt sich Nina überhaupt verfolgt? Die Reise bringt die beiden Hauptcharaktere unter anderem nach Kuba, China, Antarktis, Berlin und Moskau.
Damals brachte Geheimakte Tunguska frischen Wind in die angestaubten Adventures. Das resultierte besonders aus der Story und auch durch die Steuerung. Zwar galt auch dort, dass man nur mit dem Mauszeiger steuerte, jedoch gab es ein besonders Feature, was vor allem für Anfänger interessant war. Drückte man auf der Tastatur einen Knopf, erschienen alle Hot Spots, die man anklicken konnte. Daher mussten sich Anfänger nicht erst durch die vorgerenderten Hintergründe kämpfen, sondern konnten relevante Dinge gezielt ansteuern. Ein weiterer Punkt war auch das super Interface, welches der Übersichtlichkeit die Hand schüttelte. Nun ist es bei Konsolen-Umsetzungen oftmals so, dass die Spieler auf die genialen Features der Vorbilder verzichten müssen. Doch die Wii Version musste nichts davon einbüßen. Das Interface wurde leicht überarbeitet und sieht nun moderner und frischer aus. Wie gehabt, befinden sich alle eingesammelten Objekte in einer unteren Leiste, die mit dem Steuerkreuz eingeblendet werden kann. Mit dem Steuerkreuz oder mit den Pfeilen in der Leiste kann der Spieler zwischen den einzelnen Objekten hin- und herschalten. Wie es sich für Adventures gehört, sind alle Objekte mit anderen Objekten im Gepäck oder der Umgebung kombinierbar. Dabei verändert der Cursor, welcher wie eine Wiimote aussieht, nicht sein Aussehen, sondern markiert die Buttons, die man gerade verwenden kann. Das kann entweder der A- oder B-Button sein. Letzerer lässt Objekte untersuchen, während der A-Button Aktionen ausführt.
Und da die Genialität nicht verloren ging, legen die Entwickler bei der Wii Version noch einen drauf. Es ist kein Geheimnis, dass die meisten Spiele die Pointer Funktion der Wiimote nicht richtig beherrschen. Das lässt nicht nur Frust entstehen, sondern auch das betroffene Spiel in die Ecke wandern. Wer das erste Mal Hand an die Steuerung anlegt, wird sofort überrascht sein. Geheimakte Tunguska ist eines der wenigen Wii-Spiele, was die Genauigkeit der Pointer Funktion perfekt ausnutzt. Man hat sogar das Gefühl, dass die Steuerung weicher und angenehmer ist, als jene im Wii-Menü. Es fühlt sich an, als hätte man eine Computer Maus in der Hand. Die Spieler haben insgesamt zwei verschiedene Möglichkeiten die Charaktere zu steuern. Überall wird zwar die Wiimote als Pointer genutzt, doch lässt sich optional auch der Nunchuk anschließen, womit sich die Figur schneller bewegen lässt. In der Praxis gestaltet es sich sogar um einiges komfortabler, als wenn man einfach nur die Charaktere herumklickt. Möchte man ein Rätsel lösen, bei dem Nina oder Max die relevante Bildstelle verdecken, genügt es einfach den Control Stick in eine bestimmte Richtung zu bewegen.
Apropos Rätsel: Besser hätte man diese wahrscheinlich nicht
integrieren können. Nie hat man das Gefühl, dass die Spielzeit künstlich in die Länge gezogen wird. Die Rätsel sind sehr bedacht und vor allem logisch, so dass sie hervorragend in das Spiel passen. Darüber hinaus bietet Geheimakte Tunguska auch in bestimmten Abschnitten die Möglichkeit, dass man zwischen Nina und Max hin- und herschalten kann. Nehmen wir als Beispiel mal das Militärkrankenhaus. Dort benötigt Nina unbedingt das Skalpell, doch sie ist in einem Raum eingeschlossen und kann mit Max nur via einem Wasser-Ablaufrohr kommunizieren. Er kann wiederum das Skalpell beschaffen, doch es scheint keinen Weg zu geben, Nina das ärztliche Instrument zukommen zu lassen. Ist ein Rätsel mal zu schwer, darf man sich im kooperativem Gameplay (exklusives Wii Feature) von einem zweiten Spieler helfen lassen.
Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert
"Ungewöhnliche Situationen, verlangen nach ungewöhnlichen Maßnahmen!" Die Charaktere scheinen geradezu nur so vor witzigen und sarkastischen Sprüchen zu strotzen, verlieren dabei allerdings niemals ihre Seriosität. Nicht nur die Glaubwürdigkeit, sondern auch die einzigartige Darstellung eines jeden Charakters ist damit phänomenal. Dadurch können sich die Spieler mit Nina und Max bestens identifizieren, was den Spielfluss angenehmer gestaltet. Im Laufe des Spieles trifft man auf unzählig viele Charaktere, wie etwa Forscher, Soldaten oder Geheimagenten. Selbst eine kleine Anspielung auf einen gewissen Piraten aus einem gewissen alten PC-Adventure gibt es. Und das Schöne ist: Es wird niemals langweilig.
Als Geheimakte Tunguska damals für den PC erschien, war die Enttäuschung wegen des minimalistischen Abspannes groß. Die Entwickler lieferten einen Patch nach, der ein alternatives Ende einbaute. Das wurde natürlich bei der Wii-Version übernommen und so darf man sich auf ein amüsantes Ende freuen.
Grafik
Grafisch macht das Spiel alles richtig. Zum einen sind da die vorgerenderten, sehr detaillierten Hintergründe, die das Spiel optisch aufwerten. Zum anderen sind die Animationen der Charaktere mit Motion Capturing filmreif in Szene gesetzt worden. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Effekte und stimmungsvolle Videosequenzen. Die Licht- und Schatteneffekte werden sogar in Echtzeit berechnet, was die Szenen lebendiger wirken lässt.
Sound
Auch beim Sound macht Geheimakte Tunguska keine Ausnahmen. Die Entwickler liefern eine extrem gute Synchronisation der Stimmen ab, die wirklich ihresgleichen sucht. Mit dabei sind die deutschen Stimmen von Orlando Bloom, Christian Slater, Jonny Depp, Tom Hanks, Roger Moore, Kurt Russell, Steven Seagal, Antonio Banderas oder auch Lisa und Homer Simpson.
Die Musik gestaltet sich genauso hochwertig. Orchestralisch angehauchte Musik und eine ausgefeilte Geräuschkulisse, lassen die Spieler direkt in das Geschehen eintauchen.
(Fazit weiter unten)
Wir bedanken uns bei Koch Media für die freundliche Bereitstellung eines Testmusters.
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7 Kommentare zu “Geheimakte Tunguska Review / Test”Hinterlasse einen Kommentar | |||
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Krass, das Spiel kommt doch erst am 25. April. Wir sind ja richtig schnell!
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Ich bin sehr von dem Spiel überrascht(habe es jetzt in zwei Tagen durchgespielt, da ich die Rätsel schon kannte), da ich nicht gedacht hätte, dass es die PC Version noch in einigen Punkten übertreffen könnte. Man kann schon sagen, dass es eines der besten Wii-Spiele ist und die Wertung ist mehr als gerechtfertigt.
Und dass es nicht heißt, wir würden irgendwelche zwielichtigen Versionen nutzen, hier ein Foto von der Original DVD ;-) :
http://img267.imageshack.us/img267/4247/img3317ed0.jpg
Du hast mir ordentlich Lust auf das Spiel gemacht. Hoffentlich verkauft sich das gute Stück ordentlich. Es wäre fantastisch, wenn die erstklassigen Adventures, die für den PC ab und zu erscheinen, parallel auch für die Wii herauskommen würden. Das wäre einfach ein Traum für jeden Adventure-Fan! *hoff*
Der zweite Teil wird ja noch in diesem Jahr für den PC erscheinen und im Abspann von Geheimakte Tunguska(Wii) ist auch die Rede davon(ich hoffe ich verrate nicht zuviel), dass wir beide im zweiten Teil wiedersehen werden. keen games(verantwortlich für die Wii-Version) arbeitet übrigens an einem weiteren Wii Titel (undisclosed project (Nintendo Wii™)). Um was es sich dabei handelt, ist leider noch nicht bekannt. Also gehe ich davon aus, dass es möglicherweise der zweite Teil sein könnte.
Ein Pflichtspiel für mich – nur: für welches System: DS oder Wii?! Gibts irgendein gewichtiges Argument für die DS Version?
Glaube kaum. Außer du bis dauernd auf Reisen.
Das Spielerlebnis auf der Wii ist doch sicher tausendmal besser.
Die DS Version wird eben keine Sprachausgabe habe, das ist wohl eher das einzigste Manko. Ansonsten wird sie sich inhaltlich nicht von den anderen Versionen unterscheiden. Da man aber hier die Chance auf eine extreme gute Wii-Steuerung hat und die Sprachausgabe grandios ist, wäre ich persönlich für die Wii-Version. Jedoch lohnen sich beide, da man das Spiel mehr als nur einmal durchspielt ;-) .
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