Mrz 032009
 

Nirgends wird Piraterie von Urhebern so verbissen bekämpft wie bei PC-Spielen. Doch wie realistisch sind die Erfolgsaussichten in diesem vermeintlichen Windmühlenkampf?

Der PC ist das gefährlichste Gewässer.
Der PC ist das gefährlichste Gewässer.
Ungenehmigtes Kopieren und Verbreiten von urheberrechtlich geschütztem Material ist zu einem der empfindlichsten Themen nicht nur in der Musik- und Film-, sondern auch Gaming-Industrie geworden. Astronomische Umsatzschäden und pleite gehende Indie-Entwickler treffen dabei vor allem den PC als Spieleplattform besonders hart. Das Anfertigen, Beziehen und Nutzen von Raubkopien kann hier schließlich mit einfachsten Mitteln bewerkstelligt werden, während bei Konsolen oft erforderliche Hardware-Modifikationen vielen Spielern noch immer zu umständlich oder riskant sind.

Die Methoden, mit denen sich die Publisher mittlerweile zur Wehr setzen, sind vielfältig und enorm umständlich geworden. Immense Verspätungen von PC-Versionen (siehe aktuell: Tom Clancy’s EndWar) sind oft die Folge; teils wegen des enormen Aufwands bei der digitalen Rechteverwaltung, um das eigene Produkt vor Piraterie zu schützen, teils weil man parallel die Verkäufe der Konsolenversion nicht durch frühzeitig kursierende PC-Raubkopien gefährden will. Da immer öfter auch die ehrlichen Käufer eines Spiels in Mitleidenschaft gezogen werden, sind Skandale wie jüngst bei Spore vorprogrammiert: Es wurde gerade wegen seines strengen Kopierschutz-Systems sogar das am schnellsten raubkopierte Spiel aller Zeiten, der käufliche Erwerb regelrecht boykottiert. Statt Piraterie entgegenzuwirken, schafft das Zeitalter von SecuROM und Co. offenbar höchstens eins: sie zu provozieren. Ist der Kampf aussichtlos?

In einem Interview mit videogamer.com äusserte Vispi Bhopti, Kommunikationsmanager des Spieleentwicklers Creative Assembly, eine erstaunliche Aussage: Die Bemühungen zur Unterbindung von Spiele-Piraterie seien „zwecklos“. Beim Thema, wieso das kommende Strategiespiel Stormrise auf dem PC ohne ausgeklügeltem Kopierschutz auskommen wird, gab er zu verstehen: „Wenn Leute ein Spiel raubkopieren wollen, werden sie es raubkopieren. Alles was man tun kann ist Hinauszögerung. Aber das ist nunmal die Natur der Sache. Wir sind ein PC-Entwickler, so haben wir angefangen, also muss man eben tun, was man tun muss.“ Resignation oder Einsicht?

So oder so gibt sein Statement zu denken. Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich im vergangenen Jahr vor allem EA (Spore, Mass Effect) und 2K Games (BioShock) mit dem rigorosen Einsatz der Software SecuRom ins eigene Fleisch schnitten. Durch eine begrenzte Anzahl möglicher Installationen konnte ein käuflich erworbenes Spiel oft nicht im gemeinsamen Haushalt mit dem Lebensgefährten oder einem Familienmitglied geteilt werden, ein privater Weiterverkauf war nahezu unmöglich, und selbst Spielerm die ihren Rechner mehrfach formatieren wollten, mussten sich in Acht nehmen. Fortlaufende Online-Aktivierungen schlossen PC-Besitzer ohne Internetverbindung gleich ganz vom Vergnügen aus. Es hagelte massive Kritik – ausgerechnet von jenen Kunden, die brav für ihr Spiel gezahlt hatten. Besitzer der jeweiligen Raubkopien, die trotz aller Finesse des Kopierschutzes ihren Weg ins Internet fanden, lachten sich derweil ins Fäustchen: Ihre „Version“ war frei von den strengen DRM-Einschränkungen, der kostenlose Torrent nur wenige Mausklicks von einem Kauf entfernt.

Piraterie findet also, so lehrt uns die Geschichte, immer ihren Weg – und je verzweifelter man sie zu unterbinden versucht, desto mehr potentielle Käufer greifen auf sie zurück. „Die Natur der Sache“. Verurteilt diese Erkenntnis den PC in seiner Funktion als Gaming-Plattform wirklich zum Aussterben? Wie lange müssen sich Raubkopierer und Publisher noch gegenseitig in ihrem Guerillakrieg gegeneinander hochschaukeln, bis eine von beiden Parteien das Feld räumen muss? Vielleicht muss der Klügere auch einfach nur nachgeben: Bei Creative Assembly sieht man der Situation gelassen ins Auge, und vertraut scheinbar auf eine Tugend – dass sich selbst auf dem PC immer genügend Menschen finden werden, die bereit sind für Qualität zu zahlen. Utopie? Der perfekte Kopierschutz ist womöglich die weitaus größere.

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