Während Microsoft und Sony ihre Konsolen längst als Entertainment-Alleskönner begriffen haben, bleibt die Nintendo Wii hinsichtlich Online-Videoinhalten auf der Strecke – und das, obwohl doch gerade das familiäre Wohnzimmer zum Hoheitsgebiet erklärt wurde.
Diese Ungleichung soll nun gelöst werden: Nintendo hat für 2009 den Start eines Streaming-Service bestätigt, der in Zusammenarbeit mit der japanischen Marketingfirma Dentsu realisiert wird. Zunächst nur innerhalb Japans angekündigt, sei ein Launch im Westen zu einem späteren Zeitpunkt wohl nicht ausgeschlossen. Der bereitgestellte Content, laut Nintendo ein “einzigartiges Programm”, wird zum Teil gratis, jedoch mit Werbung versehen sein, für manche Videos werde man wiederum zahlen müssen. Nur welche Inhalte genau präsentiert werden, wurde in dem Statement leider geflissentlich übergangen. Die Rede ist bislang lediglich davon, man wolle “die Umgebung der Wii dazu nutzen, um Wohnzimmer mit Wii-ausgestatteten Fernsehgeräten zu einem spaßigeren Ort für Kommunikation unter Familien und Freunden zu gestalten.”
Ein logischer, wenn auch recht später Schritt – die Zahlen sprechen für sich: Von weltweit über 34,5 Millionen Wiis im Umlauf befinden sich 80% im Wohnzimmer, 40% verfügen über Internetzugang. Der Markt für Online-Entertainment auf Konsolen ist demnach nicht zu unterschätzen. Den geschäftlich zweifellos cleversten Vorstoß dürfte bislang Microsofts USA-exklusive Zusammenarbeit mit Netflix darstellen, die seit November das kostenpflichtige Streamen von Kinofilmen und Fernsehserien auf die heimische Xbox360 ermöglicht. Das Format der digitalen Videothek ist hier hingegen schon länger etabliert. Auch Sony nutzt seine jüngst gestartete Plattform Home, um u.a. Kinofilme und zum Teil gar exklusive Previews und Trailer zu präsentieren.
Nintendo scheint nun überraschenderweise gleich mehrere Herangehensweisen an ihr Service-Defizit in Betracht zu ziehen: Neben der erwähnten Kooperation mit Dentsu wird bereits am 27. Januar in Japan die WiiWare-Applikation Minna-no Theater Wii der Firma Fujisoft erscheinen, die ebenfalls verschiedene Pay-Per-View-Inhalte zwischen 100 und 400 Wii-Points zum Streaming anbietet. Man zieht es also vor, zunächst in heimischen Gefilden zu experimentieren, bevor man sich mit seinem Angebot (falls überhaupt) auf den weltweiten Markt traut. Eine notorische Taktik – wer erinnert sich noch an Satellaview und das 64 DD?
(via AFP)
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