Mrz 172009
 

Dank Phoenix Wright und Hotel Dusk blüht das Adventure-Genre in Deutschland. Derartige Spiele verkaufen sich extrem gut – kein Wunder also, dass der ein oder andere Entwickler gern ein Stück vom Kuchen abbekommen würde. Der Versuch, ein ähnlich populäres Abenteuer auf die Beine zu stellen, sieht in manchen Fällen richtig gut aus und ist in anderen leider ein Griff ins Klo.

Unser Fazit: Warum spielen wir eigentlich Adventure-Games? Genau, wegen der spannenden Story, dem ausgefeilten Charakterdesign und der besonderen Optik. Das von Now Production entwickelte Unsolved Crimes möchte alle Attribute erfüllen, kann aber nicht halten, was es verspricht. Die Story ist eher flach, das Charakterdesign kühl und die Optik ist nur in den Zwischensequenzen und auf dem Cover des Spiels wirklich gut. Das Kuchenstück für die Fertigstellung eines fantastischen Abenteuers geht daher wohl nicht an Unsolved Crimes, was unter anderem daran liegt, dass das Spiel unfertig wirkt und seine Kriminalfälle unter einigen Logik-Fehlern leiden. Wir trauern um ein Game, das sehr viel Potential hätte haben können.

2/10

Wir bedanken uns bei Empire Interactive für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsmusters.

(Noch mehr Rätsel und deren Lösung findet ihr nach dem Klick.)

Unsolved Crimes (Nintendo DS)
Entwickler: Now Production
Publisher: Empire Interactive

Etwas schreckliches ist passiert: Model Betsy Blake wurde entführt. Deine Aufgabe ist es, im Fall zu ermitteln und das junge Mädchen heil zurückzubringen. In Unsolved Crimes übernimmst du die Rolle eines Nachwuchs-Detektivs, der zusammen mit seiner Kollegin Marcy neun verschiedene Mordfälle in 14 Levels aufklären muss. Das Adventure lässt sich in drei Abschnitte einteilen: Zu Beginn steht grundsätzlich die Inspektion des Tatorts an, bei der Beweise gesammelt werden müssen. Für jede Entdeckung, die ihr am Tatort macht, wird eine Frage zum Fragenkatalog des Falls hinzugefügt. Die nächste Aufgabe besteht darin, durch besondere Beobachtungsgabe und erfolgreiches Kombinieren alle Fragen zu beantworten und so dem Mörder auf die Spur zu kommen. Am Ende des Tages steht dann noch der Abschlussbericht, in dem ihr eurem Chef Abbot beweisen müsst, dass ihr gut aufgepasst und jedes Rätsel fabulös gelöst habt.

Diese Screenshots verkörpern die schönste Seite an Unsolved Crimes.
Diese Screenshots verkörpern die schönste Seite an Unsolved Crimes.

Was wir mochten:

Lasset uns einen Film drehen. Besonders gelungen finden wir die Zwischensequenzen von Unsolved Crimes. Fast könnte man meinen, man sei in eine Miniatur-Fassung eines Film Noirs geraten. Die düsteren, fast schwarz-weiß gehaltenen Bilder in Cut Out-Optik flimmern über die winzigen Bildschirme und erinnern uns an Killer7 und daran, dass Videospiele auch Kunst sein können. Ein Wunsch für das nächste Spiel: Konsequente Nutzung dieser Grafik lässt unser Herz höher schlagen, liebe Entwickler.

Guter Rat ist teuer. Als Detektiv darf man sich keine Fehler erlauben. In Unsolved Crimes immerhin 3 an der Zahl. Um sich vor Irrtümern zu schützen, wird jede Frage des zu beantwortenden Fragenkatalogs in drei Kategorien eingestuft. Wieviel Intelligenz wird vom Spieler gefordert, wie intuitiv muss gehandelt werden und wie gut muss die Wahrnehmung am Tatort funktioniert haben – diese Punkte sind nicht zu unterschätzen und weisen dem Spieler den Weg. Am Ende eines Mordfalles wird ausserdem die benötigte Zeit und die erreichte Punktzahl in allen drei Kategorien ausgewiesen. Transparenz ist schliesslich immer gut.

Die gute Seite der Steuerung. Mit dem Steuerkreuz bewegt ihr eure Figur; wenn ihr mit dem Stylus über den Bildschirm fahrt, ändert ihr die Blickrichtung; nutzt ihr die Leiste am Rand des Touchscreens, ändert ihr eure Kopfposition und damit die Höhe der Sicht. Dies ermöglicht ein relativ umfassendes Interaktionsfeld und wichtige Beweise können kaum übersehen werden. Eingesammelte Indizien lassen sich zudem völlig frei bewegen, um jede Seite ausgiebig zu inspizieren.

Unsolved Crimes hat nicht nur schöne Seiten.
Unsolved Crimes hat nicht nur schöne Seiten.

Nicht gefallen hat uns:

Die ersten Sporen und andere Logik-Fehler. Ein peinlicher Fehler jagt den nächsten. Dabei ist es völlig egal, ob es sich um Rechtschreibfehler handelt oder die Logik völlig verloren geht. Dazu seien einige Beispiele angeführt: Aus „die ersten Spuren“ wird schnell mal „die ersten Sporen“ und Hauptcharaktere argumentieren mit „Wir müssen die Kugel unbedingt finden“, obwohl diese sich längst im Inventar befindet. Richtig anstrengend wird es allerdings erst, wenn man aufgrund fehlender Logik stundenlang hängenbleibt. So geht das Spiel davon aus, dass ein Terminkalender zwei Personen gleichzeitig gehören kann und jemand zwingend Linkshänder ist, wenn sein Stifteköcher auf der linken Seite des Schreibtisches zu finden ist.

Wenn die Lebendigkeit verloren geht. Eigentlich sind die Hintergrundgeräusche in Unsolved Crimes sehr realistisch und überzeugend. Schade bloß, dass sie sich ständig wiederholen bis sie dem Spieler zum Halse raushängen. Etwas mehr Abwechslung hätte sicher gut getan. Noch schlimmer ist nur die Ausarbeitung der Charaktere. Alle Hauptfiguren haben sehr flache Persönlichkeiten, keinen Wiedererkennungswert und wirken zu kühl um Atmosphäre zu schaffen. Nebenbei sieht eure Kollegin Marcy dauerhaft aus, als hätte sie Kopfschmerzen. Verdächtige werdet ihr in Unsolved Crimes nicht treffen, und so wird die eigentlich spannendste Komponente vorenthalten.

Schwierigkeit: Anfänger. Der Fragenkatalog hilft nicht nur, sondern gibt die ganze Richtung des Spiels vor. So bleibt dem Spieler selbst eigentlich nichts mehr zu tun, das Game ist komplett linear. Die ganze Schwierigkeit besteht darin, sich durch eine lineare Story zu klicken und ab und zu den Hintergrund nach auffälligen Gegenständen abzusuchen. Prima!

Die schlechte Seite der Steuerung. Breites Interaktionsfeld hin oder her, die Steuerung eines Spiels auf drei Attribute zu verteilen ist so unübersichtlich, dass man sich dauernd selbst in die Quere kommt. Wie soll man sich da noch auf die wesentlichen Dinge konzentrieren?

Kristins Meinung: Unsolved Crimes ist verschenktes Potential. Grafisch aufpoliert und an die Zwischensequenzen angepasst, hätte das Spiel von einer Low Budget-Produktion zu einem Knaller werden können. Durch interessant gestaltete Figuren und Verdächtige könnte es auch der Faktor der Gesichtslosigkeit ablegen. Leider wurde in diesem Falle aber nur schlecht abgeguckt und wenig auf eigene Ideen und künstlerische Faktoren geachtet. Ich persönlich finde es schade, dass einerseits so sehr auf Realismus gesetzt wird, andererseits aber nicht einmal die Geschichte überzeugen kann. Beim nächsten Mal sollte man die Prioritäten wohl anders gewichten.

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