Mai 022009
 

Neues Genre: Comedy-Shooter

Na sowas, ganz klammheimlich hat sich da ein Spielchen mit dem sperrigen Namen [amazon B001P5HRPK]Eat Lead – The Return of Matt Hazard[/amazon] ins Videospieleregal meines Vertrauens geschummelt. Dabei hat der Titel soviel Heimlichtuerei überhaupt nicht nötig. Selten zuvor habe ich bei einem Shooter so viel lachen oder zumindest schmunzeln dürfen. Technisch gesehen ist das Ganze leider weniger lustig, unansehnliche Animationen und Texturenarmut stehen einem aktuellen Shooter nicht so gut zu Gesicht.

Das nenn ich mal ne Rückkehr
Das nenn ich mal ne Rückkehr

Unser Fazit:
Ein niedriges technisches Niveau, die kaum vorhandene Gegner-KI und eine zuweilen störrische Steuerung verwehren vorliegendem Shooter leider eine höhere Wertung. Wer aber dennoch einen Blick riskiert, wird für einige Stunden sehr gut unterhalten. Dazu tragen in erster Linie die witzigen Ideen bei, die Videospielklischees aller Art persiflieren. Die kernigen Sprüche eures Protagonisten sind meist gut plaziert und nerven nur selten. Ansonsten ist die deutsche Sprachausgabe inhaltlich zwar passend dämlich, aber manches Mal einfach schlecht gesprochen. Für Fans des Genres, die glauben, schon alles gesehen zu haben, sicherlich ein längeres Probespiel wert.

7/10

Eat Lead – The Return of Matt Hazard (XBOX 360 / PS3)
Entwickler: Vicious Cycle
Publisher: Koch Media

Wer kennt ihn nicht, Matt Hazard, Held zahlreicher Actiontitel in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts? Wahrscheinlich niemand, denn für Eat Lead wurde dem Hauptdarsteller eine solche Spielebiographie bloß angedichtet. Seine fiktiven Glanzzeiten liegen weit zurück, nun wird Matt Hazard, in dessen virtueller Haut ihr steckt, für die nächste Generation von Videospielkonsolen wieder aus der Versenkung geholt. Dabei stellen sich euch diverse grundverschiedene Gegnertypen in den Weg, die es in moderner 3rd-person Perspektive zu erledigen gilt. Neben Cowboys und russischen Terroristen gilt es auch Yakuza-Killern in Fabrikhallen, Kühlhäusern und 2D-Labyrinthen den Garaus zu machen.

Wie sich das für einen aktuellen Shooter dieser Machart gehört, sind euch aber auch klassische Tugenden nicht fremd. So genießt ihr zum Beispiel ein weitestgehend funktionierendes Deckungssystem inklusive schneller Deckungswechsel und Blindfeuern. Das klappt meistens auch recht gut, hin und wieder möchte sich euer Alter Ego allerdings nicht aus seiner Deckung lösen oder andere Schutzmöglichkeiten anvisieren. Zusätzlich habt ihr gute Möglichkeiten, die Gegner mit Nahkampfattacken auszuschalten. Die Gegner agieren dabei leider meistens nach Schema F und lassen sich in der Regel sehr schnell mit blutlosen Kopfschüssen gezielt erledigen.

Grafik und Sound sind leider höchst unschön geraten und so dürft ihr euch über magere Effekte, wenig abwechslungsreiche Texturen und hölzerne Animationen ärgern. Akustisch erwarten euch schlappe Explosionen und Geräusche sowie unmotivierte und schlechte Synchronsprecher, die aber immerhin auf deutsch kalauern.

Neulich an der Wursttheke
Neulich an der Wursttheke

Was wir mochten:

Matt Hazard ist der Neffe von Fips Asmussen. Nur wenige Spiele schaffen es tatsächlich, witzig zu sein. Da wirkt Eat Lead direkt erfrischend. Selten zuvor hat es ein Spiel geschafft, andere Titel so gut durch den Kakao zu ziehen.

Abwechslungsreich Töten. Ein großes Repertoire an Waffen verlangt auch nach vielen Gegnertypen. Neben Scharfschützengewehr und Magnum dürft ihr eure Gegner auch mit Wasserpistolen töten. Dabei lassen sich die unterschiedlichen Gegner auch nicht mit allen Waffen gleich gut um die virtuelle Ecke bringen. Taktik ist gefragt.

Mit einer Uzi ist jeder schneller als sein Schatten
Mit einer Uzi ist jeder schneller als sein Schatten

Nicht gefallen hat uns:

Ganz schön mutig. Heutzutage ein Spiel mit einer solch veralteter Technik auf die Zocker loszulassen, zeugt entweder von Selbstbewusstsein oder geringem Budget. In diesem Fall war es wohl eine Frage des Geldes. Die Grafik ist die meiste Zeit einfach unansehnlich und der Sound unvoluminös.

Verschenktes Potenzial. Mögen die Texte oftmals durchaus witzig geschrieben sein, lässt ihre Synchronisation in der Regel doch sehr zu Wünschen übrig. Die meisten Sprecher klingen unprofessionell und unmotiviert.

Sonderschulabschluss ist nichts schlechtes. Eure Kontrahenten verhalten sich alle gleich vorhersehbar. Sie gehen im gleichen Takt in Deckung, halten ihre Köpfe immer wieder in euer Fadenkreuz und rennen euch im Eifer des Gefechtes einfach ins Mündungsfeuer.

Sebastians Meinung:
Zugegeben, ein komplett neues Genre wird hier nicht definiert, aber einen Shooter mit so vielen lustigen Ideen habe ich wohl seid Serious Sam nicht mehr gespielt. Würde dem Titel der humorige Akzent fehlen, als normaler Shooter würde er vermutlich hoffnungslos untergehen. Zu schlecht ist die technische Seite, die nicht vorhandene Intelligenz der Gegner sowie die einfallslose Gestaltung der Karten. Wer aber auch nur einen Hauch von Humor hat, Wasserpistolen und 2D-Nazis lustig findet, wird hier eine gute Zeit haben.

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