Am 29. August erscheint auch hierzulande das Action-Rollenspiel Too Human, das seinen Eisprung noch im Uterus der Playstation erlebte und zu einem auf fünf Datenträgern basierten Epos heranwachsen sollte. Nun, nach etlichen Jahren schickt sich das von Silicon Knights programmierte Werk auf der Xbox 360 an, uns mit einem exklusiv auf der Konsole erhältlichen, inhaltlich hoffentlich geladenen Tripp durch eine mythologische Sagenwelt zu verwöhnen.
Im Vorfeld wurde über das Spiel sehr viel geschrieben und auch wir wollen diesem Vorgeplänkel hinlänglich frönen, was sich in einer ganz bestimmten Frage niederschlagen soll: welches Vorwissen benötigt man, um heutige Spiele voll und ganz, quasi auf einer voll ausgelasteten Stufe, genießen zu können? Einwanderungswillige Migranten müssen Fragen über sich ergehen lassen, um sich der Einbürgerung als “würdig zu erweisen”. Werden auch wir Spieler bald mit einem vor dem Intro platzierten Fragebogen gequält, der unser Wissen abtastet und uns bei einem Misserfolg von dem Weiterspielen abrät?
Denis Dyack von Silicon Knights sprach schon einmal in einem Interview davon, dass sich die vom Spiel erzählte Geschichte noch um einiges mehr genießen lasse, wenn sich der Spieler in der nordischen Mythologie ausreichend auskenne. Und da wir uns gewöhnlich weit kundiger in der griechischen Sagenwelt herum bewegen, und uns die im Norden ausgegrabenen Mythen vielleicht bisher weniger berührten, stellt sich die Frage, ob ihr den Schritt wagen wollt, euch in die Matere einzulesen, um das bestmögliche Spielerlebnis auszuschöpfen?
„Whoever fights monsters should see to it that in the process he doesn’t become one himself.“ (Nietzsche)
Klar, dass von Too Human angeschnittene Szenario ist interessant genug, um auch abseits der mythologischen Anforderungen beim Massenpublikum zu punkten. Schon allein die darum kreisende Thematik, inwiefern sich die Grenzen zwischen Maschine und Mensch verschieben lässt, kann zu brisanten Denksprüngen führen. Kybernetisch hoch gezüchtete nordische Götter, welche sich mit kaltblütigen Maschinen messen, um über das Schicksal der Menschen zu entscheiden. Ist das Schicksal der Menschheit dadurch besiegelt, dass der Mensch einfach zu menschlich ist, und dadurch seiner Durchsetzungskraft gegenüber anderen „Spezies“ verlustig geht? Fehlt ihm die Kaltschnäuzigkeit, die durch und durch von einer hochgeschraubten Rationalität durchdrungene Denkstruktur einer Maschine? Gefühle, moralischer Ballast (Nietzsche spricht von einer Sklavenmoral, die sich die Unterdrückten aufgeladen haben, um sich gegen die Beherrschenden als moralische Sieger zu fühlen) und Ethik sind vielleicht nur Stolpersteine für die weitere menschliche Zukunftsaussicht. Nicht umsonst taucht in der Demo ein Zitat von Nietzsche auf, in dem vor der Gefahr gewarnt wird, selbst zu einem Monster zu mutieren – ist das die Voraussetzung, um dem Selbsterhaltungstrieb gerecht zu werden?
Wie schon gesagt, hier kann sich meiner Meinung nach etwas Großes anbahnen, wenn die teilweise mal wieder großspurigen Versprechen der Entwickler überhaupt ansatzweise etwas taugen. Trotzdem, um auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen: Lassen sich Videospiele, wie das bei anderen alteingesessenen Medien schon seit Längerem der Fall ist, vom Grade des Genusses in zwei Spalten unterscheiden? Wer sich in der nordischen Mythologie auskennt, wird wahrscheinlich ständig auf Überraschungen stoßen und es anregend und inspirierend finden, dass die im Kopfe angeeignete Sagenwelt nun durch allerlei Details visualisiert worden ist. Durch das Anspielen der Demo wurde ich z.B. mit Figuren konfrontiert, welche mir schleierhaft gewesen sind. Wir treffen beispielsweise auf drei unterschiedlich alte Frauen, welche anscheinend eine bestimmte Beraterfunktion ausüben. Im Nachhinein musste ich dann dank meiner Unbildung feststellen, dass es sich hierbei um die nordischen Schicksalsgöttinnen handelt, die unter dem Namen „Nornen“ geläufig sind. Dadurch erfuhr ich persönlich nochmals einen gewissen Schub, tiefer in die Materie und das sie umgebende Geflecht einzudringen, um auch vollends das Potential der Geschichte auszuschlürfen.
Also bevor Too Human gespielt wird, müssen wir uns wohl oder übel erst einmal in ein Quellenstudium begeben und Bücher über die nordische Sagenwelt horten und rezipieren, um einen Wissensfundus anzusammeln, der das Spielerlebnis womöglich in die Höhe schrauben könnte.
Inwieweit seid ihr bereit, euch im Vorfeld mit einem Wissen zu munitionieren, das sich für das Spiel als vorteilhaft erweisen würde? Natürlich basieren die meisten (oder so gut wie alle) Spiele auf in der Welt anzutreffenden Fakten, doch nicht immer werden diese so klar, und quasi fast zu Werbezwecken, hervorgehoben. Und noch weniger basieren Spiele auf vorgefertigten und nahezu kompletten Universen.
Ich persönlich erkläre mich durchaus bereit dazu, ist es doch immer wieder schön, wenn Spiele den Bildungshorizont ein kleines Stück weit erweitern. So kam ich bei Okami nicht umhin, mich mehr mit der japanischen Mythologie zu beschäftigen, was sich im Nachhinein wirklich sehr ausgezahlt hat.
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Ehhh… nun gibs wohl zum Lösungsbuch auch noch das Nebeninformations und Verständnissteigerungsbuch oder wie? oO
Wichtige Figuren und wichtiges Wissen kann mal wohl kurz gepackt ins Handbuch packen oder eine Spezial Edition mit einem größeren Nebenheftchen erstellen. So das man die Möglichkeit hat auf das Wissen direkt zurück zugreifen und es nicht zu suchen. Vielleicht auch ein Mini Wiki auf der Internetseite des Spiels. Denn Nebeninformationen zu unseren Lieblings Helden und Spielen hatten uns doch schon immer sehr interessiert.
Fänd ich witzig, wer am Anfang von Halo3 nicht weiß wer der Master Chief ist fliegt automatisch raus^^