Jan 092009
 

Strategiespiele im Zweiten Weltkrieg sind mittlerweile wie ihre Ego-Shooter-Kollegen zahlreich vertreten. Zwischen all den Fronten gibt es hin und wieder ein paar Perlen, die das Genre aufmischen. Kann Officers World War II auf dem Schlachtfeld überleben?

Mehr oder weniger sympathische Herrschaften
Mehr oder weniger sympathische Herrschaften

Unser Fazit: Na also, Officers World War II: Operation Overlord ist doch noch zum echten Geheimtipp geworden. Wer auf Blitzkrieg oder Sudden Strike steht, wird mit dem Strategiespiel seine wahre Freude haben. Man schickt zahllose Soldaten in die Schlacht, befehligt sie und sammelt eifrig Ressourcen. Die Einsätze sind äußerst abwechslungsreich und lassen sich mit den riesigen Karten sehr gut vereinbaren. Letztere sind in diesem Genre äußerst selten, weshalb Officers World War II ein richtiger Lichtblick am Strategie-Himmel ist. Für Genre-Anfänger halten wir das Spiel nicht für geeignet, da auf dem ersten Blick alles zu überladen wirkt und der Schwierigkeitsgrad nicht von schlechten Eltern ist. Auch wenn die Community im Moment noch nicht sehr aktiv ist, steckt enorm viel Potential dahinter. Wir können ohne Einschränkungen zum Kauf raten.

8/10

Wir bedanken uns bei Peter Games für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsmusters.

(Auch Lust auf Krieg? Alle Details zum Schlachtplan gibt es nach dem Klick.)

OFFICERS WORLD WAR II: Operation Overlord (PC)
Entwickler: gfi
Publisher: Peter Games

In den vorderen Rängen der Strategiekracher findet der interessierte Spieler Namen wie Company of Heroes und Sudden Strike, die das Genre mit Recht anführen. Officers World War II fügt sich nahtlos in die Liste ein. Bereits 2004 wurde der Titel unter den Namen Kombat angekündigt, ein wenig später tauften die russischen Entwickler gfi den Titel in Officers um. Vor etwa zwei Jahren erschien dann eine russische Demo, und knapp ein Jahr später durften zumindest die Russen an der Front kämpfen. Mit Publisher Peter Games dürfen auch wir uns die Uniform anziehen und Europa befreien.

Versprochen werden uns historisch korrekte Schlachten, bis zu 1’500 Einheiten gleichzeitig in einem Frontabschnitt, über 70 verschiedene Einheiten, Karten- und Mod-Editor, unterschiedliche Szenarien, eine komplett zerstörbare Umgebung und vieles mehr. Im Vergleich zur 2004 angekündigten Version wurde zwar alles ein wenig abgespeckt. Doch ob es nun 15’000 oder 1’500 Einheiten gleichzeitig sind – beides klingt gut. Interessant ist auch die Größe der Schlachtfelder, die mit 26 Quadratkilometern zu Buche schlagen können. Alles muss also ziemlich gut ausbalanciert sein, um auf dem Kriegsschauplatz überhaupt noch durchblicken zu können.

Minimale Hardware-Anforderungen:

* Windows XP AMD 2.6 GHz oder Intel Pentium 2.6 GHz
* 512 MB RAM
* DirectX kompatible Grafikkarte mit 128 MB und Shader v2.0 Support
* DirectX kompatible Soundkarte
* DVD/CD-ROM: 1x oder schneller
* 3 GB Festplattenspeicher
* DirectX 9.0c

Empfohlene Hardware-Anforderungen:

* Windows XP AMD 3 GHz oder Intel Pentium 3 GHz
* 1024 MB RAM
* DirectX kompatible Grafikkarte mit 128 MB und Shader v2.0 Support
* DirectX kompatible Soundkarte
* DVD/CD-ROM: 1x oder schneller
* 3 GB Festplattenspeicher
* DirectX 9.0c

Extrem weitläufige Karten sind gut in Szene gesetzt
Extrem weitläufige Karten sind gut in Szene gesetzt

Was wir mochten:

Üppiges Feldhandbuch. Was uns bei Spielen von Peter Games immer wieder positiv überrascht, sind die dicken Handbücher. Alles was euch das Tutorial nicht beibringen kann, findet ihr in der Bedienungsanleitung. Es sind aber nicht nur die Standard-Befehle, sondern auch Hintergrundinformationen über Panzer, Flugzeuge, Geschütze und viele weitere Details.

Altbewährtes Gameplay. Das Spielprinzip wird mit einem relativ langen Tutorial gut erklärt. Wie es bei einem Strategiespiel an der Tagesordnung ist, lassen einfache Befehle die Truppen Feinde angreifen, sich in Deckung begeben, usw. Wurden keine Einheiten selektiert, öffnet sich im Interface ein weiteres Bedienfeld, mit dem etwa Unterstützung durch Artillerie oder Fallschirmjäger angefordert werden kann. Was sofort positiv ins Auge sticht, sind die Einsatzmöglichkeiten der Soldaten. Ähnlich wie in Company of Heroes, lassen sich zum Beispiel Fahrzeuge reparieren, Minen legen oder gar noch nicht erkundetes Gebiet befeuern. Während die Truppen ihren Gegnern einheizen, verbrauchen sie allerlei Ressourcen. Deren Nachschub muss natürlich gesichert sein, um ein Vordringen in die feindlichen Fronten zu gewährleisten. Die Einheiten benötigen Benzin, Munition und Lebensmittel. Diese Ressourcen befinden sich entweder in Stützpunkten, Basen oder aber in Städten. Dort lassen sich zusätzlich neue Soldaten einteilen. Damit sich die eigenen LKW-Konvois bewegen können, muss der Spieler für befahrbare und freie Strassen sorgen. Schlimmstenfalls tritt man dabei auf feindliche Einheiten und wird so zerschmettert, dass die eigene Front einbricht. Die Künstliche Intelligenz ist im Angesicht der enormen Karten-Größe wirklich sehr gut und ausbalanciert – auch wenn es hin und wieder einige unlogische Praktiken gibt. Aber auch in der Realität passieren Fehler, denn menschliches Verhalten ist auch nicht immer nur durch Sinn geprägt.

Ich seh die Bäume vor lauter Felder nicht mehr. Was die Essenz von Officers World War II ausmacht, sind die sehr großen Schlachtfelder mit ihren Städten. Insgesamt gibt es sechs Karten, was zwar nach wenig klingt, sich aber letztendlich als doch sehr üppig herausstellt. Das Spiel überrascht mit einer stets flüssigen Darstellung und hübscher Architektur. Gebäude lassen sich mit tollen Explosionen zerbomben, die sich ansehnlich im Tag- und Nacht-Wechsel wiegen. Zur Atmosphäre tragen außerdem die Geräusche bei, die sich aber vielleicht einen kleinen Tick zu oft wiederholen.

Community mit Herz. Die Community-Unterstützung scheint den Entwicklern besonders am Herzen zu liegen. Peter Games nimmt Vorschläge und Verbesserungen an, die sie an die Entwickler weiterleiten. Die Resultate werden Patches sein, die das Spiel spielenswerter machen sollen. Auf si-games.com können Interessierte ihre Wünsche äußern. Ein im Spiel integrierter Editor sorgt übrigens für Unterhaltung, auch nach dem Beenden der Kampagne.

Multiplayer mit Potential. Für Stategiespiele sind ohne Zweifel Multiplayer-Gefechte sehr zentral. Diese können in Officers World War II sowohl im LAN als auch Online mit bis zu sechs Spielern ausgetragen werden. Die Community ist in diesem Bereich zwar noch nicht ganz so in die Vollen gegangen, doch sie wächst im Moment vorbildlich. Erste Zocker-Clans schiessen aus dem Boden und pushen das Spiel nach vorne. Natürlich darf auch der Editor eingesetzt werden, um eigenes Kartenmaterial für Multiplayer-Partien zu entwerfen.

Viele kleine Details runden die Glaubwürdigkeit ab
Viele kleine Details runden die Glaubwürdigkeit ab

Nicht gefallen hat uns:

Irgendwie wird mir schlecht. Grafisch ist das Spiel ganz ok und lässt eine gewaltige Anzahl Truppen auf die Schlachtfelder rücken. Dennoch gibt es ein paar Dinge, die uns etwas sauer aufgestoßen sind. Ich habe Officers World War II mit vollen Details auf einem 32 Zoll HDTV Screen getestet. Das Gras sah extrem seltsam aus – letzten Endes musste ich es deaktivieren. Wahrscheinlich war das fehlende Anti Aliasing der Grund, denn wenn sich das Bild bewegte, sah die Bepflanzung nicht mehr hübsch, sondern störend aus, indem es „kriselte“. Der zweite Kritikpunkt baut darauf auf. Ich konnte keine Option finden, um die sich von selbst bewegende Kamera auszuschalten. Die Kamera befindet sich permanent leicht in Bewegung, was dem Atmen aus einem Ego-Shooter gleichkommt. Das ist auf die Dauer sehr nervig.

Ein paar Kleinigkeiten. Für Anfänger ist Officers World War II nicht geeignet, da man nicht nur von der gesamten Größe erschlagen, sondern auch vom Schwierigkeitsgrad her gefrustet wird. Gerade die Übersicht über das Geschehen ist verhältnismäßig gering. Ebenso dürften die längeren Ladezeiten für gähnende Münder und die wenigen Spielmodi im Multiplayer nicht für sonderlich viel Abwechslung sorgen.


Sebastians Meinung:

Besonders die Company of Heroes-Reihe hat es mir angetan, weshalb ich eher skeptisch gegenüber Genre-Ablegern bin. Trotzdem überrascht Officers World War II, denn die spielerische Tiefe ist vorhanden, die Schlachten alle sehr fordernd und der Multiplayer hat den gewissen Biss. Auch wenn die Grafik etwas eingerostet ist, stört das den Strategie-Spieler recht wenig. Tolles Spiel, das an ein paar Ecken zwar noch ausbaufähig ist, sich aber auf dem besten Weg dorthin befindet.

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