Nov 162008
 

Visual Novels spielen in unseren Breitengraden nur eine minderbemittelte Rolle und werden sogar oft in Verbindung mit japanischen Hentai-Spielen gebracht, die unser Interesse mit anzüglichen pornographischen Inhalten erwecken wollen. Doch abseits dieser „Nischenzone“ kann das Genre natürlich mit viel Gehaltvollerem aufwarten, denn der mehrere Betonwände durchbrechende Erfolg dieser Videospiel-Gattung in Japan spricht eine klar zu vernehmende Sprache. Warum springt bei uns in westlicheren Gefilden nicht der Funke über? Gerade ein Phoenix Wright: Ace Attorney trug nicht wenig dazu bei, den Visual Novels auf dem DS eine gehörige Zufuhr von Popularitätswerten zu verpassen. Am 30. November soll, und worauf wir euch an diesem diesigen Sonntag aufmerksam machen möchten, erscheint das Adventure Time Hollow auch in Europa.

Nicht jeder zückte damals im Zuge des nordamerikanischen Releases mit Lob übersudelte Höchstwertungen (im Gegenteil, es hagelte eher vernichtende Kritik), doch das soll für uns kein Argument sein, warum wir das Spiel mit Desinteresse und Ignoranz strafen sollten. Visual Novels sprechen eben eine spezifische Kundenklientel an und beherbergen ein Höchstmaß an Linearität, die sich ehern ausnimmt und uns einiges an Frustresistenz abverlangt (wer hat nicht öfters über das verdammt sture und hölzerne Phoenix Wright geschimpft, das uns das Umstoßen eines ganz bestimmten Dominosteinchens nahelegt). Doch im Grunde zählt eben die Geschichte. Darauf kommt es an und das ist auch die alles entscheidende Quintessenz, hinsichtlich derer sich auch letztendlich die Qualität des Spiels bestimmt.

Ähnlich wie im fantastischen und spielenswerten Shadow of Memories (PS2) dürft ihr die Zeit manipulieren und müsst als Ethan Kairos Ermittlungen über den Verbleib euer mysteriös verschwundenen Familie anstellen. Denn eines schönen Morgens erwacht ihr und stellt mit verwunderten Blicken fest, dass die Eltern, mit denen ihr am gestrigen Tag noch lauttönend gestritten habt, schon seit 12 Jahren abgetaucht sind. Bei dem Onkel hausend, beginnen nun die Aufräumarbeiten und die Reise durch die dichten Zeitströmungen kann ihren Anlauf nehmen. Wer sich also auf gut erzählte Geschichte in Videospielen gerne einlässt, und auf mangelnde Interaktivität ohne größeres Grummeln verzichte kann, der sollte sicherlich einen näheren Blick wagen. Angesichts des massiven Spiele-Herbstes ist es traurig, dass introvertiere Perlen im Gepolter grölender Blockbuster ihr unliebsames Schattendasein fristen müssen. Kleiner Tipp: Haltet das Spiel erstmal im Auge wenn ihr des linearen Adventure-Genres nicht überdrüssig seid. Immerhin tut sich hier nach vier Phoenix Wright-Teilen ein bitter notwendiger Hort der Abwechslung auf, der uns endlich abseits der verstaubten Gerichtssäle führt.