Okt 242008
 

Als Brothers in Arms: Hell’s Highway das erste Mal vorgestellt wurde, versetzten die gezeigten Szenen die Gemüter ins Staunen und sorgten zugleich für offene Münder. Noch ein Zweiter Weltkrieg-Shooter? Nochmal mit Matthew Baker in der Rolle als Anführer über zerbomte Felder stürmen? Nochmal das Ganze von vorne? Die Erwartungshaltungen waren groß, denn die Vorgänger machten so vieles falsch und die Entwickler und der Militärberater Col. A.D. John Antal versprachen bei jeder Präsentation mehr Authentizität und mehr Realismus. Das Spiel ist neben der Xbox 360 auch für den PC und die PS3 erhältlich. Alle Wii-Besitzer können sich mit Brothers in Arms: Double Time in die Schlacht stürzen.

Im mittlerweile dritten Teil Hell’s Highway schlüpft ihr zum zweiten Mal in die Haut von Matthew Baker, der der 101. Airborne Division angehört. Zusammen mit seinen Mannen erlebt er die größte Luftlandeoperation, die die Geschichte jemals erlebt hat. Um auf den Punkt zu kommen: Es geht um die Operation Market Garden, die unter den Soldaten auch Hell’s Highway genannt wurde und vom 17. bis zum 27. September 1944 Angst und Schrecken verbreitete. Typisch an der Erzählung der Geschichte sind die wiederholten Einblendungen und Déjà-vu-Erlebnisse längst vergangener Schlachten aus Brothers in Arms. Hier und da werden Szenen gezeigt und versuchen die Geschehnisse der Vorgänger etwas aufzufrischen. Wer Brothers in Arms das erste Mal spielt, der wird leider etwas alleine gelassen, da man die Zusammenhänge nicht so richtig versteht. Anders hingegen, wenn die Spiele bereits bekannt sind. Sollte das der Fall sein, darf man sich auf ein Wiedersehen mit alten Bekannten freuen.

Schon gleich zu Beginn offenbart Hell’s Highway seine Stärke. Das Spiel lebt von der Story und den knalligen Zwischensequenzen. Ihr startet in einem Krankenhaus, das vom Krieg völlig gezeichnet ist. Was ihr dann erblickt, ist eine staubige und sehr düstere Atmosphäre, im Hintergrund sind Einschläge zu hören, die die Infusionslösungen an Transfusionsgeräten im Takt baumeln lassen, und vor allem jede Menge stickige Luft. Was etwas sauer aufstößt, sind die eher gemächlich inszenierten historischen Hintergründe.

Was Brothers in Arms von der Konkurrenz unterscheidet, ist das taktisch angehauchte Kampfsystem. Statt blind in Richtung Feind vorzustoßen, befehligt der geeignete Gruppenführer seine Untergebenen und schickt sie nach Belieben in den Kampf. Vom Grundprinzip her hat sich nichts geändert. Mit einem beherzten Druck auf einen Button erscheint auf dem Bildschirm bzw. direkt im Spielfeld der sogenannte Befehlsring. Habt ihr ihn erst einmal aktiviert, könnt ihr eure Kameraden an nahezu jede beliebige Stelle schicken, um den Gegnern einzuheizen. Ein Beispiel: Ein von den gegnerischen Soldaten betriebenes Maschinengewehr hindert uns am Weiterkommen, da sie permanent Salven in unsere Richtung abfeuern. Daher wird unser Team mittels Befehlsring hinter die nächstgelegene Mauer verbarikadiert und angewiesen, dass sie das bedrohliche MG unter Sperrfeuer nehmen sollen. Sperrfeuer ist die am häufigsten verwendete Aktion in dem Spiel, da sich die Gegner damit festnageln lassen. Danach fällt es leichter, sich von der Seite anzuschleichen und die Gegner aus der Flanke anzugreifen. Das ist auch das Stichwort, denn im Grunde macht ihr fast immer das Gleiche, auch wenn sich dies im Vergleich zu den Vorgängern verbessert hat. Gegner ausmachen, danach festnageln, von der Seite angreifen, und anschließend ausschalten. Dafür spielt sich die ganze Sache taktischer und frischer.

Damit die Orientierung einfach wird, kommen auch diesmal Symbole über den Gegnern zum Einsatz, die genau anzeigen, in welcher Situation sie sich in dem Moment befinden. Ein roter Kreis zeigt etwa an, dass sie ungehindert in unsere Richtung ballern können, da sie von unserer Seite aus nicht in Beschuss sind. Ist der Kreis hingegen grau, dann halten unsere Kameraden gerade ihre Waffen drauf und geben Sperrfeuer. Das trägt zwar nicht besonders zur einer authentischen Atmosphäre bei, ist aber für solch eine Gameplay-Grundlage unerlässlich. Des Weiteren wurde im Gegensatz zu den Vorgängern auch die taktische Karte verbessert. Sie ist nicht mehr in 3D gehalten, sondern zeigt ganz schlicht die Umgebung von oben an, eingezeichnet in einer Übersichtskarte. War das in den Vorgängern noch eher unübersichtlich, ist die Übersicht besonders löblich. Auf der taktischen Karte werden sowohl Ziele als auch Gegner und eigene Einheiten angezeigt. Um aber wiederum diese Karte nutzen zu können, sollten Aufklärungspositionen ausfindig gemacht werden, wie etwa eine Windmühle, in die man via Treppe nach ganz oben klettern kann, um einen besseren Blick über das Spielgeschehen zu haben.

Zu der künstlichen Intelligenz bleibt zu sagen, dass sie deutlich zugenommen hat, aber weiterhin nicht das Gelbe vom Ei ist. In einigen Fällen könnt ihr direkt daneben stehen und eurem Erzfeind die Zunge herausstrecken. Das stört ihn herzlich wenig. Wenn man etwa flankiert, dann sieht man viele Gegner wie ein Häufchen Elend, das sich hinter seiner Deckung verschanzt. Dass aber neben ihnen jemand steht, der sie erschießen könnte, ist denen egal. Selbst die eigenen Kameraden haben die Intelligenz nicht mit dem großen Löffel gegessen. Ab und zu bleiben sie an Mauern hängen oder liefern dem Feind eine Prima Zielscheibe ab. Zum Glück wurde das Befehligen eingeführt, da man sich öfters in der Situation befindet, dass sie den ganzen Weg versperren und man sich nicht mehr bewegen kann.

Ein durchaus großes Manko ist die weiterhin sehr schlechte Umsetzung des Treffersystems. Klar ist das realistischer, weil nicht jede Kugel sofort trifft, doch unheimlich nervig. Ihr schießt einem Soldaten in den Kopf, doch der Schuss ging vorbei. Ihr schießt 20 Meter an seinen Füßen vorbei und es trifft ihn in den Kopf. Deshalb benötigt ihr relativ viel Munition.

Bei der Technik hat sich so einiges getan. Angetrieben wird das Spiel von der allseits beliebten Unreal Engine 3, die eine hochwertige Gesamt-Optik gewährt.  Hübsche Lichteffekte, sehr detaillierte Objekte und eine gute Präsentation. Weniger gelungen sind z.B. die durchaus übertriebenen Unschärfe-Effekte, die nach einer kurzen Zeit bereits nerven. Oder die hohe Texturarmut, die vielen Nachladeruckler, die sich aufbäumenden (Pop-Up) Gräser, nachladenden Texturen und die Clipping-Fehler.

Was die Unreal Engine 3 aber richtig macht, sind die Physikeffekte. Konnten Zäune und Fässer bisher genügend Schutz bieten, ändert sich das in Hell’s Highway gekonnt. Die Zäune kann man mit einem Maschinengewehr einfach umnieten und Gegner somit überraschen. Andersherum funktioniert das auch: Fühlt man sich hinter einem Zaun reichlich beschützt, wird man sofort eines Besseren belehrt. Leider wurde bei der deutschen Version das Skalpell gezückt und weitreichende Maßnahmen ergriffen. In der ungeschnittenen Fassung fliegen Körperteile herum, wenn eine Granate  das gegnerischer Lager aufliegen lässt.

Was konnte die Brothers in Arms Reihe hingegen gut? Natürlich die Soundkulisse richtig inszenieren. Neben euch schlägt eine Granate ein, steht ein Maschinengewehr auf Dauerfeuer und im Hintergrund hört man  Explosionen. Wer ein entsprechendes Soundsystem besitzt, wird nicht enttäuscht werden. Ebenso ist die Sprachausgabe für deutschsprachige Verhältnisse ziemlich gut, und die Musik einfach grandios.

Es gibt zwar einen Multiplayermodus, doch wirklich erwähnenswert ist er nicht. Auf nur sechs Karten dürfen sich bis zu 20 Spieler in lediglich einem Modus austoben. Das Ganze ist langatmig und langweilig. Es möchte einfach kein richtiger Spielfluss aufkommen. Zudem sind fast keine Server online. Einmal haben wir es geschafft, einen einzigen Server mit 8 Mann zu finden. Zusätzlich gibt es Verbindungsabbrüche und viele Ruckler.

(Fazit weiter unten)

Wir bedanken uns bei Ubisoft für die freundliche Bereitstellung eines Testmusters.

Game Facts

Entwickler: gearbox Software 
Publisher: Ubisoft 
Genré: Egoshooter
USK: Keine Jugenfreigabe
Pegi: –
Multiplayer: 1 – 20 Spieler
Sprache: Deutsch
Preis: EUR 59,99 / CHF 80.-
Website: brothersinarmsgame.com

Review Brothers in Arms: Hell’s Highway  
 
Beschreibung
Steuerung
Die typische Shooter-Steuerung geht locker von der Hand, ist aber im Multiplayer-Modus irgendwie anders.
Grafik
Grafik hui, aber auch pfui. Trotz der Unreal Engine 3 gibt es zu viele Mängel, die das optische Gesamtbild trüben.
Sound
Hier kann man der Brothers in Arms Reihe nichts vormachen. Wie immer ein bombastischer Soundtrack.
Spielspaß
Lässt man den Multiplayermodus außen vor, ist die Singleplayer-Kampagne besonders durch die Story und den filmreifen Zwischensequenzen ein echtes Spielerlebnis.
Sonstiges
+ Atmosphärische Inszenierung
+ Faire Checkpoints
Blöder Multiplayermodus
KI könnte etwas intelligenter sein

75%

Fazit
Brothers in Arms: Hell’s Highway hat es nicht leicht, denn die Call of Duty Reihe macht stets eine gute Figur. Das Spiel hat sich im Vergleich zu den Vorgängern deutlich verbessert, bringt aber einige Mängel erneut auf das Schlachtfeld. Was begeistert, sind die super in Szene gesetzten Zwischensequenzen und die damit verbundene Glaubwürdigkeit. Auch viele kleine Details kann man in dem Spiel entdecken, wie etwa am Anfang im Krankenhaus, wo durch Erschütterungen Infusionslösungen zum Pendeln gebracht werden. Von der technischen Seite her gibt es zwar Mängel, doch die Präsentation ist sehr gelungen. Die Taktik wurde leicht verbessert, macht das Spiel allerdings nicht abwechslungsreicher. Und der Multiplayer-Modus: Darüber schweigen wir lieber. Alles in allem bekommt man mit Hell’s Highway einen guten Shooter mit vielen Fehlern und ebenso vielen positiven Details.

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