Jörg

Sid Meier’s Civilization Revolution Review / Test


In der Games Branche gibt es nicht viele Stars, noch vor ein paar Jahren kannte die Mehrheit aller Spieler höchstens den Mario-Schöpfer Miyamoto. Doch mit zunehmender Pressedichte, dem Internet als Massenmedium schlechthin und einem größeren Fokus auf den Menschen hinter den Spielen, bekommen auch Designlegenden endlich ihren wohlverdienten Ruhm. Einer der ganz großen in diesem Bereich ist ohne Frage Sid Meier, nicht nur, weil sein Name in jedem seiner Titel auftaucht.

Wer es schafft, bereits 1987 ein derart visionäres Game wie Pirates! zu machen und danach einige der erfolgreichsten Serien der Geschichte mit Railroad Tycoon und Civilization zu erschaffen, der hat nach 25 unheimlich erfolgreichen Jahren im Geschäft den Titel “Legende” mehr als verdient. Damit dieses Intro nicht noch unnötig länger wird, schlagen wir schnell die Brücke zum hier vorgestellten Titel. Es ist das erste speziell für Konsolen entwickelte Civilization und nach eigenen Angaben von Herrn Meier, DAS Spiel, was er immer machen wollte. Ob es ihm geglückt ist, lest in unserem ausführlichen Review.

Die Chance ist sehr hoch, dass so ziemlich jeder Besitzer eines PCs oder Interessierter von Computer- oder Gesellschaftsspielen schon einmal über den Namen Civilization gestolpert ist. Kein anderer Titel lässt einen so komplex die Geschicke eines ganzen Volkes durch die Jahrtausende der Weltgeschichte lenken. Aufgrund der hohen Komplexität, dauert eine Partie (egal ob Einzel- oder Mehrspieler) verdammt lange, da es sich um ein rundenbasiertes Strategiespiel handelt, ist dies vor allem mit mehreren menschlichen Teilnehmern ein ernstzunehmender Faktor. Spaß macht es ohne Frage, nur muss man sich eben für eine richtige Partie das ganze Wochenende freihalten.

Am Anfang war…
Genau an diesem Punkt setzt die Konsolenversion an. Hier wurde versucht, das Gameplay, welches so typisch für diese Serie ist, intakt zu halten, aber die Dauer des Ganzen erheblich zu straffen. Damit auch Neulinge einen guten Einblick in die Geschehnisse bekommen, müssen wir ganz von vorne anfangen. Alles beginnt im Jahre 4000 vor Christus, ausgestattet mit einer einzigen Siedlereinheit beginnt jede Partie. Aus ihr soll einmal eine blühende Gesellschaft entstehen, die entweder der kulturelle Neid oder der militärische Schrecken der anderen Völker ist. Der Sieg kann auf vier verschiedene Arten errungen werden: Kultur-, Herrschafts-, Wirtschafts- oder Technologiesieg.

Wie oben schon erwähnt, läuft alles in Runden ab. Je nach Zeitalter – Antike, Mittelalter, Industrie, Moderne – vergeht ein anderer Zeitraum pro Durchgang. Jede eigene Einheit kann die ihr zur Verfügung stehenden Aktionen durchführen, etwa eine bestimmte Anzahl Felder bewegen, eine Stadt gründen oder einen Angriff starten. Unabhängig davon dürfen bestimmte Handlungen jederzeit und so oft wie gewünscht durchgeführt werden. Gehen wir sie einmal der Reihe nach durch. Städte sind der Dreh- und Angelpunkt des eigenen Volkes, nach der Gründung stehen nur wenige Arbeitskräfte zur Verfügung. Diese gilt es nun geschickt einzuteilen, zum besten nutzen der eigenen Strategie. Das umliegende Gelände kann für vier Güter bearbeitet werden: Nahrung erhöht die Population, Produktion lässt Einheiten, Gebäude oder Wunder entstehen, Wohlstand (= Gold) ist wichtig für ein Siegkriterium und den aktuellen Produktionsprozess zu beschleunigen, Forschung (=Reagenzgläser) wird für den technologischen Fortschritt benötigt, der über alle zur Verfügung stehenden Einheiten, Erweiterungsgebäude, Regierungsformen, Wunder usw. entscheidet.

Um nicht zu weit gegenüber den anderen Völkern zurückzufallen, muss im Idealfall jeder Bereich gleichwertig ausgebaut werden. Vernachlässige ich das Militär, laufe ich Gefahr, von einem kleinen Trupp überrant zu werden. Stecke ich nicht genügend Mittel in die Forschung, kann meine Gesellschaft nicht gedeihen und gerät in jedem Aspekt ins Hintertreffen usw. Es gilt also, eine gute Balance zwischen allen Aspekten zu finden und sich gleichzeitig einen Vorteil vor den Mitspielern zu verschaffen. Eine nicht ganz leichte Aufgabe, wie ihr euch sicher vorstellen könnt.

In den Städten wird nicht nur die Verteilung der Arbeiter geregelt, auch welches Gebäude/Einheit/Wunder als nächstes gebaut werden soll. Dies lässt sich in jedem Zug beliebig oft umstellen bzw. anpassen. Ebenso darf mit den bisher entdeckten Völkern Diplomatie betrieben werden, etwa um Frieden zu schließen, sich gegen einen anderen Gegner zu verbünden oder Technologien auszutauschen. Dies alles kann pro Runde in unbeschränkter Form getan werden.

Wenn die Städte zunehmend wachsen, steigen auch die Bedürfnisse der Bevölkerung. Sie dürsten nach Unterhaltung, Kultur und Religion, wie im echten Leben. Jedes Gebäude und Wunder ist nur in der jeweils erbauten Stadt aktiv und bringt dort einen bestimmten Bonus, der Tempel erhöht die Kultur, eine Kaserne bringt besser trainierte militärische Einheiten hervor, die Hängenden Gärten erhöhen die Einwohnerzahl um die Hälfte etc. Auch auf den Konsolen steht eine umfassende Zivilopädie zur Verfügung, die zu allem und jedem einen ausführlichen Eintrag bereitstellt. Sie lässt sich jederzeit Kontext sensitiv aufrufen und ist vollgestopft mit Bildern und teilweise sogar Videoclips.

Ying und Yang
Die Unterschiede zu den Spielen auf dem PC sind vielfältig, genauso wie die Gemeinsamkeiten. Die wichtigsten Straffungen möchte ich nun kurz zusammenfassen:

- fünf Schwierigkeitsgrade
- nur eine Kartengröße
- Verschmutzung, Hungersnot und Korruption ersatzlos gestrichen
- Zahl der Einheiten stark eingeschränkt
- Nebel des Krieges ist jetzt weiß
- Straßen werden nicht von Arbeitern gebaut
- Felder können Nahrung, Produktion ODER Handel herstellen
- Einflussbereich der Stadt lässt sich nur durch ein Gebäude erhöhen
- Technologien benötigen nicht alle Vorbedingungen
- weit weniger Städte gleichzeitig (meist um die 3-7)
- einiges mehr

Im Gegenzug lassen sich Armeen aus drei gleichen Einheiten erstellen, die besonders schlagkräftig sind, von ihnen wird das Kampfgeschehen ganz entscheidend geprägt. Insgesamt hat man die Wahl aus 16 verschiedenen Völkern mit den unterschiedlichsten Boni, somit ist die Langzeitmotivation zum Ausprobieren neuer Strategien ohne weiteres gegeben. Die aus dem vierten Teil bekannten wichtigen Persönlichkeiten stehen auch hier in sechs Kategorien zur Verfügung, sie geben einen satten Bonus von 50% auf ihr jeweiliges Gebiet. In der Ruhmeshalle werden alle bisher entdeckten Anführer, Persönlichkeiten und Wunder gesammelt. Das “Spiel der Woche” ist eine spezielle Karte von Firaxis, auf der man sich mit der ganzen Welt in Form einer Bestenliste in allen Schwierigkeitsstufen messen kann. Wen der Einzelspielermodus anödet, der darf sich an einer Reihe Szenarien mit Regeländerungen versuchen. Eine sehr schöne Übersicht mit allen Features findet ihr auf Civilized.de .

Zum Schluss gehen wir noch etwas ausführlicher auf den, meiner Meinung nach, wichtigsten Aspekt ein: den Mehrspielermodus. Er kann auf drei Arten gespielt werden: Mann gegen Mann, in zweier Teams oder mit vier menschlichen Gegnern. Die wichtigste Neuerung hier ist, dass jeder seinen Zug gleichzeitig ausführt, womit die Wartezeit auf ein Minimum reduziert wird. Zusätzlich darf zu Beginn die Zeitbegrenzung pro Zug eingestellt werden. Sollte ein Konkurrent vorzeitig das Spiel verlassen, wird er einfach durch eine AI ersetzt, die Partie endet nicht! Durch Handicaps haben auch Anfänger eine Chance gegen fortgeschrittenere Spieler. Speichern ist in Online-Matches leider nicht möglich, in der Praxis hat sich dies durch die vergleichsweise kurze Dauer nicht als Problem herausgestellt.

Macht Civilization Revolution alleine schon ordentlich Fun, potenziert sich dieser Faktor mit jedem Kollegen im Spiel (leider auch die Dauer). Gewiss kein Partygame, aber die perfekte Einstiegsdroge in die Welt der rundenbasierten Strategie. Im Vergleich zu anderen Vertretern auf Konsolen, wird hier der meiste Tiefgang geboten, der im Vergleich zu PC Version schon relativ mau wirkt. Das Civ für die Spaßgeneration? Vielleicht…

Wir bedanken uns bei 2K Games für die freundliche Bereitstellung eines Testmusters.

Game Facts

Entwickler: Firaxis
Publisher: 2K Games
Genrè: Strategie
USK: 6
Pegi: 12
Multiplayer: 1-4
Sprache: Multilingual
Preis: EUR 59,85 / CHF 90,-

Website: civilizationrevolution.com

Review Sid Meier’s Civilization Revolution
Beschreibung
Steuerung
Wer dachte, die komplexen Maus- und Tastaturbefehle liessen sich nicht auf ein Joypad übertragen, wird eines besseren belehrt. Alles ist komfortabel und schnell zu erreichen, die Menüführung ist clever ausgetüftelt.
Grafik
Die unverhältnismäßige Größenordnung der Einheiten aus Teil vier wurde beibehalten, allerdings hat nun alles eine leicht verspielten Optik spendiert bekommen. Die Qualität der 3D Grafik ist für ein so umfangreiches Strategiespiel wirklich sehr gut gelungen, vor allem die Anführer sind sehr lustig in Szene gesetzt.
Sound
Im Spiel selber gibt es keine musikalische Untermalung, ausser nett anzuhörenden Jingles, die zu bestimmten Events gehören. Nach kurzer Zeit weiß man so bereits ohne hinzuschauen, was gerade auf dem Schirm passiert. Die restlichen Geräusche bilden einen Klangteppich, der ein passendes Ambiente erzeugt.
Spielspaß
Besonders mit drei menschlichen Gegner ist dies sicherlich das kurzweiligste Civ. Die Computergegner spielen zu statisch und durchschaubar, zum Ausprobieren bestimmter Strategien taugen sie aber allemal.

Sonstiges
+ das kurzweiligste Civilization bis zum heutigen Tag
+ geniale Spielbarkeit
- herauszoomen der Karte nur mit gedrückter Taste möglich
- kein “Pac-Man” Effekt in Auswahlmenüs
- reiner Kultursieg kaum möglich, ab einem gewissen Punkt erklärt jedes andere Volk den Krieg
- Kampfanimationen bei 10+ Kämpfen pro Runde ermüdent

88%

Fazit
Ist CivRev noch ein vollwertiges Civilization? Eindeutig. Wer noch nie einen Teil der Serie gespielt hat, findet hiermit wunderbaren Zugang, der nicht so happig wie seine “erwachsenen” Kollegen ausgefallen ist. Manch ein Profi mag aufgrund der vielen Änderungen die Nase rümpfen, aber jedes Detail wurde vorsichtig mit Sinn und Verstand angepasst, damit das Spielgefühl weitgehend intakt bleibt. Auch wenn CivRev das schnellste bisher ist, kann eine vernünftige Mehrspielerpartie nicht “mal eben so” zwischendurch abgewickelt werden. Die Dauer von 2-4 Stunden ist immer noch lang genug, um die Mehrheit der eher ungeduldigen oder chronisch zeitarmen Spieler abzuschrecken. Wer sich aber die Zeit nimmt, kommt in den Genuß eines einmaligen Erlebnisses auf der aktuellen Konsolengeneration.

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3 Kommentare zu “Sid Meier’s Civilization Revolution Review / Test”

  1. Foolx sagt:

    Also für mich klingt das ganze schon nach ner arg eingeschränkten Version von CIV 4. Die Frage bleibt da, warum man 60€ für ein Spiel ausgeben sollte, dass man für 20€ auf dem PC besser bekommt? (natürlich sollte man dafür einen PC haben ;))

  2. Jörg Joerg sagt:

    Eingeschränkt ja, aber das zugunsten eines flotteren Spielablaufs. Und wer bezahlt denn heutzutage noch 60€ für ein Spiel?

  3. Thom sagt:

    Kann davon nur abraten – es geht einfach nicht in die tiefe und gleicht einer wilden klickerei statt dem “alten” civ – schade… die grafik überzeugt aber der arcade charakter ist für dieses genre ein nogo.

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