Gerhard

Die Leiden des alten Herrmanns


Nicht nur in Österreich wird am 28. September gewählt, sondern auch in Bayern. Für den dortigen Innenminister Joachim Herrmann anscheinend Grund genug, sich wieder einmal zum Thema “Killerspiele” zu äußern. Am 1. September meinte dieser, der derzeitige Jugendschutz, was Computerspiele betrifft, sei völlig unzureichend. Herr Herrmann forderte deshalb ein “klares Herstellungs- und Verbreitungsverbot virtueller Killerspiele”. Und das, obwohl Deutschland in Sachen Computerspiele eines der weltweit strengsten Jugendschutzgesetze überhaupt aufweist…

Herrmanns Äußerungen wurden vom deutschen Kulturrat prompt und sehr vehement kritisiert und unter anderem auch als “schlechter bayerischer Running Gag in Wahlkampfzeiten” abgetan. Ausführlich kann die Reaktion des Kulturrats hier nachgelesen werden.

So weit – so altbacken. Vor kurzem aber gab Herr Herrmann in der Zeit ein Interview, bei dem so manche Antwort nun jedoch dem Faß den Boden ausschlägt. Ein paar Auszüge daraus:

“Ich kann von einem Kinobetreiber erwarten, dass er tatsächlich nur 18-Jährige ins Kino lässt. Wenn es aber um Computerspiele geht, ist das anders. Wenn ein 18-Jähriger ein Spiel in der Hand hat, gibt er es am nächsten Tag an 17-, 16- und 15-Jährige weiter. Ich glaube nicht, dass es in unserer freiheitlichen Gesellschaft einen Anspruch auf solche Computerspiele gibt.”

Wenn es danach ginge, müssten einige Filme auch sofort für alle verboten werden. Schließlich kann ein 18-Jähriger auch eine DVD aus der Hand geben und verleihen. Aber jetzt kommts:

“In anderen Bereichen haben wir auch klare Verbote, ich denke an Kinderpornografie. [...] Aber je größer die Gefahr ist, dass solche Spiele auch in die Hände von Kindern und Jugendlichen kommen, desto stärker muss der Staat eingreifen. Es ist ja auch für alle verboten, die Verbrechen des Nationalsozialisten zu verharmlosen.”

Wir Spieler werden also mit Nazis und Pädophilen verglichen? Schon ein sehr starkes Stück. Auch ein Beweis dafür, dass es mit der Weltoffenheit und dem politischen Klima auch in Deutschland nicht immer weit her ist.

Weshalb für Herrn Herrmann “Killerspiele” derartige Hassobjekte sind, würde ich gerne mal wissen. Zumal er im Interview sagt: “Ich spiele sie selbst nicht, aber ich habe sie mir intensiv angeschaut.” Wie kann er dann wissen, wovon er überhaupt spricht?

Was haltet Ihr von seinen Aussagen? Sind diese eurer Meinung nach überhaupt noch Tragbar? Oder sind Herrmanns Aussagen zum Thema Killerspiele vielleicht doch nur ein kleiner Sturm im Wasserglas?

Zum Abschluss dieses Beitrags noch ein passender Spruch, den ich vor kurzer Zeit gelesen habe:

Erst wenn die letzte LAN geschlossen,
Killerspiele verboten und das Internet zensiert ist,
werdet ihr merken,
dass man seine Kinder doch selbst erziehen muss.

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4 Kommentare zu “Die Leiden des alten Herrmanns”

  1. Majindane says:

    das letzte zitat kannte ich auch schon trifft aber vollkommen zu.

    Ich schätze schon das dies eine art werbekampange für den herrn ist.
    Aber uns mit nazi´s und pädophilen zu vergleichen das geht eindeutig zu weit.
    da platzt mir der kragen

  2. denol says:

    eigentlich schreit das nach einer klage, wegen ruf schädigung. vorallem die in deutschland ansäßigen gamesentwickler sollten mal rechtliche maßnahmen einleiten.

  3. FRAQ says:

    ist mario auch ein pädophiler nazi? bitte sagt mir die wahrheit!!!!

    zum thema, ich denke die mehrheit der csu politiker sind realitätsferne, konservative stammtischgröhler die kein aufgeklärter erwachsener mensch mehr ernst nehmen sollte.

    das thema “killerspiele” wird sich irgendwann ohnehin von selbst lösen, denn in einigen jahren wird eine neue generation das sagen in der politik haben, die schon mit videospielen aufgewachsen sind.
    die verteufeln dann vermutlich den sex mit aliens oder irgendwas anderes.

    ist doch immer das selbe. jede generation hat was mit dem sie nicht mehr klar kommt. allein in den letzen 50 jahren, wurden zig musikstile, dann filme und nun seit einiger zeit eben videospiele verteufelt.

  4. Jimbei says:

    Habe mir den ganzen Spaß ja schon bei 4Players seit einiger Zeit mit angesehen, aber das ist ja mal ein Ding. Es ist schon klar, dass es ein Generationskonflikt ist, aber irgendwie… drehen die völlig durch. ( ^ ^ )” Die sind ja tatsächlich realitätsfern.

    Hier eine “interessante” Doku: http://de.youtube.com/watch?v=0rmcl4F6×4o
    Hier der Auszug meines Comments, der auch hier genau zum Thema passt:
    “Die ganze Sache ist eigentlich sehr einfach: Das ist ein Generationskonflikt. Wer sich das Video vollständig angeschaut hat, wird feststellen, dass alle, die gegen die Spiele im allgemeinen sind, ältere Menschen sind. Und, das muss man auch beachten: So etwas wie die heutigen Computer- und Konsolenspiele hat es niemals zuvor in der Geschichte gegeben. Es ist etwas völlig neues, womit die alte Generation nicht zurechtkommt, deswegen verteufeln sie es – genauso wie die Kirche es tat. Man sieht es auch diesem Pfeiffer sofort an, dass er grenzdebil ist – schaut euch doch seine Mimik an. Er sieht aus wie jemand, der gar nicht versucht auf die Gegenargumente einzugehen. Nicht umsonst wurden die Videospiele erst vor kurzem zum Kulturgut ernannt (dürft ihr gerne bei Google eingeben und schauen). Auch die Musikindustrie MUSS sich wandeln, was sie aber nicht will, weil sie an alter Technik festhält.”

    Natürlich ist das alles vollkommener Quatsch. Hier ist eine wirklich hervorragende Zusammenfassung dessen, wie man in den Medien über uns Gamer und “Killerspiele” berichtet: http://de.youtube.com/watch?v=9c5rwlKFsLE Nach diesem Video dürfte einigen vieles klarer werden.

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