Bereits 1993 erschien das Original Lode Runner für den Apple II. Über die Jahre hinweg ist für nahezu jedes System eine Version erschienen (sogar ein Brettspiel), am grundsätzlichen Gameplay hat sich in all der Zeit nichts geändert.
Dieses Remake stammt von keinem Unbekannten, sondern dem schwedischen Entwickler Southend Interactive, die schon mit Commanders Attack und R-Type Dimensions auf der selben Plattform (XBLA) ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen konnten. Außerdem zeichnen sie für den Shooter XIII verantwortlich, der auf einer Graphic Novel basierte und von Ubisoft veröffentlicht wurde. Doch eine Neuauflage ist immer eine knifflige Sache, wie haben die alten Schweden diese gemeistert?
Unser Fazit: Ganz formidabel! Die Veröffentlichung ist natürlich primär an Fans der Vorlage gerichtet. Die werden den meisten Spaß aus dem Remake ziehen können. Aber auch jeder, der noch nie zuvor ein Lode Runner angefasst hat, sollte das Spiel zumindest einmal antesten. Es wird ein wunderbares Komplettpaket abgeliefert und wie schon Bionic Commando: Rearmed ist diese Neuauflage ein perfektes Beispiel dafür, wie ein alter Titel aufgemotzt in der heutigen Zeit auszusehen hat. Das Gameplay ist unverändert wie Anno dazumals, was wieder ein Beweis dafür ist, das gutes Gamplay kein Verfallsdatum hat. Über eine Sache sollte man sich aber im Klaren sein: Lode Runner war noch nie ein Spaziergang im Park. Es ist heute wie vor 25 Jahren ein Hardcore Echtzeit-Puzzler, der alles vom Spieler abverlangt. Das Grundprinzip wurde mit neuen Modi und einem ausgereiften Mehrspieler-Part ausgestattet, hier wird für jeden Typ Gamer etwas geboten. Durch den Leveleditor ist auch die Langzeitmotivation gesichert.
8/10
Wir bedanken uns bei Microsoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsmusters.
(Warum auch ihr euch diese Portion Retro nicht entgehen lassen solltet, erfahrt ihr nach dem Klick.)
Lode Runner (Xbox Live Arcade)
Entwickler: Southend Interactive
Publisher: Tozai / Microsoft
Das Original war einer der ersten Titel, die einen Level-Editor zu bieten hatten. Dieses Feature ist bei Xbox-Spielen bisher noch die Ausnahme und auch in diesem Fall nicht optimal gelöst (der Anbieter muss gleichzeitig mit dem Abnehmer online sein). Aber es ist trotzdem schön, dass es möglich ist. Für alle, die noch nie eine Ausgabe von Lode Runner in den Händen gehalten haben, gibt es jetzt eine kurze Zusammenfassung.
In jedem der Level, die jeweils komplett auf den Bildschirm passen, müssen alle Goldstücke eingesammelt und der Ausgang erreicht werden. Das einzige Hinderniss für den Protagonisten, der übrigens nicht springen kann, sind Gegner, die ihm auf Schritt und Tritt folgen. Schaden zufügen kann man diesen Kreaturen nicht direkt, sondern lediglich die zerstörbaren Blöcke auslöschen und sie in die enstehenden Lücke hineinlaufen lassen. Nach kurzer Zeit “wächst” der Stein nach und befindet sich der Feind noch an der Stelle, bedeutet das für ihn das Aus. Doch die Ruhe währt noch nicht mal ein Augenzwinkern, denn im selben Moment wird er bereits durch einen identischen Klon ersetzt. Über Gegner in einem Loch kann gefahrlos drüber gelaufen werden. Generell sind wir auf dem Kopf der Feinde sicher (außer auf Leitern).
Einige Goldstück lassen sich nicht direkt erreichen, sondern müssen mit ordentlich Hirnschmalz freigelegt werden. Da die Steine nach kurzer Zeit wieder erscheinen und Kreaturen uns eigentlich ständig auf den Fersen sind, bleibt kein Zeit zu trödeln. Genau dieser Aspekt ist schon seit jeher das stärkste Argument der Serie. Das Gameplay ist flüssig und fordernd, der Schwierigkeitsgrad steigt allmählich an und Stück für Stück werden die Puzzle-Elemente stärker integriert. Wer sich auf die Journey (so heißt hier der Hauptmodus) besonder gut vorbereiten will, sollte einige Zeit in die beiden anderen Modi Hang On und Puzzle investieren, um sich dort die Feinheiten anzutrainieren.
Was wir mochten:
Das uralte Gameplay im neuen Glanz – Die große Anzahl Levels war schon immer eine Stärke der Serie. In diesem Fall (und an der Pörse) ist es nicht anders. Wir bekommen insgesamt 272 (!) Stufen mitgeliefert, aufgeteilt in sechs verschiedene Modi. Während “Hang On” lediglich von uns fordert, möglichst lange am Leben zu bleiben, werden in den 50 Puzzles die Feinheiten des Gameplay offensichtlich. Hier zählt jede Bewegung und jede Sekunde, die wenigen Elemente müssen im idealen Zusammenspiel genutzt werden, um das Ziel zu erreichen. Hieraus hätte man in früheren Tagen sogar ein eigenes Game gemacht! Insgesamt hat Southend alles aus der Spielmechanik herausgeholt, was geht.
Gemeinsam sind wird stark – Es gibt drei Mehrspieler-Modi und keiner davon wirkt aufgesetzt. Alle funktionieren sowohl off- als auch online. Gegeneinander ist zwar gut und schön und kann zumindest für einige Minuten fesseln, doch die beiden kooperativen Auswahlmöglichkeiten sind die wundervollste Ergänzung. Es kann eine Journey mit speziell für zwei Spieler erstellten Levels bestritten werden, außerdem bietet eine eigene Puzzle-Sektion Grübelspaß im Duett. Hier ist nur mit absolutem Teamwork voranzukommen, was online einen kommunikativen Partner voraussetzt und offline zur Mordsgaudi avanciert. Zusammen mit N+ ist dies sicher die knackigste Koop-Erfahrung in der Xbox Live Arcade.
Dosierte Neuerungen – Im Vergleich zum Original wurde kaum etwas geändert, und das ist auch gut so. If it ain’t broke, don’t fix it. Viele Remakes versuchen verkrampft duch Erweiterungen ein besseres Spielgefühl zu erzeugen, was in den meisten Fällen schief geht. Doch nicht so in dieser Neuauflage. Die Mechanik ist exakt die selbe, neben den Modi sind lediglich sechs Steintypen (einer pro Umgebung) neu. Diese integrieren sich perfekt ins übrige Konzept ohne störend aufzufallen. Hier haben die Entwickler Feingefühl bewiesen. Als weitere dezente Innovation können die Abschnitte zwischen den eigentlichen Stufen gelten. Nur hier können Extraleben durch kleine Puzzleeinlagen verdient werden, was für Highscore-Jäger unverzichtbar ist.
Nicht gefallen hat uns:
Überbleibsel aus der Vergangenheit – Eine Berührung bedeutet unweigerlich das Ableben und das kann mitunter ganz schön frustig sein. Wenn man sich mit viel Müh und Not alle Goldstücke erarbeitet hat und dann durch eine kleine Unachtsamkeit draufgeht, darf man das gesamte Level nochmal spielen. Aber wenigstens muss man nicht wie früher alle Level in einem Rutsch durchbekommen.
Ich sehe nicht, was du nicht siehst – Die Optik ist generell für ein Puzzle- und Arcadespiel wirklich hervorragend gelungen. Einzige Außnahme bildet hier leider die Lavawelt, die es einem im Eifer des Gefechts nicht einfach macht, die unterschiedlichen Elemente auf den ersten Blick zu erkennen.
Jörgs Meinung: Lode Runner lässt einen im positiven Sinne richtig arbeiten. Gehirn und Finger stehen ständig unter Strom und während man in den frühen Leveln noch etwas unbeholfen umherdüst, steigen die eigenen Fähigkeiten stetig und schlagartig. Wer sich wirklich durch alle Level kämpfen will braucht aber viel Geduld und vor allem viel Übung. Allerdings erfüllt Lode Runner eine der wichtigsten Anfoderungen an ein Spiel: Es macht einfach Spaß! Außerdem wird verdammt viel Inhalt für’s Geld geboten. Es ist mir unverständlich, wie man sich in diesem Fall über die 1.200 Microsoft Points aufregen kann. Auch die Musik hat mir sehr gut gefallen, die dezenten Melodien gehen sofort ins Ohr und beruhigen den hektischen Spielablauf angenehm.
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