Mrz 292009
 

Mit der Ankündigung dreier Download-Pakete machte es sich Bethesda Softworks nicht einfach: Es gilt einige Erwartungen zu erfüllen. Fallout 3 rankt immerhin bei vielen sehr weit oben in der Liste der Games des Jahres 2008. Ob The Pitt den hohen Ansprüchen gerecht werden kann?

An manchen Orten in The Pitt bietet sich uns eine großartige Aussicht.
An manchen Orten in The Pitt bietet sich uns eine großartige Aussicht.


Unser Fazit: Wer Fallout 3 in vollen Zügen geniessen konnte, sollte sich The Pitt zulegen. Die 800 Microsoft Points (10 Euro) sind die erweiterte Erfahrung in jedem Fall wert. Insbesondere dann, wenn ihr Spaß daran habt, mit einer Kettensäge zu hantieren und die Charakter-Interaktion als großes Plus des Hauptspiels gesehen habt. The Pitt ist weniger geradlinig als Operation Anchorage und kehrt damit zu den Wurzeln von Fallout 3 zurück. Wer sind die Guten und wer die Bösen? Trotz dem ein oder anderen negativen Punkt überzeugt The Pitt voll und ganz durch Story, Spielzeit und Setting.

8/10

(Wer Lob und Kritik in detaillierter Fassung lesen möchte, findet mehr nach dem Pitt.. ähh.. Klick.)

Fallout 3 – The Pitt (Xbox Live Arcade, PC)
Entwickler/Publisher: Bethesda Softworks

The Pitt ist Bethesdas zweiter downloadable Content für Fallout 3. Nach Operation Anchorage begibt sich der Spieler ins abgelegene Pittsburgh, eine Stadt voller Sklaven und Raider. Zum ersten Mal pustet man den Raidern nicht mehr nur den Schädel weg, sondern kommuniziert mit ihnen. Der Spieler selbst muss sich auf Anweisung von Werhner als Sklave einschleichen, die Heilung für Radioaktivitäts-bedingte Mutationen finden und alle Sklaven befreien. Wäre da nicht noch eine kleine Wendung..

The Pitt bringt viele neue Waffen und Rüstungen mit sich, so zum Beispiel die Auto Axe, eine Art Kettensäge. Diese ist besonders effektiv gegen jegliche Art der Trogs. Allerdings sollte man auch nicht vergessen, The Infiltrator (dt.: Der Spion) und den Metal Blaster mitzunehmen. Ein Tipp am Rande: Lasst viel Waffen und Rüstungen in eurem Spind in Megaton/Tenpenny Tower. Ihr werdet die meisten Dinge nicht brauchen/nicht nutzen können und seid dankbar, wenn ihr viel Platz für neue Gegenstände habt.

In Haven kommt ihr eurem Ziel sehr nah.
In Haven kommt ihr eurem Ziel sehr nah.


Was wir mochten:

Tears in H(e)aven. Im wunderschön designten Haven folgt der Spieler endlich wieder einer Story, die zu begeistern weiß. Was genau ist die Heilung für The Pitt? Wie beanspruche ich sie für mich? Verärgere ich die Menschen in Haven mit meinen Taten? Und was passiert, wenn ich die Entscheidung treffe, die Heilung zu entwenden? All dies gilt es herauszufinden – unterschiedliche Enden sind vorprogrammiert. Das Schöne daran: Es darf endlich wieder entschieden werden, auf welche Seite man sich schlagen möchte. Um einer von zwei Lösungen auf den Weg zu kommen, steht ausserdem viel Interaktion mit diversen Charakteren auf dem Plan. Ganz wie früher.

Mehr Gefühle. Und dabei reden wir nicht von irgendwelchen Gefühlen. Downloadable Content Nummer 1 entführte den Spieler in ein anderes Setting, ließ ihn geradlinig einer Story folgen und hin und wieder mit Waffen rumhantieren – die Erfahrung tendierte eher in Richtung eines (schlechten) Shooters. The Pitt hingegen gibt uns das Fallout 3-Gefühl zurück. Man setzt dem Spieler wieder Vertrautes vor den Latz: zerstörte Umgebung, Radioaktivität (Wasser gibt +74 rads/sec), Raider und Sklaven. Ganz simulationsfrei können wir unsere Gegner nach einem erfolgreichen Kampf wieder auf Waffen, Rüstungen und Stimpacks durchsuchen und sind ab sofort nicht mehr auf Anchorages unechte Gesundheitscontainer angewiesen.

Extended Version. Daumen hoch für die erweiterte Spielzeit. Operation Anchorage bot uns für 800 Microsoft Points gerade mal vier Stunden Spielspaß; The Pitt hingegen kommt auf gute sechs bis sieben Stunden. Die ein oder andere geht dabei wohl auch für’s Suchen von 100 Stahlblöcken drauf, aber wir möchten uns gar nicht beschweren. Was an Spielzeit da ist, ist schliesslich da.

Die Arena sollte eigentlich ein Ort voller Furcht und Schrecken sein, aber..
Die Arena sollte eigentlich ein Ort voller Furcht und Schrecken sein, aber..


Nicht gefallen hat uns:

Easy Living. Nein, nicht der Song. Wer in Fallout 3 noch nicht den Großteil der Story abgedeckt hat oder Sidequests vor sich herschiebt, der darf sich glücklich schätzen: Ist die Möglichkeit gegeben, sollte man The Pitt früher spielen als vor der letzten Hauptstory-Quest. Wenn man bereits Level 20 erreicht hat, sind viele Stellen – so zum Beispiel die Arena – leichter als eine einzelne Radroach im Wasteland. Selbst einem einzelnen Trog kann man das Gehirn in wenigen Sekunden aus dem Kopf sägen. Vorsicht: Die Seltenheit von mehr als 4 Trogs auf einer Stelle könnte euch das Leben kosten.

Three Dog, where are you? Galaxy News Radio hat einen großen Charme des Hauptspiels ausgemacht. So verzauberte uns Fallout 3 in waffenliebende Jazz-Fans und enthält uns dann zum wiederholten Male jedermanns Lieblings-Radiosender vor. Schon in Operation Anchorage mussten wir auf die Stimme von Moderator Three Dog verzichten und auch in The Pitt können wir mit unserem PipBoy-3000 kein Signal aus den Ruinen von Washington DC empfangen. Gut für die Atmosphäre zwar, aber schade für alle Fans von GNR.

Bug Free since ’93. Nicht. Eigentlich haben wir von Bethesda nichts anderes erwartet: Die englische XBLA-Version von The Pitt musste für einen Tag vom Marktplatz genommen werden, da sie enorme Fehler aufwies (wir berichteten). Rote Blöcke mit Ausrufezeichen flogen durch die Gegend und kein Spieler konnte die Innenbezirke von The Pitt betreten. Die Bugs wurden zwar an innerhalb eines Tages ausgemerzt, aber viele Fans waren trotzdem empört – vor allem, da der DLC so oder so schon mit einem Monat Verspätung erschien.


Kristins Meinung: Ich gestehe, Fallout 1 und 2 jetzt erst gekauft zu haben. Dennoch hat es mich beim dritten Teil total erwischt: Ich spielte es mit Herz und Seele und kümmerte mich ausgiebig um jeden noch so kleinen Storyzweig. Als großer Fan freue ich mich demnach selbstredend über jede winzige Erweiterung, die mich weitere Stunden an den Bildschirm fesseln kann. So hätte The Pitt schon einiges tun müssen, um mich zu enttäuschen. Etwas verärgert war ich zwar über die anfänglichen Bugs (ich spiele die englische Version), aber der Ärger war am nächsten Tag komplett verschwunden. Bethesda hatten es wieder einmal geschafft, dass ich meine Augen nicht mehr von der paradoxen Schönheit der Umgebung abwenden konnte und begeistert einen Fuß vor den anderen setzte. Jetzt freue ich mich natürlich noch auf Broken Steel und die Aufhebung der Level-Cap.


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