Gerhard

Dragon Quest: Die Chronik der Erkorenen Review / Test


Ob Final Fantasy, Dragon Quest, The World Ends With You oder gar Arkanoid DS und Space Invaders Extreme. Square Enix hat im Jahr 2008 ein fantastisches Aufgebot für den Nintendo DS. Mit Dragon Quest: Die Chronik der Erkorenen hält ein klassisches Rollenspiel auf den DS Einzug, das in der Tat kein gänzlich unbekanntes Spiel ist. Der Titel gehört der geplanten Zenithia-Trilogie an, also Remakes von Dragon Quest IV – VI. In dem Fall handelt es sich um Dragon Quest IV, das bisher seinen Weg auf  das NES und der PlayStation fand. Ein weiteres und wichtiges Merkmal ist außerdem, dass die Spiele nur den Japanern vorenthalten waren und jetzt erstmals den Weg in Richtung Europa antreten. Während sich die Final Fantasy Reihe über die Jahre hinweg modernisiert hat, bleibt Dragon Quest der alten Schule treu.

Das Besondere an  Dragon Quest IV bzw. Dragon Quest: Die Chronik der Erkorenen ist die Story und deren Erzählung in Kapiteln. Aufgeteilt ist das Spiel also in fünf Kapiteln, wovon jedes eine eigene Story bietet. Während ihr am Anfang etwa in die Rolle von Ragnar Rauhbein schlüpft, begebt ihr euch mit Nina und Maya im vierten Kapitel auf Abenteuerreise. Die Abenteurer haben im Grunde nichts miteinander gemeinsam, und so dürft ihr mehrere personifizierte Storys erleben. Später werden die Protagonisten merken, dass sie etwas verbindet und im letzten Kapitel aufeinander treffen. Das Ganze funktioniert auch heute noch genauso gut wie schon damals und bietet dadurch enorm viel Abwechslung und Spielspaß. Die Spielwelt erstrahlt im typischen Dragon Quest-Stil und ist mittelalterlich angehaucht. Es existiert eine Oberwelt bzw. eine Karte, auf der sich zwischen den jeweiligen Dungeons, Städten und sonstigen Orten bewegt wird. Wer das Urspiel kennt, der wird im Grunde nichts Neues vorfinden – inhaltlich gibt es so gut wie keine Veränderungen. Klar ist, dass es auch diesmal um das Böse geht, was es zu bekämpfen gilt. Recht spannend ist das erste Kapitel aufgeteilt, worüber wir jedoch nicht zuviel verraten möchten. Kinder werden aus einem Dorf entführt und müssen wieder zurückgebracht werden. Etwas zauberhaft scheint dabei die ganze Präsentation zu sein. Die Städte und Orte sind mit den typischen Gebäuden ausgestattet, wie etwa die Händler für Waffen, Rüstungen und Items oder aber auch die Kirche, in der das Abenteuer gespeichert werden darf.

  Zwar existiert durch die unterschiedlichen Storys und Kapitel reichlich Abwechslung, das Vorgehen bleibt aber immer wieder das Gleiche. Das ist auch eines der Hauptmankos des Spieles. Wenn ihr Ragnar Rauhbein hochgelevelt und üppig ausgestattet habt, dann geht es auch schon gleich zum nächsten Kapitel über. Dort müssen die Hauptcharaktere das gleiche Schicksal auf sich nehmen. Missionen erledigen, Monster besiegen und dabei die Werte steigern. Das Blöde daran ist, dass man bei jedem Kapitel von vorne anfängt. Die Reisetasche beherbergt gerade einmal ein ltem, das Portemonnaie hatte auch schon bessere Tage gesehen und der Held schlägt sich mit der niedrigsten Stufe herum. Das sind alles solche Sachen, die für Frustmomente sorgen können, den Spieler aber dennoch durch die Geschichten fesseln. Schon bald werdet ihr am Anfang merken, dass ein hoher Level bei einem Kampf unabdingbar ist, da es Momente gibt, an denen das Spiel furchtbar schwer werden kann. Und sobald einer der Protagonisten das Zeitliche segnet, erwacht er an einem Ort in der Kirche, an dem der letzte Speicherstand liegt. Wer sein Geld nicht in einer der Banken angelegt hat, wird nach einer Niederlage nur noch die Hälfte seines ursprünglichen Vermögens vorfinden. Ein Kampf findet nach dem Zufallsprinzip entweder auf der Weltkarte oder an deren verschiedenen Orte, wie etwa Dungeons oder Türme statt. Etwas verzwickt scheint da die ein oder andere Situation, in der aktuell nur ein einziger Held existiert und gleich gegen fünf Gegner kämpfen muss, die ordentlich austeilen. Je nach Klasse oder Eigenschaften des Helden, werden entweder die klassischen Kämpfe mit Schwert und Co. absolviert, oder aber auch mit Magie. Rollenspiel-typisch dürfen Waffen und Rüstungen ausgerüstet werden, damit sich die Statuswerte ändern, um in den Kämpfen eine bessere Figur zu machen.

Von den Gegnern her hat sich auch recht wenig geändert, die aber trotzdem gekonnt ein heimisches Gefühl entstehen lassen. Selbst deren Eigenschaften und Angriffe sind identisch zu den bisherigen Abenteuern. Der Slime kann z.B. nicht viel austeilen, dafür aber die gesamte Mannschaft heilen. Auch wenn das Kampfsystem sofort in Fleisch und Blut über geht, gibt es doch einige negative Punkte zu bemängeln.  Sehr schade ist vor allem, dass es keine direkte Möglichkeit gibt, die Gegner gezielt anzugreifen, sondern nur Gruppen-basiert. Desweiteren existiert keine Anzeige, um die Lebensenergie der Bösewichte abschätzen zu können, das besonders bei den dicken Endbossen für viel Frust sorgt.

Sehr umständlich gestaltet sich das Speichersystem. Wie bereits erwähnt, darf in Kirchen der Spielstand gesichert werden. Darüber hinaus bietet das Spiel auch eine Sofortspeicherung an, jedoch nicht in Dungeons oder gar vor Bosskämpfen. Mit der Sofortspeicherung kann das Spiel zwar gespeichert werden, doch danach muss der DS ausgeschaltet und wieder eingeschaltet werden, was das Ganze zu einer Art Spießrutenlauf macht. In der heutigen Zeit wünscht man sich ein ausgereifteres System, gerade bei Rollenspielen. Zusätzlich kann nur in der Kirche der nächste Schritt bis zum Levelaufstieg eingesehen werden, was einfach nicht mehr akzeptabel ist. Unpraktisch kommt auch das Menü daher, das wichtige Dinge erst in irgend einem der Untermenüs versteckt hält, dafür aber die eher unrelevanten Optionen sofort bereithält.

Was bei Dragon Quest: Die Chronik der Erkorenen sofort ins Auge sticht, ist die detailverliebte Präsentation. Ein Tag- und Nachtwechsel ermöglicht zwei völlig unterschiedliche “Welten”. Am Tag sind die Bewohner einer Stadt quicklebendig und gehen ihren Aufgaben nach. In der Nacht schlafen die meisten, ein Bruchteil davon aber genießt den Feierabend. Nachts entstehen so andere Ereignisse als am Tag, und können sogar Spiel-relevant sein. Ein weiteres Schmankerl ist die Perspektive, die mit den Schultertasten um 360 Grad gedreht werden kann. Entsteht auf den ersten Blick ein klassisches 2D-Rollenspiel, fällt nach einem Dreh der Perspektive sofort auf, dass viele Dinge komplett in 3D gehüllt sind. Interessant dabei ist, dass die Spielwelt auf allen beiden Bildschirm dargestellt wird und somit ein üppiges Ausmaß bekommt. Grafisch hat sich daher auch einiges getan, weshalb die unglaublich vielen Details die Augen verwöhnen. Das Gleiche gilt für den Soundtrack, der mit satten orchestralischen Rhythmen die Ohren massiert. Die gelegentlichen Slowdowns und die nicht vorhandene Touchscreen-Unterstützung sind daher nur geringfügig zu bemängeln.

Ansonsten gibt es in der Spielwelt viel zu entdecken, nicht zu letzt die geballte Ladung an Texten der Einwohner. Das Deutsch ist sehr verständlich und weiß zu gefallen. Für noch mehr Abwechslung sorgen Minispiele, die man in einigen Städen vorfinden kann. Da gibt es einmal das Sammeln von Minimedaillen, die bei dem König Minikin gegen Gegenstände eingetauscht werden können, oder eben das Kasino, in dem man mal ordentlich die Seele baumeln lassen kann. Items, wie etwa Heilkräuter, befinden sich auch auf den ersten Blick in eher unscheinbaren Objekten: Fässer, Töpfe, Bücherregale oder gar Kommoden. Eine nette Dreingabe sind die Siedler, die über die Wi-Fi-Funktion mit dem DS aufgenommen werden können. Dadurch ist es möglich, Städte zu vergrößern und zu erweitern.

(Fazit weiter unten)

Wir bedanken uns bei Koch Media für die freundliche Bereitstellung eines Testmusters.

Game Facts

Entwickler: Square Enix  
Publisher: Square Enix / Koch Media 
Genré: Rollenspiel
USK: Freigegeben ab 6 Jahren
Pegi: 12+
Multiplayer: 1 – 2 Spieler
Sprache: Deutsch
Preis: EUR 39,99 / CHF 64.-
Website:

Review Dragon Quest: Die Chronik der Erkorenen  
 
Beschreibung
Steuerung
Während auf den Touchscreen komplett verzichtet wird, geht es wie gewohnt mit dem Steuerkreuz auf Schnetzeljagd.
Grafik
Ein echter Augenschmaus, selbst für Retro-Fans. 3D-Optik gepaart mit vielen Details und liebevoll gezeichneten Charakteren.
Sound
Orchestralisch angehauchte Melodien mit den typischen Dragon Quest Impressionen, gefallen nicht nur den Nostalgikern.
Spielspaß
Zwar entsteht durch den stetigen Neuanfang Frust, die Story hingegen ist durch die Erzählweise frisch und lebendig.

Sonstiges
+ Rund 20 Stunden Spielzeit
+ Erzählung in Kapiteln
- Dauerleveln nervt gewaltig
- Zum größten Teil zu kleine Dungeons
- Speichersystem zu unausgereift

87%

Fazit
Dragon Quest: Die Chronik der Erkorenen ist kein neues Spiel, sondern ein Remake eines alten Klassikers, der bislang nur den Japanern vorenthalten war. Interessant bei dem Spiel ist nicht nur die Erzählweise der Kapitel, sondern auch die späteren Zusammenhänge der Charakter. Dabei gilt allerdings wie immer: Weltenretter und Helden sind auch hier an der Tagesordnung. Apropos Tag – der geschmeidige Wechsel zwischen Tag und Nacht ist ebenso eine echte Augenweide, wie die sehr gelungene Grafik. Von den spielerischen Elementen fühlt man sich in die damalige Zeit zurückversetzt. Hier erwartet euch ein klassisches Oldschool-Rollenspiel, das zwar einige Mängel besitzt, sich aber in die Herzen der Dragon Quest-Fans fest einbrennt. Geeignet ist das Spiel besonders für Anfänger und Spieler, die die alten Klassiker endlich im neuen Glanz spielen möchten.

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