Jun 012009
 

Microsoft kündigt mit Project Natal eine komplett neue Art des Spielens an. Wenn sie so gut funktioniert wie in der Demo, hat die Konkurrenz ein Problem.

Bewegungen und Stimme werden zum Eingabegerät dank Project Natal für die Xbox 360
Bewegungen und Stimme werden zum Eingabegerät dank Project Natal für die Xbox 360
Microsoft versprach grosses für das

E3 Media Briefing 2009 – und hielt Wort. Zu den Highlights der Präsentation gehörte zweifelsohne Project Natal, die direkte Antwort auf Nintendos bewegungssensitives System der Wii. Natal (übrigens “nuh-tall“ ausgesprochen) benötigt keinen Controller, sondern einzig und alleine den Körper und die Stimme des Spielers, um Kommandos auf dem Bildschirm umzusetzen. Praktisches Beispiel: Anstatt mit dem Controller durch das Xbox Dashboard zu Surfen, genügt mit Project Natal ein Wink mit der Hand oder ein Stimmkommando.
Möglich wird dies dank einer ausgeklügelten Sensor-Kombination, die aus folgenden Einzelteilen besteht: 1) Eine RGB-Kamera für Bewegungen, 2) einem Tiefensensor, der den Bildern der Kamera eine dritten Dimesion, sprich Tiefe, verleiht und 3) einem Multiarray Mikrofon, dass selbst Schwankungen in der Stimmlage erkennt. Zusätzlich bearbeitet ein Prozessor die aufgenommenen Signale, der vermutlich einzeln programmiert werden kann. Klingt alles etwas theoretisch? Dann schaut euch dieses Video an.

Spannend, oder? Besonders interessant finde ich Anwendungen wie der Kleidertausch, den die beiden Damen zeigen. Die Bedienung sieht aus die Bewegungen von Tom Cruise, wenn er in Steven Spielbergs Film Minority Report das PreCrime Computersystem benutzt sieben Jahre nach dem Film bringt Microsoft mit Project Natal offenbar ein Produkt auf den Markt, dass jede gewöhnliche Xbox 360 in ein futuristisches Technikum verwandelt. Schon rein damit könnte man sich unglaublich viele Anwendungen, Spiele oder neue Arten der Kommunikation ausdenken.

Mit der Erkennung von Bewegungen ist Natal aber noch lange nicht am Ende. Das System soll laut Microsofts Pressemitteilung unabhängig von den Lichtverhältnissen funktionieren und damit besonders Abends auch das Spielen in schummerigen Lichtverhältnissen ermöglichen. Natal erkennt auch Gesichter wieder, begrüsst einen also beim Einschalten der Xbox 360 mit einem freundlichen „Hallo!“; ungefähr so, wie am Anfang des Videos den Jungen.

Durch die Stimmerkennung könnte in Zukunft das Gucken von Filmen zum reinsten Couch-Vergnügen werden, da nicht einmal mehr eine Fernbedienung benötigt wird. Einfach vor die Box treten, die sich dank dem Sensor einschaltet. Dann mit ein paar Handbewegungen zum gewünschten Film scrollen, per Stimmkommando starten – fertig!

Microsoft schafft den Spagat
Project Natal klingt nach einem echten Wunderkind. Natürlich hängt der Erfolg eines solchen Projekts davon ab, wie gut und genau es tatsächlich funktioniert. Das Video sowie die Live-Demo von Natal an der E3 stimmen jedoch zuversichtlich. Mit Natal schafft Microsoft nicht nur einen weiteren bewegungssensitiven Controller, um auch ein Stück vom Casual-Kuchen abzugreifen, den Nintendo sich grösstenteils einverleibt hat. Project Natal geht gleich einen Schritt weiter und schafft eine futuristisch anmutende Möglichkeit, Multimedia-Inhalte, Spiele und Anwendungen zu kontrollieren. Besonders wichtig finde ich, dass Microsoft gleichzeitig konsequent auf weitere Vernetzung setzt: Die Integration von Last.fm, Facebook oder Twitter zeigt, dass MS mit der Xbox 360 durchaus auch den Anspruch hat, mehr als eine Konsole abzuliefern. Ein Multimedia- und Unterhaltungssystem soll es werden, dass Filme, Spiele und Kommunikation gleichermassen vereint. Genau da liegt das Problem von Nintendo: Mit der Wiimote hat man die Massen erobert, aber sobald diese mehr wollen, als nur einfach gestrickte Familienspiele, sind dem System schnell enge Grenzen gesetzt. Bei Microsoft das Gegenteil: Natal erweitern den Horizont zusätzlich zu den bestehenden Möglichkeiten grosszügig in jede Richtung. 2 Thumbs up!