Sep 212008
 

Für Adventures auf dem Nintendo DS bieten sich gänzlich tolle Möglichkeiten an, denn durch die punktgenaue Touchscreen-Steuerung sehen die mobilen Abenteuer zu ihren großen PC-Vorbildern auf, um hämisch verständlich zu machen, dass es fast keine Unterschiede zwischen ihnen gibt. Namhafte Adventures erschienen in den letzten Monaten für Nintendos Handheld Nummer eins, die zwar fast alle an ihre großen Brüder heranreichten, doch Kompromisse wegen des begrenzten Speicherplatzes eingehen mussten. Was liegt da also näher, die Speicher-fressende Sprachausgabe zu entfernen? Gerade sie ist es aber, die den Charakter eines Adventures ausmacht. Eine der von Fans meist erwarteten Umsetzungen ist Ankh – Der Fluch des Skarabäenkönigs. Für Adventure-Freaks eines der besten Spiele in diesem Genre, denn nicht umsonst wurde es 2005 so betitelt und mit dem Deutschen Entwicklerpreis ausgezeichnet. Und da Ankh nun mobil geworden ist, steht auch die Frage im Raum, was denn alles entfernt werden musste, damit das Spiel auf ein Modul passt. Die Antwort: Nichts!

Die Story ist neben der Rätsel das Herzstück eines Adventures, und so auch von Ankh – Der Fluch des Skarabäenkönigs. Das Spiel ist eine 1:1 Portierung des gleichnamigen PC-Titels, der in beeindruckender Weise auf die kleinen Bildschirme gebannt wurde. Der Hauptcharakter ist der junge Ägypter Assil, der sich mit zwei Freunden Zugang zu einer Pyramide verschafft hat, um darin Feierlichkeiten walten zu lassen. Natürlich befinden sie sich nicht in irgend einem schnöden Raum, sondern in der Grabkammer des Skarabäenkönigs. Plötzlich kommt der Spruch:“Geb mal ein Bier rüber.“ Dieser Satz steht in einem lustigen Zusammenhang eines später folgenden Spruches. Der mehr oder weniger tollpatschige Assil wiegt sich in absoluter Sicherheit und randaliert aus Versehen in der Grabkammer. Der Skarabäenkönig entweicht sofort aus seinem Sarkophagen und schreit: „Du, du hast mein Grab entweiht. Das macht dann… bei sechs kaputten Urnen… Einen Verweis!“ Doch was wäre die Geschichte wert, wenn nicht ein Freund korrigieren würde: „Nee, sieben… oh, hoppla.“ Der grimmig guckende  Skarabäenkönig antwortete darauf: „Sieben! Na dann ist es… ein TODESFLUCH.“ Sprach es und packte Assils Hand, während der König seinem kostbaren Amulett Ankh hinterher sah, wie es auf Assils Arm rutschte, was mit Sicherheit ohne seinen Willen geschah. Zwar lastet seit eben ein Todesfluch auf Assil, aber immerhin hat er durch das Ankh jetzt einen Flaschenöffner gefunden, wie er mit einem kessen Spruch anmerkt. Fortan unternimmt Assil alles, um den Fluch wieder in die Wüste zu schicken.

Kro… Krooo… Krooookooodiiille?

Ihr seht, das Spiel lebt von seinen Sprüchen und dem Witz. Das ist auch das Besondere an Ankh, da es nicht nur ein klassisches Point & Click Adventure ist, sondern sich an den alten LucasArts-Spiele orientiert. Und natürlich wären die Sprüche nur halb so lustig, gäbe es denn keine Sprachausgabe. Ihr habt richtig gelesen, die Entwickler vollbrachten das Kunststück und vertonten jede noch so winzige Textpassage mit den Stimmen von Ben Stiller, John Cleese und Renée Zellweger. Auch wenn das eine glatte Meisterleistung ist, muss man anmerken, dass die Sprache etwas blechern klingt. Außerdem sollte die Lautstärke des Musikpegels etwas heruntergedreht werden, da es einige Stellen gibt, an denen man die Stimmen nicht mehr sauber verstehen kann. Einen kleinen Bug haben wir auch entdeckt, obwohl dieser schon wieder mehr als nebensächlich gilt. Klickt ihr auf die Katzen bei der Fischbrötchen-Verkäuferin, dann ertönt kein Katzen-typisches Miau, sondern ein fehlerhaftes Sample, das vergleichbar mit einem schrillen Kratzen ist. Das Gleiche kann man im Gefängnis bei dem Loch erleben. Die Stimmen sind hingegen sehr professionell, mit viel Witz und Liebe gesprochen. Das schlägt sich vor allem auf die Lachmuskeln nieder, denn ob ihr es glauben wollt oder nicht, ihr kommt aus dem Lachen nicht mehr heraus, da jeder Charakter seine eigene Individualität besitzt und diese bestens ausnutzt. In Zwischensequenzen wird oftmals auch die Mimik äußerst passend dazu eingesetzt. Am liebsten würden wir die besten Sprüche für euch niederschreiben, doch dann würde es vom Umfang her eines Buches entsprechen. Das Spiel nimmt alles und jeden auf die Schippe und macht selbst vor sich keinen Halt, besonders bei den auswählbaren Antwortmöglichkeiten.

Sehr nervig: Assil ist eine echte Labertasche, weil er bei jedem angeklickten Objekt im Inventar seinen Senf dazu geben muss, ob etwas passt oder nicht. Wenn ihr also die nicht unbedingt wenig vorhandenen Objekte miteinander zu kombinieren versucht, bekommt ihr jedesmal die immer gleichen Sprüche an die Stirn gedonnert. Nach einer kurzen Zeit könnt ihr jene auswendig und wollt am liebsten den Finger in Richtung Lautstärkeregler schnellen lassen, wenn da nur nicht die bereits mehrfach erwähnte, geniale Sprachausgabe wäre. Natürlich gibt es auch Anspielungen auf bekannte Adventures, wie etwa von dem mit dem berühmtesten Möchtegern-Piraten.

Selbst ein Ohrwurm ist mit dem Lied This is Cairo enthalten, das euch nicht nur am Anfang die volle Drönung verabreicht. Die Musik an sich könnte nicht besser gewählt sein, weil sie Dramatik, Spannung und Gefühl in einem Paket vereint sowie orientalisches Flair und Dschungel-artige Geräusche bietet.

Ankh ist in erster Linie ein lineares Adventure, das klassische Rätsel und frische Ideen beherbergt. Das Spiel war auf dem PC für viele Spieler zu leicht, weil es zu wenig Hotspots geboten hat. Bei der Nintendo DS-Version ist es aber so, dass die relativ kleinen Bildschirme schon fast die Hauptschuld tragen, dass das Absuchen nach Objekten und Hotspots öfters zu einer echten Qual wird. Viele der Objekte sind nicht ersichtlich, da sie zu klein sind und zu gut versteckt. Zum Glück wurde eine Option für den Schwierigkeitsgrad integriert, mit der relevante Dinge hervorgehoben werden. Das Rätseldesign ist für fortgeschrittene Spieler eher normale Kost, für Anfänger durchaus fordernd. Mal hier etwas kombinieren und mal da einen Schalter betätigen – im Grunde ist vieles davon nachvollziehbar.  Und dabei spielt Assils Freundin Thara auch keine unwichtige Rolle, wie ihr später merken werdet. Manche Rätsel verlangen einen längeren Laufweg durch viele unterschiedliche Locations. Es ist zwar schön, dass es diesen Gangsta-Fährenmann gibt und sich dabei die Möglichkeit anbietet, von bestimmten Szenen aus mit einem entsprechenden Button schnell zu der Fähre zurückkehren zu können, aber das ist meist nur am Anfang einer Location der Fall. Warum der Button nicht dauerhaft besteht, weil man sonst gefühlte 100 Kilometer zum gewünschten Punkt zurücklegen muss, können wir leider nicht beantworten. Wahrscheinlich soll dies aber die für manche Spieler relativ kurze Spieldauer von 10 bis 15 Stunden verlängern. Für ein Nintendo DS-Adventure ist dies wiederum eine ordentliche Spielzeit.

Und da sich der Nintendo DS bereits wie erwähnt bestens für Adventures eignet, sind das Handling und die Aufmachung ein Knaller. Auf dem oberen Bildschirm werden einzelne Objekte und Informationen über Hotspots angezeigt, ebenso wie Zwischensequenzen. Viel interessanter ist jedoch der untere Touchscreen, über den ihr Assil smooth mit dem Stylus oder gar dem digitalen Steuerkreuz bewegen könnt, ab und zu bleibt er auch an einigen Ecken hängen, was insgesamt betrachtet nicht weiter tragisch ist. Oben links befinden sich die Objekte bzw. Items, die via Drag & Drop kombiniert oder verwendet werden dürfen. Unten links reihen sich insgesamt vier Aktions-Buttons, mit denen alle wichtigen Aktionen ausgewählt werden können. Neben untersuchen gibt es aufheben, benutzen und reden. Das ist äußerst praktisch, um nur bestimmte Funktionen anzuwenden, damit man nicht durcheinander kommt. Auch sehr positiv ist die Speicherfunktion, die gewohnt über Start oder dem auf dem Bildschirm unten rechts befindlichem Ankh-Symbol aufgerufen werden kann. An jeder Stelle darf auf insgesamt vier Speicher-Slots gespeichert werden. Zusätzlich wird bei jedem Speicherstand der Fortschritt eines Kapitels angezeigt, wovon es insgesamt fünf Stück gibt.

Steht der PC-Version in Nichts nach

Wenn man die PC-Fassung mit der mobilen Version vergleicht, dann fällt vor allem der optische Unterschied auf. Auf dem PC erstrahlt die Spielwelt komplett in 3D, was auf dem DS nur in einer begrenzten Möglichkeit machbar wäre. So dürft ihr euch durch vorgerenderte Szenarien bewegen, die den 3D-Vorbildern wunderbar entnommen wurden. Einige wenige sind leicht matschig und detailarm geworden, fallen aber nicht gezielt ins Auge. Die Szenen bewegen sich meist mit, so dass nicht der Eindruck entsteht, dass sich Assil nur in einer Kiste befindet. Eben wie bei den klassischen LucasArts-Adventures. Sehr gelungen sind auch die Zwischensequenzen, die die Mimiken der Charaktere gekonnt in Szene setzen – in einigen Fällen kommt es zu kurzen Rucklern. Putzige Animationen der Chraktere runden das Gesamtbild ab, sehr selten treten Fehlanimationen auf, wie etwa bei einer kaputten, hölzernen Brücke.

(Fazit weiter unten)

Wir bedanken uns bei Daedalic Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Testmusters.

Game Facts

Entwickler: Denaris / Visual Imagination  
Publisher: Daedalic / XIDER 
Genré: Adventure
USK: Ohne Altersbeschränkung
Pegi: –
Multiplayer: 1 Spieler
Sprache: Deutsch (Fr. und Eng. Untertitel)
Preis: EUR 39,99 / CHF 64.-
Website: ankh-game.com

Review Ankh – Der Fluch des Skarabäenkönigs  
 
Beschreibung
Steuerung
Hauptsächlich findet das Spielgeschehen auf dem Touchscreen statt, auf dem der Stylus ein perfektes Zuhause hat.
Grafik
Besser hätte man die optische Qualität nicht überbringen können. Aus dem ehemaligen 3D werden schnuckelige, vorgerenderte Szenen, die viele Details für das Auge bieten.
Sound
Alter Schwede! Die Sprachausgabe ist der Hammer und bislang noch nie auf dem DS in Erscheinung getreten.
Spielspaß
Coole Rätsel, spannende Story, witzige Dialoge und glaubwürdige Charaktere. Was will man mehr?

Sonstiges
+ Durchgeknallte Charaktere
+ Extrem witzige Dialoge und schwarzer Humor
+ Viel Abwechslung
+ Adventure aus Deutschland
Sich zu oft wiederholende Standardfloskeln

94%

Fazit
Lange mussten Adventure-Fans auf diese Portierung warten, jetzt ist sie endlich da. Wir hatten bei dem Test von Ankh – Der Fluch des Skarabäenkönigs seit langer Zeit wieder spritzige Ergüsse von Lachanfällen und durften in das beste Adventure auf dem Nintendo DS abtauchen. Ermöglicht haben das vor allem die aberwitzige Story und die ebenso witzigen Sprüche in Zusammenarbeit mit der tollen Sprachausgabe. Am liebsten würden wir die Entwickler heiraten und viele kleine Assils zeugen. Leute, kauft euch das Spiel, damit auch die anderen beiden Teile der Adventure-Serie ihren Weg auf Nintendos Handheld finden. Etwas besseres bekommt ihr in diesem Jahr bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht geboten. Ankh – Der Fluch des Skarabäenkönigs ist die neue Adventure-Referenz!

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