Jan 012009
 

Das Jahr 2008 ist nun zu Ende und es ist Zeit für ein kleines Resumé. Wir wurden von den Spiele-Machern überrascht, enttäuscht und an der Nase herumgeführt.

Das Jahr 2008 hat unendlich viele gute Spiele hervorgebracht.
Das Jahr 2008 hat unendlich viele gute Spiele hervorgebracht.

Erst verblüffte uns Rockstar mit dem wahrscheinlich besten Spiel des Jahres GTA IV, dann kamen die Jungs von 2D Boy mit World of Goo, Jonathan Blow mit Braid, Konami mit Metal Gear Solid 4, Nintendo mit Mario Kart Wii, Electronic Arts mit Battlefield: Bad Company, Bethesda mit Fallout 3, Codemasters mit Race Driver: GRID, Sony mit Little Big Planet , Lionhead mit Fable 2, Deepsilver mit Geheimakte 2: Puritas Cordis, und so weiter und so fort. Ihr seht, die Liste lässt sich beliebig lange fortsetzen, doch das würde den Rahmen sprengen. Stattdessen präsentieren wir euch die Lieblingsspiele unserer Autoren. Und wer weiß, vielleicht erhaltet ihr hier und da sogar einen Geheimtipp. Wir freuen uns gemeinsam mit euch auf das Jahr 2009 und hoffen, dass wir mit reichlich frischen Spielideen beglückt werden. Was waren eure Highlights und Enttäuschungen in diesem Jahr?

Jörg Neißer

Ich möchte zunächst anmerken, dass ich viele Titel die im Jahr 2008 erschienen sind, zwar gekauft habe, aber bisher noch nicht ausführlich spielen konnte (z.B. Fallout 3, Grand Theft Auto IV, Fable II und etliche mehr). Deshalb erachte ich diese Liste für mich selbst als noch nicht komplett und ein Work in Progress.


Top!


1. Racedriver GRID (Xbox360) – Das beste Rennspiel der aktuellen Generation. Punkt. Und nein, es ist KEIN Arcade-Racer (Review folgt noch).

2. Banjo-Kazooie: Schraube Locker (Xbox 360) – Zum Glück hat Rare nicht einfach einen dritten Teil der beiden Platform-Vorgänger auf den Markt geworfen, sondern eins der kreativsten Spiele bis zum heutigen Tag entwickelt. So gut Teil eins und zwei auch waren bzw. immer noch sind, Schraube Locker ist in jeder Hinsicht das bessere Spiel. Wer anderer Meinung ist, hat einfach keine Ahnung!

3. Weapon of Choice (XNA Community Games) – Das Mega Drive ist eine fantastische Konsole, keine andere hat so viele geniale Run and Guns zu bieten. Weapon of Choice ist eine Glorifizierung der 16-Bit Ära und bietet ungewohnte Kost als Beilage zum 2D-Retro-Gerüst. Vor zehn Jahren wäre es DER System-Seller schlechthin gewesen, ich werde alles dransetzten, dass es auch 2009 nicht untergeht.

4. Zack & Wiki: Der Schatz von Barbaros (Wii) – Spannende und interessante Puzzles sowie eine Steuerung mit Wiimote die nicht nervt und sogar sehr gelungen ins Gameplay eingebaut wurde, machen aus dem comichaften Duo einen der wenigen Must Have-Titel des Jahres 2008 für die Nintendo-Konsole.

5. Mario Kart Wii (Wii) – Zwar bleibt Double Dash in geselliger Runde vor einem TV das bessere Spiel, doch online gegen elf andere Fahrer entwickelt sich eine völlig neue Dynamik. Dank der üppigen Auswahl an neuen und alten Strecken kommt so schnell keine Langeweile auf. Nur das Luftikus-Lenkrad ist eine völlig unnötige Spielerei.

Ebenfalls erwähnenswert: LostWinds (WiiWare), RockBand (Xbox360), Space Invaders Extreme (DS), World of Goo (WiiWare, PC), Castle Crashers (XBLA), PURE (Xbox360)


Flop!


1. SoulCalibur Legends (Wii) – Kaum ein Spiel hat die Dreamcast bzw. das neue Millenium für mich so geprägt, wie das Prügelspiel aus dem Hause Namco. Die Kämpfer in einem Streets of Rage-ähnlichen Prügler hörte sich wie eine wirklich gute Idee an, doch leider wurde hier alles Erdenkliche falsch gemacht. Das verzeihe ich euch nicht so schnell!

2. Too Human (Xbox360) – Schade, es hätte doch alles so schön sein können. Aus den Grundpfeilern des interessanten Settings, der gelungenen Steuerung und dem ordentlichen Koop-Modus hätte einfach mehr werden müssen! Vor allem wegen der langen Entwicklungszeit. Das komplette Fehlen eines Block-Mechanismus macht die späteren Level unspielbar, die nicht abbrechbaren Todessequenzen sind eine Frechheit.

3. Burnout Paradise (Xbox360)Burnout 2 und 3 gehören zu meinen liebsten Arcade-Racern, ohne Frage. Doch leider funktioniert das Konzept der Hochgeschwindigkeit-Crashes nicht ohne Begrenzung der Fahrbahn. Ich wollte es mögen, wirklich, aber nach der dritten Lizenz war einfach die Luft raus, trotz wirklich guter Ansätze.

4. Call of Duty 4 (Xbox360) – Ja, ich weiß, es ist schon 2007 erschienen. Aber da ich erst in der Mitte diesen Jahres dazu gekommen bin es intensiv zu spielen und meine Enttäuschung über die Linearität und das stumpfsinnige Geballer ohne Taktik zu tief sitzt, muss es einfach in diesem Rahmen eine Erwähnung finden. Der Multiplayer-Modus ist mir völlig egal, es geht hier nur um die Einzelspieler-Kampagne.

5. FarCry 2 (Xbox360) – Wirklich schade um die tolle Welt, in der ein ausgewachsenes Rollenspiel Platz hätte. Robert bringt die negativen Aspekte auf den Punkt (weiter unten), im Review könnt ihr detailliert meine Meinung nachlesen.

Kristin Knillmann

TOP!

 

1. Bully: Die Ehrenrunde (Xbox360) – Die Neuauflage von Rotznase Jimmy Hopkins trifft voll ins Schwarze. In der Ehrenrunde auf dem Internat kommt nichts zu kurz: Pöbeln, Raufen, Knutschen, Schwänzen, Feueralarm ziehen. Die eigene böswillige Ader kommt voll auf ihre Kosten. Vielfältige Möglichkeiten, eine Stadt in der man sich schnell zuhause fühlt und massenweise Missionen. Die Story ist kein Overkill, tut dem maximalen Spielspaß aber keinen Abbruch. Bully: Die Ehrenrunde ist für mich unangefochten die Nummer 1 in diesem Jahr und auch sonst mein Rockstar-Favorit (wehe, hier schreit jemand „Blasphemie!“). Was ebenfalls seinen Teil dazu beiträgt: Bully hat den wohl besten Videospiel-Soundtrack, den ich je hören durfte. Fantastisch!

2. Echochrome (PSP) – Hinter einem guten Namen sollte ein gutes Spiel stecken. Dies trifft bei Echochrome zu 100% zu. Das zu Unrecht völlig missachtete Puzzle-Spiel für die PSP bleibt besonders durch seine irrwitzige Orchestermusik im Gedächtnis hängen. In Kombination mit der Optik sorgt diese für ein wirres Schwarz-Weiß-Erlebnis, das die Sinne berührt und den Geist herausfordert. Zudem war Echochrome der Hauptgrund für meinen PSP-Kauf. Denn: Das Spiel ist Innovation auf ganzer Linie – und das im wahrsten Sinne des Wortes.

3. Braid (XBLA) – Ein Spiel, das den Beweis dafür liefert, dass Videospiele und Kunst nicht weit voneinander entfernt sein müssen. Braid hat eingeschlagen wie eine Bombe und ist zurecht erfolgreich. Der 2D-Platformer überzeugt durch seine Aquarell-Welt, die Liebe zu Puzzleteilen (sowohl in Spiel als auch Kopf) und dem Erfolgserlebnis nicht nur die Rätsel eines tollen Spiels gelöst zu haben, sondern auch dazu beigetragen zu haben, dass Braid Geschichte schreibt. Die größte Hoffnung für Independent-Entwickler 2008. Und 2009.

4. Final Fantasy: Crisis Core (PSP) – Ich bin wahrlich nie Fan der Final Fantasy-Reihe gewesen. Und auch generell tue ich mich mit dem RPG-Genre sehr schwer. Vorurteilsbehaftet haben es besonders das rundenbasierte Kampfsystem und die Auflevel-Problematik nicht leicht auf meinen Konsolen. Und dann kam Final Fantasy: Crisis Core und überzeugte durch fantastische Grafik, Kämpfe in Echtzeit und das Prequel zu einer Story, die ich noch gar nicht kenne. Ein magischer Zauber für unterwegs.

5. Soul Bubbles (DS) – Auf dem DS gab es dieses Jahr eine Menge richtig guter Spiele. Doch nur eines war herausragend genug für meine Top5: Soul Bubbles. Das noch nie zuvor gesehene Gameplay ging in Sekundenschnelle ins Blut über und die verschiedenen Themen der Welten wurden in keiner Minute langweilig. Den kleinen Schamanen hatte man schnell ins Herz geschlossen und begleitete ihn mit geschwellter Heldenbrust immer wieder in neue Level voller Herausforderungen. Spiele auf Nintendos Handheld bräuchten eigentlich dringend mehr vom Einzigartigkeits-Kuchen anderer Konsolen. Titel wie Soul Bubbles machen da den ersten Schritt in die richtige Richtung.

Ebenfalls erwähnenswert: The World Ends With You (DS), Patapon (PSP), Beautiful Katamari (Xbox360), Castle Crashers (XBLA), Ninja Gaiden: Dragon Sword (DS), Bomberman Land Touch 2 (DS)

FLOP!

 

1. LOST: Via Domus (Xbox360) – Da ich wohl weltgrößter LOST-Fan bin, wurde ich selbstverständlich hellhörig, als ein Spiel zur Mystery-Serie auf dem Plan von Ubisoft stand. Ich setzte all meine Hoffnungen in ein mindestens sehr gutes Spiel. Doch dann überkam mich die pure Enttäuschung: Lineares Gameplay trifft in Via Domus auf eintönige Rätsel und schlecht designte Menüführung. Der größte Fehltritt ist aber, dass einzig 6 Figuren von ihrem Serien-Counterpart synchronisiert wurden (der Rest wirkt durch krampfhaftes Voice-Acting eher peinlich) und die Umsetzung somit an sehr viel Echtheit einbüßen muss. Hier und da treten sogar Unstimmigkeiten mit dem Plot der Serie auf. Liebe Leute drüben bei Ubisoft: Wenn, dann bitte richtig.

2. Mirror’s Edge (Xbox360) – Der Ansatz ist da. Und dennoch enttäuschte Mirror’s Edge vor allen Dingen durch das nach aussen transportierte Spielgefühl. Ein grafisch ungewöhnlicher, aber fantastischer Leckerbissen; doch selbst wenn Schönheit Faith wohl endlosen Atem zu besitzen scheint: Mir selbst ging er viel zu schnell aus. Wiederholtes Testen von Streckenabschnitten und das ständige Gefühl der Hektik trüben den Spielspaß eines Werkes, das so viel mehr hätte sein können als es letztlich ist.

3. Rubiks World (DS) – Ich Puzzle-Fanatikerin. Rubiks World sähte mit seinem bunten, eigentlich nichtssagendem Trailer eine große Menge Vorfreude. Doch leider ist dieser Titel zu keinem innovativen DS-Spiel emporgestiegen, sondern blieb mit seinen monotonen Minispielen und der eher mäßigen Grafik eine nicht erwähnenswerte Schöpfung.

4. Colour Cross (DS) – Müsste ich mich auf ein einziges Spiel festlegen, welches furchtbar süchtig macht, dann wäre es wohl Picross für den Nintendo DS. Mit Colour Cross sollte dieses Jahr ein Nachfolger erscheinen, und das auch noch in Farbe! Und obwohl sich am Gameplay nicht wirklich etwas verändert hat, haben Rising Star Games sämtliche Feinheiten in den Sand gesetzt. Die Steuerung ist lang nicht so flüssig wie beim Vorgänger, nicht zu erkennende Bilder sind mit keiner Erklärung ausgestattet, die Lupenfunktion ist unbrauchbar und somit die Fehlerquote aufgrund der geringen Stylus-Präzision deutlich höher. Schade.

5. Guitar Hero: On Tour (DS) – Die Lücke des fünften Platzes musste gefüllt werden und weil kein wirklicher Flop mehr übrig war, nimmt nun der Guitar Hero-Teil für den DS diesen unschönen Platz ein. An sich ein ganz akzeptables Game. Der Hype darum war bei mir im Vorfeld allerdings sehr viel umfangreicher als die Spielzeit, die ich mit Guitar Hero: On Tour verbracht habe. Hinzu kommen die unabwendbaren Schmerzen im Handgelenk, die sich automatisch nach jeder Jam-Session einstellen. Anstrengend.


TOP!

 

1. Grand Theft Auto IV (Xbox360) – Endlich der neueste Teil der Openworld-Reihe. Mit Niko Bellic erhält man eine glaubwürdige Figur, die sich in seiner neuen Wahlheimat von ganz unten nach oben arbeiten muss. Damit alles wunderhübsch aussieht und sich ebenso anfühlt, packte Rockstar eine leistungsfähige Engine ins Gepäck. Die Sympathie gegenüber Niko ist überdurchschnittlich ausgeprägt.

2. Fallout 3 (Xbox360) – Bethesda hat es tatsächlich geschafft, den Vorgänger alt aussehen zu lassen. Gerade der Einstieg verursacht Gänsehaut. Die nuklear bestrahlten Städte und Landschaften versprechen eine entsprechende Atmosphäre und der Rest ist einfach nur genial. Noch nie sah Schrott so schön aus.

3. Braid (XBLA) – Oh, was habe ich an mir selbst gezweifelt. Die Puzzles sind in sich äußerst logisch, aber dennoch fordernd und den Spieler um seinen Verstand bringend. Was Braid ausmacht, ist die grandiose Grafik, der einzigartige Stil, die sensationelle Musik, das äußerst beeindruckende Gameplay und die vielen anderen coolen Dinge, die mir gerade nicht einfallen.

4. Soul Bubbles (DS) – Wenn es ein Nintendo DS-Spiel in diesem Jahr mit innovativen Konzepten aufnehmen kann, dann ist es Soul Bubbles. Das Spielprinzip erinnert ein wenig an LocoRoco und LostWinds . Ebenso ist die Gesamtheit einmalig und lässt durch Grafik und Musik feuchte Träume entstehen.

5. Fable II (Xbox360) – Der Meister namens Peter Molyneux hat mich wieder einmal verzaubert. Eine hübsche Spielwelt, gepaart mit einem unvergesslichen Soundtrack und einem superben Gameplay, lassen den Rollenspieler nicht mehr los. Meine Frau und mein Sohn leben glücklich in ihrem neuen Heim und genießen die finanzielle Freiheit, während ich mich in Abenteuer stürze. Wenn ich wollte, könnte ich sogar fremd gehen. Irgendwie… realistisch.

FLOP!

 

1. Mirror’s Edge (Xbox360) – Faith durchläuft ein nahezu tolles Spiel, doch Zeit und fiese Gegner im Nacken, lassen graue Haare wachsen. Hier braucht der Spieler viele Nerven, da alles einer nicht enden wollenden Hetzjagd gleicht.

2. Alone in the Dark (Wii) – Schön hätte es werden können; eine Enttäuschung aber wurde es. Damals hatten die Entwickler das Genre Survival Horror mit dem Spiel ins Leben gerufen, doch eine unfertige Brühe mit extrem schlechten Synchronisations-Sprechern und einer katastrophalen Steuerung lehren heute das Fürchten.

3. Super Smash Bros. Brawl (Wii) – Irgendwie war es ja zu erwarten. Ein Beat’em Up, das zwar Nintendo-Fans in die Höhen puscht; dem ernsten Zocker aber als Singleplayer-Spiel nicht genug Tiefe bietet. Für eine Multiplayer-Runde aber zu gebrauchen.

4. Need For Speed: Undercover (PC) – Das schlechteste Need For Speed, das jemals entwickelt wurde. Schlechte Steuerung, schlechte Grafik, schlechter Sound, schlechte Möchtegern-Story. Der nächste Teil wird von den Burnout -Machern entwickelt, was wieder Hoffnung walten lässt.

5. FarCry 2 (Xbox360) – Im Grunde ist der Afrika-Shooter ein absolutes Muss, doch die hohen Erwartungen und Versprechungen machten alles nur noch schlimmer. Man muss ewig weite Wege zurücklegen und Feinde mindestens mit einem Magazin versorgen, bis sie das Zeitliche segnen. Außerdem ist der Multiplayer nicht so prall und aus dem Hinterhalt angreifen ist fast nicht möglich.


Robert Fedick

TOP!


1. Gears Of War 2 (Xbox360) – … weil Epic einfach genau das hielten, was sie versprochen hatten: Eine Steigerung des Vorgängers in jeder Hinsicht. Was hier an spektakulärer, grimmiger Over-The-Top-Action aufgefahren wird, spottet jeder Beschreibung, und zaubert wohlige Schauer auf den Rücken eines jeden Shooter-Fans. Mehr war nicht gewollt, mehr soll auch gar nicht sein, und somit ist dies wohl auch das einzige Retail-Game 2008, an dem es für mich absolut überhaupt nichts zu meckern gab.

2. Lost Odyssey (Xbox360) – Ich bekenne mich zum J-RPG. Zu rundenbasierten Kämpfen, ausladenden Stories, masochistischem Level-Grinding und budgetzehrenden Cutscenes. Bin ich auch sonst eine durchaus liberale Natur, mag ich meine Rollenspiele gerne streng wertekonservativ – Lost Odyssey wurde viel für seinen Traditionalismus gescholten, während ich ihn mit offenen Armen empfing. Viel zu selten werden solche Werke nicht auf unglückseligen Pfaden experimenteller Spielmechanik verheizt, oder mit ihrem eigenen stupiden Charakterdesign und ärgerlichen Story-Banalitäten vergiftet. Einfach wundervoll, wie hier das anrührend Märchenhafte dem beinahe poetischen Grundtenor von Optik und Erzählweise immer genügend Luft zum Atmen lässt, und umgekehrt. Dazu ein Gameplay, wie es selbst zu goldenen 16Bit-Zeiten nicht klassischer hätte zelebriert werden können.

3. Braid (XBLA) – Wäre da nicht die traumwandlerische Ästhetik von Illustrator David Hellman und die bittersüße Geschichte voll rätselhafter Metaphorik, bliebe immer noch ein durchweg brillant durchdachtes, stellenweise knüppelhartes Puzzlespiel, das die glorreiche Blütezeit des 2D-Jump’n’Runs schmerzlich vermissen lässt. Doch gerade in der geschlossenen Konzeption als kleines, kluges Kunstwerk liegt die bemerkenswerte Leistung eines Independent-Entwicklers, kreativ seinen Weg zu gehen und trotzdem so phänomenal erfolgreich zu sein. Möge Braid ein strahlender Wegweiser und Mutmacher für Indie-Games der kommenden Jahre sein.

4. Grand Theft Auto IV (Xbox360) – Was für eine Stadt! Liberty City war dieses Jahr der eindrucksvollste Ort, den man in einem Videospiel betreten durfte. Dieser lebendige, pulsierende, irrsinnig detailverliebte Spielplatz, dessen schiere Größe und neuentdeckter Realismus einfach den Atem raubten. War das Missionsdesign auch ein Rückschritt gegenüber Vice City oder San Andreas, so wurde das Ausleben krimineller Energie noch nie von so viel urbaner Faszination begleitet.

5. Fable II (Xbox360) – Die Wermutstropfen vorneweg: Argh, was für ein vollends versemmeltes Co-Op-Feature! Und für ein episches Abenteuer hätte auch ruhig ein wenig mehr Spielzeit drin sein können, Herr Molyneux. Es ist nicht das majestätische Epos geworden, das nie dagewesene Handlungsfreiräume lässt und uns mit seiner schieren Fülle an Inhalt überwältigt. Die Fortsetzung des damals über seine eigenen Ambitionen gestolperten ersten Teils schafft dennoch den Sprung in diese Liste: Weil Fable II ein bildschönes, motivierendes, witziges, rundum bezauberndes Abenteuer geworden ist, das sich gerade in den düstersten und/oder unmoralischsten Momenten durch seinen cartoonesken Charme einen Platz in meinem Herzen sichern konnte. Und mich länger durchgehend vor den Fernseher fesselte als jedes andere Spiel in diesem Jahr.

Ebenfalls erwähnenswert: Fallout 3 (Xbox360), Castle Crashers (XBLA), PURE (Xbox360), Super Smash Bros. Brawl (Wii), Left 4 Dead (Xbox360)


FLOP!



1. The Force Unleashed (Xbox360) – Was mit Leichtigkeit eine der besten Star Wars-Versoftungen überhaupt hätte werden können, entpuppte sich als schwachbrüstige Mogelpackung: Die einfallslos eingesetzte Physik-Engine, der hakelige, unausgewogene Nahkampf und die katastrophale Kamera degradierten ein vielversprechendes Projekt mit interessanter Story zu einer faden und oft frustrierenden Ragdoll-Spielerei. Bitterer wurde ich dieses Jahr von keinem Spiel enttäuscht.

2. FarCry 2 (Xbox360) – Wurden die Kritikpunkte an Ubisofts ehrgeizigem Sequel schon oft genug in Reviews heruntergebetet, kann man sie dem Spiel nicht oft genug um die Ohren hauen: Auf langatmigen Wegstrecken zwischen abwechlungsarmen Missionen nehmen endlos respawnende Gegner den Spielspaß unerbittlich unter Beschuss. Da konnte auch die atemberaubende Naturkulisse nicht viel retten. Optisch und handwerklich absolute Oberliga – da ist es umso verheerender, dass beim Design einfach gepennt wurde.

3. Prince Of Persia (Xbox360) – Natürlich ist die elaborierte Cel-Shading-Optik wunderschön, die ganze Präsentation ein gelungener Hingucker. Leider ein semi-passives Erlebnis, das sich über weite Strecken wie auf Schienen, ja fast von allein zu spielen scheint. Im Grunde genommen eine versimpelte Version der drei Last-Gen-Teile minus die halbwegs fordernden Kämpfe. Das deplatziert daherschnoddernde Voiceacting des Prinzen hätte ich noch schlucken können, aber die mühseligen Fetchquests überspannten auf Dauer endgültig meinen Geduldsbogen.

4. Banjo-Kazooie: Nuts & Bolts (Xbox360) Auch ich habe damals Banjo-Kazooie und Banjo-Tooie über alles geliebt – umso weniger konnte ich mich mit dem von Grund auf über den Haufen geworfenen Gameplay anfreunden, das mir die Gewichtung schlicht zu wenig auf raffiniertes Platforming legte. Das Fahrzeugbasteln ist eine tolle Idee, die mich in Form eines Features oder im Rahmen einer einzelnen Welt mit Sicherheit begeistert hätte. Die Entscheidung, es zum nahezu alleinigen Spielinhalt zu machen, verdarb mir leider den Spaß. Selbstverständlich kann man das auch anders sehen, aber deswegen nennt man es schließlich auch polarisieren: Die Meinungen gehen eben auseinander.

5. Mirror’s Edge (Xbox360) – Auf den ersten Blick eine ungewohnt mutige neue IP für Electronic Arts, die frischen Wind verhieß, sich jedoch letztendlich etwas ernüchternd spielte. Stets linear vorgegebene Laufwege und überwiegende Indoor-Level zügeln die propagierte Illusion von Freiheit, ständiges Trial & Error ohne wirkliche Lernkurve raubt dem Spiel seinen Fluss, und die seichte, vernachlässigbare Story verschenkt zu viel Potential. Alles in allem ein lobenswerter Ansatz, der leider nur als oberflächliches Fast Food dargereicht wurde.

Simon Lutstorf


TOP!


1. Grand Theft Auto IV (Xbox360) – Spiele mit offenen Welten haben mich immer fasziniert. Und GTA IV liefert eben diese in Perfektion. Eine lebendige, aktive und unglaublich detailreiche Umgebung, in der man problemlos mehrere eigenständige Games unterbringen könnte. Und auch wenns mittlerweile abgeluscht klingt: GTA IV ist das Game des Jahres, punkt.

2. Little Big Planet (PS3) – Ein Game für die sprichwörtliche einsame Insel. Noch selten habe ich derart ungezügelte Kreativität gesehen, ohne dass man Abstriche in Sachen Präsentation oder einfachem Zugang machen musste. Ein komplettes Jump’n’Run wird gleich noch mitgeliefert und Sackboy hat das Zeug zum Playstation-Maskottchen.

3. Resistance 2 (PS3) – Ja, ich mag Shooter. Und Resistance mag ich besonders. Eine sauspannende Story, tolle Grafik und vor allem ein Koop-Modus, wie er schon im ersten Teil überzeugte. Das Game knüpft da an, wo der Vorgänger aufhörte und klotzt, was das Zeug hält.

4. God of War: Chains of Olympus (PSP) – Der Kriegsgott wagt den Schritt von der Konsole auf das portable Spielegerät und siegt auf der ganzen Linie. Dankbar erfreuten sich Kritiker an der zu kurz geratenen Spieldauer, um wenigstens einen glaubhaften Maluspunkt verteilen zu dürfen. Must-Have für PSP-Besitzer.

5. World of Warcraft: Wrath of the Lich King (PC) – Das sich am schnellsten verkaufende PC-Game aller Zeiten gehört auf die Liste. Auch wenn sich an World of Warcraft (und MMORPGS allgemein) die Geister scheiden: Mit Wratch of the Ling King musste Blizzard verdammt aufpassen, um nicht Millionen von Spielern auf die Füsse zu treten. Haben sie nicht.


FLOP!


1. FarCry 2 (Xbox 360) – Was soll ich sagen. Verschenktes Potenzial en masse und gerade deshalb ärgert es einen. Weil die Fehler bereits im Gamedesign passierten und die Betatester noch so oft „zu lange Lauf- und Fahrwege!“ auf ihre Blöcke notieren konnten. Ich habe FarCry trotzdem stundenlang gespielt, aber immer mit einem weinenden Auge.

2. Need for Speed Undercover (Xbox 360) – Sell Out. Anders kann man diese Franchise mittlerweile nicht mehr beschreiben. Auch wenn ich sicher bin, dass unzählige brave Grafiker und Programmierer daran hart gerabeitet haben: Das Produkt ist eine Kopie früherer NfS-Titel ohne jede Ambition. Für mich ist die Serie gestorben. Wer noch nie NfS gespielt hat, darf mal probieren.

3. Wii Fit (Wii) – An und für sich gelungen, weiss aber nicht so recht, wohin es will. Die Übungen sind ernst zu nehmen (was man für den Preis von 150 CHF / 100 EUR auch erwarten darf). Aber die optische und akustische Präsentation bewegt sich irgendwo zwischen Spiel, Anwendung und Mii-Kanal – selbst wenn man sich zwingt, es nervt einfach. Wird Zeit, dass sich solche Produkte vom Prädikat „Game“ bewusst distanzieren und entsprechend verhalten.

4. Turning Point: Fall of Liberty (Xbox 360) – Okay, der gehört in die Kategorie „vorausgeahnt“. Trotzdem erstaunlich, was als vollwertiges Xbox360-Game durchgeht und für denselben (Start)-Preis zu haben ist, wie ein COD 5 – und das bei der Qualität.

5. Secret Agent Clank (PSP) – Die oftmals triste Umgebung und die schlecht eingebundenen Sequenzen mit anderen Spielfiguren enttäuschten. Irgendwie fühlte man sich beim Spielen immer ziemlich allein gelassen.

 

Klaus Schneider

TOP!

 

1. Fallout 3 (Xbox360) – Trotz apokalyptischem Szenario, lebhafter als eine von Insekten verpestete Wiese im Hochsommer – fast zumindest. Nebenmissionen, die die Hauptgeschichte in den Schatten stellen, einfach weil sie subtiler, gekonnter und phantasievoller erzählt werden und viele Leerstellen offenbaren. Das Spiel erzählt eine ganze Horde von Geschichten, nur muss der Spieler diese selbst auffädeln und entdecken.

2. Grand Theft Auto IV (Xbox360) – Objektiv betrachtet das allerbeste Grand Theft Auto -Spiel aller Zeiten. Auch wenn es den Enthusiasmus des ersten Teils nicht mehr wecken konnte.

3. Advance Wars: Days of Ruin (DS) – Unheimlich süchtig machendes Schachvergnügen, das die Variationsbreite taktischer Möglichkeiten sprengt und einen 30 Stunden lang an einen Handheld (!) kettet.

4. Braid (XBLA) – Toller Soundtrack, betulich erzählte Geschichte, und famoses Artdesign – auch wenn die Rätsel ziemlich viel Kopfarbeit einfordern…

5. Pro Evolution Soccer 2009 (Xbox360) – Meiner Meinung nach immer noch die Genre-Referenz, das die Unwägbarkeiten und Unkalkulierbarkeit des Mannschaftssports am getreulichsten einfängt.


FLOP!

 

1. Super Paper Mario (Wii) – Ein skelettartiges und auf ein radikales Minimum reduziertes Paper Mario . Das Spiel wurde derart vereinfacht und einer fettabsaugenden Radikaldiät unterzogen, dass man die Konturen der Wangenknochen ohne größere Probleme abzeichnen konnte.

2. Animal Crossing: Let’s Go To The City (Wii) – Erst hoch gesteckte Erwartungen geschürt und dann doch nur Aufgewärmtes serviert. Schade, Nintendo.

3. Alle anderen Wii-Spiele.

Hidden Text