Aug 242008
 

 
Es gab vor einigen Jahren tatsächlich eine Zeit, in der Adventures Mangelware wurden. Heute sind sie wieder ein fester Bestandteil, denn so waren es vor allem jene, die die frühen 90iger prägten. Der französische Entwickler Kheops Studio konnte bereits in der Vergangenheit durch Adventure-Perlen überzeugen, wie etwa Nostradamus oder Treasure Island. Der neueste Genie-Streich ist Dracula 3: Der Pfad des Drachen. Das Spiel wurde in Auftrag von Microids gegeben, die ein sehr umfangreiches und natürlich auch qualitativ hochwertiges Potfolio vorweisen können.

 

Die Story beginnt im September 1920, als der junge Priester Arno Moriano, der vom Vatikan nach Transsylvanien, genauer nach Vladoviste, geschickt wird, um eine mögliche Seligsprechung zu untersuchen. Doch irgendetwas seltsames geht geht vor, denn scheinbar haben die Geschehnisse nichts mit einer göttlichen Ursache zu tun, sondern man könnte meinen, dass ein teuflisches Etwas seine Finger im Spiel hat, dessen Sitz eine Schlossruine über Vladoviste ist. Genauer gesagt fielen Einwohner  einer Blutarmut zum Opfer, darunter auch Martha Calugarul, deren Tod Pater Moriano untersuchen muss. Trotz der im Dorf verbreiteten Gerüchte, dass sich Vampire herumtreiben, nimmt Moriano all seinen Mut zusammen und geht der Sache auf den Grund. Allerdings kam er nicht von selbst darauf, denn er bekommt von der katholischen Kirche den Auftrag, zu beweisen, dass es keine Vampire gibt.

Der Beginn gestaltet sich als recht einfach, denn ihr verbringt die ersten beiden Stunden ohne großartig schwere Rätsel, sondern ihr sprecht mit zahlreichen Charakteren und versucht ein wenig Hintergrundinformationen zu beschaffen. Was besonders positiv bei der Story ist, ist die Integration von historischen Ereignissen und vielen kleinen Details aus Abraham Stokers Dracula. Nennenswert ist daher auch das beiliegende Handbuch, das nicht mit Informationen geizt. Euch erwartet darin alles Wissenswerte über die Geschichte Draculas und seine Person, über Transsylvanien, die traditionelle Küche, und vieles mehr. Eine solche Ladung an Informationen findet man bei Spielen nur selten. Interessant ist aber auch die Tatsache, dass das Adventure Schreckmomente besitzt, die sich mit der tollen Atmosphäre paaren. In Vladoviste erscheint plötzlich aus dem Nichts ein dunkler Schatten und lässt euch einen kurzen Augenblick erstarren, bis ihr bemerkt habt, dass es ein kläffender Hund ist. Oder gar eine Szene, in der ihr aus einer Ecke heraus kurz beobachtet werden. Diese Momente lassen euch nicht kalt, auch wenn es sich nur um ein „steriles“ Adventure handelt.

Steuerung und Rätsel

Wie in Adventures üblich, wird sich mit Hilfe von Mausklicks fortbewegt, um in andere  Szenenbilder zu wechseln. Anders ist jedoch, dass es keine statische Kamera gibt, sondern ihr bewegt euch in der Ego-Perspektive und dreht die Kamera in 360°. In jeder Szene steht ihr fest verankert im Boden und könnt euch nicht bewegen. Mag auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich erscheinen, trägt allerdings zu der Atmosphäre ein kleines Stück bei, da man sich mitten im Geschehen befindet. Ein weiterer Vorteil ist, dass dadurch die Hardwareanforderungen drastisch sinken, damit das Spiel auch auf älteren Rechnern laufen kann. Das Menü bzw. Inventar wird mit der linken Maustaste aufgerufen und befindet sich wie bei anderen Adventures nicht im Spielgeschehen. Besonders interessant ist auch die Anzeige der bisher geführten Dialoge, die euch in vielen Situationen hilfreich sein kann, damit ihr nicht wieder zu einem Charakter zurücklaufen müsst. Aber auch (gefühlte) unendlich viele Dokumente können eingesehen werden, was gleichzeitig bedeutet, dass viel Lesen ein Muss in dem Spiel ist – sonst sieht es nachher bei einigen Rätseln schlecht aus.

Doch was wäre ein Adventure ohne Rätsel? Davon gibt es in Dracula 3 jede Menge, auch wenn der Anfang in den ersten Stunden etwas anderes vermuten lässt. Das muss nicht einmal sonderlich schlecht sein, denn gerade dadurch ist das Spiel für Anfänger interessant, und auch sonst wird man als Spieler langsam aber voller Spannung in die Geschichte eingeweiht. Die Rätsel sind weit gefächert und reichen etwa von den klassischen Inventar-Rätseln über knackige Puzzles bis hin zu mathematischen Denkaufgaben. Ab und zu kommen auch nervige Rätsel auf, die zum Teil etwas zu schwer sind. Vier Buchstaben in einer riesigen Bibliothek zu finden mag nach längerer Zeit vielleicht zum Erfolg führen, doch ein Symbol in ein Mosaik zu übertragen, bei dem Moriani stirbt sobald er sich umdreht – oder gar in Latein gehaltene Puzzles, machen das Spiel etwas frustrierend. Generell weiß man den Mischmasch zu schätzen und genießt die Abwechslung. Es gibt sogar Stellen, an denen Moriani sterben kann, doch die Szenen lassen sich immer wieder neu spielen.

Die Technik kann sich sehen lassen

Wie bereits angedeutet, befindet ihr euch inmitten einer vorgerenderten Welt, in der ihr euch durch eine 360 Grad-Ansicht vollkommen frei umschauen könnt. Vorgerendert ist so ziemlich alles, auf das ihr in dem Spiel treffen könnt. Selbst die Charaktere und deren Animationen sind nur abgespielte Videos. Die Animationen bzw. die abgespielten Videos der Charaktere sind manchmal etwas globig, meistens jedoch glaubwürdig in Szene gesetzt.  Die Tatsache, dass es sich um eine komplett vorgerenderte Spielwelt handelt, lässt eine leblose und sterile Umgebung entstehen. Allerdings ist die Qualität der Grafiken sehr gut und könnten atmosphärischer nicht mehr sein. Das Design der Szenen ist sehr gelungen und die Integrationen von Effekten ebenfalls. Schaurig schön schlägt der Nebel auf die Stimmung und das Gewitter lässt euch neben den Schockeinlagen schnell zusammenzucken. Nett ist auch anzusehen, dass der Himmel aktiv ist und sich Wolken durch das Geschehen ziehen. Farblich ist das Spiel sehr düster gehalten und spart nicht an Details.

Ein sehr wichtiges Gebiet in Videospielen ist die Musik und der Sound. Wie zu erwarten, bekommt ihr in Dracula 3 so richtig was auf die Ohren. Der Soundtrack lässt bei euch richtige Gruselstimmung entstehen und paart sich perfekt mit der Grafik und der Atmosphäre. Etwas weniger gelungen sind die Stimmen. Während ein Großteil, wie etwa Arno Moriani noch überzeugen kann, ist die Stimme von dem kleinen Jungen Ionel äußerst unpassend und lieblos.

Hardwareanforderungen

Minimal:
WIN98 SE/2000/XP/VISTA, 800 MHZ INTEL PENTIUM 3, 128 MB RAM, 4 GB HD, 16x DVD-ROM, 64 MB DIRECTX 9.0C KOMPATIBLE GRAFIKKARTE

empfohlen:
WIN 2000/XP/VISTA,1 GHZ INTEL PENTIUM IV, 256 MB RAM, 4 GB HD, 16X DVD-ROM, 128 MB GRAFIKKARTE(DIRECTX 9.OC

(Fazit weiter unten)

Wir bedanken uns bei Peter Games für die freundliche Bereitstellung eines Testmusters.

Game Facts

Entwickler: Kheops Studio 
Publisher: Peter Games 
Genré: Adventure
USK: 12
Pegi: 12+
Multiplayer: 1 Spieler
Sprache: Deutsch
Preis: EUR 39,99 / CHF 65.-
Website:

Review Dracula 3: Der Pfad des Drachen  
 
Beschreibung
Steuerung
Steuerung erfolgt wie von Adventures gewohnt durch Mausklicks, genauso wie die Ego-Ansicht, die mit der Maus gedreht werden kann.
Grafik
Die Grafik besteht komplett aus vorgerenderten Szenen. Dennoch sind die einzelnen Szenen sehr detailliert und stimmig.
Sound
Musik und Soundgeräusche, die unter die Haut gehen. Einige Charakter-Stimmen klingen unmotiviert und unpassend, andere wiederum wissen zu gefallen.
Spielspaß
Zwar sind die Rätsel mitunter etwas frustrierend, die Spannung und die Story fesseln euch aber bis zum Schluss.
Sonstiges
+ Tolle Atmosphäre und Aufmachung
+ Extrem spannende Story
Zum Teil schwere Rätsel
Leblosigkeit der Umgebung

82%

Fazit
Dracula 3: Der Pfad des Drachen ist der nunmehr dritte Teil der erfolgreichen Adventure-Serie. Das Spiel konnte uns durch die Rätsel, die Atmosphäre, die Aufmachung und die vielen Details voll und ganz überzeugen. Das positive Gesamtbild trüben etwa die zum Teil sehr schweren Rätsel, die leblose Spielwelt und die äußerst linearen Abläufe. Dennoch steckten die Entwickler viel Liebe in das Spiel und überhäuften es mit vielen Details und sehr interessanten Wendungen. Ihr bekommt einen Sack voller Informationen rund um Dracula, nicht zuletzt durch das dicke Handbuch. Die hübsche Aufmachung der Verpackung ist das Sahnehäubchen.

Galerie

Weiter zur Bildergalerie