Apr 242009
 

Der Phantom schaffte es leider nie über den Status eines Prototyps hinaus.
Der Phantom schaffte es leider nie über den Status eines Prototyps hinaus.

2002 kündigte Infinium Labs (heute Phantom Entertainment) mit grossem Trara eine neue Konsole an: Phantom. Das Hybridgerät sollte bei seinem Release ältere und aktuelle PC-Games abspielen und im sich Vergleich mit anderen Konsolen von Anfang an auf eine sehr breite Basis an erhältlichen Spielen abstützen. Noch etwas machte Phantom äusserst interessant: Eine Abspielmöglichkeit für optische Medien war nicht an Bord, stattdessen sollten sämtliche Spiele via Internet direkt auf die Konsole geladen werden. Ähnlich wie bei einem Mobilfunkvertrag hätten Phantom-Abonnenten das Gerät sogar gratis erhalten und sich für die $29.95 jeden Monat zusätzliche Software downloaden können.

Weiter als bis zu einem lauffähigen Prototypen kam das Unternehmen Phantom leider nie. Ständige Verschiebungen des Releasetermins, vollmundige Ankündigungen, die man nicht einhalten konnte und letztendlich ein Finanzskandal sorgen dafür, dass das Projekt bis auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt wurde. $62.7 Millionen hatte man ausgegeben, trotzdem erreichte keine einzige Konsole den Markt.
Was bei der Entwicklung und Produktion der Konsole alles schief gelaufen ist (von finanziellen Skandalen ganz abgesehen), ist heute nur schwer nachvollziehbar. Ein Blick auf den Markt zeigt aber, dass die Ideen von Infinium Labs zukunftsweisend waren.

Eine gute Idee reicht nicht…
So steht heute eine Billigkonsole mit Namen Zeebo in den Startlöchern, welche riesige Märkte wie Russland, China oder Brasilien zu einem Aufschwung in Sachen Gaming verhelfen könnte. Das
Prinzip? Eine relativ preiswerte Konsole und Games mit tiefen Preisen, die direkt digital auf die Konsole geladen werden (im Unterschied zum Phantom allerdings via Mobilfunknetz). Ganz zu schweigen natürlich, dass damals erst wenige Leute überhaupt an digitalen Vertrieb dachten, während heute digitale Distribution über das Playstation Network, Xbox Live, Steam und vergleichbare Services immer wichtig wird. Ebenfalls vom Phantom-Entwickler bereits 2002 angedacht: Ein Abo für PC-Games, mit dem man dank einer monatlichen Zahlung freien Zugang zu downloadbaren Zockerfreuden gehabt hätte. Kommt euch bekannt vor? Genau, der Downloadservice Metaboli (neben anderen) offeriert heute so ziemlich genau das.

Offiziell wurde das Projekt Phantom nie begraben, sondern nur eingefroren. Phantom Entertainment veröffentlichte in der Zwischenzeit ein für Spieler gedachtes Lapboard, dass in Reviews aber eher durchschnittlich abschloss (siehe der Wired-Testbericht). Dass die Idee der Konsole trotzdem noch nicht vom Tisch ist, beweisen PDF-Dokumente, die an Investoren und Szene-Persönlichkeiten verschickt wurden – offenbar versucht das Unternehmen ein zweites Mal Geld für eine neue Iteration des Hybrid-Geräts aufzutreiben.