Jun 072009
 

Elektrifzierend leitet inFamous den Reigen an PS3-exklusiven Spielen ein, die der Sony-Konsole den Arsch retten sollen. Wenn es in diesem Tempo und dieser Qualität weitergeht, dann dürfte es problemlos gelingen.

Superheld Cole, Herrscher über Strom und Eletrizität in inFamous.
Superheld Cole, Herrscher über Strom und Eletrizität in inFamous.
[amazon B00275FSEO]inFamous[/amazon] ist ein Spiel aus der Superhelden-Kategorie. Ausnahmsweise aber endlich mal eines, dass nicht auf farbig und Comic-Umsetzung macht, sondern sein eigenes, düsteres Setting mitbringt – inklusive einem Helden, der wortwörtlich unter Strom steht. Versprochen wurde im Vorfeld so einiges: Eine offene und frei begehbare Welt, ein umfangreiches Moralsystem mit entsprechend reagierender Umwelt, jede Menge an elektrifizierenden Superkräften und Zwischensequenzen, mit deren Look man ganze Artbooks füllen könnte.

Unser Fazit: Sucker Punch hält mehrheitlich, was sie versprechen. inFamous liefert eine spannende Story, eine coole Open World mit einem Schlag Endzeit-Feeling und vor allem viel, viel Superhelden-Atmosphäre. Letzteres ist einer der überzeugendsten Aspekte von inFamous. Es macht einfach unglaublich viel Spass, seine stetig stärker werdenden Heldenkräfte einzusetzen, zu kombinieren und in einer Stadt, in der es kaum mehr glaubhafte Autoritäten gibt, so richtig auf den Putz zu hauen. Die Umwelt reagiert dabei direkt auf die Handlungen des Spielers: Ob man als Wohltäter oder Anarchist auftritt, kann jeder selbst entscheiden. Leider leistet sich inFamous auch einige Patzer, die dem Spiel eine 9er Wertung verwehren. Die Nebenmissionen sind ziemlich farblos, die Entwickler in Sachen Variantenreichtum (Gegner, Aufgaben) oft etwas eindimensional und die Story zu Beginn schwer greifbar. Hinzu kommen optisch Makel, die nicht tragisch, aber manchmal etwas unschön sind. Das alles täuscht aber nicht darüber hinweg, dass inFamous in Sachen Atmosphäre locker eine 9-10 erreicht – um es mal salopp in Punkten auszudrücken.

8/10

inFamous (PS3)
Entwickler: Sucher Punch
Publisher: Sony

„infamous“: berüchtigt, verrufen, ehrlos, gemein. Attribute, die auf unseren inFamous-Superhelden Cole zutreffen könne, aber nicht müssen. Ganz sicher aber passen sie auf die Situation in Empire City. Die fiktive Stadt wurde von einer gewaltigen Explosion erschüttert, der anarchistische Zustände und Seuchen folgen. Um deren Ausbreitung zu verhindern, erklärt die Regierung Empire City zur Quarantäne. Schlimm genug, doch für unseren Hauptcharakter Cole McGrath entwickelt sich der angeblich terroristische Akt zum persönlichen Albtraum: Als Mitarbeiter eines Lieferdienstes war er es, der die Bombe transportiert hat – trotzdem hat er überlebt und wird jetzt als Verdächtiger gejagt. Den mysteriösen Umständen der Explosion ist auch zu verdanken, dass Cole plötzlich mit Elektrizität per „Du“ ist und sie einsetzen kann, wie er möchte. Das ist auch bitter nötig, denn knapp zwei Wochen nach der Explosion herrschen in Empire City der Ausnahmezustand…

[fotostrecke name=“Bildgewaltig: Cole’s Blitzgewitter“ pics=“6 7 8 10″]

Willkommen in Empire City
Empire City ist in vielen Belangen vergleichbar mit Liberty City aus GTA IV. Zwar liegt den Städten ein anderes Setting zu Grunde, aber beide versuchen, eine lebendig wirkende Stadt zu kreieren. inFamous‘ Empire City kann dabei mit dem Werk von Rockstar durchaus mithalten. Unzählige Details erfreuen das Auge des Beobachters: Menschen fliehen vor Schiessereien, andere versuchen, dem Wahnsinn auf den Strassen durch das Einhalten ihrer scheinbar rituellen Fahrwege zu entkommen, wieder andere schauen verzweifelt TV auf der Suche nach guten Nachrichten oder schöneren Welten. Empire City wirkt sehr authentisch und lebendig – und das macht einen erheblichen Teil des Charmes von inFamous aus. Wirklich faszinierend aber ist die Fähigkeit von Cole, dieses Zusammenleben, ja die komplette Stadt zu verändern. Die Entscheidungen des Spielers zwischen Gut und Böse, zwischen Chaos und Ordnung sind es, welche Leute und Stadt in die entsprechende Richtung lenken. Wer sich der dunklen Seite anschliesst, produziert eine farblose, schmutzige und anarchistische Enklave – wer Gutes tut, fördert die Sauberkeit und hört immer öfter positive Nachrichten.

Gegenstände, Menschen, Autos: Wo Cole hinlangt, bleibt kein Stein auf dem anderen.
Gegenstände, Menschen, Autos: Wo Cole hinlangt, bleibt kein Stein auf dem anderen.

Strom unter dem Hintern
Coles Macht beruht auf der Elektrizität. Diese kann er überall dort entziehen, wo sie im Alltag vorhanden ist: Steckdosen, Leitungen, Strassenlampen, etc. Entsprechend machtlos ist er, wenn in einem Viertel gar kein Strom vorhanden ist. Sind seine Fähigkeiten zu Beginn des Spiels noch beschränkt, kann er sie schnell ausbauen zu einem einfallsreichen Repetoire an Stromattacken: Blitze schleudern, Gegner einfangen, alles in der Umgebung wegdonnern oder Autos auf seine Feinde schmeissen. Seine Kräfte prädestinieren Cole dazu, sich in die Geplänkel zwischen Polizei, Bevölkerung und Gangs einzuschleusen. Mit der Zeit stellt man dann auch fest, dass die Explosion und die folgenden Seuchen noch weitere ungewöhnliche Phänomene hinterlassen haben – und die sind zum Teil ziemlich gross und ungehalten.

inFamous sieht trotz optische Makel manchmal fantastisch aus.
inFamous sieht trotz optische Makel manchmal fantastisch aus.

Gameplay pur
An der Story wird man ungefähr 20 Stunden zu Knabbern haben. Sie kommt leider erst etwas spät in Fahrt, dafür ist sie richtig spannend und wird dank Zwischensequenzen im Comic-Look sowie Tonbändern mit Erzähungen (Bioshock lässt grüssen) auf verschiedenen Ebenen geführt. Die Missionen sind zum Teil sehr abwechslungsreich, gewisse Elemente aber auch repetitiv und eintönig. Dsa gilt besonders für die Nebenaufträge, mit denen man zwar die Spieldauer erheblich verlängern kann, aber eben: Es wird schnell langweilig.
Was kaum je langweilig wird, ist das tatsächlich Gameplay. Nebst den auch optisch oft beeindruckenden Blitz- und Heldeneffekten sind es vor allem die Jump’n’Run-Fähigkeiten von Cole, die einen auch ohne jede Missionsgrundlage gerne durch Empire City tanzen lassen. Es gibt nichts Besseres, als nach einem Sprint mit einem gewaltigen Sprung auf einer Stromleitung zu landen, diese hinunter zu gleiten, an der Fassade des nächsten Hauses wie eine Spinne hochzuklettern und dann vom dortigen Dach aus ein paar Autos zu rösten – pure Macht. Macht Spass :)

Gut oder Böse? Es ist deine Entscheidung...
Gut oder Böse? Es ist deine Entscheidung...

Was wir mochten:

Leben! Ich habe parallel zu inFamous auch etwas FUEL gespielt. Die beiden Games haben ausser der offenen Welt nicht viel gemeinsam, aber genau da zeigt sich der Unterschied: Bei FUEL kommt man sich oft völlig alleine und verloren vor, bei inFamous hingegen taucht man ein – in eine „echte“, lebendige Stadt, die zudem noch auf die eigenen Handlungen reagiert. Genial. Auch wenn das mit Einbeziehen von moralischen Entscheidungen des Spielers nicht gerade neu ist (siehe Fable 2), so wurde es doch tadellos umgesetzt und gehört zu den motivierendsten Elementen des Games.

Ich bin ein Superheld. Mit inFamous hatte ich das erste Mal überhaupt das Gefühl, über Superhelden-Kräfte, ja sogar Macht zu verfügen. Der Grund ist vermutlich die gelungene Kombination von akrobatischer Leistungen (Sprünge, Slides, Klettern) zusammen mit den immer stärker werdenden und optisch beeindruckenden Blitzeffekten. Mit einem Knopfdruck Autos umher schleudern, auf Wolkenkratzer klettern und die dümmliche Bevölkerung mit zuckenden Blitzen erschrecken? Unbezahlbar!

Mission possible. inFamous ist kein einfaches, aber sehr faires Spiel. Es gbt mehrere Schwierigkeitsgrade und die automatischen Speicherpunkte wurden fair gesetzt, so dass man mit der entsprechenden Ausdauer problemlos das Ende der spannenden Stor erleben wird. Das ist mein subjektives Empfinden, aber genau so muss ein Game für mich sein: Fordernd, aber immer fair und vor allem so aufgebaut, dass man auch das Ende gut erreicht. Ich kann Spiele nicht ab, die einen scheinbar daran hindern wollen, ans Ende zu gelangen, um das Spielerlebnis in die Länge zu ziehen.

Tolles Missionsdesign. Die Aufträge mögen zwar zum Teil über eintönige Elemente verfügen, sind aber eigentlich immer sehr einfallsreich von den Aufgaben her. Mal erledigt man Arbeiten für die Polizei, prügelt sich mit Bandenmitgliedern, spielt Model für einen Fotografen oder verfolgt einen Spion in einer rasanten Jagd über die Dächer.

Klettern und gleichzeitig ein paar Dinge explodieren lassen - wer mag das nicht?
Klettern und gleichzeitig ein paar Dinge explodieren lassen - wer mag das nicht?

Nicht gefallen hat uns:

Plumper geht es kaum. Der Einstieg in inFamous ist leider alles andere als attraktiv und für ein Produkt dieser Grösse einfach nicht passend. Zudem kommt danach die Story auch nur schwer in Gang. Schade.

Niemand spielt gerne Wiederholungen. Schon mehrfach erwähnt: Die Nebenmissionen sind nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Leider betrifft das auch die Nebencharaktere, was eigentlich schade ist. Sucker Punch hätte mit wenig Mehraufwand diesen Personen mehr Tiefe verleihen können, von den repetitiven Sidequests gar nicht zu sprechen. Immerhin entschädigt der Open World-Charakter des Spiels dafür: Es macht schon Spass, nur durch die Stadt zu rennen und rumzuklettern.

No Multiplayer. Nicht jedes Game braucht einen Mehrspielermodus. Aber bei inFamous wäre er vielleicht ganz nett geworden, bei GTA IV hat es schliesslich auch funktioniert.

Grafische Unsicherheiten. inFamous sieht gut aus, aber nicht blendend. Einzelne Popups und Grafikfehler trüben zudem das Gesamterlebnis. Für einen exklusiven Titel mit grossen Amibitionen hätte man hier einen Tick mehr erwartet.

[box]Simons Meinung: Dass ich ein Sucker für Open World-Spiele bin, dürften die regelmässigen Leser dieses Blogs mittlerweile wissen. Deshalb hat mich inFamous auch von Beginn weg fasziniert. Dazu kommen die abwechslungsreichen Superhelden-Skills, die einen regelmässig vor ein Dilemma stellen: Bin ich der Chaot, der aus purer Neugier ein paar Zivilisten mit Blitzen malträtiert, oder helfe ich den Polizisten gegen den Angriff der Gang-Mitglieder? Die grafischen Unpässlichkeiten wären mir persönlich eigentlich egal, die repetitiven Nebenmissionen und gewisse Fehler im Gamedesign nerven dann aber trotzdem. Dennoch würde ich das Spiel jedem PS3-Besitzer ans Herz legen, der es gerne so richtig krachen lässt.[/box]

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