Jörg Neißer

Review / Test: Weapon of Choice


Das erste Community Game, welchem wir einen ausführlichen Test widmen, hat nichts mit dem gleichnamigen Lied von Fatboy Slim zu tun. Auch Christopher Walken ist nirgends tanzend zu entdecken. Bisher sind diese Titel, die von Hobby-Programmieren mit dem XNA Studio erstellt wurden, nicht offiziell auf dem deutschen Marktplatz erhältlich. Schaut hier rein für die Details, wie ihr rankommt.

Unser Fazit: Wenige der bisher veröffentlichten Community Games erreichen die Qualität von Weapon of Choice. Doch genau solche Spiele braucht der Service und wir wollen sie. Dieser klasse Titel lässt alle Tugenden der 16-Bit Ära wieder aufleben und bietet zusätzlich einige interessante Mechanismen, die so zuvor noch nie in einem Run and Gun zum Einsatz gekommen sind. Abgesehen von der wirklich guten technischen Seite stimmt vor allem der Spielspaß. Besonders die erste Stunde ist an Überraschungen und Aha-Momenten kaum zu überbieten. Insgesamt hätten es ruhig noch ein paar Level mehr sein können, aber wer sich für das Genre interessiert findet zum Preis von 400 Microsoft Points derzeit kaum etwas Besseres auf dem Marktplatz. Die Wertung sollte nicht in Relation zu “großen” Spielen gesehen werden, sondern wie viel Spaß Weapon of Choice in sich geschlossen macht.

9/10

(Die gesamten Details gibt es nach dem Klick.)

Weapon of Choice (XBLA)
Entwickler: Mommy’s Best GAMES
Publisher: Mommy’s Best GAMES

Liebhaber von klassischem 2D Gameplay mit tollen neuen Elementen werden auf den aktuellen Konsolen stark vernachlässigt. Sicher, es erscheinen Remakes von alten Titeln oder teilweise auch Fortsetzungen (Metal Slug 7), aber gerade Neuentwicklungen muss man mit der Lupe suchen. Da kommt Weapon of Choice wie gerufen! Es wurde komplett von einer Person erdacht und spielt sich auch wie aus einem Guß. Zur Steuerung kommen lediglich die L- (springen) und R-Tasten (Spezialfähigkeit) sowie die beiden Analogsticks zum Einsatz (laufen und schiessen). Nach nur kurzer Zeit geht dieses simple Konzept in Fleisch und Blut über, erlaubt aber aufgrund der Vielfalt der Fähigkeiten erstaunlich viele Variationsmöglichkeiten. Die Story wird recht knapp durch kleine Textdialoge erzählt, insgesamt vier Enden lassen sich erspielen.

Was wir mochten:

Der clevere Einsatz von einzigartigen Charakteren - Es gibt sieben Charaktere im Spiel und diese unterscheiden sich in erster Linie durch ihre Fähigkeiten. Doch nicht nur das, es gibt keine Energie (eine Berührung ist sofort tödlich) und keine Leben. Stattdessen übernehmen die sogenannten Operatives diese Rolle. Zu Beginn stehen vier zur Verfügung, nach dem Ableben von einem von ihnen, kommt der nächste zum Einsatz. Die restlichen sind anfangs noch MIA (Missing in Action) und müssen erst gerettet, sprich: gefunden und dann Huckepack aus den Gefahrenzonen geborgen werden.

Dem Tod von der Schippe springen – Damit bei der teils furiosen Action kein Frust aufkommt, wurde das Deathbrushing eingeführt. Sobald sich etwas Tödliches in unmittelbarer Nähe der Spielfigur befindet, verlangsamt sich die komplette Umgebung und wir können so der Gefahr millimetergenau ausweichen. Das macht einerseits eine Menge Spaß und ist zum anderen unglaublich praktisch. Das Game wird durch dieses Feature aber nicht zu einfach, keine Sorge. Der Tod ereilt einen trotzdem in schöner Regelmäßigkeit, doch mit jedem Versuch wird man einen Tick besser. Wenn ihr den normalen Schwierigkeitsgrad bewältigt habt, lockt “Hard” mit leicht verändertem Leveldesign, mehr Monstern und neuen Angriffstaktiken.

Grandiose Waffen und eine Menge davon – Fangen wir an mit dem, was für jeden Operative gleich ist. Jeder hat die selbe zweite Waffe und einen Spiderpack, der das Laufen an der Decke und Wänden erlaubt. Auch der Doppelsprung ist jedem gemein, allerdings hat er jeweils einen komplett anderen Effekt. Thwack Jones etwa läuft auf einer Rauchwolke ein gutes Stück hoch über dem Boden, Constance O’Leary teilt sich in der Luft und bekommt so die doppelte Feuerkraft. Die Waffen der Wahl jedes Operatives sind teilweise an Einfallsreichtum kaum mehr zu überbieten. Moses Longhorn feuert kleine Dronen ab, die ihrerseits wieder anfangen zu schiessen und dieser Laser endlich darf mit dem linken Analog-Stick dirigiert werden. Xerxes Remington hingegen hat eine Jet-Düse zur Waffe umfunktioniert, die als Flammenwerfer Aliens grillt und ihn nach unten gerichtet einen halben Meter über dem Boden schweben lässt. Oder, zur Seite gerichtet, einen gehörigen Schub in die andere Richtung zur Folge hat. Zusätzlich zu dieser ganzen Vielfalt wird bei gedrücktem R-Trigger die zweite Funktion der Waffe aktiviert. Wenn ihr euch erfolgreich durch alle Level schlagen wollt, müsst ihr das komplette Arsenal beherrschen lernen.

Vielfalt auch bei Leveldesign, Gegnern und Optik – Vor allem die erste Welt ist sehr gut gelungen. Von hier aus kämpft ihr euch zu drei verschiedenen Ausgängen mit jeweils einem anderen Endgegner. Diese Nonlinearität lädt in der ersten halben Stunde zum hemmungslosen Entdecken ein. Die Bosse füllen den Bildschirm und sind schön anzusehen. Die gesamte handgezeichnete Optik ist wirklich hübsch, alles um einen herum kreucht und fleucht, allerdings sind die Monsterkreationen auch sehr krude und abstrakt geraten. Das gute alte Parallaxscrolling feiert sein Comeback, kein Toptitel aus den frühen Neunzigern konnte ohne es auskommen. Jedes der sieben Level hat seine eigenen Aliens zu bieten.

Nicht gefallen hat uns:

Alles in Allem nicht wirklich viel – Hat man sich erst einmal reingefuchst ins Spiel, ist es leider auch schon recht bald wieder vorbei. Die exzellente Spielbarkeit lädt aber zum Wiederspielen und dem Experimentieren mit den verschiedenen Waffen durchaus ein. Zwei Mal während der Testphase traten Bugs auf. Einmal fielen zwei Operatives so dumm in den Hintergrund, dass sie sich nicht mehr retten ließen. Ein anderes Mal stürzte das Game sogar komplett ab, doch da sich diese Fehler nicht reproduzieren lassen, könntet ihr davon auch komplett verschont bleiben. Ganz zu Anfang ist es zudem etwas schwierig zu erkennen, was denn nun gefahrloser Hintergund oder tödliches Getier sein soll. Dies ist nur durch ein wenig Trial & Error ausfindig zu machen.

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Keine Kommentare zu “Review / Test: Weapon of Choice”

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