Sep 092008
 

Nicht nur in Österreich wird am 28. September gewählt, sondern auch in Bayern. Für den dortigen Innenminister Joachim Herrmann anscheinend Grund genug, sich wieder einmal zum Thema „Killerspiele“ zu äußern. Am 1. September meinte dieser, der derzeitige Jugendschutz, was Computerspiele betrifft, sei völlig unzureichend. Herr Herrmann forderte deshalb ein „klares Herstellungs- und Verbreitungsverbot virtueller Killerspiele“. Und das, obwohl Deutschland in Sachen Computerspiele eines der weltweit strengsten Jugendschutzgesetze überhaupt aufweist…

Herrmanns Äußerungen wurden vom deutschen Kulturrat prompt und sehr vehement kritisiert und unter anderem auch als „schlechter bayerischer Running Gag in Wahlkampfzeiten“ abgetan. Ausführlich kann die Reaktion des Kulturrats hier nachgelesen werden.

So weit – so altbacken. Vor kurzem aber gab Herr Herrmann in der Zeit ein Interview, bei dem so manche Antwort nun jedoch dem Faß den Boden ausschlägt. Ein paar Auszüge daraus:

„Ich kann von einem Kinobetreiber erwarten, dass er tatsächlich nur 18-Jährige ins Kino lässt. Wenn es aber um Computerspiele geht, ist das anders. Wenn ein 18-Jähriger ein Spiel in der Hand hat, gibt er es am nächsten Tag an 17-, 16- und 15-Jährige weiter. Ich glaube nicht, dass es in unserer freiheitlichen Gesellschaft einen Anspruch auf solche Computerspiele gibt.“

Wenn es danach ginge, müssten einige Filme auch sofort für alle verboten werden. Schließlich kann ein 18-Jähriger auch eine DVD aus der Hand geben und verleihen. Aber jetzt kommts:

„In anderen Bereichen haben wir auch klare Verbote, ich denke an Kinderpornografie. […] Aber je größer die Gefahr ist, dass solche Spiele auch in die Hände von Kindern und Jugendlichen kommen, desto stärker muss der Staat eingreifen. Es ist ja auch für alle verboten, die Verbrechen des Nationalsozialisten zu verharmlosen.“

Wir Spieler werden also mit Nazis und Pädophilen verglichen? Schon ein sehr starkes Stück. Auch ein Beweis dafür, dass es mit der Weltoffenheit und dem politischen Klima auch in Deutschland nicht immer weit her ist.

Weshalb für Herrn Herrmann „Killerspiele“ derartige Hassobjekte sind, würde ich gerne mal wissen. Zumal er im Interview sagt: „Ich spiele sie selbst nicht, aber ich habe sie mir intensiv angeschaut.“ Wie kann er dann wissen, wovon er überhaupt spricht?

Was haltet Ihr von seinen Aussagen? Sind diese eurer Meinung nach überhaupt noch Tragbar? Oder sind Herrmanns Aussagen zum Thema Killerspiele vielleicht doch nur ein kleiner Sturm im Wasserglas?

Zum Abschluss dieses Beitrags noch ein passender Spruch, den ich vor kurzer Zeit gelesen habe:

Erst wenn die letzte LAN geschlossen,
Killerspiele verboten und das Internet zensiert ist,
werdet ihr merken,
dass man seine Kinder doch selbst erziehen muss.