Mai 202009
 
Batman: Arkham Asylum könnte ausnahmsweise richtig gut werden.
Batman: Arkham Asylum könnte ausnahmsweise richtig gut werden.
Vor ein paar Jahren war die Verfilmung eines Videospiels ein Grund zur Aufregung. Vor der Veröffentlichung des Films, weil man sich eine spannende Geschichte mit den Protagonisten und wichtigsten Szenen aus dem Game wünschte; danach aus Entrüstung, weil das Werk meistens grottenschlecht war. Trotzdem waren Verfilmungen wie Super Mario Bros. oder Mortal Kombat auf ihre Art und Weise Pioniere – wenn auch ziemlich schlechte. Denn was damals eine Seltenheit ist, gehört heute schon fast zum guten Ton. Insbesondere bei den in Massen auftauchenden Comic-Verfilmungen der letzten Jahre gab es kaum einen Titel, der nicht auch mit einem passenden Game vermarktet wurde, Qualität hin oder her. Ironman, Spiderman, Batman, Superman, Hulk – die Liste lässt sich beliebig fortführen.

Mittlerweile muss man den „Film-Games“ zu Gute halten, dass sich die Qualität verbessert hat. Umwerfende Spiele zu genialen Filmen sucht man leider immer noch vergeblich, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ob es gelingt, hängt wohl auch davon ab, ob sich ein Spiel überhaupt in das viel engere Korsett eines Leinwand-Spektakels zwängen lässt. Eines ist aber klar: In Zukunft dürfen wir noch viel mehr parallel produzierte Spiele und Filme erwarten. Hinweise darauf bieten etwa die kürzlich gemunkelten Gespräche zwischen Activision und Legendary Pictures bezüglich der Umsetzung eines Call of Duty-Filmes, aber auch die Tatsache, das immer mehr Filmstudios direkt in die Entwicklung und Produktion von Games involviert werden.

[fotostrecke name=“Versoftungen der letzten Jahre: Von James Bond bis The Hulk“]

Beispiele? Warner Bros. hat auf seiner Website eine eigene Sektion für Videospiele und arbeitet mit diversen Studios an deren Umsetzung. Batman: Arkham Asylum, Justice League Heroes oder Speed Racer gehören zum Portfolio des Filmgiganten. Legendary Pictures geht noch einen Schritt weiter. Laut variety.com arbeitet das Unternehmen an einer eigenen Gameabteilung, die von Kathy Vrabeck geleitet werden soll, einer ehemaligen EA-Angestellten. Vrabeck war für die Casual Entertainment Group zuständig – man kann sich also vorstellen, in welche Richtung die Versoftungen zielen werden. Laut Gamezone wolle man „Spiele entwickeln, die auf den eigenen Filmen basieren und möglichst viele verschiedene Plattformen bedienen“ – inklusive Handy und Browsergames. Erstes konkretes Projekt ist The Lost Patrol, das 2010 erscheinen wird.

Mehr Interaktivität?
Bis dato beschränkt sich das Vergnügen einer gleichzeitigen Veröffentlichung von Game und Film eigentlich nur auf den Synergie-Effekt für den Publisher: Das Spiel profitiert von der Publicity des Filmes und umgekehrt. Wer sich X-Men Origins: Wolverine angeschaut hat und den Film mochte, will vielleicht auch eher die Story im gleichnamigen Videospiel auf Xbox 360 oder PS3 nachspielen. Das ist alles gut und nett: Wirklich interessant würde es aus meiner Sicht aber erst, wenn die Stärken der beiden Medien miteinander verschmolzen würden. Die grosse Leinwand eignet sich perfekt für eine bestimmte Art des Erzählens, für Gefühle und gute Schauspieler – das Game hingegen bietet Interaktivität und viel mehr Möglichkeiten hinsichtlich der Drammaturgie und des Storytellings. Games könnten jeden Sequenzen einer Story erzählen, die auf der Leindwand nicht oder nur eingeschränkt möglich sind. Das verlangt aber nach einer viel intensiveren Zusammenarbeit zwischen Drehbuchautoren und Storywritern bei Games, die in der Form bisher wohl kaum vorhanden ist. Wünschen würde ich sie mir aber auf jeden Fall.

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