Dez 092008
 

PULSE heisst das neue Videomagazin von Sony, dass regelmässig über Aktuelles rund um die Marke Playstation berichtet. Sieht gut aus, ist aber noch lange nicht Web 2.0 tauglich.

PULSE by Playstation Network: Es ginge noch besser.
PULSE by Playstation Network: Es ginge noch besser.

Langsam aber sicher entdecken auch Game-Publisher die Möglichkeiten des Webs für ihr Marketing. Besonders gefragt ist Video: Videoanzeigen boomen, Gametrailer aus den USA oder Japan sind schneller auf YouTube, als die nationalen PR-Agenturen reagieren können und sogar richtige TV-Sendungen sind im Kommen. Wobei „richtig“ etwas übertrieben ist, denn Sendungen wie Ubisoft-TV sind zwar sicher sehr informativ, aber letztendlich ein PR Instrument. Nun springt auch Sony mit seinem neuen Video-Magazin PULSE auf den Zug auf. Wir haben uns die Sendung angeschaut.

Inhaltlich lässt die erste Ausgabe von PULSE wenig Raum für Kritik. Nicht weil sie so toll ist, sondern weil die Sendung mit nur eine Minute und 24 Sekunden sehr kurz geriet – da passt nicht mehr rein als ein paar nette Kommentare zu schnell aneinander geschnittenen Ingame-Szenen. Man geht also ohne grosse Erwartungen an die Sache heran und wird dementsprechend auch nicht enttäuscht.
Vorgestellt werden Prince of Persia, das entsprechende Classic-Remake auf dem Playstation Network, Super Street Fighter HD Remix sowie ein paar andere Onlinetitel. Ebenfalls mit dabei: Eigenwerbung für das kostenpflichtige Qore, ebenfalls ein Game-Magazin in High Definition (bisher nur in den USA verfügbar). Zu guter Letzt gibts noch ein paar Empfehlungen für aktuelle Blu-ray Filme.

Fullscreen? Embedded Player? Podcast? Fehlanzeige.
Trotz der kurzen Laufzeit von nur knapp 1.5 Minuten ist PULSE professionell produziert. Innovationen oder optische Feuerwerke sucht man zwar vergeblich, aber man darf die Sendung durchaus als solide bezeichnen. Eine hübsche Dame moderiert (sollte man die Christina Lee kennen?), die Clips sind gut geschnitten und für Qore hat man sich sogar ausser Haus gewagt und inszeniert eine Art Duplex-Übertragung, obwohl das Ganze natürlich nicht live ist.

Leider sind in der Umsetzung trotzdem Fehler passiert – und zwar bei der Einbindung ins Web. Als erstes fällt auf: Der Player lässt sich trotz guter Auflösung nicht in den Fullscreen-Mode zwängen. Nicht wirklich tragisch, aber trotzdem doof. Schliesslich sehe ich Videos gerne mit etwas Abstand vom Bildschirm.
Als Blogger fällt einen dann natürlich besonders auf, dass sich das Video nur streamen lässt. Kein Download, kein Podcast, kein Embedded Player. Dabei wäre ich jetzt voll auf die PR-Aktion reingefallen und hätte das Video hier stolz auf gamgea.com veröffentlicht. Im Ernst: Weil Sony sich aus irgendeinem Grund gegen die Multiplikation der Sendung wehrt (oder einfach nicht daran gedacht hat), verpassen sie die ganzen Vorteile des Web 2.0. Die PULSE Ausgaben wären sonst innerhalb von Tagen und sogar Stunden auf unzähligen Blogs, auf sämtlichen Videoportalen und damit direkt beim User zuhause.

Ist lineares „TV“ im Web überhaupt sinnvoll?
Darüber hinaus kann man sich die Frage stellen, inwiefern lineare TV-Angebote im Web überhaupt sinnvoll sind. Als User möchte ich doch nur das schauen, was mich auch interessiert. Wenn ich nichts für Actionkracher à la Resistance und Resident Evil übrig habe, dann will ich mir dazu auch nichts anschauen. Beim normalen TV zuhause im Wohnzimmer muss ich zwingenderweise noch tun – jedenfalls bis wir alle mit Catch-Up TV ausgestattet sind. Im Web lassen sich Inhalte schon heute richtig portionieren.

Auch Ubisoft bietet mit Ubisoft TV eigene Game-Sendungen an.
Auch Ubisoft bietet mit Ubisoft TV eigene Game-Sendungen an.

Wieso nicht auf dem PSN verfügbar?
In die Kerbe ‚Multiplikation‘ soll diese letzte Frage schlagen: Wieso bieten Sony & Co. ihre Sendungen nicht auch via Playstation Network und den anderen Kanälen an, die sie ja praktisch exlusiv nutzen können? PULSE ist nur via Playstation-Website verfügbar. Dabei bietet die PS3 seit dem letzten Update auch Fullscreen für Flash an und wäre damit perfekt geeignet für eine Verbreitung via PSN. PSP Besitzer könnten sich die Sendungen downloaden und unterwegs gucken.

Kann sein, dass Sony die Erstausgabe von PULSE als Testlauf ansieht und deshalb auf weitere Distributionskanäle verzichtet. Ich finde es auf jedne Fall schade, dass sich die Präsentation des Vidoes nur auf die Website präsentiert und bin gespannt, in welche Richtung sich Game-TV entwickelt, egal von welchem Publisher / Hersteller. Ein bisschen mehr Web 2.0 wäre auf jeden Fall wünschenswert.
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