Mai 192008
 

Ein Spiel, das auf einem Film basiert, welcher auf einem Comic basiert gab es schon öfter als einem lieb sein kann. War jemals etwas sehenswertes dabei? Leider erheblich seltener, als es das Ausgangsmaterial verdient hätte. Man wird das Gefühl nicht los, dass in der heutigen Zeit Umsetzungen zu Blockbuster Filmen nurmehr Pflicht sind, es fehlt ihnen an Herzblut, Witz und Abwechslung. Fans der Vorlagen sind wohl schon von vornherein enttäuscht, doch wer kauft sich dann die Games, denn scheinbar ist es ja ein lohnendes Geschäft?

Ob sich die jüngste Versoftung einer Comicverfilmung dem Fluch der Lizenzspiele entziehen kann oder ob der eiserne Mann ein Fall für den Schrottplatz ist, klärt unser Review.

Das hat Herr Downey nicht verdient
Die Story im Spiel lehnt sich lose an die Vorkomnisse der Leinwandversion an, immerhin konnte Robert Downey Jr. auch als Snychronsprecher gewonnen werden. Jedes Level findet in einem recht großen Areal statt, welche nach eigenem Gutdünken frei beflogen werden dürfen. Die ersten beiden Missionen trägt unser Held noch ältere Versionen seines Anzuges, erst ab der dritten Stufe streift es das derzeit aktuelle Kostüm über. Zwischen der Action wird die Story in kleinen Einspielern weiter erzählt, solange diese mit der Ingame Grafikengine dargestellt sind, ist alles in Ordnung, doch die gerenderte Zwischensequenzen sehen einfach nur grauenvoll aus.


Das aufgedunsene Gesicht weist auf Alkohol- und Drogenmissbrauch hin

Dank der Grafikpower heutiger Konsolen sind solche Kapriolen eigentlich total überflüssig und eine reine Zeitverschwendung. Vor allem dann, wenn die normale Spielgrafik um Längen besser aussieht. Schade um diese maßlose Vergeudung von Zeit und Budget, verlorene Energie, die dem eigentlichen Spiel nur gutgetan hätte.

Wurde der nächste Auftrag nun also vermittelt, darf man zuerst noch die Ausrüstung des eisernen Panzers anpassen, je erfolgreicher die Ziele absolviert werden, desto mehr Geld für Upgrades steht zur Verfügung. Jede Mission hat unterschiedliche Kategorien von Zielen, wovon im Prinzip nur das primäre Objektiv zwingend erfüllt werden muss. Der Rest ist optional, meist verdammt schwer, spült dafür aber natürlich auch etwas mehr Kohle in die Kassen.

Das Leben einer Kampfmachine
Der Spielverlauf ist immer der gleiche, eine Reihe von orange markierten Objekten gilt es auszuschalten, während die blauen Markierungen normale Gegner darstellen, welche meist auch zwingend zu erledigen sind, will man denn mit heiler Haut davonkommen. Mr. Stark schwingt sich elegant durch die Lüfte, kann entweder auf der Stelle schweben oder in zwei Geschwindigkeitsstufen nach vorne düsen. Dieses Element ist auch das spaßigste im Ganzen Game. Auf dem Boden sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Hier stolpert die Figur ungelenk über Stock und Stein und erweckt eher den Eindruck eines von der Schwerkraft losgelösten Dauerläufers als eines Superhelden.

In der Theorie sollten die Gegner entweder auf Luft oder auf Bodenziele spezialisiert sein, in der Praxis habt ihr aber ständig Raketen und Kugeln von sämtlichen in der Umgebung befindlichen Einheiten am Hintern. So ist man ununterbrochen mit Ausweichen, so gut es denn eben geht, beschäftigt und versucht, die übermächtigen Gegnerhorden mit nur drei verschiedenen Waffensystemen zu zerlegen.

Jede Einheit, egal ob Luftabwehr, Panzer oder Helikopter, kann auch mit bloßen Händen zerlegt werden. Leider gibt es nur eine Animation pro Vehikel und so schön diese beim ersten Mal auch sind, hätte Secret Level hier ein klein wenig Variation eingebaut, wären diese Einlagen erheblich motivierender. So kommt leider sehr schnell Langeweile auf.

Als immens nützliche Hilfestellung erweist sich die Option, die Energiezufuhr auf eins von vier Systemen umzulenken. So können Waffensysteme oder die Düsen für die Vorwärtsbewegung mit mehr Power versorgt werden, um sich der jeweiligen Situation besser anzupassen. Mit diesem Feature kommt ein Schuss Taktik in das Spielgeschehen, wodurch die Aufträge durchaus mit unterschiedlichen Strategien angegangen werden können.

Zu wenig Zeit?
Die Ansätze von Iron Man sind wirklich gut, die Spielwelt weitläufig und das Fliegen macht durchaus Spaß. Doch wieso gibt es keine Checkpoints? Bei dieser unfairen Überzahl an gegnerischen Einheiten genügen ein paar unachtsame oder unglückliche Sekunden, schon ist der hart erkämpfte Fortschritt Futsch und der ganze Mist geht von vorne los. Wieso ist der Spielverlauf so langweilig? Schaut man sich die Credits der mitwirkenden Personen an, ist das Staunen über die Fülle der involvierten Personen groß. Und da ist kein Einziger dabei, der für das Gameplay zuständig ist, für das Vergnügen? Mehr als stumpfsinniges Geballer hättes es durchaus sein dürfen. Es gibt noch nichtmal irgendwelche Dinge in den Levels, die man einsammeln oder damit interagieren könnte.

Und wiedermal bleibt nur ein „gut gemeint“ am Ende vom Tage übrig. Wenig vom Spiel bleibt wirklich hängen, dennoch gibt es durchaus einige denkwürdige Passagen, wie etwa der Kampf gegen die riesige fliegende Festung. Action und Iron Man Fans sollten sich die Demo runterladen und bei Gefallen in die nächste Videothek rennen.

Wir bedanken uns bei SEGA für die freundliche Bereitstellung eines Testmusters.

Game Facts

Entwickler: Secret Level
Publisher: SEGA
Genrè: Action
USK: 12
Pegi: 12
Multiplayer: 1
Sprache: Multilingual
Preis: EUR 59,85 / CHF 90,-
Website: sega-europe.com

Review Iron Man
Beschreibung
Steuerung

Auch im fortgeschrittenen Spielverlauf sorgt die Steuerung immer mal wieder für kleinere Problemchen. Es gibt einfach zu viele Knöpfe, die ständig gebraucht werden.

Grafik

Aus der Vogelperspektive sieht Iron Man fantastisch aus, jeder Flugsimulator würde sich so eine Optik wünschen. Auch der Protagonist ist hervorragend gelungen. Häuser und Gegner sind mit erheblich weniger Liebe zum Detail modelliert.

Sound

Robert Downey Jr. als Synchronsprecher kann nur bedingt überzeugen, was aber nicht an seiner Stimme liegt, sondern an den schwachen Texten und dem übertriebenen Hall. Der Rest ist, wie es sich für ein Actionspiel gehört, laut, krachend und passend.

Spielspaß

Wer vor teils unfairen Herausforderungen nicht zurückschreckt, variationsarme Action nicht missen möchte und generell ein großer Fan von Iron Man ist, kann durchaus Gefallen an den Flugeinlagen und den Zerstörungen finden.

Sonstiges
+ Flüge durch die grafisch ansprechenden Areale
+ alle bekannten Rüstungen zum freischalten
ohne Unterlass erscheinende Gegnerhorden
kein Speichern während einer Mission möglich
Gameplay auf ein Minimum reduziert

58%

Fazit

Gleich vornweg, es gibt deutlich schlechtere Lizenenspiele als dieses hier, dennoch ist Iron Man kein sehr guter Titel. Es gibt einfach zu wenig Abwechslung in den Missionen, sie sind alle mehr oder weniger gleich. Die etwas unglückliche Steuerung kann mit viel Übung recht gut in den Griff bekommen werden, der Schwierigkeitsgrad leider nicht. Die guten Ansätze sind da, doch irgendwann in der Mitte der Entwicklung wurde scheinbar einfach aufgehört. Das Spiel fühlt sich unfertig an und hat nur für Fans der Figur (oder fliegende Superhelden im Allgemeinene), die zugleich etwas mit beinharter Action anfangen können, einen kleinen Reiz.

Galerie

Weiter zur Bildergalerie

Video

Hidden Text