Dr. Kawashimas Gehirnjogging: Wissenschaftler wittert Scharlatanerei


Der Grund für den überwältigenden Erfolg der Gehirntrainer-Spiele für den Nintendo DS liegt auf der Hand: Sie versprechen die anstrengungslose, im Wortsinne spielend einfache Verbesserung des Selbst.

Ryuta Kawashima: Der Wunderheiler gegen Verdummung.
Ryuta Kawashima: Der Wunderheiler gegen Verdummung.
Auf dem Weg zur Arbeit noch eben die grauen Zellen vermehrt, im Wartezimmer kurz die mentalen Kapazitäten erweitert – spiel dich doch einfach schlauer! Doch was ist dran am Anschwellen der Hirnmasse dank Nintendo? Überhaupt nichts, wenn man Professor Alain Lieury, Kognitionspsychologe an der Universität Rennes, fragt. Der Nintendo DS sei zwar ein “technologisches Juwel”, und er wolle die Spiele an sich auch nicht herabwerten; es sei dennoch schlicht “Scharlatanerei”, sie als wissenschaftlichen Test verkaufen zu wollen.

Sein Ausspruch fußt auf einer jüngst von ihm durchgeführten Studie zur Beeinflussung der Intelligenz bei Kindern: Er ließ 10-Jährige in vier Gruppen u.a. an Logik-, Gedächtnis- und Mathematikaufgaben arbeiten, wovon zwei Gruppen zuvor einen siebenwöchigen Vorbereitungskurs mithilfe eines DS erhielten. Letztendlich schnitten die DS-geschulten Kinder nicht besser, in manchen Aufgaben sogar schlechter ab als die anderen Gruppen, die lediglich dem normalen Schulunterricht beiwohnten. Alles in allem seien die positiven Effekte von Spielen wie Dr. Kawashimas Gehirnjogging schwach und marginal, womit Lieury die Aussagen von Ryuta Kawashima persönlich zu widerlegen scheint.

Wie und wo seht ihr die positiven Effekte von Big Brain Academy & Co.? Machen uns kleine tägliche Logikspielchen tatsächlich intelligenter? Habt ihr selbst spürbare Ergebnisse erzielt, oder beäugt ihr das Phänomen ähnlich kritisch wie der französische Wissenschaftler?

(via gamepolitics)

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6 Kommentare zu “Dr. Kawashimas Gehirnjogging: Wissenschaftler wittert Scharlatanerei”

  1. CreatorX sagt:

    Naja ob es was bringt, wird wohl immer ein Rätzel bleiben. Es gab hier doch schonmal einen Beitag (zu ndswelt-Zeiten) da wurde eine “Studie” veröffentlicht, die beweisen wollte, dass es doch hilft. Auch mit Schülern, die einen hatten DKGJ gespielt und die anderen nicht und da hat es angeblich geholfen. Naja ich bin aber auch der Meinung, dass es nichts bringt, sondern nur sinnlose Zeitverschwendung ist.

  2. Ich stehe da etwas zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite glaube ich, dass Spiele wie Dr Kawashimas Gehirnjogging keineswegs intelligenter machen. Dennoch: Sie trainieren und bieten Kontinuität. Vor allem, wenn der Schulalltag vorbei ist, empfand ich es meist sinnvoll, in Gehirntrainings-Spielen zB das 1×1 zu üben. Ist man regelmäßig dabei, so kann man sich gewisse Sachen wirklich besser einprägen als vorher – irgendwann kommen die Zahlen wie aus der Pistole geschossen, ohne dass man irgendwie groß Nachdenken muss. Einen Effekt haben solche Spiele daher wohl schon; wirklich richtig intelligent machen sie aber sicher nicht – vor allem dann nicht, wenn man auf andere Hilfsmittel grundlegend verzichtet.

  3. Stefan sagt:

    In Wahrheit handelt es sich bei Gehirn-Jogging doch um eine Handvoll Minispielchen, die man dann bestens bestreitet, wenn man ihre Mechanik versteht und lernt. Es läuft also aufs Gleiche hinaus, wie bei anderen Minispielen, nur dass hier ein (angeblich) wissenschaftlicher Zugang gewählt wurde. Ich wage zu behaupten, dass die 42 Spiele-Sammlung von Nintendo den gleichen Effekt zeitigte, wenn sie denn ähnlich ernsthaft betrieben würde, zumal sich dort auch ein Schach befindet.
    Ich denke, dass, um wirklich einen positiven Effekt zu
    erzielen, die Aufgaben viel zu wenige und zu repetitiv sind. Man muss nicht flexibel sein im Denken, sondern nur genug Zeit investiert haben. Allerdings schadet die Übung auch niemanden, und es gibt wohl auch ältere Personen in meinem Umfeld, die das wirklich konsequent seit langer Zeit spielen. Zumindest werden sie so Videospielen nähergebracht. Ich persönlich fand beide Teile von Gehirn-Jogging sehr schnell sehr langweilig.

  4. mampfred sagt:

    intelligenz ist angeboren. man kann defizite nur durch mehr (auswendig)lernen ausgleichen.

  5. Es geht beim Gehirn-Jogging ja nicht darum intelligenter zu werden, sondern sein Gehirn fit zu halten. Und das tut man zweifelsfrei mit solchen kleinen Übungen, wenn man sie denn täglich macht.

  6. Robert Fedick sagt:

    “Intelligenz” ist hier wohl auch ein mißverständlicher Begriff. Es bedeutet ja nicht Wissen oder Bildung, sondern in erster Linie Abstraktionsfähigkeit, Kombinationsgabe, Denkvermögen. IQ-Tests werden schließlich auch mithilfe von Logikaufgaben durchgeführt. Die Kawashima-Games behaupten, diese Fähigkeiten durch tägliche Übung zu stärken. Es ist womöglich schon besser, als gar nichts zu tun, aber über einen maßgeblich positiven Effekt lässt sich wohl durchaus diskutieren.

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