Die Playstation 2 stimmt einen rührseligen Schwanengesang an und beschert uns während ihrem hingebungsvollen Abgang eine wahre Freudenträne: Persona 4 gebührt die Ehre, der Konsole den finalen Schlussakkord zu entlocken. Das Beste: Das Spiel wird dieser würdevollen Aufgabe gerecht.
Nach Persona 3, das im letzten Jahr auf der Playstation 2 erschien und mit der offiziellen Erweiterung FES in kurzem Abstand formvollendet abgerundet wurde, erscheint nun quasi postwendend der vierte Streich von Atlus. Dessen Produktion wird in hiesigen Gefilden von Square Enix vertrieben – mit dem Nachteil einer nicht eingedeutschten Fassung. Wer des Englischen mächtig ist und mit der Philosophie und Grundstruktur eines JRPGs nicht auf Kriegsfuß steht, kann hier durchaus euphorisiert zugreifen. Kenner des Vorgängers fühlen sich zudem auch in der Fortsetzung auf Anhieb heimisch. Die Entwickler haben sich der Schwächen von Persona 3 angenommen und an vielen Stellen geschliffen und geschraubt.
Unser Fazit: [amazon B001OB6KZI]Persona 4[/amazon] stellt einen mehr als würdigen Abschluss der Playstation 2-Ära dar. Die Konsole von Sony bestach gerade durch eine famose Auswahl an japanischen Rollenspielen. Deshalb ist es umso angemessener, dass sich das kontroverse Genre anschickt, den Schlusspunkt zu setzen. Und es hätte sich kaum ein geeigneteres Spiel gefunden. Der vierte Teil der Persona-Reihe kann mit seiner sehr erwachsen anmutenden Handlung und den mit Sorgfalt und Tiefgang konturierten Charakteren auf Anhieb begeistern. Trotz allen Lobsprüchen und Empfehlungsschreiben muss aber auch gesagt sein, dass sich das Spiel, ähnlich wie der Vorgänger, sehr konservativ zeigt, was die Interpretation dieses Genres angeht. Monoton abgespulte Dungeons paaren sich mit teilweise aufbrechenden Dungeon Crawler-Anleihen. Wer dagegen nichts einzuwenden hat, wird seinen persönlichen heiligen Gral finden. Alle anderen sollten viel Geduld aufbringen, die sich aber auszahlt. Das Spiel zielt auf eine exakt abgestimmte Käuferschicht ab, die auch mal alle zeitökonomischen Bedenken außer Acht lassen kann.
8/10
(Das Review in voller Länger gibt es nach dem Klick.)
Persona 4 (PS2)
Entwickler: Atlus
Publisher: Square Enix
Inhaltliche Zusammenfassung: Ihr reist als stummer Protagonist in das beschauliche japanische Dörfchen Inaba und verbringt ein Jahr bei eurem Onkel mit seiner süßen kleinen (nervigen) Tochter. Euer Charakter ist stumm, was aber sehr zur Identifikation mit der Spielfigur beiträgt – sozusagen ein Totschlagargument. Nach eurer Ankunft wird das kleine Städtchen von einer bestialischen Mordserie aufgewühlt, die im Laufe der spannenden Geschichte immer mysteriösere Züge annimmt. Gemeinsam mit einer Gruppe von anderen Studenten macht ihr euch auf, in bester Privatdetektiv-Manier das geheimnsivolle Mysterium mit unorthodoxen Praktiken aufzudecken.
Alle Persona 3-Kenner werden den Spielablauf wie ihre eigene Westentasche kennen. Für alle anderen trotzdem eine kurzgehaltene Zusammenfassung: Wie es sich für ein japanisches Rollenspiel gehört, stürzt ihr euch in eine Vielzahl von rundenbasierten Auseinandersetzungen mit teils skurillen und aberwitzigen Kreaturen. Das Besondere an Persona 4 ist, dass ihr nebenbei den Alltag eines gewöhnlichen Schülers meistern müsst, mit allen damit verbundenen Schwierigkeiten und Zeitnöten. Während ihr abseits eures Schullebens durch gefährlich anmutende Kampfarenen schlendert, mühsam und in Kleinstarbeit die Level-Treppen aufsteigt und an eurer Angriffstaktik feilt, müsst ihr in der kampfesfreien Zeit gewöhnlichen Tätigkeiten nachgehen. Nebenjobs (bringt Geld und steigert die Charakterwerte), soziale Verpflichtungen (steigert die Kampfestüchtigkeit) und andere alltägliche Beschäftigungen (”Sidequests”) wollen erledigt werden. Das erfordert viel gutes Zeitmanagement. Denn gerade Zeit ist in Persona 4 ein kostbares Gut. Passiert der nächste Mord doch üblicherweise immer zu dem Zeitpunkt, in dem sich dicker Nebel über das ehemals besinnliche Inaba legt…
Doch Persona 4 ist nicht irgendein x-normales Spiel, das mit einer belanglosen Botschaft daherkommt und uns mit einer banalen Geschichte rund um Gut und Böse abspeisen möchte. Es führt uns behutsam in einen psychologisch interessanten Themenkomplex ein, der alle anspricht und uns schon allen mehr oder weniger untergekommen ist: das Finden und Abwägen der eigenen Persönlichkeit. Gerade als heranwachsender Erwachsener ist es diffizil, den eigenen Charakter mit den Anforderungen von außerhalb zu vereinbaren. Umso erstaunlicher ist es, dass Persona 4 dieses haarige Identitätsproblem so souverän anpackt und uns in eindrücklich plakativen Bildern wunderbar eingängig Lösungspraktiken anbietet. Selten lässt sich die Geschichte eines Videospiels so akkurat auf das eigene Leben übertragen.
In Wirklichkeit aber ist kein Ich, auch nicht das naivste, eine Einheit, sondern eine höchst vielfältige Welt, ein kleiner Sternenhimmel, ein Chaos von Formen, Stufen und Zuständen, von Erbschaften und Möglichkeiten.” (Hermann Hesse – Der Steppenwolf)
Kleiner Exkurs: Wenn Selbsthass so einfach zu besiegen wäre wie in Persona 4…
In der GEE fand ich hinsichtlich Persona 4 folgenden Satz: „Persona 4 stellt Fragen, die bisher kein anderes Spiel gestellt hat.“ Sicherlich stellt es Fragen in den Raum, auf die bisher wenige Vertreter dieses Mediums Antworten gefunden haben. Die eigene Persönlichkeit rückt in den Blickpunkt. Die Charaktere in Persona 4 kommen als Steppenwölfe daher. Ein gezähmtes, in den Ordnungssinn des gesellschaftlichen Lebens eingezwängtes „Ich“, das sich, um sich der Terminologie Freuds anzunehmen, gegen den Dompteur namens „Über-Ich“ zur Wehr setzt. Damit sind alle von außen kommenden Normen, Konventionen und gesellschaftlichen Schicklichkeiten gemeint. Das „Es“, das das unterbewusste triebhafte, affektbeladene Ich darstellt, sucht sich einen Schlupfweg, um an die Oberfläche zu kommen und sich auszutoben. Hier tut sich das Unbehagen an der Kultur auf. Wir müssen ständig unser Ich untergraben, um der gekämmten Sozietät in den beengten Kragen zu passen.
Dementsprechend nehmen sich auch die Charaktere in Persona 4 aus. Ein stilles und reserviert erscheinendes Mädchen namens Yukiko unterdrückt die eigenen Begierden und wird von der Außenwelt als beneidenswertes, über allen Dingen stehendes Geschöpf dargestellt, das, je mehr Männer sie abweist, desto begehrenswerter wird. Doch keiner merkt, dass gerade sie es ist, die leidet. Der Souverän wird der Brüchigkeit überführt. Ihre eigenen Leidenschaften kommen in einer Welt zum Ausbruch, die kein gesellschaftlich festgezurrtes Regelwerk kennt. Dort herrscht Anarchie und Chaos. Aber auch Gewaltfreiheit. Zügellosigkeit. Als Spieler dürft ihr in die von den Protagonisten im Spiel weggeschobenen unterbewusst existierenden, randständigen Parallelwelten abtauchen, die von den Figuren in dieser krass entschleierten Form so nicht akzeptiert werden. Persona 4, diese Bemerkung sei erlaubt, steigt zwar nicht so detailliert und vielseitig in die Köpfe der Charaktere wie das fantastische Psychonauts, es verschafft dem Spieler aber ein Blick in das Unterbewusstsein desjenigen, der zwiegespalten ist.
So erkennt auch Yukiko erst dann ihr eigenes Wesen, wenn sie sich damit abfindet, dass dieses für sie statische “Ich” in Wahrheit ein ganzer Mischmasch ist, der vom Rollenspiel der Einfachheit halber als Dualität dargestellt wird. In dem es ihr „Es“ auslebt, gegen das der Spieler dann in Gestalt eines Monsters ankämpfen muss, gewinnt sie die Kontrolle über das entglittene Steuerpult ihrer eigenen Psyche zurück. Die jeweiligen Dungeon-Endgegner verkörpern dabei die unterdrückten Affekte, Sehnsüchte und Ängste der jeweiligen Person – in diesem Fall von Yukiko. Sie söhnt sich mit ihrer wilderen Seite aus und wird zu dem Mädchen, das mehr sie ist als das Mädchen, das es vor der Auseinandersetzung mit ihrem “monströsen” Ich gewesen ist.
Der Spieler “besiegt” zwar formal dieses zum Ausbruch gekommene „Es“. Doch in Wirklichkeit söhnt sich Yukiko mit dem „Ich“ und „Über-Ich“ aus und wir sozusagen resozialisiert und integriert. Sie besiegt also die inneren Dämonen nicht. Sie freundet sich mit ihnen kann. Weil kein Mensch sein tiefes Inneres einfach nach Belieben wegwerfen kann. Er muss mit seinem “Schandfleck” leben, erst dann kann es sich zu seiner blütenweisen Weiste herauskristallisieren. Der Spieler hilft den Charakteren, zu ihrem eigenen Ich zu finden. Und das Schöne daran ist, dass wir diese Versöhnung auch nach dem Boss-Kampf miterleben. Yukiko, das sich unserem mehrköpfigen Team später hinzugesellt, wird später wider ihrem früheren Naturell immer wieder von Lachkrämpfen überrumpelt. Bevor wir ihre inneren Dämonen bekämpft haben, war sie ein schüchternes, verdruckstes kleines Püppchen, das sich durch die Mitwirkung des Spielers zu einem befreiten, lebensbejahenden Individuum gewandelt hat.
Personas als äußere Maskierung des eigenen, verletzbaren Ichs
So bezieht das Rollenspiel ernsthafte Themen mit ein, die auch die eigene Sexualität nicht außen vor lassen. Nicht umsonst heißt es „Persona“. Eine Maske, die sich jeder überzieht, um sich sozialverträglich in das tagtägliche Schlachtgetümmel zu begeben. So fechten die Personas, mythologisch verbrämte Sagengestalten aus aller Herren Länder, die der Spieler sammeln, trainieren und für sich kämpfen lassen kann, in Persona 4 die inneren und äußeren Kämpfe aus. Die Personas sind die Maske, die den Kampf gegen die Außenwelt antreten. Eine Kostümierung, die sich der Spieler überzieht, um bestehen zu können, damit die innere, weit verletztlichere Persönlichkeit nicht zu Schaden kommt.
Persona 4 ist in der Tat ein Spiel, das ungewohnte Fragen stellt, aber auch verständliche Antworten darauf findet: akzeptiere dich. Das klingt natürlich platt und trivial, doch oft sind die einfachen Antworten jene, die am hilfreichsten sind. So gesehen ist das Rollenspiel eine zeitfressende, aber angenehme Zwischenbeschäftigung für all diejenigen, die keine Lust und Muse haben, sich durch die dicken und manchmal ermüdend geschriebenen (für mich Anti-Intellektuellen jedenfalls), dicken Schinken von Freud und C.G. Jung zu kämpfen.
Was wir mochten:
Erstklassige Fusionierung zweier Spielkomponenten Persona 4 schafft es wunderbar, zwei unterschiedliche Spielmechaniken perfekt miteinander zu verzahnen. Einerseits der routinemäßig ablaufende Schulalltag mit all seinen sozialen Kontakten, andererseits die rundenbasierten, flott geölten Kämpfe. Doch es wäre eine lose, abgekapselte Verbindung, wenn dies nicht auf eine intelligent ineinander verschränkte Verschmelzung hinauslaufen würde. Ihr müsst Freundschaften anknüpfen und intensivieren, um im Kampf an Schlagkraft hinzuzugewinnen. Zwar läuft die Vertiefung von Freundschaften ziemlich linear und zielgerichtet ab, ohne dass ihr sonderlich groß intervenieren könnt, doch trotz allem macht es gehörigen Spaß, von Zeit zu Zeit das Zusammengehörigkeitsgefühl zu erhärten, in dem ihr die Figuren in der Schule und im japanisch idyllischen Heimatdorf immer besser kennenlernt. Denn hinter jeder Person verbergen sich kleine, erzählenswerte Nebengeschichten.
Motivierendes Kampfsystem Sieg oder Niederlage entscheidet sich bei einem waschechten JRPG über die Qualität des Kampfsystems. Und dies ist in Persona 4 exzellent ausgefallen. Wer im Kampf auf Dauer bestehen möchte, muss die Schwächen der Gegner konsequent ausnutzen, wodurch tolle Combo-Attacken hervorblühen können. Das macht Spaß und bringt viel Dramatik in das temporeiche Kampfgeschehen. Es ist auf den ersten Blick sehr intuitiv, doch versteckt unter der geschliffenen Oberfläche genug Tiefgang, um taktische Finessen und Überlegungen einfließen zu lassen, um auch dauerhaft bei Laune halten zu können. Durch die Nutzung der Personas, die an Erfahrungspunkten hinzugewinnen und mächtige Zauber beschwören können, erhält das Spiel einen Komplexitätsgrad von einem korpulenten Leibesumfang. Im so genannten Velvet Room könnt ihr eure gesammelten Personas auf unterschiedlichen Komplexitätsgraden fusionieren, um noch mächtigere und angriffswütigere Kampfesgenossen hervorzuzaubern. Die Möglichkeiten zur Generierung von Personas sind hier durch die Fülle der unterschiedlichen Arten und den variabel hinzustoßenden Angriffs- und Defensivzaubern schier unbegrenzt. Wer nicht auf die Uhr schaut, kann allein mit der Erstellung und Verschmelzung von Personas mächtig viel Zeit verbringen. Wer also ein schlagkräftiges Team zusammenstellen möchte, der muss feilen, schnitzen und taktieren.
Eine erwachsene Geschichte mit Seltenheitswert Hier brilliert Persona 4 besonders stark. Wer sich durch die manchmal monoton anmutenden Dungeon-Schläuche quält, wird mit einer spannenden und sehr erwachsen wirkenden Story belohnt, die mit Interesse weckenden mysteriösen Elementen durchsetzt ist und in portionierten Schüben vorangetrieben wird. Klar, bei einer Marathonstrecke von über sechzig Stunden schleichen sich auch Langatmigkeiten und Leerlauf-Phasen ein, doch im Ganzen betrachtet fühlt ihr euch immer dazu angestachelt, dem sorgfältig gesponnenen roten Faden unermüdlich zu folgen. Auch wenn ein schwer anzuknabbender Zwischengegner dazwischen steht. Die Neugierde sitzt einfach zu tief.
Teammitglieder mit Ecken und Kanten In Persona 3 noch leicht kritisiert, im Nachfolger aufgebessert: die Ausarbeitung der Charaktere, mit denen sich der Spieler tagtäglich im Schultreiben und innerhalb der Kampfarenen auseinander setzten muss, kann auf ganzer Linie überzeugen. Ihr geht mit euren Kameraden durch dick und dünn. Nehmt an ihren Komplexen, Ängsten und Sehnsüchten teil. Oftmals werdet ihr in eine länger anhaltende Passivität gezwängt, in der ihr scheinbar belanglosen Dialogen folgen (die übrigens nur stellenweise vertont sind) müsst. Doch genau dieser Punkt sorgt dafür, dass ihr immer mehr Anknüpfungsmöglichkeiten zu den virtuellen Charakteren erhascht. Denn es schweißt zusammen. Ihr lernt einen aggressiven und lautstarken Revoluzzer kennen, der einen inneren Kampf mit seiner Sexualität ausfechtet und erst lernen muss, sich mit seinen homosexuellen Neigungen anzufreunden. Letztlich müsst ihr ihm helfen, diesen im Innern tobenden Konflikt zu befrieden. Anders als im Vorgänger sind es hier weniger stereotype Figuren. Sie besitzen mehr Tiefgang. Durch das manchmal etwas zäh gehaltene Erzähltempo wird außerdem die Immersion hochgehalten. Je mehr Alltäglichkeiten ihr im Zusammenhang mit euren Freunden erlebt, desto greifbarer und plastischer nimmt sich das virtuelle Netzwerk aus. Der Funke ist spätestens dann übergesprungen, wenn ihr nach einem anstrengenden Tag zurück in euer Rückzugsgebiet schlüpft und ihr euch an der allabendlich erklingenden Begrüßungsformel der Tochter eures Onkels erfreut: “Wecome home, big bro”.
Viel Inhalt für wenig Scheine Wahnsinn. Für gerade mal schlappe 30€ bekommt ihr ein Spiel, das euch mindestens für sechzig Stunden unterhalten wird. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist in diesem Fall also mehr als zufriedenstellend. Ich habe von einigen Leuten gehört, die gar über zwei hundert Stunden mit dem Spiel verbracht haben. Ihr seht, Persona 4 bietet euch sehr viel für euer hart gescheffeltes Geld. Als Dreingabe gibt es den hochwertigen Soundtrack noch dazu, der in einer schmucken Bonus-Disc beiliegt. Übrigends muss die musikalische Begleitung gesondert erwähnt werden: der aus dem dritten Teil bekannte locker-flockige J-Pop ist einem eher von Hip-Hop-Einflüssen getragenen Untermalung gewichen, die mit vielen rockigen Anklängen durchsetzt sind. Gerade die Musik während der unzähligen kämpferischen Auseinandersetzungen kann immer wieder aufs neue begeistern. Wenigstens führt es nicht dazu, dass ihr Kämpfen vom musikalischen Standpunt aus nicht mit Widerwillen entgegenblickt.
Nicht gefallen hat uns
Nicht für jeden Wer sich bisher mit japanischen Rollenspielen bisher nicht anfreunden konnte, wird mit Persona 4 nicht plötzlich ein Konvertit. Das Spiel verlangt zähes Durchhaltevermögen, Geduld und Interesse an einer langwierigen Charakterprofilierung. Das Spiel ist deswegen nicht jedem einfach uneingeschränkt zu empfehlen. Ein RPG ist nicht gleich ein RPG. Wer sich eher der westlichen Rollenspiel-Philosophie zugetan fühlt, sollte sich den Kauf wirklich ernsthaft überlegen. Nichtsdestotrotz ist es ein überwiegend zeitverzehrendes Vergnügen, das ein hohes Maß an Einarbeitungszeit einfordert. Vor gewissen Langatmigkeiten und dem Aufleveln ist man alles andere als gefeit (s.u.)
Dungeon Crawler Persona 3 peitschte den Spieler durch unzählige Stockwerke eines babylonischen Turmes. Monoton. Einfallslos. Leveltretmühle. Dies wurde zum Glück im Nachfolger heruntergeschraubt und durch einige handwerkliche Design-Handgriffe unterminiert. Ab sofort gibt es abgeschlossene, zufallsgenerierte separierte Dungeons, die jeweils von einem spektakulär in Szene gesetzten, einzigartigen Boss abgeschlossen werden. Trotzdem unterscheiden sich die unterschiedlichen Kampfarenen nur durch einige oberflächliche Änderungen. Oft rennt der Spieler durch schlauchartige Gänge, stößt hin und wieder auf ein paar verstreute Schatztruhen und versucht sich von Level zu Level aufzuplustern, um für den nächsten anstehenden Entscheidungskampf vorbereitet zu sein. Forschernaturen werden hier weniger belohnt. Nicht jeder findet daran Gefallen und dürfte davon zu Recht abgeschreckt werden. Ich habe mir des Öfteren gedacht, warum ich mir das eigentlich antuen möchte. Aber gerade daran erkennt man, dass das Spiel einfach von hoher Qualität ist, wenn es sogar solche persönlichen Durststrecken überwinden kann.
Klaus’ Meinung Persona 3 machte mir letztes Jahr das Universum der japanischen Rollenspiele schmackhaft. Die Begeisterung hielt aber nur temporär an. Zu sehr versank der Spieler in abwechslungsarmen Korridoren, in denen er sich mühsam und unter Aufbietung jeglicher Widerstandsfähigkeit an der nächsten Levelgrenze abarbeiten musste. Die überzeugende Story kam nur schleppend voran und war von zu vielen leeren Seiten durchsprenkelt. Am Ende überwiegte einfach der Überdruss an dem immer gleichen Level-Einerlei. Ich sympathisiere aus vielerlei Gründen einfach eher mit der “westlichen” Philosophie von Rollenspielen. Umso erstaunlicher ist es, dass es gerade die Persona-Reihe gemeistert hat, die empfindlichen Berührungsängste stellenweise einzureißen. Und der Nachfolger konnte die immer noch erhaltenen Barrikaden weiter einstürzen lassen.
Persona 4 hat sich im Vergleich zum Vorgänger in vielen kritischen Bereichen verbessert. Es ist infolge einiger Handgriffe der Entwickler weit abwechslungsreicher und überzeugt durch eine spannende und tiefgründige Geschichte rund um bizarre Mordfälle. Wer die nötige Zeit für dieses Spiel aufbringen kann und in nächster Zeit auf seiner Spiele-Liste nichts mehr anderes stehen hat, der kann sich ohne schlechtes Gewissen in dieses kolossale RPG-Abenteuer stürzen. Wer ein Fan der Persona-Reihe ist, darf getrost noch zwei Punkte auf unserer bewusst kritisch gehaltene Wertung draufschlagen. Alle anderen JPRG-Fans auch. Nur soll das Spiel nicht nur aus den Augen einer “Randgruppe” einer möglichst kritischen Bewertung unterzogen werden, sondern auch unter dem Gesichtspunkt eines prinzipiell allgemeineren Standpunkts aus gesehen.
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