Jul 262008
 

Welche Comicfigur bietet sich besser für ein Videospiel an, als ein ausser Kontrolle geratener grüner Koloss, der (nahezu) unaufhaltsam alles zerstört, was ihm in den Weg kommt. Doch leider stattet unser dicker grüner Freund den Konsolen nur einen Besuch ab, wenn mal wieder ein Film als Zugpferd vor der Tür steht. In den Comics ist der Hulk schon seit Ewigkeiten eine eigenständige Persönlichkeit, völlig losgelöst von seiner menschlichen Hülle, die ihn einst erschaffen hat. Doch im aktuellen Film wie im Spiel dazu wird noch immer die antike Bruce Banner Verwandlungsgeschichte ausgepackt. Im Game erheblich weniger, hier taucht der Doktor nur in den Zwischenszenen auf, gesteuert wird einzig und allein das Ungetüm.

Wer bereits 2005 Ultimate Destruction gespielt hat, wird sich über diesen nahezu identischen Titel wundern. Ob auch Grund zur Freude herrscht, lest ihr in den nachfolgenden Zeilen.

Das hat der Hulk nicht verdient

Die Story lehnt sich lose an die Vorkommnisse der Leinwandversion an, doch eigentlich dient sie nur dazu, die Kämpfe und Zerstörungsorgien miteinander zu verknüpfen. Wirklich interessiert ist man zu keinem Zeitpunkt, eher, wie schon bei Iron Man, etwas angwidert von den hässlichen gerenderten Zwischensequenzen. Edward Norton ist nur mit viel Fantasie… na ja, eigentlich garnicht wiederzuerkennen. Der Titelscreen ist wirklich gut gelungen, wir schauen durch eine schmale Gasse und sehen im Hintergrund Menschen, Panzer und andere Dinge vorbeifliegen, vom Hulk sind nur Grunzlaute zu vernehmen. Erst nach einem Druck auf die Start-Taste kommt dieser effektvoll durch die rechte Wand gestürmt, schreckhafte Personen (so wie ich) haut es bei aufgedrehter Dolby Digital Anlage erstmal aus den Latschen.


Hulk als Türsteher Joe Fixit

Der Vergleich lässt sich nicht vermeiden

Ultimate Destruction (ab jetzt nur mehr UD genannt) war kommerziell ein ordentlicher Erfolg und auch die Kritiker konnten viel gutes an dem Titel entdecken. Es vermochte zum ersten Mal die unfassbaren Kräfte des Titanen glaubhaft auf den Bildschirm bringen. Frei nach dem Motto „If it ain’t broke…“ haben die neuen Entwickler Edge of Reality quasi eine 1:1 Kopie des namentlichen Vorgängers auf die Beine gestellt, allerdings wurde bis auf die Grafik nichts wirklich verbessert, eher das Gegenteil ist leider der Fall.

Das fängt schon beim Tutorial an, welches mehr Fragen aufwirft als diese zu beantworten. In UD gab es dafür ein Extra Level, in dem die gesamten Grundbewegungen ausführlichst ausprobiert werden konnten, in TIH hingegen werden die Spezialfähigkeiten umständlich im Laufe des Spiels erklärt. Eines der spaßigsten Elemente ist sogar komplett entfallen, das Rennen an den Hauswänden ist nicht mehr möglich. Wer also bereits UD gespielt hat, wird leider fast minütliche Deja-Vu Erlebnisse haben und das Gefühl nicht loswerden können, dass früher alles besser war.


Mit Bruce Banner an Bord

Dieses Spiel ist… unglaublich?

Doch lassen wir die Vergangenheit in Frieden ruhen und widmen uns der Gegenwart. Optisch hat der neue Hulk zwar zugelegt, allerdings ist die Grafik nicht wirklich gut. Es gibt eine ganze Stadt zum „erkunden“, ja. Aber die Texturen an Häusern sind immer die selben, sie haben keine Tiefe und im Vergleich mit anderen Titeln wie etwa GTA oder Assassin’s Creed sehen Figuren, Gebäude und Vehikel einfach nur lächerlich aus.

Natürlich fliegen beim Autoklau nicht alle Nase lang die gleichen Objekte im Dutzend durch die Gegend, weshalb die Gegenüberstellung ein klein wenig hinkt, aber mit den heutigen Mitteln einer Konsole wäre erheblich mehr drin gewesen. Obwohl die Missionen immer mehr oder weniger den selben Inhalt offerieren (Zerstörung, Item von A nach B bringen), bieten sie doch etwas mehr Abwechslung als beim Kollegen Iron Man .

Förderlich für die Langzeitmotivation sind die sogenannten Feats, von denen es an die fünfzig gibt. Im unübersichtlichen Menü lassen sich jederzeit die Voraussetzungen für diese nachschlagen, vom Besiegen von feindlichen Einheiten über die Zerstörung von Gebäuden, Missionen erledigen, bis hin zu einer bestimmte Distanz in der Luft zurückzulegen, ist alles dabei. Als Belohnung winken stärkere Attacken, alternative Hulk Inkarnationen, die auch in der Story gespielt werden dürfen und Konzeptbilder. So gesehen ist DUH also ein non-lineares Spiel, denn ob man nun eine Mission der Story oder ein Minispiel bestreitet, Monumente zerstört oder nach Kanistern (für mehr Energie) sucht und Feats erledigt, ist alleine dem Spieler überlassen. Abwechslung bringen zudem (zumindest anfangs) die Bosskämpfe gegen riesige Roboter oder Superschurken, diese machen tatsächlich eine Menge Spaß.

Auf der praktischen Übersichtskarte sind alle aktuellen Ziele schnell einzusehen und auch die (meist) realistischen Gebäude aus New York sind an ihrer richtigen Stelle verzeichnet. Einmal zerstört erscheint ein gelbes Symbol, welches nach dem Einsammeln im Hauptmenü einige Hintergrund Informationen dazu preisgibt.

Zu wenig Zeit (mal wieder)

Man merkt dem aktuellen Hulk leider seine kurze Entwicklungszeit an und dass es zu einem absoluten Termin fertig sein musste. An allen Ecken und Enden lauern kleine Bugs und Ungereimtheiten, die zum Glück nicht das Weiterkommen in der Story behindern. Aber selbst wenn alle diese Fehler ausgemerzt würden, ist und bleibt UD das klar bessere Spiel. Bei Kämpfen gegen besonders große Gegner reagiert die Kamera plötzlich unvorhersehbar und der Ausgang wird nur durch Glück bestimmt. Es bleibt die Erkenntnis, dass im internen Kampf Hulk klar das bessere Spiel auf den Leib geschneidert bekommen hat als Iron Man. Edge of Reality hätten einfach die guten Eigenschaften aus UD zu einhundert Prozent übernehmen sollen, dann wäre wahrscheinlich ein erheblich besserer Titel dabei rausgekommen.

Wir bedanken uns bei SEGA für die freundliche Bereitstellung eines Testmusters.

Game Facts

Entwickler: Edge of Reality
Publisher: SEGA
Genrè: Action
USK: 12
Pegi: 12+
Multiplayer: 1
Sprache: Multilingual
Preis: EUR 59,85 / CHF 90,-
Website: sega-europe.com

Review Der unglaubliche Hulk
Beschreibung
Steuerung
Besonders in den Missionen auf Zeit werden die Mängel der zu kompliziert geratenen Steuerung gnadenlos offenbart. Im normalen Spielbetrieb fällt dies nicht so sehr ins Gewicht.
Grafik
Langweilige Texturen, die sich tausendfach wiederholen, nur eine Textur für Einschlaglöcher in Häusern, wenig Polygone bei Charakteren und Fahrzeugen, nur eine Animation für zerstörte Gebäude. Der Hulk und einige der Superbösewichte sehen sehr gut aus, zumindest von oben sieht ist die Stadt sehr schön anzuschauen.
Sound
Viel Krach, ein bisschen Musik und auch Snychronsprecher sind mit von der Partie. Nichts aussergewöhnlich gutes oder schlechtes.
Spielspaß
Seltsamerweise ist dies, trotz der ganzen Mängel, das stärkste Verkaufsargument. Es macht nach wie vor unheimlich Spaß, Häuserwände hochzukraxeln, von Dach zu Dach zu hüpfen und eine ganze Stadt in Schutt und Asche zu legen.

Sonstiges
+ Zerstörung macht Spaß
+ das schönste 3D-Modell vom Hulk bisher
+ „Minispiele“ bringen Abwechslung
Grafik überholt
viele kleine Bugs

68%

Fazit
Wenn es sowas gibt wie ein „B-Game“, dann ist es Der unglaubliche Hulk definitiv. Alleine, dass der grüne Koloss mit der Straßenbahn fährt oder er Aufträge von Menschen entgegennimmt, sind hierfür schon Beweis genug. Fehler über Fehler lassen den Zeitdruck bei der Produktion nur allzu deutlich erkennen, Pop-Ups und Slow-Downs sind eher die Regel als die Ausnahme. Die Werbung an den Häuserwänden ist nicht lustig, sondern einfach nur trashig. Trotz der enormen Mängelliste macht es dennoch zeitweise richtig Spaß, was zum Teil an den Minispielen liegt und dass es, im Vergleich zu Iron Man, etliche Dinge zu entdecken gibt (Feats, Kanister, Monumente). Wer in der riesigen Stadt alles finden will, hat einige Zeit zu tun. Wem die Thematik am Herzen liegt, darf das Spiel mindesten ausleihen, bei Unkenntnis der Vorgängers vielleicht sogar mehr, denn besser als die meisten Filmumsetzung ist DUH eindeutig.

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