Sep 172008
 

Söldner sind nicht unbedingt die erste Wahl, wenn es um die Be-setzung der Protagonisten-Rolle in Videospielen geht. Beispiele wie Soldier of Fortune und Mercenaries: Playground of Destruction zeigen aber, dass es trotzdem manchmal vorkommt. Zu letzterem Spiel das 2005 für die erste Xbox veröffentlicht wurde, ist nun mit Mercenaries: World in Flames die Fortsetzung erschienen. Der Untertitel „World in Flames“ ist durchaus wörtlich zu nehmen, da es im Spiel sehr viele Dinge gibt, die in Flammen aufgehen können und werden. Ein bisschen Übertrieben ist der Titel allerdings schon, da sich das Spiel ausschließlich auf Venezuela beschränkt.


Es war einmal in einem Land in Südamerika

Die Story von Mercenaries ist schnell erzählt. Eines Tages bekommt ihr über einen Kontakt-mann das Angebot für den venezuelanischen Milliardär Ramon Solano zu arbeiten. Solano gibt dem Spieler den Auftrag für ihn einen inhaftierten General Carmona zu befreien. General Carmona soll anschließend Solano mittels eines Putsches zum neuen Präsidenten ernennen. Als Dank für die erfolgreiche Befreiung des Generals erhält unser Protagonist, aber nicht sein wohl verdientes Geld, sondern eine Kugel in den allerwertesten verpasst. Das kann man als Söldner von Welt natürlich nicht auf sich sitzen lassen und man beginnt mit seinem Rachefeldzug.

Wie bereits im ersten Teil kann der Spieler zwischen den 3 Anti-Helden Christopher Jacobs, Jennifer Mui und Mattias Nilsson als Alter-Ego wählen. Nachdem die Spielfigur bestimmt wurde, kann diese im Verlauf des Spiels nicht mehr geändert werden. Gesteuert wird der Protagonist in der dritten Person. Die Steuerung verhält sich typisch für 3rd Person Shooter oder Open World-Spiele und ist damit schnell verinnerlicht.

Neben der guten alten Fortbewegung zu Fuß steht dem Spieler im späteren Spielverlauf eine Vielzahl von verschiedenen Fahrzeug-typen zur Verfügung. Grundsätzlich kann man die Fahrzeuge in Land-, Luft und –Wasserfahrzeuge unterteilen. Die komplette Pa-lette militärischer und nicht-militärischer Fahr-zeuge angefangen beim Jetski über den Pan-zer bis zum Kampfhubschrauber stehen dem Spieler innerhalb und außerhalb der Missionen jederzeit zur Verfügung. Die Qualität der Steuerung der Fahrzeuge hängt von den Fahrzeugen selbst ab. Manche Fahrzeuge wie z.B. der Monster Truck lassen sich gut steuern, zwar nicht in einer Forza Motorsport-Qualität, aber gut genug um die Missionen zu schaffen. An-dere Fahrzeuge schlittern sehr oder sind wie z.B. die Armee-Jeeps etwas träge. Zusammen-fassend kann man sagen, dass sich das Fahrgefühl zwischen einigen Fahrzeugen deutlich unterscheidet. Viele Fahrzeuge bieten neben dem Fahrerplatz auch einen Schützenplatz, der entweder von einem CPU-Verbündeten oder dem Koop-Spieler besetzt werden kann, an.

Auch in punkto Waffen gibt es eine gute Auswahl der üblichen Verdächtigen, angefangen bei der einfachen Pistole über die Schrottflinte bis zum Raketenwerfer gibt es alles, was das Söldner-Herz begehrt. Allerdings können immer nur 2 Waffen zugleich getragen werden. Die Möglichkeit kleinere Waffen wie z.B. Pistolen beidhändig zu benutzen besteht leider nicht.

Mercenaries – kein Fall für den Gleichstellungsbeauftragten

Wenn man ein Spiel mit 3 verschiedenen Hauptcharakteren bekommt, könnte man sicherlich die beiden folgenden Ideen haben. Erstens die Charaktere werden abwechselnd gesteuert, um die Story durch mehrere Blickwinkel zu sehen. Zweitens jeder Charakter hat individuelle Vor- und Nachteile, die es geschickt einzusetzen gibt. Die Entwickler der Pandemic Studios scheinen diese Ideen leider nicht wirklich gekommen zu sein. Denn obwohl alle 3 Charaktere durchaus jeweils eine einzigartige Charakteristik be-sitzen, spielen sich mehr oder weniger identisch. Der Schwede Mattias Nilsson verfügt mit der schnelleren Regeneration wohl über die beste der drei Eigenschaften. Die Eigenschaften seiner Mitstreiter Christopher Jacobs (kann mehr Munition tragen) und Jennifer Mui (läuft schneller) bringen dagegen kaum einen spielerischen Gewinn. Selbst die anfängliche Videosequenz ist größtenteils bei den drei Charakteren gleich, sogar die Untertitel sind zu 100% identisch. Auch die Bewaffnung ist bei allen Charakteren identisch. Warum trotz aller Gleichheit der Spielfiguren diese nicht während des Spiels gewechselt werden können, ist außer mit der Story nicht ausreichend zu begründen und die Story spielt in diesem Spiel eigentlich keine große Rolle. Leider spielen auch abwechselungsreiche Animationen und eine möglichst hohe An-zahl verschiedenster Missionstypen keine große Rolle. So gibt es für jedes entführbare Fahrzeug leider immer nur eine Animation. Die Missionspalette bietet die 5 Typen von Missionen an: Erorberung eines Vorpostens, Checkpoint rennen mit diversen Fahrzeugen, Zerstörung eines Bauwerks, Eliminierung/Entführung einer Zielperson oder Schutz einer Zielperson bzw. eines Gebäudes.

Jeder der verschiedenen Auftraggeber bietet in unterschiedlicher und z.T. frei wählbarer Reihenfolge Varianten dieser Missionstypen als Aufträge an.

Gewisse Ähnlichkeiten sind unverkennbar

Als Open World-Spiel in der dritten Person mit einer geballten Ladung Action ist der Vergleich mit Grand Theft Auto natürlich unvermeidbar. Mercenaries kommt als eine auf das wesentliche reduzierte Version von GTA daher und mixt dies geschickt mit The Outfit, denn wie im WW2-Actionspiel kann man sich auch hier bei entsprechenden Geld- und Benzin-Vorrat Kriegsgerät oder Luftangriffe auf das Schlachtfeld liefern lassen. Das Geld erwirtschaftet man durch die Ausführung der Aufträge. Benzin erhält man entweder durch das Zerstören von Fahrzeugen oder durch das Stehlen von Benzintanks. Ebenso wie die Benzintanks können auch Geld oder Luftangriffe gestohlen werden, voraus-gesetzt ihr habt den Hubschrauber-Piloten Ewan rekrutiert. Neben dem Hubschrauber-Piloten, der relativ früh im Spielgeschehen be-reits rekrutiert wird, können während des Spiels außerdem noch die Mechanikerin Eva und den Jet-Piloten Mischa rekrutiert werden. Die Mechanikerin erweitert das Angebot an zivilen Fahrzeugen und eigene Fahrzeuge bauen, wenn genug der 100 im gesamten Spiel-feld versteckten Ersatzteile gefunden werden. Der Jet-Pilot erwei-tert das Angebot an Luftangriffen gegen Gegnerische Stellungen und Fahrzeuge.

Mercenaries setzt seinen Schwerpunkt auf die Erfüllung der Auf-träge und die Zerstörung der Spielwelt und sieht davon ab Mini-Spiele oder die Simulation sozialer Beziehungen zu integrieren wie GTA IV dies tut.

Den diesjährigen Trend der kooperativen Shooter wird Mercenaries 2 nur zum Teil gerecht, da lediglich über Xbox Live kooperativ mit-einander gespielt werden kann. Dafür hat man aber den Trend der Quicktime-Events, also dem schnellen Drücken bestimmter Knöpfe, nicht vergessen und für das Entführen von Panzern eingebaut. Mercenaries 2 ist ein gutes Spiel geworden, mit ein wenig mehr Einsatz bei der Ausarbeitung der Fähigkeiten und Ausrüstung der Spielcharaktere, einem lokalen Multiplayer-Modus und ein paar zu-sätzlichen Animationen hätte Mercenaries 2 sogar ein sehr gutes Spiel werden können.

(Fazit weiter unten)

Game Facts
  Entwickler: Pandemic Studios
Publisher: EA
Genrè: Action
USK: 18
Pegi: 16+
Multiplayer: 2
Sprache: Multilingual
Preis: EUR 59,95 / CHF 99,-
Website: