Ein Nachruf. Ed Wood Junior.


Ed Wood Jr. Du hast einen ganz bevorzugten Logenplatz in meinem wer weiß wie lang noch pochendem Herzen. Er gilt ungerechtfertigterweise als DER schlechteste Regisseur aller Zeiten und sorgte mit unfreiwilliger Komik in Filmen wie “Plan 9 from Outer Space” für Furore beim Publikum – und das generationenübergreifend. Übrigens müsst ihr euch unbedingt, unbedingt, unbedingt den Film “Ed Wood” vom genialen Tim Burton reinziehen, der sich, eigentlich selbsterklärend, um das Leben jenes Ed Wood Junior dreht.

Die Videospiel-Szene braucht mehr Ed Woods. Warum? Eine kleine Begründung. Und warum wir uns unsere gesunde Naivität nicht rauben lassen sollten. Nüchterner Pragmatismus ist etwas für Leute, die dem Leben nichts mehr Träumerisches abgewinnen können.

Martin Landau: “Marionetten seid ihr. Marionetten!”. Nicht nur ihm entweichen einprägsame Dialogszenen, die infolge ihrer eingefleischten Intonation unvergessen bleiben. Seine Mimik zementiert. Seine Stimme vibrierend und markerschütternd. Ein großer Schauspieler.

Johnny Depp verkörpert diesen wunderbar naiven, aber gerade deswegen immer optimistisch wirkenden, angehenden Star-Regisseur in wunderbarer Manier und zeigt einfach keinen qualitativen Abriss in seiner schauspielerisch hochfliegenden Karriere. Der charismatische Martin Landau als Bela Lugosi, der seinem Ende entgegen siecht, wächst dem Kinozuschauer sofort an das vor Rührung hinfließende Herz (Landau erhielt übrigens zu Ehren dieser erstaunlichen Leistung einen leistungsgerechten Oscar).

Ed Wood dreht seine Filme. Zieht seine konzeptuellen Studien am Reißbrett durch und will seine Filme trotz aller auf ihn einprasselnden Widerstände verwirklichen, was ihm dank seiner Beharrlichkeit und seinem überschäumenden Optimismus auch gelingt – auch wenn die B-Filme nicht mit einem Budget gesegnet sind, das alle Nähte zum Reißen bringt. Menschen sollten naiver sein. Naivität ist schützt den Menschen vor lebensverneinenden Gedanken. Und alle klugscheißenden Apostel, die einem einen hohen Grad von Naivität vorwerfen, nur weil wir unsere Träume verwirklichen wollen, können uns mal hochgradig kreuzweise – oder in meiner bevorzugten Fäkalsprache am Arsch lecken.

Schade jedenfalls, dass wir im Videospiel-Sektor noch keine B-Games-Sparte (bzw. Independent Label) haben, die uns billig dahin geschmissenen Programmcode vor die Füße wirft und trotz allem aufgrund ihres Nischendaseins und ihrer augenscheinlich kostengünstigen Machart uns eine gewisse Neigung entlocken kann. Wenn Spiele schlecht, missraten und hirnverbrannt sind, dann ist das des Öfteren so, ohne dass wir ihnen etwas positives abnehmen können. Schlecht ist Schlecht ohne den gewissen Charme.

Johnny Depp als Ed Wood Junior. Voller unumstößlicher Hingabe “bewundert” er voller Tatendurst sein Magnum Opus. Egal ob die Zuschauer nach Filmende randalierend Tomaten und Eier um sich werfen. Der Kerl lässt sich nicht unterkriegen und vetraut seinen eingesessenen Schauspielern, die ihm nicht von der Seite weichen.

Brauchen wir mehr Ed Woods in der Branche, die durch ihre halsstarrige Art wider allen Realismus vorpreschen? Braucht die Videospiel-Branche mehr Leute aus der Schublade der enfant terrible. Jene Leute, die nicht einknicken, wenn die Oberen ihren erfolgsbasierten Realismus auspacken? Ist das überhaupt noch möglich bei diesem Geschäft, das immer mehr Gelder verschlingt?

Designer und Programmierer beugen sich den äußerlichen Geschmacksrichtungen und präparieren ihre Spiele nach fremden Gelüsten. Warren Spector (Deus Ex) spricht Spielen, die auf einen Umfang von 100 Spielstunden abzielen, die Zukunft ab. Seine Meinung. Oder nur der Wille der Anderen. Warren Spector ist kein Ed Wood!

Die Welt braucht mehr Ed Woods.

(Ed Wood bei Amazon.de)

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6 Kommentare zu “Ein Nachruf. Ed Wood Junior.”

  1. nsk says:

    Und schon wieder ein extrem guter Artikel.
    Nicht nur, dass Ed Wood einer meiner Lieblingsfilme von Tim Burton ist – ich bin selbst Filmemacher und kann Ed Woods Faszination einfach nachvollziehen – ich stimme auch genau dem Inhalt zu.
    Es fehlt wirklich an unabhängigen independent Entwicklern, die sich an neue Konzepte herantrauen; gerade bei der Wii.
    Solange der vorhandene Markt die Spielentwicklung diktiert, wird sich nur selten ein Produzent in unbekannte Gewässer wagen.
    Die Großen, wie z.B. EA trauen sich erst bei 15 Mainstream-Produktionen an einen etwas ausgefalleneren Titel, um gerade den Soll zu erfüllen.
    Das Problem ist aber wie immer, der finanzielle Aspekt. “Besondere” Projekte erfordern entweder viel Zeit und Arbeit um den Standards in Sachen Grafik, Sound und Design gerecht zu werden, oder werden bei Verzicht auf den “state of the art”-look von potentiellen Käufern nicht akzeptiert, da der kreative Aufwand beim durchschnittlichen Käufer nicht im gleichen Maße wie der grafische Aufwand bewertet wird, und deshalb die Bereitschaft sinkt genauso viel zu bezahlen. Und ohne Geld wird ein Fortbestehen schwer sein.

    Wenn sich Konsolen weiterhin in so einem schnellen Tempo weiterentwickeln, werden Produktionspreise weiter explodieren und Spiele immer flacher und gleichartiger.
    Es ist gut, dass die Wii leistungstechnisch nur etwas besser als die letzte Konsolengeneration ist, da diese Tatsache unabhängigen Entwicklerstudios hilft, ihr Konzept wirklich durchzuziehen – nur fehlen irgendwie immernoch die progressiven Entwickler.
    Man muss sehen wie sich der Markt entwickelt, vielleicht wird sich dank WiiWare und Xbox live Arcade eine Zweiklassengesellschaft, wie zwischen Hollywood und dem “Independent Film” entwickeln, möglich wäre es und davon würde dann jeder profitieren – Ed Wood und Micheal Bay gleichermaßen.

  2. Sonic7 says:

    Bin ich doof oder was?????? hab ich noch Nie gehort????????? was???

  3. Buhuu says:

    Also, der Blickwinkel auf die Person Ed Wood Jr. ist mir doch etwas zu einseitig.
    Und Tim Burtons Film (so gut ich ihn auch finden mag) fast schon als Dokumentation zu verstehen, ist meiner Meinung nach auch nicht die richtige Betrachtungsweise.

    Hier siehe oben “nsk” , oder:

    Und “schlechte” , “billige” Spiele ohne einen Gewissen Charme, welcher einen doch irgendwie Fesselt gibt es nicht?
    Hmmm,…
    Tetris, WiiSports, Die “Lego” Spiele (buggy), Stubbs (buggy), Manhunt 1+2 (sicherlich vom Gameplay etwas eindimensional, aber doch spannend), No More Heroes (halte ich überhaupt nicht für schlecht, aber wie bei Manhunt ist das Spielkonzept eher überschaubar. Und den minimalistischen Grafikstil, Bsp.: Stadt, halte ich für geniale Absicht.), Alone In The Dark (das neue ist ja mal sowas von buggy)…

    Und was ist mit all den “genialen independant geniestreich”-Spielen die dann doch keiner kauft?
    Da haben die Programmierer bestimmt viel von:
    “Toll, die Presse feiert mein neues Spiel ab, wie nix! Was Schatz, ob ich allein für gute Bewertungen Geld bekomme? Äh, nein. Nein, davon können wir uns nichts zu essen kaufen, oder unserem Kind was zum anziehen.”

    Aber selbst, wenn mal ein Spiel wirklich klasse bewertet wird & auch wirklich klasse ist & der totale hype ausbricht…selbst dann gibt es immernoch genug “Zocker”, die sich das Spiel einfach aus dem Netz “saugen”.
    Aber das ist dann ein anderes Thema..

    Und im Grunde ist die Frage, ob einem ein Spiel gefällt oder nicht, immernoch eine sehr Persönliche.

  4. Sebastian says:

    Stubbs the Zombie ist wohl ein bestes Beispiel!

  5. Joerg says:

    Verstehe nicht ganz, was verbuggt mit dem Inhalt des des Textes zu tun hat.

  6. Buhuu says:

    Verbuggt, im Sinne von: Niedriger/Mangelnder Qualitätsstandard.
    Ähnlich also, wie die Filme von Herrn Wood ;-)

    Die von mir aufgezählten Spiele haben halt alle kleinere oder größere Macken & machen mir trotzdem (teilweise evtl. gerade deshalb?) sehr viel Spaß.

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