Dez 232008
 

Sonic ist zurück! Im neuesten Teil der Serie Sonic Unleashed trifft der blaue Held wieder auf den bösen Dr. Eggman, um wieder die Welt zu retten. Findet das Game dabei zu alter Stärke zurück?

Zwei wie Tag und Nacht
Zwei wie Tag und Nacht
Unser Fazit:

Das Sonic Team hat es geschafft und liefert mit Sonic Unleashed ein Spiel für wahre Sonic-Fans! Alle anderen sollten nämlich die Finger vom Spiel lassen, oder es vor dem Kauf zumindest Probespielen. Mit der Einführung der Werehog/Werigel-Level bringt das Sonic Team zwar frischen Wind in die Serie, dieser stellt sich nach den ersten paar Minuten als Werehog jedoch rasch als laues, nicht unbedingt gut riechendes „Lüfterl“ heraus. Und leider muss man ungefähr zwei Drittel des Spiels als Werigel bestreiten! Dieser Umstand in Kombination mit den restlichen keinen Schwächen des Spiels, lassen Sonic gnadenlos an der Schallmauer hin zu einer Top-Wertung zerschellen.

5/10

Wir bedanken uns bei SEGA für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsmusters.

(Welche kleinen Schwächen das Spiel unserer Meinung nach hat, und ob sich vielleicht nicht doch die eine oder andere Runde mit Sonic lohnt, lest ihr nach dem Klick.)

Sonic Unleashed
Entwickler: Sonic Team
Publisher: SEGA

Das Sonic Team hat die Story mit leichtem Bezug auf die Gaia-Hypothese entwickelt. Diese besagt grob gesagt, dass die Erde in ihrer Gesamtheit als lebender Organismus betrachtet werden kann.
Der böse Dr. Eggman zerbommt im fulminanten Intro des Spiels die Welt, welche daraufhin in mehrere Teile zerbricht. Dadurch droht „Dark Gaia“ – die dunkle Seite der Macht sozusagen – freizukommen, mit der Dr. Eggman endlich zum Herrscher der Welt aufsteigen würde. Sonic muss also die berühmten Chaos Emeralds in diversen Tempeln finden und reaktivieren, um die Welt Stück für Stück wieder zu einen und so zu retten. Im Laufe der Story besucht man auf den entstandenen Kontinenten jeweils ein Dorf bzw. eine Stadt und absolviert dort unterschiedliche Stages, um an die Emeralds zu gelangen. Dazwischen bekommt man es auch ab und zu mit Dr. Eggman zu tun, den man in alter Sonic-Manier immer wieder in die Flucht schlägt. So weit, so klassisch.

Sonic and the City
Sonic and the City

Die Neuerung im Spiel betrifft, wie bereits erwähnt, die Abschnitte als Werehog. Kaum wird es nämlich dunkel, vollzieht Sonic die Verwandlung zu seinem dunklen und struppigen selbst. (Wie es dazu überhaupt kommt, erfahrt ihr ebenfalls im Intro.) Damit ändert sich nicht nur Sonic’s Aussehen, sondern auch das komplette Gameplay. Rast man als blauer Igel noch mit wahnsinniger Geschwindigkeit durch die Levels, ist mit den Werehog-Levels sofort die Luft heraus. Das Ziel besteht dann nur noch darin, von A nach B zu kommen. Der Levelaufbau ist dabei durchgehend langweilig und meist sehr linear. Damit man nicht zu schnell ins Ziel kommt, erscheinen immer wieder Gegner aus dem Nichts und Durchgänge werden verriegelt. Erst nachdem man alle Gegner besiegt hat, wir das Weiterkommen im Level ermöglicht, bis man bald wieder nach dem selben Muster „blockiert“ wird usw. Die stupiden Gegner sind dabei nie eine wirkliche Challenge. Simples Button-Mashing reicht, um diese zu vernichten. Diese fehlende Herausforderung ist auch der Grund, weshalb man bald nur noch froh ist, das Level geschafft zu haben, um endlich wieder mit Sonic durch die Levels düsen zu können. Die Taglevels sind nämlich durchaus gelungen und können begeistern. Blöd dabei ist nur, dass man die Taglevels im Durchschnitt in zwei bis vier Minuten schafft, wohingegen die Levels als Werehog durchaus über die 10 Minuten gehen können. Alles in allem langweilt man sich also in zwei Dritteln des Spiels als Werehog herum, um dann ruck zuck durch die Sonic-Levels zu brausen.

Immerhin brauche ich keine Sonnencreme
Immerhin brauche ich keine Sonnencreme

Was wir mochten:

Für die Pause zwischendurch… …werden zahlreiche schöne Rendersequenzen serviert, welche die Geschichte vorantreiben und an deren Qualität es nichts zu bemängeln gibt.

The Sound of Music. Am Sound und der Musik gibt es nichts zu meckern. In den Tagleveln ist die Musik etwas fetziger als in den Nachtleveln, alles in allem aber immer passend. Die Sprachausgabe zwischendurch ist auch glasklar und auch die restlichen Soundeffekte sorgen für die richtige Stimmung und Atmosphäre.

Welchen Controller hättens denn gern? Das Spiel unterstützt den Wii-, Classic- und auch den GameCube-Controller. Daran könnten sich ruhig andere Entwickler ein Beispiel nehmen – sehr löblich!

Wo viel Licht ist… Die Taglevel mit Sonic machen Spaß und lassen richtiges Sonic-Feeling aufkommen. In einer affenartigen Geschwindigkeit geht es springend, Gegner bekämpfend und natürlich durch Loopings laufend dahin, dass einem zwischenzeitlich fast die Luft wegbleibt. Bitte in Zukunft wieder mehr davon!

Und ab geht die Post!
Und ab geht die Post!

Nicht gefallen hat uns:

Ach du liebe Kante! Leider ist im Spiel oftmals starkes Kantenflimmern vorhanden. Weshalb das im Jahr 2008 noch auftreten muss, ist mir schleierhaft. Grundsätzlich ginge die Grafik nämlich durchaus in Ordnung, dass Flimmern zwischendurch trübt den Gesamteindruck logischerweise dann aber doch.

Nerviges Tutorial. Ein Tutorial ist natürlich sinnvoll, kann aber mit der Zeit auch sehr nervend sein, wie uns Sonic Unleashed leider beweist. Egal ob Laufen, Springen, Gegner angreifen usw. – für alles wird ein extra Level geladen. Oft hat man diese dann in unter 10 Sekunden absolviert, um sogleich beim nächsten Ladebildschirm zu landen. Hinzu kommt noch, dass Sonics neuer kleiner Freund Chip zwar dabei immer mit Rat und Tat zur Seite steht, dabei aber immer das komplette Spiel mit seinen Hinweistextboxen unterbricht. Ein einziges großes Level zum Lernen der Fähigkeiten würde eine immense Verbesserung darstellen.

Die Dörfer und Zwischensequenzen. So gut die Zwischensequenzen auch gemacht sind, mit der Zeit fand ich sie nur noch nervig. Diese dauern nämlich teilweise recht lange und lassen sich nicht skippen. Die Dörfer bzw. Orte auf den unterschiedlichen Kontinenten bestehen aus spielerischer Sicht nur aus Textboxen. Man muss sich durch die Antworten der Einwohner klicken, um somit im Endeffekt den Tempel freizuschalten. Der Tempel erscheint dann als weiterer Ort im Dorf, den man dann betreten kann, um endlich diverse Level starten zu können. Bis man also von einem Level zum nächsten kommt, dauert es im schlimmsten Fall also eine Zeit. Eine Zwischensequenz muss überstanden werden, danach muss man zum nächsten Ort, dort mit einigen Einwohnern plaudern (Textboxen durchklicken…), um damit dann den Tempel freizuschalten. Dies stört den Spielfluss enorm.

Steuermann über Bord! Gut, dass man auch aus Classic- und GameCube-Controller wählen kann. Damit ist die Steuerung zwar noch immer nicht ganz perfekt, aber bei weitem besser, als die Steuerung via Wiimote und Nunchuck. Hier ist nämlich teilweise wieder schütteln angesagt, was aber zu Problemen führt. So kommt es vor, dass Sonic durch Schütteln beschleunigt, obwohl er eigentlich einen Gegner attackieren sollte.
Auch sonst kann die Steuerung recht hakelig sein. An Vorsprüngen festhalten und an Stangen hochklettern kann man nämlich erst, wenn das Spiel das für richtig hält und dies entsprechend markiert. Das Ergebnis sind so manche Trial and Error Passagen, welche nicht unbedingt für Freude sorgen.

…ist auch viel Schatten. Bitte liebes Sonic Team, lasst in Zukunft den Werehog als dunkles Kapitel in der Geschichte Sonics ruhen. In der Art, wie wir ihn in Unleashed kennen lernen dürfen, passt er einfach überhaupt nicht zu Sonic wie man ihn kennt. Er ist einfach zu langsam und wirkt zu unbeholfen und kann so Sonic bei weitem nicht das Wasser reichen. Alles, was wir an Sonic lieben fehlt ihm.

Die Erleuchtung als Werehog
Die Erleuchtung als Werehog

Gerhards Meinung:

Was hab ich mich nach den ersten Videos auf das Spiel gefreut! Nachdem ich mit Sonic quasi groß geworden bin, hatte ich wirklich Hoffnung, dass mit Sonic Unleashed wieder an die Qualitäten der Sonic-Klassiker angeschlossen werden könnte. Im wahrsten Sinn über Nacht (Werehog sei Dank) wurde diese Hoffnung dann jedoch von der Realität eingeholt. Soviel Spaß die Taglevel auch machen, die langen Zwischensequenzen und die belanglosen Interviews mit den Dorfbewohnen in Kombination mit den faden Nachtleveln als Werehog sind dann leider doch zuviel.
Spielt das Spiel also unbedingt probe! Wer weiß, vielleicht findet so manche(r) Leser(in) unter euch an den Nachtleveln mehr gefallen als ich. Dann wäre eine etwas höhere Wertung durchaus drin. Ansonsten kann man nur auf das 2009 erscheinende Wii exklusive Sonic and the Black Knight hoffen. Wobei: Sonic mit einem Schwert und das ganze in der Ritterzeit? Das passt ungefähr so gut zusammen, wie Mario und ein Maschinengewehr… Naja, verweilen wir mal wieder im Sonic-Zyklus und hoffen auf eine Überraschung.

Hier noch das englische Review von Gametrailers mit weiteren Eindrücken aus dem Spiel.

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